Android ist im Smartphone-Bereich zwischenzeitlich auf dem Vormarsch und heuer kommen auch die ersten Android 3 Tablet PCs in die Ladenregale. Allerdings in Preissegmenten, wo man nicht eben mal ein neues Tablet in den Einkaufswagen schiebt. Daher ergibt sich schnell die Frage: Können wir bald mit günstigen Honeycomb-Tablet PCs aus China rechnen?
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Da ab 31. Mai ja die Computex 2011 in Taipeh stattfindet, müsste sich was tun. Mir liegt zwar eine Einladung von Acer vor, aber ich werde mir den Aufwand der “weiten Reise” wohl sparen – was mich aber nicht von einer kleinen Recherche abhält (zumal ich bei einem Kontakt mit Pearl mitbekommen habe, dass da was für Sommer “geplant sei”).
Also habe mich mich mal bei den einschlägigen Herstellern in Shenzhen und Hongkong sowie in Online-Shops umgesehen (z. B. [1, 2, 3, 4]). Dort sollte es doch wenigstens Ankündigungen für solche Tablet PCs geben. War aber Fehlanzeige, wie man schnell erkennen kann. Oft sind Android 2.1 oder Android 2.2 auf den Gadgets installiert. Und wie man micdigi.com [5] entnehmen kann, läuten die ersten lokalen Hersteller in Shenzhen bei ihren Tablet PCs gerade erst den Umstieg auf Android 2.3 ein.
Warum fehlen Android 3.x-Gadgets?
Das führt zu der Frage, was ist da los? Müssen die Hersteller “zum Jagen getragen werden”, oder wird eine Entwicklung verpennt? Nach meiner Einschätzung nicht, denn hier kommen leider zwei Dinge zum Tragen, die den Erfolg von Android 3 auf breitem Feld momentan massiv behindern.
- Android 3-Lizenzpolitik: Google hält momentan den Daumen auf dem Quellcode von Android 3.x und gewährt nur ausgesuchten Kunden den Zugriff. Dritthersteller, die zwar ein Referenzdesign für ein entsprechendes Tablet PC-System fertig haben, schauen in die Röhre, solange Google keine Lizenz erteilt. Und “böse Zungen” in Shenzen oraceln, dass Google da die Hersteller zappeln lässt. Einmal, um einige Firmen für das schnelle Anbieten von Android 2.x-Clones ohne Google-Lizenz abzustrafen. Und zum Anderen, um den offiziellen Partnern einen Verkaufsvorsprung bei deren Geräten zu gewähren (Angebot bestimmt Preis). An beidem könnte etwas dran sein.
- Hardware: Ein großes Problem, was LowCost-Android 3.x-Gadgets im Wege steht, ist die Hardware. Die Verwendung der Dalvik-Engine, in der JAVA-Bytecode interpretiert wird, sorgt nicht gerade für eine flotte Abarbeitung des Codes von Android Apps. Ein Cortex A9 DualCore Prozessor (ARM-Design wie nVidia Tegra 2), sowie bessere RAM-Ausstattung und hohe Bildschirmauflösung (1280 x 720) als Minimalanforderung stehen conträr zu “günstige Geräte”. Gizchina.com bringt es auf den Punkt [6]: Während ein guter Single Core ARM-Chip für unter 20$ zu bekommen ist, kostet ein nVidia Tegra 2-Chip zwischen 30 und 40$ – oft zu viel, um in Konkurrenz zum Apple iPad 2 zu gehen.
Dan Morrill vom Android-Entwicklerteam hat zwar in einem Statement klar gestellt, dass Honeycomb keine “Mindesthardwareanforderungen” hat und auch auf Maschinen, die für Android 2.2 (Froyo) geeignet sind, laufen soll. Aber ob die Benutzer-Experience da “mitzieht”, steht auf einem anderen Blatt. Ich habe eine Ankündigung für ein 7 Zoll QPAD-Tablet PC gefunden [8, 9], der für 179 US$ mit Android 2.2 ausgeliefert wird, aber mit einem resistiven TouchScreen daherkommt. Wegen der A9-CPU soll das Gerät auf Honeycomb und Nachfolger aufgerüstet werden können soll. Ob das klappt? Steht imho in den Sternen. Und bei der gegenwärten Android-Update-Politik würde ich als Benutzer einen großen Bogen um Android 2.x-Geräte machen, wenn ich auf Android 3.x schiele. Bzgl. des resitiven TouchScreens bin ich auch skeptisch – bei einem Pearl X2-Android Tablet habe ich wegen dieses Displays auf eine Teststellung verzichtet.
Von daher weiß ich ja nicht, ob Google sich einen großen Gefallen getan hat, den Quellcode für Honeycomb unter Verschluss zu halten. Bastler und Frickler sowie kleine Hersteller, die da frühzeitig Hand anlegen könnten, bleiben außen vor. Wertet man die Stimmen aus dem Umfeld einiger Tablet PC-Hersteller aus Shenzhen aus, ist das momentane Interesse an der Fertigung von Geräten, die Android 3.x fahren können, gering. So wie es ausschaut, beginnen die Entwickler erst damit, sich mit dem Android 3.0 SDK vertraut zu machen und gehen die ganze Geschichte “ruhig” an.
Wer ein Android 3-Tablet will, muss also zu Acer Iconia A500, Motorola Xoom, ASUS Eee Pad Transformer etc. und damit tief in die Tasche greifen. Dort gibt es aber auch Kritik an den Geräten [10]. Alles keine wirklich begeisternde Situation – erinnert mich an “Beamten-Mikado” zwischen Google und den Premium-Partnern – wer sich in der Runde zuerst bewegt, hat verloren. Auf der Strecke bleibt der Kunde.
Und so werde ich auch die kommenden Wochen und Monate interessiert verfolgen, was sich da wohl tut – und hier berichten. Ganz leise hege ich die Hoffnung, dass Intel irgendwann mit dem Atom-Port kommt und der Quellcode freigegeben wird. Dann steht neben der ARM- auch die x86-Plattform für Android 3.x offen – Konkurrenz belebt das Geschäft – auch bei den Preisen für Chipsätze.
Links:
1: Shenzhen Shira Electronic Factory
2: Alibaba.com
3: Whole Sale Tablet PC
4: Global Sources
5: Made in China
6: No Cheap Chinese Honeycomb Tablets?
7: ShenZhen Tablet PC Factory Not Care Whether Google Android 3.0 Open Source
8: QPAD – Can upgrade Android 3.0 Tablet PC NVIDIA Tegra 2 A9
9: RAMOS W10
10: Android 3 Tablet PC-Vergleich
Schlagworte: Android 3.x, Low Cost, Tablet PC




















[...] Partner Zugriff auf den Quellcode von Honeycomb. Was das bedeutet, habe ich im Artikel Wird’s bald günstige China Android 3-Tablets geben? angesprochen. Zu deutsch: Der Kunde ist in der Hinsicht gekniffen – und im Artikel Warum [...]
[...] PCs sind momentan nicht unter 399 Euro zu haben. Im Beitrag Wird’s bald günstige China Android 3-Tablets geben? hatte ich im Mai 2011 noch darauf hingewiesen, dass die Mehrzahl der Entwickler in Shenzhen kein [...]