Windows 10-Upgrade: "Datenträgercontroller: Die derzeit aktive Partition ist komprimiert"

Benutzer von Windows 7 SP1 (und möglicherweise Windows 8.1), die auf Windows 10 upgraden möchten, bekommen möglicherweise einen etwas obskuren Fehlerabbruch. Der Upgrade-Assistent meldet während der Kompatibilitätsprüfung “Datenträgercontroller: Die derzeit aktive Partition ist komprimiert” und bricht das Upgrade ab. Hier ein Versuch, Ursache und Lösung zu finden.


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Erstmals bin ich persönlich in diesem Microsoft Answers-Forenbeitrag auf das Thema gestoßen. Eine Internetsuche zeigte mir, dass der Fehler wohl seit Mitte Juni 2016 auftritt (hier, hier, hier, hier, hier). Allen Fällen gemeinsam ist, dass die Nutzer in den deutschsprachigen Foren den Fehler beim Upgrade-Versuch von Windows 7 SP1 auf Windows 10 bekommen.

Upgrade-Assistent Fehler

Konkret meldet der Windows 10-Upgrade-Assistent den Fehler bei der Kompatibilitätsprüfung des Systems (siehe obiges Foto).

Die typischen Ratschläge, die ich so in den Foren lese, lauten “überprüfe, ob die Windows-Partition komprimiert ist”. Liest sich ganz nett, führt aber am Kern vorbei – und ähnlich fruchtlos sind dann auch die Antworten in den Foren. Daher beschreibe ich den Ansatz etwas ausführlicher.

Der Fehler tritt übrigens nur bei MBR-Datenträgern auf BIOS-Systemen auf. Bei UEFI-Systemen gibt es keine aktive Partition, sondern dort übernimmt die EFI-Partition den Boot-Vorgang. Dürfte der Grund sein, warum der Fehler auf Windows 8.1 OEM-Systemen nicht auftritt.

Welches ist die aktive Partition?

Bevor man in wilden Aktionismus ausbricht, sollte vorab geklärt werden, welche Partition die aktive ist.

1. Geben Sie comp im Suchfeld des Windows 7 Startmenüs ein und wählen Sie den Treffer Computerverwaltung mit der rechten Maustaste an.

2. Starten Sie die Computerverwaltung über den Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen.

3. Wählen Sie in der Computerverwaltung in der linken Spalte den Eintrag Datenspeicher/Datenträgerverwaltung.

Datenträgerverwaltung

Anschließen zeigen Sie auf die einzelnen Partitionen des Datenträgers, der für Windows verwendet wird. Im aktuellen Beispiel des obigen Screenshots ist die Partition System reserviert als “Aktiv” gesetzt. Es kann aber auch Systeme geben, wo die Windows-Installationspartition als “Aktiv” gesetzt ist.


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Partition einen Laufwerksbuchstaben zuweisen

Sofern die Partition System reserviert als “Aktiv” gesetzt ist, muss dieser ein Laufwerksbuchstabe zugewiesen werden.

1. Klicken Sie in der Datenträgerverwaltung die aktive Partition mit der rechten Maustaste an.

2. Wählen Sie im Kontextmenü der Partition den Befehl Laufwerksbuchstaben und –pfade ändern …

Partition01

3. Weisen Sie im anschließend gezeigten Dialogfeld einen Laufwerksbuchstaben zu.

Laufwerksbuchstabe zuweisen

Hierzu klicken Sie auf die Schaltfläche Hinzufügen, wählen im Folgedialogfeld ggf. den Laufwerksbuchstaben und schließen Sie die Dialogfelder über die OK-Schaltfläche.

Im Nachgang an die Kontrolle der Verschlüsselung (siehe unten) sollten die obigen Befehle erneut durchlaufen und der Laufwerksbuchstabe für System reserviert wieder gelöscht werden.

Ist die Partition verschlüsselt?

Danach lässt sich prüfen, ob die Verschlüsselung des aktiven Laufwerks (Windows-Laufwerks oder System reserviert) eventuell eingeschaltet ist.

