Miracast bei Windows 8.1–Teil 2

In Teil 1 hatte ich mich ja bereits mit einigen Grundzügen zu Miracast in Verbindung mit Windows 8.1 (Preview) befasst. Nachdem nur Windows 8.1 allgemein verfügbar ist, wird sicherlich der eine oder andere Leser mit dieser Technik experimentieren wollen. Daher möchte ich in diesem Beitrag und in Teil 3 noch ein paar Informationen bezüglich Miracast unter Windows 8.1 zusammen tragen.


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Miracast und Windows

Miracast ist ja ein herstellerübergreifender Ansatz (der WiFi Alliance), um Bildschirminhalte und Audiosignale drahtlos auf ein zweites Display zu übertragen. Mit Miracast lässt sich der Inhalt eines Bildschirms von einem Miracast-fähigen Gerät auf Miracast-kompatible Empfänger (TV-Geräte, Beamer) per WiFi ausgeben. Tolle Sache und hier im Blog habe ich einige Miracast-Empfänger mit einem Google Nexus 4 Smartphone unter Android getestet.

Windows 8.1 soll diese Technik nativ unterstützen und als ich im Frühsommer zum ersten Mal auf einer Videopräsentation von Microsoft von Miracast hörte, war ich sofort begeistert. Es gab zwar keine harten Fakten, aber die Möglichkeiten schienen grenzenlos. Du besorgst dir einen Miracast-Empfänger, holst ein Windows 8.1-System und kannst drahtlos auf den Empfänger streamen. Zur Windows 8.1 Preview gibt es hier einen Technet-Forenthread.

Miracast im Spiegel des Web: Einschalten und loslegen …

Wenn ich mich so im Web umschaue, herrscht auf einigen Webseiten Miracast-mäßig “eitel Sonnenschein”. Das Ganze ist kinderleicht – einen Miracast-Empfänger in Betrieb nehmen, Windows 8.1 auf das Remote-Display umschalten und fertig. Im folgenden Beitrag [e1] beschreibt jemand den Ansatz, ein Surface Pro 2 mit einem Netgear Push2TV 3000 Adapter zu koppeln. Scheint auf Anhieb geklappt zu haben. Schön ist auch, dass die Vorgehensweise skizziert wird.

e1: Carola trifft auf Miracast

Auch Georg Binder, zwischenzeitlich Mitarbeiter bei Microsoft Österreich, beschreibt in einem Blog-Beitrag [e2] seine Erfahrungen mit Miracast. Ich lese immer mal wieder bei Georg Binder rein, weil er jahrelang als Trainer und Blogger freiberuflich aktiv war und interessante Insights aus dem Microsoft-Umfeld publiziert hat.

e2: Windows 8.1 Miracast Erfahrungsbericht

Auch bei Georg liest sich das alles wie “einschalten und loslegen”. Er verwendet ebenfalls einen Netgear Push2TV 3000 Miracast-Empfänger. Über das verwendete Windows 8.1-Notebook habe ich beim Überfliegen keine Details gefunden. Egal: Georg spezifiziert zumindest die Mindestanforderungen und gibt noch einige Hinweise, wie es klappen sollte und was man testen kann.

Etwas stört, irgendwie …

Nachdem ich die obigen Berichte gelesen habe, kam ich mir irgendwie ganz klein und doof vor. Die schalten die Hardware ein, alles klappt und sind begeistert. Klarer Kauf, so die Meinung von Georg Binder. Nun ja, ich wäre ja nicht Günter Born, wenn ich nicht so meine eigene Meinung zum Thema habe. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich nehme den Autoren der beiden oben verlinkten Blog-Beiträge durchaus ab, dass es bei denen so abgelaufen ist. Alleine, wenn es “zu perfekt” ausschaut, werde ich misstraurisch – zu oft habe ich (bildlich gesprochen) “die Pferde vor der Apotheke kotzen sehen”.

In den vergangenen Wochen habe ich ja eine Reihe Miracast-Empfänger in den Fingern gehabt. Zwar keinen Netgear Push2TV 3000 – meine Anfrage nach einer Teststellung verlief im Sande – was aber nicht wirklich relevant ist, denn zwischenzeitlich habe ich einiges recherchiert, getestet und eine differenzierte Meinung entwickelt. Der  Netgear Push2TV 3000 hätte diese auch nicht geändert.

Meine Erkenntnis: Mit meinem Nexus 4 funktioniert das ganze Miracast-Gedöns auch – manchmal etwas besser, manchmal etwas schlechter. Aber mit Windows 8.1 bin ich persönlich bisher gescheitert – ich besitze keinen Miracast-fähigen Windows 8.1-Rechner. Grund: Die benötigten Treiber fehlen und werden vermutlich auch nicht mehr geliefert. Das war aber ein guter Aufhänger, diesen Artikel zu verfassen, um ein wenig mehr an Informationen bereitzustellen, wann Micracast unter Windows 8.1 funktioniert und was man wissen sollte bzw. testen kann.


