Windows 8.1 Update: RAM-Disk-Software als Show-Stopper

Die Installation von Windows 8.1 Update separiert ja die Benutzer. Hier Millionen Leute, die irgendwann feststellen, dass sie auf Windows 8.1 Update aktualisiert wurden. Dort die Leute, die permanent bei der Installation der Update-Pakete (KB 2919355) scheitern und wie die Rohrspatzen auf dieses “unfähige Microsoft” schimpfen. Wie so oft im Leben prügelt man den falschen Esel – im heutigen Blog-Beitrag wird mal wieder ein Problembär gefangen, der so gar nix mit Microsoft zu tun hat.


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Grau ist alle Theorie: Filtertreiber, Du garstig Ding

Zum Hintergrund, warum die Installation des Update KB 2919355 häufig scheitert: Bei der Installation dieses Pakets wird ja kräftig in Windows 8.1 eingegriffen, wobei viele Komponenten des Kernels ausgetauscht werden. Man kann das Ganze quasi als Service Pack 1 betrachten, auch wenn Microsoft das nicht mehr so nennt. Nach Installation des Updates hat man quasi ein ganz neues Windows – entspricht in etwa dem Umstieg von Windows 8 auf Windows 8.1.

Und wenn bei dem Ausgangssystem etwas nicht ganz koscher ist, scheitert die Installation des Updates. Fehlende Startmenü-Ordner, die von der Shell benötigt werden, werfen dann die Installation auf’s Kreuz. Und noch heikler: Um bestimmte Dateien des Kernels auszutauschen, muss Windows Update zu Zeiten eingreifen, wo diese Dateien noch nicht in Benutzung sind. Das geschieht typischerweise bei einem Neustart, wenn Treiber und Module entladen bzw. noch nicht geladen sind. Technisch arbeiten dann Prozesse Aufgaben, die z.B. in einer Datei Pending.xml aufgelistet sind, ab. Scheitert das Abarbeiten dieser Liste, erfolgt ein Rollback der Update-Installation.

Filtertreiber von Virenscannern, optischen Laufwerken, Disk-Protection-Lösungen oder ähnliches spannen häufig einen Filesystem-Container auf, in dem die Dateien liegen. Und diese Filtertreiber werden in einer frühen Phase des Bootens geladen, lange bevor die restlichen Betriebssystemteile dran kommen. Wenn Windows Update-Prozesse beim Start des Betriebssystems dann versuchen, Dateien des Kernels auszutauschen, werden sie mitunter vom Treiber des Container-Filesystems daran gehindert. Und dann scheitert die Installation. Mit diesem Wissen werden viele Installationsabbrüche erklärbar (z.B. gibt es Anwender, die eine volle Partition System-reserviert vorliegen haben – und dann kann Windows Update nicht mehr Windows PE auf Version 5.1 upgraden und ggf. die BCD-Datenbank aktualisieren). Die Schwierigkeit ist nun, die Ursache (z.B. durch Log-Datei-Analysen) zu finden.


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Problemblär geschossen: RAM-Disk-Software

Hier hat mir ja die Tage ein Blog-Leser mal wieder virtuell eines zwischen die Hörner gegeben, weil ich mich momentan an einem von Aldi verkauften Konvertible abarbeite. Aber unter dem Strich hat der Blog-Leser Recht – bei den von Medion bereitgestellten Geräten passt eigentlich alles – die Images sind (von dem, was ich bisher so gesehen habe), sauber aufbereitet und Problembären sind mir bisher keine aufgefallen. Von daher rausche ich hier bei Experimenten auch nicht so in die Probleme, die die O-Ton Blog-Kommentator “professionellen IT-Anwender” so bei sich herumschleppen.

Blog-Leser Chris F. hat mich nun auf einen Problembären bei einem System mit ASRock Mainboard aufmerksam gemacht. Bei ihm war es so, dass beim Versuch, Windows 8.1 Update zu installieren, erst alles gut aussah. Aber kurz vor der 100%-Marke wurde die Update-Installation abgebrochen und alles wieder rückgängig gemacht. Die im Blog gegebenen Hinweise führten den Leser nicht weiter. Er schreibt:

Keiner Ihrer genannten Hinweise oder Verweise auf andere Autoren führte zielführend zur Lösung, die sich im Grunde doch einfach (aber nur nach langer Fehlersuche und mit viel Glück…) darstellte: Ich hatte ein Asrock Z68 Extreme 4 Gen.3 Motherboard. Asrock bietet dafür u.a. Tools an, die einen schnelleren RAM-Zugriff ermöglichen (vgl. RAM-Disk). Dieses Tool war installiert und aktiviert und verhinderte das Einspielen (online und offline!) des großen Updates für Windows 8.1 (Pro). Nach der Deaktivierung der RAM-Disk-Software konnte ich das Update ohne Probleme einspielen.

