In den vergangenen Monaten konnte man ja in Presse und Onlinemedien viel über richtungsweisende Entwicklungen im Smartphone und Mobilgerätebereich lesen. “Apple iOS ist hipp, Android genial, und Microsoft bereits Konkurs (hat nur noch niemand mitbekommen)”, so das spitz formulierte Fazit. Eigentlich wollte ich schon seit Wochen einige Gedanken rund um das Thema zusammenstellen. Durch die Computex 2011 und die Preview von Windows 8 haben mich die Ereignisse etwas überrollt – aber meine nachfolgenden Grundsatzüberlegungen keinesfalls obsolet gemacht.
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Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Handy-Geraffel ist ja nicht so mein Ding. Die Konzepte rund um iOS, Android und ggf. Windows Phone finde ich spannend bzw. interessant. Aber wenn ich als “Senior” die Minitasten oder Smartphone-Oberfäche nicht mehr ohne Brille bedienen kann, nimmt der “muss-ich-haben”-Reflex deutlich ab.
Aber bei Tablet PCs, Netbooks und ähnlichen Mobilgeräten fängt mein Interesse an. Und so habe ich in den letzten Monaten mit einem Eigenbau Android Netbook (Eee PC 701), einem iPad und diversen Emulatoren experimentiert, sowie auch mal einen Gelegenheitsbesuch zu Elektronikmärkten gemacht – einfach, um mir ein paar Geräte anzusehen. Manche Blogger drehen dann schnell eine “hands-on”-Video und stellen es, neben Unboxing-Reports online. So was interessiert mich nicht sonderlich, mein Ziel war es, ein Gefühl für die Möglichkeiten und Schwächen von iOS und Android zu bekommen und eventuell eine Meinung zu entwickeln, was Windows und Tablets/Slates betrifft.
Strategischer Vorteil iOS oder Android?
Vor einiger Zeit habe ich das Statement eines Kollegen aus der schreibenden Zunft gelesen, dass Apple mit iOS ein genialer Schachzug gelungen sei: Ein Betriebssystem für iPhone, iPod und iPad und eventuell nun noch unbekannte Geräte. Und bei Android wird ja ähnliches kolportiert. Im ersten Augenblick habe ich die Argumentation schlüssig gefunden, aber dann kamen Zweifel und nach einem halben Jahr iOS-Nutzung weiß ich, wie groß der Klotz mittlerweile am Bein von Apple ist. Bei Android ist es ähnlich.
Einfach mal aufdröseln und die Denke einschalten. iOS und auch Android wurden als Betriebssystem für Mobile-Geräte (Smartphones) konzipiert. Macht Sinn – und das App-Konzept ist genial. Aber mit einem Smartphone will ich telefonieren und es ist schön, wenn noch etwas anderes geht (wenn ich gerade nicht telefoniere). Das trägt auch noch beim iPod, wo ich bevorzugt Medien konsumiere.
Beim iPad hatte Apple aber das Problem, plötzlich eine neue Geräteklasse mit gänzlich neuen Funktionen mit iOS versorgen zu dürfen. Die Geschichte ist bekannt: Multitasking wurde nachgeschoben, Druckfunktionen über Tricks wie AirPrint-fähige Drucker ermöglicht etc. Alles, was eventuell kritisch werden könnte, wird durch Apple blockiert. Interessantes ist nur mit Jailbreaks möglich, weil die Konzeption von iOS keine wirklichen Sicherheitsmechanismen wie Rechteverwaltung etc. vorsieht. Das von Apple bei iOS implementierte Silo-Dateisystem, bei dem ich nur auf Dateien der eigenen App zugreifen darf und eventuell über Krücken einen Datenaustausch mit anderen Apps hinbekomme, ist zwar aus Sicherheitsaspekten ein cleverer Schachzug. Wirft mich als Benutzer aber mächtig auf’s Kreuz: Simple Sachen, die bei Windows-Netbooks kein Problem darstellen (eine Fotodatei von Kamera in einen lokalen Ordner und dann auf einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte kopieren), sind in iOS nicht vorgesehen.