1. Hierzu ist im Explorer-Fenster das Laufwerk, welches die aktive Partition repräsentiert, per Rechtsklick anzuwählen.

2. Dann ist im Kontextmenü der Befehl Eigenschaften anzuwählen und auf der Registerkarte Allgemein die Laufwerkwerkskomprimierung zu prüfen.

Ist das Kontrollkästchen Laufwerk komprimieren, um Speicherplatz zu sparen markiert, hebt man diese Markierung auf und klickt auf OK. Dann sollte Windows die Komprimierung rückgängig machen – was einige Zeit dauern kann.

Wie in den Kommentaren angemerkt, wird Windows Laufwerke, die im Zugriff sind, u.U. nicht entschlüsseln können. In diesem Fall ließe sich das System unter Windows PE (z.B. per Setup-DVD in den Computerreparaturoptionen booten. In der Eingabeaufforderung kann man dann versuchsweise Notepad aufrufen, auf den Befehl Öffnen gehen und das gleichnamige Dialogfeld als Mini-Dateimanager verwenden, um per Kontextmenü auf die Eigenschaften zuzugreifen und die Komprimierung abzuschalten (siehe auch die Artikel First Aid: Datenrettung, wenn Windows 7 versagt und Windows 10: Zurück auf Windows 7 SP1 oder Windows 8.1 (Rollback)). Oder man löscht die aktive Partition und baut diese manuell wieder auf bzw. greift gleich zu einer Neuinstallation.

Noch ein paar Theorien

Falls das aktive Laufwerk nicht komprimiert ist, der Fehler aber kommt, ist natürlich guter Rat teuer. Hier ein paar Theorien meinerseits:

  • Irgend ein Tool hat das aktive Laufwerk in einem inkonsistenten Zustand hinterlassen, so dass ein Kompression-Bit gesetzt ist. Hier kann man eine administrative Eingabeaufforderung öffnen und den Befehl chkdsk x: /x /r eingeben, wobei x: hier für den Laufwerksnamen der aktiven Partition steht. Der Befehl versucht die Partition zu prüfen und zu reparieren.
  • Den Ansatz, dass die Partitionen durch den OEM komprimiert wurden (Stichwort wäre WIMBoot unter Windows 8.1) kann man bedenken. Ich würde die Wahrscheinlichkeit nahe 0 sehen, da die meisten Treffer zum Fehler unter Windows 7 auftraten, wo kein WIMBoot bekannt ist.
  • Allerdings deutet dieser Post darauf hin, das OEMs möglicherweise da was verbeutelt haben – möglicherweise ist die MFT komprimiert (siehe folgender Punkt).  
  • Was es gibt, ist die Möglichkeit, die sogenannte Master File Table (MFT) der Partition zu komprimieren. Diese Option wird z.B. im Paragon Festplattenmanager angeboten. Auch das könnte der Grund für die erwähnte Fehlermeldung sein.
  • Auch die Verwendung von Dritthersteller-Komprimierungstools wie VeraCrypt etc. würde ich in diesem Szenario ausschließen.
  • Eine Installation auf einer VHD/VHDX-Disk würde ich ebenfalls als Ursache für den obigen Fehler ausschließen – aber VHD/VHDX-Installationen sind eh nicht upgrade-fähig.

Da der Fehler erst Mitte Juni 2016 auftritt, könnte eines der “magischen” Kompatibilitäts-Updates mit einem Bug der Übeltäter sein. Mangels betroffenen System kann ich das aber nicht testen. Falls jemand mal betroffen ist, einfach versuchsweise die Updates bis einschließlich Juni 2016 deinstallieren.

