Android 3.0 (Codename Honeycomb) wird momentan von Google als Flagschiff-Betriebssystem für den Tablet PC-Markt propagiert. Smartphones müssen dagegen mit Android 2.x (z. B. Gingerbread) Vorlieb nehmen. Tablet PCs mit Android 2.3 (Gingerbread), die günstig zu haben sind, wirken dadurch altbacken und “zusammengebastelt” – wer etwas auf sich hält, hat ein Honeycomb-Tablet (welches aber ins Geld geht). Nun taucht der Verdacht auf, dass Honeycomb nichts anderes als Android 2.3 mit aufgesetzter Honeycomb-Shell ist. Ein gigantischer Marketing-Trick von Google, um zusammen mit ein paar Hardware-Herstellern den Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen?
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Eigentlich hört es sich ja recht gut an: Honeycomb bzw. Android 3.0 ist das Betriebssystem, welches extra für die Anforderungen der Tablet PCs entwickelt wurde. Android 2.2 (Froyo) und nun 2.3.x (Gingerbread) bleibt, wegen der geringeren Hardware-Anforderungen, SmartPhones vorbehalten. Das neue Betriebssystem ist daher Flagschiff für Tablet PCs, und dieser Tage kommen die ersten Honeycomb-Geräte als hochpreisige Gadgets auf den Markt. Um Innovationsstärke zu demonstrieren (Updates für Android-Geräte sind üblicherweise ein Trauerspiel), hat Google im Mai 2011 auf der I/O-Konferenz ein Facelifting auf die Version 3.1 vorgestellt. Dieses wird (in der Presse groß bejubelt) bereits auf das Motorola Xoom und alle neuen Android 3.x-Tablet PCs ausgerollt.
Googles Winkelzüge …
Was mich ärgert bzw. nachdenklich macht: Google hält den Quellcode von Honeycomb (aka Android 3.0 und jetzt 3.1) unter Verschluss. Nur ausgesuchte Partner bekommen Zugriff auf Android 3.x. Später sollen “alle” Zugriff erhalten. Meines Wissens nach argumentiert Google, dass durch diese Maßnahme das “Portieren” von Honyecomb auf SmartPhones verhindert werden solle. “Denn Android 3.x brauche ziemliche Ressourcen und man wolle in Zukunft Gingerbread (Android 2.3) mit Honeycomb (Android 3.0) wieder zu einer neuen Version für Tablet PCs und SmartPhones zusammenführen” (Codename Ice Cream Sandwich, siehe hier).
Klingt auf den ersten Blick einleuchtend – hinterließ bei mir aber einige Zweifel. Google gewährt nur Android-Versionen, die von lizenzierten Partnern stammen, Zugang zum Android Market, hätte also gute Möglichkeiten, experimentelle Android-Varianten von Bastlern außen vor zu halten. Und dass Bastler den Markt mit Android Gadgets überschwemmen, und so die “Android experience” der Benutzer negativ beeinflussen, halte ich für ziemlich weit hergeholt.
Der “dicke Daumen” auf dem Android Quellcode hat in meinen Augen einen anderen Grund: Nix preisgeben, die Kanäle kontrollieren und “jede Menge Baustelle” mit Bugs. Denn meine Experimente mit Android 3.0/3.1 im Android SDK sowie mit Android 2.2 in einer x86-Portierung auf einem Netbook zeigten, dass da bezüglich Stabilität noch einiges im Argen liegt. In den diversen Honeycomb-Tests, die im Internet veröffentlicht werden, lese ich zwischen den Zeilen häufig ähnliches. Offenbar benötigt Google mehr Zeit, um die Baustelle “Android” aufzuräumen und einige Macken zu entfernen.
Android-Fans haben also Zeit, über die neue “vereinigte” Android-Version für SmartPhones und Tablet PCs, die Ende 2011 erwartet wird, zu spekulieren und sich drauf zu freuen. Einige Enthusiasten sind bereits damit beschäftigt, die im Android SDK enthaltene Binärversion von Android 3.0 (und jetzt 3.1) an ARM-getriebene Tablet PCs anzupassen. Im Grunde wird das ROM aus dem SDK genommen, dann werden ggf. einige Treiber ausgetauscht und dieses Custom-ROM auf gerooteten Geräten wie dem Dell Streak 7, dem Nook Color etc. installiert.