Android kommt aus der gleichen Ecke und hat ähnliche Probleme. Sofern Windows auf zukünftigen Plattformen läuft, sieht die Welt ein wenig anders aus. Das gleiche Rechte- und Sicherheitskonzept, wie wir es heute aus Desktop-Systemen kennen, ist 1:1 auf den Mobile-Geräten vorhanden. Die Computex-Preview hat es gezeigt, Dateizugriffe laufen wie gewohnt. Multitasking, Drucken und was weiß ich? Kennen wir seit Windows XP – läuft einfach.
Erfahrung in der Betriebssystementwicklung
Es wird ja in der Presse gerne mit der “Erfahrung, die Apple in Tablet PC-Entwicklung habe” geworben. Und Google ist eh ein Gigant (allerdings nur im Suchmaschinenmarkt). Nur, wenn ich mir das Thema Betriebssystementwicklung und –erfahrung anschaue, sieht es anders aus. Google ist ein Newcommer – und die Stoppelei um Android, welches noch arg in den Kinderschuhen steckt, ist das beste Beispiel. Android 3 – für Tablets konzipiert, ist closed-shop ware und wird nur an handverlesene Partner im Quellcode weiter gegeben. Intel stoppelt gerade den x86-Atom-Port zusammen. Und die Bremsspuren, die Android 3.x momentan verursacht, sind ja deutlich zu sehen.
Apple hat mit Mac OS X zwar mehr Erfahrung, konnten sie doch auf einem BSD-Kern aufsetzen. Drum herum wurde dann ein “ready-to-use” Betriebssystem gestrickt, welches mir zwar gut gefällt. Aber wie sieht’s bei Apple im Unternehmensumfeld aus, wo eine zentrale Administration und Verwaltung vieler Clients mit Gruppenrichtlinien etc. gefordert ist? Bei Mac OS X ist mir da noch nix untergekommen (aber ich bin da nicht so der Spezialist). Bei iOS ist da nix – und bei Android auch nicht. Windows bringt so was seit Jahren von Hause aus mit.
Gerade habe ich in der Digitimes noch gelesen, dass die Android-Partner an Googles Fähigkeiten zweifeln, ein konkurrenzfähiges Betriebssystem in kurzer Zeit auf die Füße zu stellen, aber mangels einer Windows-Alternative keine Wahl haben. Gelingt es Microsoft. die ARM-Variante von Windows 8 halbwegs sauber auf die Füße zu stellen, dreht dies den Markt sofort auf den Kopf. Acer und Asus haben sogar die taiwanesische Regierung um Intervention gebeten, weil beide Firmen nicht am Microsoft Partner-Entwicklungsprogramm beteiligt waren.
Das Update-Schlamassel
Es ist ein Drama: Alle paar Tage schiebt Apple ein iOS-Update raus, weil man wieder eine Sicherheitslücke, ein Datenleck oder was weiß ich gestopft werden muss. Neue Funktionen werden auch peu a peu mit nachgeschoben. Also iPad an iTunes anschließen, einen fetten 200 something Megabyte Download anstoßen, warten und dann die komplette Firmware des iPad austauschen. Hoffen und Zittern, dass alles glatt geht und die Benutzerdaten danach noch vorhanden sind.
Bei Android: Hoffen, dass der Hersteller des Geräts irgendwann so gnädig ist, ein Update von Android 2.1 auf 2.1.1 oder 2.2 etc. anzubieten. Falls ja, ebenfalls CustomRom herunterladen und installieren. Googles Initiative auf der I/O-Entwicklerkonferenz, wenigstens 18 Monate eine Update-Garantie durchzusetzen und eventuell “on-the-fly”-Updates zu ermöglichen, spricht Bände.
Ehrlich gesagt, bei Windows hat mich das noch nie interessiert. Seit Windows XP verrichtet Windows Update seinen Dienst und ich greife höchstens mal ein, wenn ich der Meinung bin, dass ich ein Update nicht auf dem System haben will. Wenn jetzt die Gerüchte durch Blogs geistern, dass iOS 5 ein OverTheAir-Update haben könnte, stelle ich die Frage: “Hallo, geht’s noch”. Das ist seit über 10 Jahren Stand der Technik, wird aber jetzt bei Smartphones & Co. als Innovation gefeiert.
