VR: Sternenbrille Universe2go angetestet

Im heutigen Beitrag möchte ich die Augmented/Virtual Reality-Lösung Universe2go  vorstellen. Bei Universe2go handelt es sich um ein interessantes Konzept, welches die Möglichkeit von Augmented/Virtual Reality nutzt, um dem Benutzer entweder ein eigenes Planetarium (Virtual Reality) bereitzustellen – oder beim Betrachten des nächtlichen Sternhimmels Informationen zu anvisierten Sternen einzublenden (Augmented Reality).


Werbung


Als der Hersteller anfragte, ob ich ein Exemplar testen wolle, war ich erst skeptisch. Ich habe hier im Blog ja einige VR-Lösungen vorgestellt (z.B. Virtual Reality-Brille VRB60.3D für Smartphones). War ganz nett, mal was in VR und 3D zu sehen – aber irgendwie nervte mich, dass ich die Apps nicht bedienen konnte (das Smartphone lag ja in der VR-Brille).

Die Pearl VR-Lösung kommt auf 20 Euro, bei Universe2go kommt man auf 99 Euro – kann das gut gehen? Diese und weitere Fragen gingen mir im Kopf herum, aber ich habe dem Test zugestimmt und ein Exemplar zugesandt bekommen.

Vorab: Die Frage “kann das gut gehen” lässt sich mit Ja beantworten – und der Preis von 99 Euro erscheint mir auch gerechtfertigt, wenn ich bedenke, was die App-Entwicklung gekostet haben mag. Aber alles der Reihe nach.

Was macht Universe2go eigentlich

Die Idee hinter Universe2go besteht darin, dass Leute, die sich für den Sternenhimmel interessieren, aber die Sternbilder und Daten von Sternen nicht im Kopf haben, Informationen zu liefern. Universe2go kennt zwei Modi:

universe2go als Planetarium

  • Planetarium: Bei aufgesetzter Brille bekommt man quasi sein eigenes Planetarium und kann sich Sternbilder sowie die zugehörigen Informationen in einer Multimediadarstellung (optisch und akustisch) per Virtual Reality (VR) anzeigen lassen. Die obige Abbildung zeigt den Modus mit einer Klappe vor der Brillenöffnung, um diese abzudecken. Alleine das ist schon recht spannend.
  • Beobachtungsmodus: Man kann den nächtlichen Sternhimmel mit der Brille anvisieren – eine Spiegeloptik macht dies möglich – und sich von der Smartphone-App Informationen zu anvisierten Sternen anzeigen lassen (Augmented Reality, AR).

universe2go Beobachtungsmodus

Benötigt wird ein kompatibles Smartphone sowie eine App, um die AR-/VR-Informationen einzublenden. Informationen zum Produkt finden sich auf der Herstellerseite – das folgende Video führt in die Funktionen ein.

(Quelle: YouTube)

Erste Eindrücke von der Inbetriebnahme

In der Versandbox werden die Datenbrille, ein Halteband und ein kleines Booklet mit einer Einführung geliefert. Zur Nutzung von Uniservse2go wird neben der Datenbrille ein kompatibles Smartphone und eine App benötigt. Ich habe ein Samsung Galaxy S4 und diese Android-App zum Testen verwendet. Als erstes musste die gut 393 MByte große Android-App aus dem Google Play Store heruntergeladen und installiert werden.

universe2go App


Werbung

Nach der Installation lässt sich die App über ein Symbol von der Startseite aufrufen. Als erstes wird ein auf der Produktverpackung aufgeklebter Code abgefragt, damit die App überhaupt startet – quasi ein Kopierschutz. Dann wird der Benutzer durch die Konfigurationsschritte geführt, bei dem die App kalibriert wird. Die Schritte sind interaktiv und werden durch Anweisungen begleitet. Irgendwann findet sich die Anweisung, das Smartphone in die Datenbrille einzulegen. Doof ist, dass diese Anweisung über Kopf erfolgt, so dass ich diese erst nicht lesen konnte.

Aber irgendwann habe ich kapiert, was die App wollte. Es ist eine kleine Klappe am Gehäuse der Datenbrille zu öffnen. Das Fach enthält eine Schaumstoffplatte mit Aussparungen, um die Lage des Smartphones anzupassen (ich habe beim Test auf das Zurechtschneiden verzichtet, da der Schaumstoff auf der Klappenseite das Smartphone genügend auf der Glasscheibe fixiert). Beim Schließen der Klappe ist mir aufgefallen, dass das Samsung Galaxy S4 nicht mit einer Schutzhülle, wie ich sie als Stoßschutz verwende, in die Aussparung passt (zu dick). Aber auch ohne Schutzhülle ist die Kameraöffnung des S4 etwas zu dick (die Linse steht zu weit vor), so dass die Klappe nicht vollständig schließt, sondern etwas gebogen ist. Aber es funktionierte und stört nicht weiter.

Sobald das Smartphone erkennt, dass es in der Datenbrille liegt, werden die Kalibrierungs- und Einrichtungsschritte durchlaufen. Genial fand ich, dass die Bedienung der App ab diesem Zeitpunkt durch Neigen und Drehen des Kopfes erfolgt. Man bekommt Anweisungen, was man zu machen hat.

Wird die App zu einem späteren Zeitpunkt gestartet, lässt sich in dieser Formularseite der Modus am Touchscreen zwischen Sternenkarte und Planetarium wählen. Weiterhin muss das Smartphone etwas per Hand bewegt werden, um den Magnetsensor zu kalibrieren. Das fand ich etwas nervig, weil ich nie wusste, ob es funktioniert und wann es weiter geht. Aber nach ein paar Versuchen hat es immer geklappt und ich konnte das Smartphone wieder in die Klappe der Datenbrille legen.

