In diesem Beitrag hatte ich (unter Bezug auf einen AllThingsD-Artikel) darüber berichtet, dass Apple glaubt, Samsung beim “Abkupfern” des iPhone erwischt zu haben und das vor Gericht auch nachweisen will. Jetzt wird bekannt, dass das iPhone-Design vermutlich von Sony abgekupfert wurde.
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Auch diese Geschichte wurde durch AllThingsD ans Tageslicht gebracht. Laut diesem Artikel will Samsung der US-Jury, die über eine Schadensersatzklage von Apple gegen Samsung entscheidet, Beweise vorlegen, dass Apples iPhone-Design “heftigst” von einem Sony-Design beeinflusst wurde.
Worum geht es: Bei Apple wurden mehrere Designs für das iPhone angefertigt – eines mit dem Namen “extrudo” schaffte es nie an das Licht der Öffentlichkeit. Vielmehr gewann das heutige iPhone-Design mit der allseits bekannten Benutzeroberfläche. Das Pikante an der Sache ist, das Apple Designer Shin Nishibori, der das iPhone-Design entwickelte, wohl Zugriff auf Sony-Design-Unterlagen hatte. Einer der Apple Chefs, Tony Fadell, hatte etwas über ein Sony-Design gehört und bei Apple die betreffenden Artikel bestellt. Die Artikel zirkulierten bei Apple und Fadell wies wohl den Designer an, ein Design-Modell zu entwerfen, welches sich am Sony-Design anlehnt (siehe auch diesen Artikel bei TheVerge.com). Nachfolgend das Sony-Design (aus den Gerichtsunterlagen, die ganz aufschlussreich sind).
(Quelle)
Dies ist an sich nichts besonderes, das dürfte in vielen Produktentwicklungen der Fall sein. Allerdings: Danach änderte sich das iPhone-Design radikal – mit den bekannten Folgen. Apple verklagt Gott und die Welt im Hinblick auf den Schutz des eigenen Designs. Samsung versucht nur nachzuweisen, wo dieses Design eigentlich her stammt und wie man auf sein eigenes Design für die Samsung Smartphones kam. Das hier einsehbare Gerichtsdokument ist da ganz aufschlussreich.
Wo die Sache – dem US-Prozessrecht sei Dank – noch mehr Geschmäckle bekommt, ist der Umstand, dass Apple gegenüber dem Gericht nun argumentiert, dass diese Beweise aus dem Prozess ausgeschlossen seien, weil Samsung das Material nicht fristgerecht vorgelegt habe. Andererseits hat Apple (nach den Ausführungen bei AllThingsD) alles getan, um die Vorlage dieser Unterlagen zu verhindern. Samsung versuchte, die erforderlichen Unterlagen von Apple zu bekommen. Aber Apple erklärte, dass der Designer Shin Nishibori nicht anwesend sei und man nicht an seine Unterlagen herankomme.
Samsung hat daher die Twitter-Einträge des Designers ausgewertet und dem Gericht vorgelegt. Erst nach mehreren Gerichtsbeschlüssen konnte Samsung die Herausgabe von Belegen durch Apple erzwingen:
Samsung said in the filing. “It took Samsung four separate court orders — three from this Court and one from the International Trade Commission — compelling Apple to produce the testimony and documents that are the subject of Apple’s motion before Apple finally disclosed it.
Samsung erhielt im Mai 2012 Zugriff auf die Unterlagen des Designers, so dass sich diese Insides ergaben. Die Details lassen sich in diesem Artikel nachlesen. Die US-Site theverge.com hat hier, hier und hier noch Artikel mit Fotos zum Thema veröffentlicht, die ganz interessant sind.
Und die Moral von der Geschicht? Manchmal war ich ja schon geneigt, der einen oder anderen Seite im Rechtsstreit Glauben zu schenken und konnte bestimmte Gerichtsentscheidungen – manchmal zu Gunsten von Apple, manchmal zu Gunsten von Samsung – vom Gefühl her nachvollziehen. Für mich gilt nach dem obigen Artikel nun: Glaube weder Samsung noch Apple niemals nicht. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die voneinander abkupfern wie die Weltmeister, und es nachher nur auf juristische Spitzfindigkeiten hinausläuft, wer da die Oberhand behält.
Nachtrag: Gerade durch Zufall bei Welt-Online auf den Artikel “Apples 80er-Fluch und Googles Umsonst-Strategie” gestoßen, der einen anderen Aspekt beleuchtet. Die Quintessenz “Innovationen sind die Lösung” leuchtet mir wohl irgendwie ein. 2. Nachtrag: Samsung hat nun, nachdem das Gericht die Dokumente in der Jury-Anhörung nicht zuließ, die Dokumente öffentlich gemacht. Die Story samt Dokumenten lässt sich hier bei AllthingsD nachlesen.
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