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Die Krux mit Miracast

Miracast ist zwar ein herstellerübergreifend vereinbarter Standard, der durch die Wi-Fi-Allicance zertifiziert wird. Klingt erst einmal richtig gut – denn dann tut das Ganze ja mit unterschiedlichen Herstellern. Mein erster Klemmer fängt aber da quasi schon an: Informationen zu technischen Details sind nur gegen richtig Geld zu haben. Geräte, die Miracast-fähig sind, müssten durch die Wi-Fi-Alliance zertifiziert werden. Nun ja, kann man zur Kenntnis nehmen. Wenn das Garant für “foolproof” und narrensicher, auf breiter Front unterstützt und günstig zu haben ist, wäre ich sofort dabei.

In Praxis muss ich allerdings feststellen: Die Miracast-Kopplung tut es nicht so, wie erwartet – oft muss ich drei, vier Ansätze bei diversen Testszenarien veranstalten, bis der Screen meines Nexus 4 auf dem am Miracast-Empfänger angeschlossenen  TV-Gerät zu sehen ist.

Könnte jetzt daran liegen, dass ich persönlich zu doof für so was bin oder mein Nexus 4 bzw. die Testumgebung da hinkt. Die Miracast-Empfänger schließe ich als Problemquelle aus, da ich ja mehrere Geräte in den Fingern hatte. Und das Nexus 4 tut auch seinen Dienst, denn bei Recherchen stoße ich auch bei anderen Leuten auf ähnliche Informationen. Zudem haben die Redakteure bei heise.de einen Text mit sieben Miracast-Sendern und sieben –Empfängern durchgezogen und die Ergebnisse in einem (kostenpflichtigen) Artikel Miracast: Kreuztest sieben gegen sieben veröffentlicht. Fazit: Es hakt und knallt an allen Ecken und Enden. Zwischenzeitlich ist im Teaser-Artikel zum Kreuztest auch ein kleines Video zu finden, das meine Erfahrungen irgendwie ziemlich gut widerspiegelt.

Aber trotzdem: Wenn ich einen Miracast-Empfänger und ein Windows 8.1-System mit WiFi-Adapter habe, könnte man doch Miracast antesten. Notfalls drei, vier Mal probieren – sobald die Verbindung steht, habe ich drahtlose Übertragung auf meinen Empfänger …

Die Anforderungen bei Windows 8.1

Ich hatte es ja bereits in Teil 1 angesprochen: Windows 8.1 setzt eine Treiberunterstützung für Miracast voraus. Ist diese nicht gegeben, schaut’s leider düster mit Miracast-Streaming aus. Das Gerät benötigt einen WiFi-Adapter, dessen Treiber sowohl Virtual Wi-Fi als auch Wi-Fi Direct unterstützen (konkret wird NDIS 6.3 gefordert). Dies sollte bei aktueller WiFi-Hardware für Windows 8.1-Geräte der Fall sein. Weiterhin muss in Windows 8.1 Ein WDDM 1.3-Grafikkartentreiber mit Miracast-Support installiert sein. Die folgenden Links führen zu Seiten mit einigen zusätzlichen Informationen.

f1: Introduction to NDIS 6.30
f2: Network Driver Interface Specification
f3: Windows Display Driver Model – Wikipedia
f4: What’s new for Windows 8.1 display drivers (WDDM 1.3)

Und da wird es leider ziemlich ekelig. Keine Ahnung, welche technischen Randbedingungen es erforderten, dass die Implementierung des Micracast-Teils im WDDM 1.3-Grafikkartentreiber erfolgen musste. Und wenn ich mir den weiter unten beschriebenen Schwenk mit den NDIS-Treibern so anschaue, wächst mein Zutrauen in die WiFi-Alliance und deren Zertifizierung auch nicht.

Ist aber letztendlich auch egal: Es bleibt festzustellen, dass das die größte Schwachstelle der ganzen Windows 8.1-Miracast-Implementierung ist. Microsoft liefert keine entsprechenden WDDM 1.3-Treiber für die diversen Grafikchips – und der Microsoft Basic Display Adapter ist nicht WDDM 1.3- bzw. Miracast-fähig. Lediglich Geräte mit den von Intel bereitgestellten Intel HD3000/4000 Grafikchips sollen in den Genuss von WDDM 1.3-Treibern kommen. Der folgende Link verweist auf ein etwas älteres MSDN-Dokument von Microsoft, welches entsprechende Hinweise enthält.

f5: Verfügbarkeitsstatus von Grafiktreibern unter Windows 8.1 Preview

Allerdings hatte ich hier einen Kurztest mit einem geliehenen Gerät, wo trotz HD 4000-Grafik und WDDM 1.3-Treiber keine Miracast-Kopplung möglich war. Falls ihr also ein Gerät mit Windows 8.1 besitzt, stellt sich die Frage, ob dieses möglicherweise Miracast kann. Mit dieser Frage beschäftige ich mich in Teil 3, steige dabei noch ein wenig in die Niederungen der Technik ein und werde ein allgemeines Fazit ziehen. Nachfolgend unternehme ich noch einen Schlenker, um zu zeigen, wie man Miracast auf dem Microsoft Surface Pro zum Laufen bringt – beim ganz neuen Surface Pro 2 hat Microsoft seine Hausaufgaben gemacht.