Impressionen vom Sternenhimmel

Als Erstes habe ich den Modus Planetarium in meinem Büro ausprobiert. Ein paar Sterne kannte ich – aber ich war überrascht, was die App da hervorzauberte.

Sternenhimmel

Durch Neigen und Drehen des Kopfes kann man die Sternbilder des Himmels in der Anzeige abrufen. Für jedes Sternbild werden optisch und akustisch eine Reihe an Informationen gegeben. So habe ich plötzlich die vom Namen bekannten Sternbilder erkannt (vorher kannte ich eigentlich nur Orion und die zwei Bären).

Sternbild

Noch genialer fand ich den Modus zur Erklärung des Nachthimmels. Ich habe ja früher bereits in Sommernächten auf einer Bank gelegen und den Sternhimmel betrachtet. So viele Sterne wie in meiner Jugend sieht man in der lichtverschmutzten Großstadt nicht mehr. Aber eine klare Frühlingsnacht reichte für den Test. Die univers2go-App gestartet, den Modus für den Sternenhimmel gewählt und das Handy in die Brille eingelegt. Dann die Abdecklappe der Datenbrille abgenommen, fertig. Schaut man dann in den Himmel, wird der in obigem Bild sichtbare Marker eingeblendet. Durch die Optik wird der Sternhimmel in der Anzeige sichtbar.

An Hand des Magnetsensors erkennt die App die Raumorientierung und versieht die Sterne mit den Linien und Namen der Sternbilder. Sorgte schon für den ersten Wow-Effekt. Sobald der Marker durch Bewegen des Kopfes in die Nähe eines Sterns kommt, blendet die App dessen Beschreibungstext ein. Gleichzeitig werden auch akustische Informationen ausgegeben. Ich muss sagen, ich war spontan begeistert, was ich da an Informationen abrufen konnte. Wer sich für Astronomie interessiert, aber noch wenige Kenntnisse hat, erlebt mit Universe2go eine geniale Einführung in das Thema und kann sich neue Wissensgebiete erschließen.

Und wenn die Entwickler im Rahmen eines App-Updates bei diversen Sternen ggf. noch die Infos einblenden, welche extrasolaren Planeten man bereits nachgewiesen hat, könnte man schon seine Stippvisite mental vorbereiten Zwinkerndes Smiley.

Den Preis von 99 Euro halte ich angesichts des Funktionsumfangs für gerechtfertigt. Extrem clever empfand ist die Art, wie durch Neigen des Kopfes die Funktionen abrufbar und die App bedienbar gemacht wird. Hier kam bei mir zum ersten Mal ein Gefühl dafür auf, was Virtual Reality in Zukunft zu leisten vermag. Weitere Details könnt ihr ggf. auf der Webseite des Anbieters abrufen.

Ähnliche Artikel:
VirtualReality-Brille VRB60.3D für Smartphones
Papp-VR-Brille VRB50.3D von Pearl
Mattel bringt mit Google ViewMaster VR-Brille für 30 $
Nutzlos, aber cool: Gratis VR-Brille für LG G3-Käufer
Oculus Rift: VR-Brille vorbestellbar, Liefertermin als Lottospiel
Google arbeitet an VR-Brille
HoloLens: Microsoft Holo VR-Brille


Werbung



Dieser Beitrag wurde unter Test, VR abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Kommentare zu VR: Sternenbrille Universe2go angetestet

  1. Thomas Bauer sagt:

    Also die Steuerung mit Blicken funktioniert bei der Pearl VR auch. Fürs iPhone gibt es dafür Apps im Store. Ich wollte ja die Brille mal testen, habs aber leider vergessen und jetzt liegt sie angestaubt im Schrank. Die Tage werde ich sie mal ausprobieren.

    • Danke für die Ergänzung. Vielleicht ergibt sich da ja ein Gastbeitrag zu?

      Ich hatte es getestet – das Ganze hängt ja von der App ab. Die Apps, die ich mal angetestet hatte, waren zwar interessant, aber nicht so, dass ich Wow, muss ich mir täglich geben, gesagt hätte.

  2. Andreas B. sagt:

    Bei den meisten dürfte die Anfangsbegeisterung für die Amateurastronomie nach meiner Erfahrung schnell erlahmen, wenn es nicht zur Praxis kommt. Das Thema hat immer mal wieder Konjunktur (die berühmte SoFi, Komet Hale-Bopp etc.). – Richtig Spaß macht all das wirklich erst als Gemeinschaftsunternehmung. Bei mir fing es damals an nach einem Besuch im Hamburger Planetarium.
    Lohnende Anfängerobjekte sind bspw.: Saturn (+ dessen Ringe!), Jupitermonde, Andromedanebel. (Der Messier-Katalog ist schon mal ein guter Start.) Und dann merkt man sich natürlich auch schnell die Gegend, wo man im August die Sternschnuppen findet…
    Sehr gute Dienste taten mir in meiner (schon etwas länger zurückliegenden) Jugend immer aus dem Kosmos-Verlag: die „Nachtleuchtende Sternkarte für Einsteiger“ und das Büchlein „Welcher Stern ist das?“ (mit einer schönen Liste der Beobachtungsobjekte für Feldstecher bis Teleskop). Beides hat sich sehr bewährt und gibt’s immer noch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.