Metro-Google Chrome angetestet

Ich gestehe, ich habe mich mal wieder geirrt! Sonntag hatte ich hier gefragt, ob “nächste Woche” die Metro-Variante des Google Chrome-Browsers kommt und insgeheim Zweifel durchklingen lassen. Denn in meiner naiven Vorstellung dachte ich: Da lässt sich eine Metro-Chrome-App aus dem Windows Store herunterladen – und wenn Microsoft blockiert, kann Google am langen Arm verhungern. Na gut, irren ist menschlich – Venturebeat hat’s gestern schon hier gezeigt – und Google Chrome rennt hier unter Windows 8 Release Preview als Metro-Variante – und ohne über den Windows Store geladen werden zu müssen. Ist etwas tricky, aber nachfolgend wird gezeigt, wie man dahin kommt.


Werbung



Dass man alternative Browser wie den Firefox, Opera oder Google Chrome in den x86-Versionen von Windows 8 installieren kann, ist nichts neues. Diese laufen als Windows-Anwendungen, und gut ist. Da Microsoft Windows 8 in Richtung Tochbedienung optimiert, werden die Anbieter aber mit Metro-Ausgaben ihrer Browser aufwarten müssen. Sowohl Mozilla als auch Google hatten bereits seit längerem angekündigt, entsprechende Metro-Varianten ihrer Browser entwickeln zu wollen.

Das Problem mit Metro-Browsern …

Warum die Hersteller unbedingt einen Metro-Browser benötigen, hat weniger mit kosmetischen als mit technischen Hintergründen zu tun. Im Beitrag Windows 8-Bug gelöst: Metro-IE verschwunden hatte ich mich vor längerer Zeit bereits mit dem Phänomen befasst, dass die Kachel für den Metro-IE plötzlich auf der Startseite verschwunden war und dafür das Symbol des Desktop-Internet Explorer angezeigt wurde. Der Metro-IE ließ sich nicht mehr aufrufen.

Was im Artikel noch als “Bug” abgetan wurde, erweist sich zwischenzeitlich (zumindest nach meinen Kenntnissen) als “by-design”. Nur der Standardbrowser des Systems kann als Metro-Variante genutzt werden. Installiert man eine Windows-Version des Firefox oder Google Chrome als Standardbrowser, verschwindet der Metro-IE von der Startseite. Es kann dann nur noch der Desktop-Internet Explorer oder der Standardbrowser aufgerufen werden. So weit, so schlecht …

Apps werden nur über den Windows Store verteilt

Meine zweite Annahme, mit der ich gegen die Wand gefahren bin, war: Metro-Apps müssen aus dem Windows Store bezogen werden. Gut, im Beitrag Windows 8: Metro-Apps lokal installieren skizziere ich, dass Microsoft für Unternehmensumgebungen eine alternative Verteilung über Windows 8 Server vorsieht. Aber der Standard-Benutzer wird einen Metro-Browser als App aus dem Windows Store beziehen müssen …

… und wenn Microsoft die App nicht frei gibt, kann der Anbieter des Metro-Browsers lange warten. Als Anwender komme ich dann einfach nicht an die App heran. Dachte ich zumindest bisher …

Als ich hier ein kurzes Video von Caschy zu Google Chrome als Metro-App sah, wollte ich natürlich fix die App antesten. Meine Suche im Windows Store nach Google Chrome war aber ergebnislos.

Metro-Chrome: Installation als Hürdenlauf!

Die Schweinepriester bei Google haben offenbar einen Weg gefunden, den Windows Store zum Einrichten der Metro-App zu umgehen. Offenbar nutzt Microsoft bei Windows 8 auch alternative Wege, um Metro-Apps einzurichten.

Beim schnellen Blick auf Caschys Video wurde mir der Google-Ansatz auch sofort klar: Man braucht die Entwicklerbuild 21.0.1171.0 dev-m des Google Chrome, um weiter zu kommen (später habe ich gesehen, dass Venturebeat es bereits gestern skizziert hat). Mein erster Gedanke war, diese Build über den Google Chrome Release-Channel zu beschaffen. Aber dort wurde mir nur eine Version bis Windows 7 angeboten. Also bin ich über die Google-Suche bei der Eula-Seite des Chrome-Developer-Release-Channel für Windows gelandet.

Flugs die Bedingungen über die Schaltfläche Akzeptieren und installieren bestätigt (das Kontrollkästchen Google Chrome als Standardbrowser festlegen muss markiert sein). Und schon begann im IE 10 so was wie ein Download – angezeigt durch dieses Fenster:


Werbung

Danach verschwanden erst alle Fenster und ich stand ziemlich doof da. Kein Installer im Download-Ordner und es tat sich nix. Beim erneuten Versuch der Installation über die Webseite erhielt ich zumindest eine Sicherheitswarnung und konnte das Setup-Programm ausführen lassen.