Das Sicherheitsdesaster
Zu dem Thema braucht eigentlich nicht viel gesagt zu werden. Sowohl iOS als auch Android haben bisher keine Mechanismen, um Schadsoftware zu identifizieren und zu blocken. Alle paar Wochen lese ich, dass Google mal wieder zig Apps mit Trojanern aus dem eigenen App-Shop rausgeworfen hat – Apple macht das Gleiche. Dass ich iOS-Apps routinemäßig auf meinen PC mit dem IPA-Scanner auf Code von Werbenetzwerken scanne, ist nur eine Randnotiz und interessiert den Normalnutzer nicht. Es gibt in den Rubriken “Android” und “iPad” dieses Blogs einige Artikel, die sich mit den daraus ergebenen Implikationen befassen.
Hatte ich erwähnt, dass Windows 8 davon profitiert, dass die Vorgängerversionen immer Ziel von Angriffen waren – und dass nun eine umfangreiche Sammlung an Sicherheitstools von Microsoft und Drittherstellern bereitsteht?
Aber die riesen Menge an Apps
Ach ja, da sind noch die App-Stores, die mit Millionen Apps gefüllt sein müssen, um Erfolg zu haben. Trifft bei iOS und Android zu. Aber zu diesem Thema fiel mir – lange vor der Windows 8 Preview – nur meine Erfahrung als Bauernsohn ein. Auf den dicksten Kuhfladen saßen die meisten Fliegen – und es gibt den Spruch “Millionen Fliegen können nicht irren”. Als Bauernsohn weiß ich aber auch, egal, was die Fliegen für eine Meinung haben, der Kuhfladen ist und bleibt Mist.
Etwas polemisch, aber gerade bei iOS habe ich mit zu Beginn den Spass gemacht, Apps für bestimmte Zwecke zu suchen und zu testen. Ergebnis bei allen Versuchen: 10 bis 20 Apps für eine bestimmte Problemstellung heruntergeladen, für manche habe ich als Blogger Promocodes zum Testen der kostenpflichtigen Varianten bekommen. Anschließend ernüchtert 21 von 20 heruntergeladenen Apps wieder entfernt, das sie nicht taugten, vom IPA-Scanner bemängelt wurden oder sogar gravierende Fehlfunktionen aufwiesen. Gut, ein paar Apps sind ganz brauchbar und Angry Bird macht auch in der Free-Version Spass (wenn auch diese Version fleißig Daten an den Hersteller übermittelt – nix ist mehr für lau). Und nun bin ich bei den drei Seiten App-Symbolen und App-Ordnern auf dem iOS-Desktop ständig am suchen, wo ich die App xyz eigentlich hingepackt habe. Ironie der Geschichte: Bei Windows Vista habe ich gelernt “Grund für die radikale Entrümpelung des Desktops war die Erkenntnis der Useability Labs, dass die Benutzer einfach die richtigen Symbole nie gefunden haben und ständig am Suchen waren”. Was Microsoft vor gut 5 Jahren als unbenutzbar rausgeworfen hat, wurde von Apple bei iOS wieder eingeführt. Und dass es zwischenzeitlich Apps gibt, um Apps im Apple-Store aufzustöbern, bestärkt meine Theorie von den Kuhfladen und den Fliegen.
Bei der ARM-Variante von Windows 8 wird man mit dem App-Shop dafür sorgen, dass Apps schnell verfügbar werden. Apps scheinen momentan auch hipp zu sein. Aber ich sehe einen riesigen App-Store nicht als “Must have” – Qualität geht vor Quantität. Von den vielen hundertausend iOS-Apps sind vielleicht 10% wirklich brauchbar. Und auf der x86-Plattform steht sofort das Reservoir der Windows-Anwendungen zur Verfügung. Für Microsoft dürfte es ein leichtes sein, eigene Anwendungen für ARM umzustricken. Word wurde auf der Preview ja schon gezeigt. Und .NET-Anwendungen mit managed Code sollten auch wenige Probleme bereiten. Da bleibt es abzuwarten, aber ich bin überzeugt: Wenn die erste ComputerBild DVD mit “Apps für Windows 8” kommt, ist Otto-Normal-User mehr als bedient und glücklich.