Diese Lösungen sollten funktionieren

Kommt man mit obigen Hinweisen der Ursache nicht auf die Spur, bleiben folgende Ansätze, um das Problem zu beheben:

  • Man könnte ein anderes Laufwerk als aktiv setzen und dann das Upgrade erneut anstoßen. Ist beispielsweise System reserviert komprimiert, setzt man das Windows-Laufwerk aktiv. Ist aber suboptimal und man muss sofort upgraden, weil das System nicht mehr bei einem Neustart bootet.
  • Man bootet mit Windows PE (siehe oben), löscht mit diskpart die Partition System reserviert und baut die Partition mit den Windows PE-Dateien manuell neu auf. Das erfordert aber Detailwissen und wird hier nicht behandelt.
  • Man verwendet die Recovery-Funktion des OEM-Herstellers, um das installierte Windows 7 auf Werksauslieferungszustand zurückzusetzen und stößt dann das Upgrade erneut an. Allerdings gibt es gemäß diesem Post den Verdacht, dass OEMs da eine komprimierte Wiederherstellungspartition verwenden und nur noch folgende Option hilft.

Funktionieren die obigen Ansätze nicht oder sind diese zu kompliziert, bleibt nur noch, Windows 10 als Installationsmedium per Media Creation Tool herunterzuladen und danach ein Clean Install auszuführen. Wie das funktioniert, ist in den nachfolgend verlinkten Artikeln beschrieben.

Vielleicht helfen euch die skizzierten Ansätze weiter, falls ihr betroffen seid. Zudem würde mich eine Rückmeldung eines Betroffenen interessieren, ob es Windows 7 oder Windows 8.1 war, ob die aktive Partition wirklich komprimiert war und ob sich die Ursache identifizieren lässt.

Ähnliche Artikel:
Wiki/FAQ
Windows 10: Download mit dem Media Creation Tool – Teil 1
Windows 10: Tipps und Infos zum Download– Teil 2
Windows 10: Upgrade vom Installationsabbild – Teil 3
Windows 10: Clean Install vom Installationsabbild – Teil 4

Windows 10: Media Creation Tool Troubleshooting-Tipps
Windows Media Creation Tool: Error 0x80070005 – 0xA0019


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14 Kommentare zu Windows 10-Upgrade: "Datenträgercontroller: Die derzeit aktive Partition ist komprimiert"

  1. Thomas Bauer sagt:

    “Dann sollte Windows die Komprimierung rückgängig machen – was einige Zeit dauern kann.” Sich im Zugriff befindliche Dateien können nicht so einfach wieder entschlüsselt werden. Deren Installation als komprimiert war einfach. Aber danach lassen die sich nie wieder entpacken und ab da wirds kompliziert. So einen Müllhaufen mache ich platt, sichere APPDATA und installiere neu.

  2. Pingback: Anonymous

  3. Das ist aber schon ein sehr ungewöhnlicher Fehler, aber meistens triffts auch die Leute mit keinerlei Erfahrung.

    Ja wenns Probleme gibt am besten Datensichern Manuell oder per irgendeinem Tool welchem man Vertrauen kann und installiere komplett Neu mach am wenigsten Arbeit.
    Wozu den ganzen Kram ausprobieren wenns möglicherweise eh nicht funktioniert, lieber gleich Nägel mit Köpfen machen.

  4. Ali Karabenemsi sagt:

    Ich hatte das Problem auch und hab mich stundenlang damit herumgeärgert 🙁

    Die Lösung war dann der Tipp mit der Computerverwaltung. Dort stand nur eine 100MB kleine Wiederherstellungspartition als “aktiv”. Dummerweise gibt es dort bei Rechtsklick nicht wie oben beschrieben ein Kontextmenü, sondern nur einen Punkt “Hilfe”, da lässt sich also nix andern. Ich hab dann einfach Laufwerk C zusätzlich auf aktiv gesetzt, dann hat es geklappt.

  5. Hans Heinzen sagt:

    Ich hatte diese Problem auch. Nachdem ich alle in diesem Beitrag erwähnten Typs erfolglos ausprobiert habe, bin ich auf “Eigenschaften” de entsprechenden Partition gegangen und habe da “Laufwerk komprimieren…” gesetzt. Anschliessen das Häckchen wieder entfernt und sie da: die Fehlermeldung kam nicht mehr. Wahrscheinlich hat, wie im Beitrag auch erwähnt, irgendwie ein Bit das Laufwerk aus komprimiert gekennzeichnet.

