Android, Apple, Marktanteile und welches Gras raucht man in Cuppertino?

So ganz langsam komme ich wieder dazu, aktuelle IT-Nachrichten zu kommentieren. Dazu gehört neben einem Blick auf die Marktanteile von Android auch ein weiterer Ausflug in die Sphären der “Lizenz- und Patentstreitigkeiten” von Apple gegen den Rest der Welt.


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Android punktet, bei iOS geht’s nicht weiter …

Im Smartphone-Bereich scheint Android mächtig zuzulegen. Gerade bin ich auf diesen Techland-Artikel gestoßen. Demnach hält Android mittlerweile 40% des Smartphone-Markts (im Mai waren es noch 37%). Apple konnte sich mit iOS in diesem Zeitraum nur von 27% auf 28% steigern. Verlierer sind wohl RIM und andere OS-Anbieter im Smartphone-Markt.

Der Rechtsstreit Apple versus Samsung beeinflusst IFA

Hier hatte ich über den Rechtsstreit zwischen Apple und Samsung bezüglich des Galaxy Tab 10.1 berichtet. Apple hat wohl eine einstweilige Verfügung gegen Samsung auf Grund eines Geschmacksmusters durchgesetzt, die momentan alle Aktivitäten des koreanischen Herstellers beeinflusst. Eigentlich hatte Samsung vor, ein 7 Zoll Galaxy Tab auf der IFA zu präsentieren (dieses würde nicht gegen die einstweilige Verfügung verstoßen, da die iPads bekanntlich 10 Zoll Geräte sind). Wie mehrere Internetmedien (u. a. heise.de) berichteten, hat Samsung während der Messe das Galaxy Tab 7.7 und alle Hinweise darauf vom Stand entfernt. Es wird spekuliert, dass da Apples Anwälte im Hintergrund gewirbelt haben – und Samsung wollte wohl kein Risiko eingehen.

Mag sein, dass jetzt ein paar Apple-Fan-Boys jubeln. Mir geht momentan was anderes durch den Kopf: In Deutschland ist es recht einfach, ein Geschmacksmuster eintragen zu lassen und darauf aufbauend eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Dies gewährt zwar recht schnell vorläufigen Rechtsschutz, der aber auf der Prämisse beruht, dass das eingetragene Geschmacksmuster berechtigt war (der Einreicher hat da jeweils besondere Sorgfaltspflichten zu beachten und haftet, wenn etwas unberechtigt eingetragen wurde). Falls sich also im Hauptverfahren das Apple-Geschmacksmuster als nicht haltbar erweist oder die einstweilige Verfügung gegen Samsung aufgehoben wird, kommen aus meiner Sicht gewaltige Schadensersatzanforderungen von Samsung auf Apple zu. Es könnte also sehr dünnes Eis sein, auf dem Apple momentan wandelt.

Welches Gras raucht man bei Apple eigentlich?

Und damit kommen wir zur letzten Stilblüte, die zeigt, wie kaputt das Ganze mittlerweile ist. Als geistiger Vater von Android wird Andy Rubin gehandelt – der 2003 mit der Entwicklung von Android begann. Google hat 2005 Android von diesem Entwickler gekauft. Rubin arbeitete Mitte der 90er Jahre bei General Magic und Danger und sammelte dort berufliche Erfahrungen. Vorher war er als Ingenieur bei Apple. In dieser Zeit berichtete Rubin an die Erfinder des 263 (Echtzeit-API)-Patents.



Beim Patentstreit zwischen Apple und HTC sind nun Unterlagen von Apple aufgetaucht, in der behauptet wird, dass Rubin die Grundlagen zu Android bereits bei Apple gelegt habe (Florian Müller von FOSS Patents hat dies ausgegraben). Sowohl der Standard als auch Tom’s Hardware haben diese Story gebracht. Dass das US-Rechtssystem mitunter skurrile Stilblüten treibt, sieht man an diversen Rechtsstreitigkeiten der Winkelvoss-Zwillinge gegen Facebook-Gründer Zuckerberg. Was Apple aber momentan abzieht, geht in meinen Augen so langsam in die Richtung SCO gegen Novell wegen der Rechte an Linux – und das ist für SCO ziemlich böse ausgegangen.

Als unbeteiligter Beobachter könnte man sich schon die Frage stellen, “sind da bei Apple ein paar Anwälte außer Kontrolle geraten – und welches Gras raucht man da eigentlich?” Aber Apple ist natürlich ein “seriöses” Unternehmen, was nur im Sinne seiner Anwender (oder Aktionäre) handelt. Nach meinem Gefühl ruiniert sich der Hersteller aber langsam den eigenen Ruf – und ich wäre nicht arg überrascht, wenn wir die Firma (speziell nach dem Hype um den Börsenwert und dem Abgang von Steve Jobs) demnächst auf dem absteigenden Ast sehen werden.

Bisher habe ich persönlich Apple immer als innovativ wahrgenommen. Daher gab es bei mir eine kurze Zeit, wo das Fenster für Apple Produkte “offen stand”. Ein einziges Apple-Produkt, und zwar ein iPad, sorgte dann aber dafür, dass dieses Fenster ganz schnell wieder zu ging. Überteuert, ständig fühle ich mich durch Apple gegängelt und iTunes hat mein Windows 7 ziemlich ruiniert (häufig musste ich Reparaturen im Umfeld des Bonjour-Protokolls durchführen). Mac OS X Lion sowie die jetzigen Entwicklungen im juristischen Bereich bestärken mich darin, zukünftig einen großen Bogen um Apple-Produkte zu machen. Das iPad liegt hier mittlerweile eh die meiste Zeit unbenutzt herum – vermissen werde ich das Apple Zeugs wohl nicht.

Und damit kommen wir zu Android: So wie ich Florian Müller von FOSS Patents hier verstehe, könnte für Google da eine weitere juristische Bombe lauern. Unter diesen Umständen als Firma oder Entwickler auf Android zu setzen, wäre mehr als fahrlässig bzw. gleicht “durch ein Labyrinth mit verbundenen Augen fahrradfahren”. Bleibt also nur Microsoft übrig – aber da tun sich andere Abgründe auf. Das werde ich dann in einem separaten Beitrag bloggen. Vielleicht doch langsam Zeit, sich auf ein Weingut in der Toskana zurückzuziehen …

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