Und nach einem weiteren Durchlauf kam dann das Dialogfeld mit der hier sichtbaren Fortschrittsanzeige.

Sah alles nach einem ziemlichen Hürdenlauf aus, der wohl der Kombination aus Internet Explorer 10 und dem Google Chrome-Installer geschuldet ist. Optimal und transparent für den Anwender sieht in meinem Augen jedenfalls anders aus. Zum Glück erschien nach der ersten Anwahl der Google-Seite dieses Formular im Browser:

Über die angezeigten Hyperlinks bei Schritt 1. und 2. konnte ich dann immer wieder die Dialogfelder zum Vorschein bringen. Hier z. B. ein weiteres Dialogfeld des Google Chrome-Installers, der mich über den Ablauf informierte.

Und dann kam endlich die Meldung, dass Chrome installiert werde:

Es ist geschafft – ähm, wie geht’s weiter?

Nach diesen Installationshürden war mir irgendwie klar: Das wird kein einfaches Unterfangen. Du landest auf dem Windows-Desktop und musst irgend einen Weg finden, die Metro-GUI zu aktivieren. Und so kam es dann nicht überraschend: Der Windows 8-Desktop zeigte nach der Chrome-Installation dieses Fenster.

Na prima, man will eine Anmeldung von mir und vom Metro-Chrome ist weit und breit nix zu sehen. Anmeldung war nicht, da mich der Zugang zu meinen Google-Konten momentan nicht interessierte. Ein schneller Blick auf die Startseite zeigt mit auch, dass nur ein Chrome-Eintrag für eine Desktop-Anwendung vorlag. Uuuiii, wie komme ich jetzt zu meinem Metro-Chrome?

Da war doch was? Eingangs hatte ich den “Metro-Bug” beim IE erwähnt, der sich als Feature entpuppte. Irgendwie musste ich einen Weg finden, um den Google Chrome-Browser als Standardbrowser einzurichten (die markierte Option beim Download war offenbar nicht akzeptiert worden).

Also schnell mal die Google Chrome-Einstellungsseite über die Schaltfläche Google Chrome anpassen mit dem Schraubenschlüssel-Symbol geöffnet, auf den Menübefehl Einstellungen gegangen und dann in der Einstellungsseite die Kategorie Einstellungen gewählt. Dort findet sich eine Schaltfläche Google Chrome als Standardbrowser festlegen, die ich angewählt habe.

Im nun eingeblendeten Popup-Fenster muss anschließend Google Chrome gewählt werden, um Links mit diesem Browser darzustellen. Nur dann erreicht Chrome, dass es als Standardbrowser unter Windows 8 eingerichtet wird.

Ups, der Metro-IE ist wech – aber Metro-Chrome ist da

Als ich dann (doch noch zweifelnd), die Startseite unter Windows 8 kontrollierte, war alles paletti. Hier der Ausschnitt aus den betreffenden Kacheln.

Statt der Metro-IE-Kachel war nur noch eine Kachel zum Aufruf des Desktop-IE vorhanden. Gleichzeitig hatte ich die Kachel mit Google Chrome vom Symbol des Desktop-Browsers zu dem hier gezeigten Symbole geändert. Eine kurze Anwahl der Kachel, und schon wurde ich von der Metro-Fassung des Google Chrome begrüßt.

Das Metro-Fenster des Browsers erscheint im Vollbildmodus, wobei im Browser das Adressfeld am oberen Bildschirmrand eingeblendet wird. Auch die Tabs zum Wechsel zu anderen Webseiten sind dort angeordnet. Am rechten Rand fehlt das Symbol des Schraubenschlüssels. Dort findet sich ein Menüsymbol, welches bei Anwahl das Menü zur Auswahl einiger Optionen einblendet. In obiger Darstellung finden sich Platzhalter für Bilder – bei späteren Sitzungen wurden aber auch Bilder korrekt angezeigt. Interessant ist, dass Chrome Flash integriert hat, so dass beliebige Flash-Inhalte unter Metro gezeigt werden können.

Odds & Evens des Ansatzes

In die “Jubelarien” diverser Websites möchte ich nach einem ersten Kurztest nicht einreihen – zu vieles ist mit Fragezeichen zu versehen. Klar, es handelt sich um eine Entwicklerversion. Aber es fällt auf, dass Google Chrome sich stark an die Windows-Desktop-Variante anlehnt und die GUI-Empfehlungen von Microsoft (einblendbare App-Leisten am oberen/unteren Bildschirmrand) nicht umsetzt.

Zweites Problem – hängt wohl nicht mit Google, sondern mit dem Windows 8-Design zusammen: Sobald der Metro-Chrome installiert ist, lässt sich der Metro-IE nicht mehr verwenden. Man kann also immer nur einen Metro-Browser verwenden. Das ist natürlich totale Kacke – als Anwender mag ich den Browser nutzen, der gerade nach meinem Gusto ist – und nicht den, den ich zufällig zuletzt eingerichtet habe.