Blick über den Zaun gefällig?
Ich staune ja immer wieder, wie intensiv man sich “mit der eigenen Schüssel” beschäftigen und niemals über den Zaun blicken kann. Wenn ich um Weihnachten 2010 von Distributoren auf Anfrage nach iPads höre: “Nix da, die Deutsche Bundesbahn hat 1.500 Stück geordert”, komme ich schon ans Nachdenken. Ja, es gibt Anwendungsfälle, wo ich mir Tablets wie das iPad im Firmenumfeld irgendwie vorstellen kann.
Aber aus meiner langjährigen Industrietätigkeit weiß ich auch, dass Gadget mit iOS oder Android der Alptraum eines jeden IT-Sicherheitsverantwortlichen sind. Unkontrollierbar, was an Apps drauf installiert wird – offen, wie ein Scheunentor, wenn die Dinger verloren gehen. Nicht auszudenken, wenn mein Außendienstler Kundenlisten, Angebote, Preislisten und andere Firmeninterna auf seinem iPad gespeichert hat.
Verschlüsselung mit Bitlocker, geschützter Zugriff über Benutzerkonten, zentrale Verwaltung installierbarer Geräte und Software über Gruppenrichtlinien etc. – bei Windows Standard, bei iOS und Android nach meinem bisherigen Wissen einfach nicht vorhanden. Und das sollen die Business-Gadgets von morgen werden?
Ich kann mich auch nach an die Basta 2007 (Entwicklerkonferenz rund um .NET) erinnern, wo Microsoft mobile Geräte als der Trend der Zukunft herausstellte und skizzierte, wie man mit .NET Framework, Windows Presentation Foundatation (WPF), Windows Communication Foundation (WCF) und weiteren Technologien die Kommunikation und den Datenaustausch zwischen Geräten und Anwendungen unterstützten wollte. Scheinbar hat Microsoft die Technologien – bei Google Android oder iOS habe ich da noch nie was zu gehört (aber es mag an meiner persönlichen Bildungslücke liegen).
Der Markt ist für Microsoft verloren?
Auch dieser These sollte man einen Blick würdigen. Den Smartphone-Markt lasse ich außen vor. Aber es lohnt sich doch, einen Blick auf die Absatzzahlen von Tablet PCs für die kommenden Jahre zu werfen. Unbestreitbar hat Apple den Markt bereitet und schafft es immer wieder die Leute in den Bann zu schlagen – Hut ab. Aber das Massengeschäft wird in anderen Preissegmenten abgewickelt.
Und da ist eine Prognose von Display Search ganz interessant, die für 2011 einen Tablet PCs-Absatz von ca. 55,7 Millionen sehen (ich habe auf die Schnelle nur diese Quelle gefunden). Bis 2014 werden 172,4 Millionen Einheiten gesehen. Ich kenne auch andere Zahlen, die in der Digitimes zitiert wurden, wonach 2015 200 Millionen Tablets vertickt werden sollen. Abgesehen davon, dass Zukunftsprognosen darunter leiden, dass sie unsicher sind. Fakt ist, dass die Stückzahlen erst kommen werden, so sie denn überhaupt kommen. iOS wird einen Anteil haben, Android auch, ist aber noch stark fragmentiert. Und Microsoft hat 2012 alle Zeit der Welt, sich da ein gutes Stück vom Kuchen abzuschneiden, wenn es denn gelingt, eine halbwegs saubere ARM-Variante und eine x86-Tablet PC-Variante auf die Beine zu stellen.