Sind Android 2.3 und 3.x nicht längst vereinigt?
Was wäre aber, wenn diese “Vereinigung” von Android 2.3 und 3.0 längst passiert ist, und Google hat’s verschwiegen? Ist zwar schon ein paar Jährchen her, dass ich Softwareentwicklung betrieben habe. Aber soviel ist hängen geblieben: Man versucht möglichst Konzepte evolutionär weiter zu entwickeln. Ergo spricht vieles dafür, dass auch bei Honeycomb die Technik von Android 2.x unter der Haube werkelt. Gleicher Linux-Kernel und Dalvik Engine dürfte sowieso sein. Dann kommen noch Treiber (sind gerätespezifisch), sowie eine UI (Android-Versions-spezifisch) und ein paar Framworks hinzu. Leider habe ich bei einigen Recherchen der letzten Wochen keine klaren Hinweise gefunden, was bei Android in der Dalvik Engine und was nativ abläuft. Lediglich hier gibt es eine kleine Gegenüberstellung der “Unterschiede” zwischen Gingerbread (Android 2.3.x) und Honeycomb (Android 3.0 bzw. 3.1). Fazit: Android 2.3 kann Smartphones und Tablets, Honeycomb ist die optimierte Version “nur für Tablets”.
Aber nun lüftet sich der Schleier teilweise. Pocketables.net berichtet (zwischenzeitlich haben weitere Seiten nachgezogen) über den Modder Graffix0214. Dieser hat entdeckt, wie er sein gemoddetes Honeycomb-Tablet PC (Dell Streak 7 mit inofiziellem Honeycomb) mit ein paar Handgriffen zur GUI von Gingerbread umschalten kann. Hierzu muss er lediglich die Bildschirmauflösung eines gerooteten Honeycomb-Systems von 160 ppi auf einen höheren Wert (z. B. 170 ppi) setzen. Bootet man ein solches System neu, meldet sich das Gerät mit dem Gingerbread Lock Screen. Setzt man die Auflösung wieder auf 160 ppi herunter, erscheint nach dem Reboot wieder die Honeycomb-Benutzeroberfläche.
Fazit: Kann zwar noch sein, dass es bei anderen OEM-Varianten von Honeycomb anders ist. Aber: Wie es ausschaut werkeln bei der SDK-Variante von Honeycomb die (Linux-Kernel) Kernkomponenten von Android 2.3. Und auch das User Interface (UI) von Gingerbread ist mit an Bord. Abhängig von der Auflösung verwendet Google dann das Gingerbread- oder das Honeycomb-UI. Damit fällt die obige Google-Argumentation, dass Honeycomb nicht für SmartPhones vorgesehen sei, aber ziemlich zusammen. Technisch gesehen, mag es vielleicht Gründe für Googles Entscheidung geben, den Honeycomb Quellcode als “closed shop” zu behandeln. Aus Anwendersicht lässt sich aber der Eindruck gewinnen, dass Gingerbread durchaus “Tablet PC-ready” ist – und Honeycomb wohl auch einen Versuch darstellt, einigen Google-Partnern zeitliche Vorteile beim Start in den Tablet PC-Markt zu verschaffen (aber über diesen Aspekt werde ich die Tage einen separaten Artikel schreiben). Noch ist Android “ziemlich Baustelle” und erst in 2012 dürfte es wirklich interessant werden, wenn Intel vielleicht den Atom-Port vorlegt und die Android-Varianten 2.x und 3.x zum Ice Cream Sandwich vereint sind.
Hier findet sich das Video “Streak 7 running honeycomb hidden gingerbread” von Graffix0214, welches die Umschaltung demonstriert.
Quelle: pocketables.net und Graffix0214
Links:
1: Changing LCD density in Honeycomb reveals hidden Gingerbread UI
2: Youtube-Kanal von Graffix0214
3: Android: Update-Garantie für 18 Monate geplant
4: Android Ice Cream Sandwich angekündigt
5: Difference Between Android 2.3 and Android 3.0 for Tablet
Schlagworte: Honeycomb, mit Gingerbread UI



