Um zum Metro-IE zurück zu kommen, muss man also den Dektop-IE aufrufen. Dieser begrüßt einen dann mit einer Seite, in dem einem die Vorteile des Internet Explorer schmackhaft gemacht werden sollen.

Über die Schaltfläche Standardbrowser festlegen kann ich den IE wieder zur Metro-Variante aufnorden, verliere aber die Metro-Fassung des Chrome. Na prima, genau so hatte ich mir das ja auch vorgestellt. Microsoft – habt ihr einfach Klasse gemacht. Wer es selbst ausprobieren möchte, sollte mit obigen Erläuterungen die Metro-Fassung von Chrome schnell eingerichtet haben. Ansonsten werft einen Blick in das oben verlinkte Video von Caschy – mir ist es die Sache nicht wert. Mich interessiert viel brennender, wie Google das gedreht hat, dass man eine Desktop-Version eines Browsers installiert und gleichzeitig – quasi als side-by-installation – eine Metro-App mit dazu bekommt.

Abschließende Gedanken

Ich glaube, ich werde langsam wirklich alt! Während bei Venturebeat und in anderen Webseiten das Ganze kritiklos gefeiert wird, verursacht das gerade gesehene bei mir lediglich Bauchgrimmen. Das Ganze zeigt mit zweierlei, was mir stark missfällt.

  • Erstens kann offenbar jeder Entwickler unter Windows 8 seine Metro-GUI gestalten, wie er lustig ist. Die Vereinheitlichung der GUI-Grundelemente, die wir fast 20 Jahre mit Windows (oder Mac OS X) hatten, geht gerade flöten (fällt mir bei iOS und Android zunehmend auf).
  • Und die Mär, dass Metro-Apps aus dem Windows Store kommen müssen, ist gerade widerlegt worden. Aber was soll dann der gesamte Krampf mit Metro und dem Windows Store? [Update: Zwischenzeitlich weiß ich, dass das der Metro-like Chrome keine Metro-App, sondern eine Windows-Anwendung ist.]

Es mag sein, dass Leute die Metro-Oberfläche von Chrome weniger gewöhnungsbedürftig als die des Metro-IE finden. Cool ist natürlich auch die integrierte Flash-Unterstützung, die keine Beschränkung wie beim Metro-IE aufweist. Aber die Hoffnung, mit der Metro-GUI von Windows 8 ein konsistentes User-Interface zu bekommen, ist wieder einmal ein Stück mehr gestorben.

Dass die Hersteller von Touch-Betriebssystemen (Android, iOS, Windows) mit dem Touch-Ansatz momentan (zumindest in meinen Augen) kräftig gegen die Wand fahren, dürfte jedem klar werden, der mal versucht hat, in einer Webseite ein Pull-Down-Menü mit Untermenübefehlen auf einem Tablet PC zu öffnen – ich bin jedenfalls ohne Maus zu doof dazu. Aber da werde ich nochmal separat drüber bloggen – implizit steckt das ja teilweise bereits in anderen Beiträgen, wo ich beim iPad nicht in Foren posten oder beim Android-Smartphone mich plötzlich nicht mehr vom WordPress-Dashbord abmelden konnte.

Update: Die im Artikel aufgerissenen Fragen haben mir ja keine Ruhe gelassen. Also habe ich ein wenig gegraben. Sieht mir so aus, als ob Google uns da einen “Türken” gebaut hat. Chrome kommt zwar wie eine Metro-App (im Schafspelz) daher – unter der Hülle steckt aber (der Wolf in Form) ein(es) Windows-Programm(s). Ich habe meine bisherigen Erkenntnisse in dem englischsprachigen Blog-Beitrag unter [e] zusammen gefasst. Hier bei heise.de gibt es eine Diskussion, die in etwa meine Theorie bestätigt – da dürfen wir uns auf was gefasst machen (Standardbrowser, die CDs brennen können, Videos konvertieren oder was auch immer – nur weil beim Browser die Standard-APIs genutzt werden dürfen – schlimmer geht’s (n)immer).

Ähnliche Artikel:
a: Windows 8-Bug gelöst: Metro-IE verschwunden
b: Metro-App Firefox für Windows 8 ohne Metro?
c: Kommt nächste Woche ein Metro-Chrome?
d: Windows 8: Metro-Apps lokal installieren
e: Is Google Metro-Chrome just a big fake?


Werbung

Dieser Beitrag wurde unter Apps, Google Chrome, Internet, Windows 8 Beta abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Metro-Google Chrome angetestet

  1. Mike sagt:

    Wasssssssssssss???????? Google ist jetzt ganzlich verruckt…… In die Windows Store wird Microsoft einen Browser, dass das Metro-IE toten niemals einlassen…. Und zuerst ist die Idee, dass ein Metro-Browser wie diese machen ziemlich dumm…. Keine Ahnung was die Chrome-Team meine…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.