Es kann zwar sein, dass alles anders kommt – und ich finde es spannend, wenn Konkurrenz im Geschäft zu neuen Inovationen führt. Aber ein Blick auf die Interna, gepaart mit ein paar Erfahrungen und den Vorstellungen, die ich an die Möglichkeiten eines Tablet PC habe, zeigt, dass da viel Luft für Mitspieler mit einem gescheiten Produkt ist. Klar, Microsoft muss “Milch geben” und zeigen, was die Entwickler können. Vielleicht habe ich ja auch Fundamentales übersehen – lasse ich mich da gerne darauf hinweisen. Nur bitte keine Kommentare der Art “Schei… Microsoft, die können nix und Apple/Google ist eh besser”. Die werden von mir vor Freischaltung gelöscht.



















[...] hier den Originalbeitrag weiterlesen: Warum Windows auf Tablets Zukunft haben kann « Borns IT- und … [...]
Das Pfund mit dem Windows immer wuchern konnte, war die (nahezu) durchgehende Kompatibilität mit den Vorgängerversionen Win95 Programme lassen sich (meist) auch unter Win7 nutzen. Dieses Pfund wird aber zumindest im Tablet-Bereich fehlen, denn es lassen sich (wenn ich es richtig sehe) auf “ARM”-Win8 x86-Apps nicht ohne weiteres nutzen (ob .NET unterstützt wird scheint noch nicht klar -> statt dessen HTML5+Java?!). Und selbst im “Best-Case”, d.h. “ARM”-Win8 = 100% kompatibel mit Win95-Win7-Apps, fehlen doch einfach passende auf Tablets angepasste Windows-Apps. Wer will schon ernsthaft mit z.B. Excel auf einem Tablet arbeiten? D.h. im Endeffekt startet Win8 (zumindest für Tablets) beim Erscheinen (wie Honeycomb jetzt) was Apps betrifft jetzt bei quasi “Null”. D.h. der bisherige Vorteil für MS entfällt. Wobei Win8 vermutlich für die wichtigsten Anwendungsfelder (Internet, Mails etc.) einige Apps onboard haben wird.
Ich bin (fast) sicher, dass Win8 ein sehr gutes OS für Tablets sein wird (die ersten Bilder und Videos sind vielversprechend!), aber aufgrund der doch großen Unterschiede zwischen Desktop-PC mit Maus und Tastertur und den fingergesteuerten Tablets darf man glaube ich auch keine eierlegende Wollmilchsau erwarten. Es sind letztlich 2 Welten die jeweils eigene Apps brauchen, hier 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen dürfte für MS schwierig werden…
@gfe: Danke für die Ansichten. Die Einschätzung bzgl. Apps sehe ich auch (allerdings nur bedingt) – und ich gestehe, deine Überlegungen gingen mir auch im Hinterkopf herum. Aber ich hatte noch ein paar andere Gedanken (die falsch sein mögen).
Zur Frage, ob x86-Mode-Anwendungen unter ARM laufen, habe ich hier spekuliert. Ob XAX da was reißen kann, ob eine Implementierung für ARM kommt, oder ob das nur heiße Luft ist – keine Ahnung. Der Vorteil einer ARM-Virtualisierung mit XAX wäre ja, dass nur der reine Anwendungscode emuliert wird – alle OS-API-Aufrufe stehen ja dem Mikro-Virtualisierer zur Verfügung und laufen nativ ab. Dieses Szenario hat man bei gängigen Virtualisierungslösungen nicht. Könnte also performancemäßig schon hinhauen. Daher sollte man XAX vielleicht auf dem Radar haben.
Zum Thema HTML5 + JavaScript versus .NET habe ich hier was geschrieben. Da gehe ich auch ziemlich am Ende im letzten Absatz mit Schmuckpunkt des Abschnitts “Trotzdem interessante Insights” auf das Thema alte versus neue Oberfläche ein – und erkläre, warum gerade dies ein riesiger Vorteil sein kann (ich spreche nicht von “ist” oder “sein muss”).
Das ist das herrliche an einem Blog. Man kann spekulieren – aber ich versuche immer auch etwas von dem einzuspeisen, was die letzten 30 Jahre im IT-Zirkus hier so an Erfahrungen angefallen ist. Mal schauen, was später zutrifft und was nicht.