Bisher hatten sich keine früheren Updates daran gestört. Ich denke, Sie können diese Info in Ihre Hinweise mit aufnehmen und anderen User damit eine Freude machen und ihnen viel Zeit mit Fehlersuche einsparen. Ich vermute, dass auch andere Motherboard-Hersteller ähnliche Tools bereitstellen, die ein Update möglicherweise verhindern. Asrock ist ja auch nur eine “Tochter” von ASUS und die bieten für Ihre Hauptplatinen ähnliche Software-Tools an. Ein genereller Hinweis, “nicht dringend notwendige System-Tools” vom Motherbord-Hersteller (evtl. Grafikkarten-Hersteller) zu installieren, könnte sicher helfen.

Den Tipp von Chris, systemnahe Tools zu deinstallieren, ist nichts, aber auch wirklich nichts, hinzuzufügen. Solche Tools von ASUS haben sich immer mal wieder als Show-Stopper erwiesen (ich erinnere mich an ein ASUS-Netbook, wo die SP1-Installation für Windows 7 bei einem Forenteilnehmer scheiterte – und nach langer Suche war es ein Tool, welches einen Zugriff auf den ASUS Online-Speicher bereitstellte).

Die Erklärung bzw. die Hintergründe, warum frühere Updates problemlos durchliefen, aber das Update KB 2919355 scheiterte, habe ich ja eingangs gegeben. Und dass Treiber systemnaher Tools wie Daemon Tools, Acronis True Image Filtertreiber, Virenscanner, Macrium Reflection etc. da als Problembären auftreten, findet sich verstreut in den diversen Update-Troubleshooting-Artikeln zum Windows 8 bzw. Windows 8.1. Und da ich nur Medions vom Aldi hier habe, fällt mir natürlich so was nicht auf. Von daher ein dickes Danke an Chris für diesen wertvollen Praxistipp, der möglicherweise einigen Blog-Besuchern die Lösung für Update-Probleme bringt.

Nachtrag: Noch einige Infos von Chris

Ich habe Chris gefragt, wie er letztendlich auf den RAM-Disk-Treiber als Ursache gekommen ist. Hier seine Antwort, die ich euch nicht vorenthalten möchte.


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Zu Ihrer Frage nach dem „Weg“, wie ich auf sowas gekommen bin. (Das ist ja immer das Entscheidende….)

Durch Ihren Blog war ich darauf sensibilisiert, alles System-Tools vorher zu deinstallieren. Im Speziellen hatten Sie auch „Virtual Clone Drive“ genannt. Da meine Installation noch recht frisch war und ich erst Office, Adobe und eben dieses „Virtual Clone Drive“ installiert hatte, war ein längeres Deinstallieren von „System-Tools“ nicht notwendig, sondern war schnell erledigt.

Dennoch scheiterte die Installation des Updates mehrere Male. (wie beschrieben….)

Also „analysierte“ ich die cbs.log-Datei, obwohl ich keine Ahnung davon hatte, aber Sie sie in ihrem Blogeintrag angesprochen hatten. Als Laie konzentrierte ich mich auf „error“-Meldungen in dieser Datei. Möglichst am Ende der Datei, bevor der Eintrag nach einem „Abbruch“ und einem „Recovery“ zum alten Zustand in dieser Datei festgehalten wurde.

Dabei viel mir auf, dass mehrmals der Fehler  „Error Code: 8004402F“ aufgeführt wurde. Google wurde daraufhin befragt und lieferte mir dann einen Hinweis auf folgender Seite: (Über den Web-Cache noch aufrufbar!). Aus dem folgenden Abschnitt der ersten Antwort stach mir dann die Lösung entgegen:

I  changed Temp file location from RAM disk to C:\ for this update and it worked.  Thereafter I changed the Temp file location back to RAM disk.

Zum Stichwort: RAM-Disk: Mir viel dann ein, dass ich zwar noch eine relative jungfräuliche Win 8.1 Pro Installation vor mir hatte, aber ich schon alle System-Tools des Herstellers, die mir sinnvoll erschienen, installiert hatte. Auch das Tool XFastRAM, welches hier beschrieben ist. Dann zählte ich Eins und Eins zusammen: Wenn schon von Ihnen dringend angeraten wird, System-Tools wie Virtual-Clone Drive zu deinstallieren, dann gehört da sicher auch so ein Tool wie dieses dazu. Also schnell das XFastRam Tool deaktiviert und schon war alles in Ordnung und das Update lief durch.

Ich hoffe, ich konnte den „Rechenweg“ zur Problemlösung nachvollziehbar erläutern. Mir erscheint wichtig den Troubleshooting-Lösungs-Text auf Ihrer Webseite so weit (so allgemein wie möglich, aber dennoch mit einigen Anwendungsfällen/Namensnennungen von Programmen) zu fassen, dass User darauf gestoßen werden, über wirklich jedes System-Tool nachzudenken, dass installiert wurde.

Bei mir war es dieses Tool. Beim Nächsten kann es ein Tool sein, dass die Rechenlast der CPU auf die Grafikkarte mit verteilt oder ähnliches. Es gibt ja da die tollsten Dinge….

Ich hoffe, Ihnen mit der Darlegung geholfen zu haben.

Wirklich eine gute Darlegung, wie der Benutzer vorgegangen ist und möglicherweise Anregung für andere Update-Betroffene, nochmals nachzudenken, was schief laufen kann.

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