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Miracast mit dem Surface Pro mit Windows 8.1

Bevor ich aber in die Details von Teil 3 hineingrätsche, vielleicht noch ein kleiner Schlenker zu einer Hardware, die eigentlich Miracast tun können soll: Das von Microsoft höchstpersönlich abgelieferte Surface Pro Tablet. In der Preview von Windows 8.1 klappte die Miracast-Übertragung zwischen einem Surface Pro und einem Netgear Push2TV 3000 – sofern die Benutzer die aktuelle Firmware am Netgear-Empfänger installiert hatten (soviel zu “Miracast-Zertifizierung”, die man wohl “in der Pfeife rauchen kann”).

Als dann die RTM von Windows 8.1 für Technet- und MSDN-Abonnenten bereitstand, häuften sich die Foreneinträgen von Leuten, bei denen der Miracast-Empfänger nicht mehr erkannt wurde. Der erste Hinweis kam im My Digital Life Forum [g1]. In den Diskussionen unter [g2] gibt es den Hinweis, bestimmte Updates  zu deinstallieren.

g1: Windows 8.1 (9600) bug list – Page 9 – My Digital Life Forums
g2: Miracast issues

Und dann gab es noch den Beitrag [g3] bei within windows, der die “kaputte” Miracast-Unterstützung für Windows 8.1 beim Surface Pro bestätigt und (mittlerweise) den Hinweis auf einen Fix gibt.


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g3: PSA: Wireless display (Miracast) support is broken on the Surface Pro [now fixed]

Ist ja richtig Klasse: Mit dem Windows 8.1 GA Rollup A-Update (KB2883200) hat Microsoft die Miracast-Unterstützung gekillt. Nur wer das Update deinstallierte, bei dem wurden die Geräte wieder gefunden. Wäre auch die Erklärung, warum bei mir momentan keine Miracast-Empfänger mehr gefunden werden.

Für das Surface Pro gibt es zwischenzeitlich eine Lösung, die unter [g3] kurz skizziert und von MVP-Kollegin Barb Bowman nachfolgend unter [g4] umfassend beschrieben ist. Man benötigt einen neuen Marvell AVASTAR Treiber (14.69.24044.150).

g4: How to Make Miracast work on Surface Pro

Und den Treiber bekommt man, Witz lass nach, im Surface Pro 2 driver and firmware pack. Die Treiber lassen sich auch beim Surface Pro verwenden. Microsoft, das habt ihr wirklich Klasse hinbekommen – Kompliment – Ironie-Tag aus.

Als normaler Benutzer frage ich mich allerdings: Welchen Plan hat die WiFi-Alliance, Miracast unter solchen Umständen jemals halbwegs “foolproof” und benutzbar unter’s Volk zu bringen? Und morgen gibt’s Teil 3, in dem ich noch ein paar Niederungen anspreche sowie ein Fazit zu Miracast ziehe.

Artikelreihe:
i: Miracast bei Windows 8.1 – Teil 1
ii: Miracast bei Windows 8.1 – Teil 2
iii: Miracast bei Windows 8.1 – Teil 3

Ähnliche Artikel:
a1: Miracast bei Windows 8.1
a2: TVPeCee MMS-894.mira: Miracast/WiFi Direct/DLNA-HDMI-Stick Teil 1
a3: TVPeCee MMS-894.mira: Miracast mit dem HDMI-Stick – Teil 4
a4: TVPeCee MMS-894.mira: Miracast mit dem HDMI-Stick – Teil 5
a5: TVPeCee MMS-884.quad als Miracast-Empfänger (Android) – Teil 8

c1: DLNA im hands-on-Experiment
c2: Den Fernseher per inakustik-Stick mit DLNA nachrüsten
c3: Konfiguration und Einsatz des inakustik-DLNA-Sticks
c4: DLNA-Streaming in Windows
c5: DLNA-Streaming in Windows 8.1 für Apps freigeben
c6: DLNA-Streaming unter Android
c7: DLNA unter iOS nutzen

d1: TVPeCee HDMI-Stick Miracast/WiFi Direct/DLNA MMS-894.mira – Teil 1
d2: TVPeCee MMS-894.mira: Der HDMI-Stick im Hands-on – Teil 2
d3: TVPeCee MMS-894.mira: DLNA mit dem HDMI-Stick – Teil  3
d4: TVPeCee MMS-894.mira: Miracast mit dem HDMI-Stick – Teil 4
d5: TVPeCee MMS-894.mira: Miracast mit dem HDMI-Stick – Teil 5
d6: TVPeCee MMS-894.mira: Den HDMI-Stick konfigurieren – Teil 6
d7: TVPeCee MMS-894.mira: DLNA mit iOS Nachtrag – Teil  7
d8: TVPeCee MMS-894.mira: DLNA mit Windows Nachtrag – Teil  8


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Ein Kommentar zu Miracast bei Windows 8.1–Teil 2

  1. pFn0L sagt:

    Video: Windows 8.1 – Miracast Demo zu Sony TV
    Gerät: Dell XP 12

    http://youtu.be/tzwqdKhkkMM

    LG an Günter 🙂

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