Win8 gibt auch allen Anlass zur wilden Spekulation, denn es dürfte eher die größte Veränderung seit MS-DOS, als Windows 95 sein. Diesmal aber unter erschwerten Bedingungen für MS, denn damals liefen auf den neuen AT’s die alten MS-DOS Programme ohne Probleme und das auch noch meist schneller. Windows gab es dann zum ümgewöhnen obendrauf, der Rest ist Geschichte.
Bei den Tablets ist das Motto aber “Weniger ist mehr” und selbst wenn alles bisherige unter Win8-ARM liefe, so wären viele Win-Programme einfach viel zu “wuchtig” für die Tablets, die selbst im Idealfall “nur” ca. 10″ haben (man erinnere sich: selbst unter Windows 3.11 gab es 14″ Monitore). Und heute geht im Desktop-Bereich der Trend zu 16:9 mit 24″ und mehr und dann am besten noch im Doppelmonitor-Betrieb. Die Programme stopfen den Screen mit immer mehr Info’s zu, für Tablets also alles eher unbrauchbar.
Es bleibt also abzuwarten ob Win8 im Tablet Bereich wirklich Fuß fassen kann. Ich habe mir ein Honeycomb-Tablet zugelegt und kann zumindest aus reiner User Sicht nicht meckern. Alles läuft flüssig, die Bedienung ist nach kurzer Eingewöhnung tadellos. Da wird MS einiges dagegen halten müssen, zumal Honeycomb jetzt Zeit hat sich kunkurenzlos (von MS) zu “verbreiten”, vom iPad mal ganz abgesehen.
Es mutet aus Sicht des Windows-Users natürlich schon das ein oder andere seltsam an (“Update-Chaos”, keine Benutzerkonten etc. etc.), aber man muss auch sagen, das Apple das iPad vornehmlich wohl für den Privatanwender konzipiert hat, bei Honeycomb-Geräten dürfte es ähnlich sein. Für “professionelle” Belange gab und gibt es andere Pad’s, die dann preislich aber auch in anderen Regionen angesiedelt sind (z.B. aktuell das ASUS EP121 mit Win7). Wenn hier Unternehen wegen der attraktiven Akkulaufzeiten und Abmessungen ein Auge auf iPad & Co. werfen, so ist das eine ganz andere Sache.
Vielleicht liegt gerade hier die Chance für MS, mit Win8 auch den Unternehmen ein “vernünftiges” Tablet-OS anbieten zu können mit Abstrahlungswirkung dann auch auf den Consumer-Markt (wie damals bei MS-DOS und den “IBM-PC’s” ja auch schon, die dann über die Unternehmen ihren Weg ins Wohnzimmer fanden). Mal sehen ob MS hier seine Erfolgsgeschichte wiederholen kann, wie gesagt, ich halte die Rendbedingungen diesmal für schwieriger.
Zumal dem User das ganze auch mehr und mehr egal sein dürfte, denn der Trend geht doch dazu, dass mehr und mehr mit und über das Internet stattfindet (eben in der “Cloud”) und die Tablets sind ja auch ganz klar darauf ausgerichtet. Mit 32GB-Flashspeicher lassen sich kam umfangreiche Datensammlungen vorhalten, das muss aus dem Netz kommen.
D.h. ob mit iOS, Android oder Windows 8, meine Bankgeschäfte zB. erledige ich über den Browser und gut ist’s. Die Gefahr auf das “falsche” OS zu setzen nimmt also eher ab, was im Ergebnis dazu führen könnte das mehrere Tablet-OS durchaus nebeneinander existieren können. Man wählt sich “sein” OS nach persönlichen Vorlieben aus, ohne Gefahr zu laufen auf das falsche Pferd zu setzen.
Wäre aus Verbraucherischt auch durchaus zu begrüßen, denn Konkurenz belebt ja bekanntlich das Geschäft und das Microsoft hier mitmischen möchte kann ich durchaus nachvollziehen, denn Tablets können im Privatbereich den PC m.E. durchaus verdrengen. Einerseits mobil und überall nutzbar, andererseits mit externer Tastertur und Anschluss per HDMI an den heimischen (HDTV-)Flachbildfernseher angeschlossen, lassen sich auch längere Texte verfassen etc.