    • Danke für die Rückmeldung – hilft anderen möglicherweise weiter.

    • Hans Müller sagt:

      Aus irgendeinem Grund möchte Windows bei mir bei der bis dato einzigen aktiven Partition, die auf meiner M:\-Festplatte liegt, das Update installieren..
      Auf dieser – und nur auf dieser! – Festplatte hatte ich die Komprimierung auch aktiviert.
      Auch nachdem ich die Partition auf C:\, auf der Windows installiert ist, auf aktiv gesetzt habe, hat sich daran nichts geändert. Ich habe keine Wahl bekommen, wo ich das Update installiert haben möchte.
      Naja, der Tipp mit dem Haken raussetzten funktioniert wohl. Habe das jetzt nur für das obere Verzeichnis von M:\ gemacht, sodass Unterordner nicht dekomprimiert werden.
      Gleich ist das Update komplett vorbereitet; ich antworte dann, ob es geklappt hat.

      • Hans Müller sagt:

        Habe vor zehn Minuten den Rechner ausgeschaltet, da sich der Rechner beim Update wohl aufgehangen hat und die Versuche davor in weniger Stunden durchgelaufen sind.
        Nun kam der Bootfehler 0xC000000F. Habe die Bootreihenfilge geändert und M:\ nach vorne gesetzt. Nun ist er erneut beim Update und dreht wrnigstens das Rad flüssig. Hoffentlich läuft das nun durch und ich habe keine weiteren Datenverluste..
        Microsoft bereitet mir schon mit anderer Software genug Kopfschmerzen…

        Ich schreibe, wenn sich etwas Neues ergibt, noch eine Antwort. Bitte antwortet – auch wenn meine Antwort dann schon Monate her sein sollte – wenn ich irgendwelche hilfreichen Hinweise habt.

        • Hans Müller sagt:

          Die Bootmanger-Einträge habe ich wieder. Wenn ich jedoch auf den neuen Setup-Eintrag gehe, dann wird jetzt schon wieder die vorherige Version von Windows wiederhergestellt…

          Das war es dann wohl. Vielleicht versuche ich es noch einmal und wenn es nicht klappt, was ich denke, dann blockiere ich Updates komplett.

  6. Rudolf Ritter sagt:

    Hallo Hans Heinzen,
    als unbedarfter Nutzer, der Win10 auf Grund der Werbeaktionen heruntergeladen und installiert hat, muss ich dich um eine genauere Erläuterung bitten wie ich in die entsprechenden Funktionen komme, denn als “System-Laie” habe ich keine Ahnung wie ich vorzugehen habe oder wo ich suchen muss.
    Mit lieben Grüßen
    Rudi

  7. Gerold sagt:

    Hallo Ali Karadenemsi,
    Danke für Ihren Hinweis die Partition C: auf aktiv zu setzen.
    Hatte auch eine kleine Wiederherstellungspartion von 100 Mb.
    Kann nun Windows 10 auf V1607 updaten
    Mit lieben Grüßen

  8. Zimmermann Heidi sagt:

    Fehlermeldung: Datenträgercontroller, die aktive Partition ist komprimiert!
    einfache Lösung als Administrator:
    Wähle: System, Verwaltung, Computerverwaltung, Datenträgerverwaltung, OS C
    rechts im Display Aktion anklicken und alle Aufgaben wählen
    Marker im Kästchen “Dateien komprimiert” entfernen und mit ok bestätigen.
    Fazit: Fehlermeldung im Assistenten erscheint nicht mehr und das Creators Update kann heruntergeladen werden. q.e.d.

  9. Hansi Grandl sagt:

    Hallo,
    bei mir kam auch diese Fehlermeldung.
    Windows10 war auf Partition D und Windows 7 auf C, da ich Windows10 zum Testen hernehme. Das System macht dann, wenn ich Windows 10 aufrufe aus der Partition D die Partition C (System).
    Die Windows 7-Partition war komprimiert. Habe da das Häkchen entfernt und siehe da
    das Update funktioniert.

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