Windows 10: Upgrade-Fehler analysieren und beheben

In Windows 10 hat Microsoft ja Windows as a service eingeführt, wo zwei bis drei Mal im Jahr Feature Upgrades ausgerollt werden. Das alles läuft unter Windows 10 per Auto-Update-Funktion, die alles selbständig erledigt und vom Anwender wenig beeinflusst werden kann. Selbst Fehler beim Upgrade kann Windows 10 und korrigieren. Microsoft erklärt jetzt seinen Windows 10-Nutzern den Mechanismus während der Upgrade-Installation.


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Vorab noch ein allgemeiner Hinweis: Einen normalen Windows 10-Nutzer muss das alles nicht interessieren. Denn erstens gilt “einschalten und zurücklehnen”, denn zweitens läuft der Upgrade-Vorgang ja vollautomatisch und der Anwender hat eh keine Eingriffsmöglichkeit. Und drittens gibt es ja im Blog den Beitrag Anwender: Überlasst Microsoft die Verwaltung der Updates …, wo Microsofts Corporate Vice President of Enterprise Client and Mobility, Brad Anderson, die Vorstellungen des Unternehmens in Bezug auf Updates ausführt (frei übersetzt “lasst uns bei Microsoft machen, wir wissen, wie es geht”). Gilt natürlich sinngemäß auch für Feature-Upgrades. Für Technik-affine Menschen hat Microsoft aber den Upgrade-Vorgang im Technet-Beitrag Resolve Windows 10 upgrade errors mal aufgedröselt. Das hilft bei der Ursachenforschung, warum die Installation gescheitert ist.

Gestufter Upgrade-Vorgang

Windows 10 verwendet bei der Installation von Feature-Upgrades einen gestuften Installationsvorgang, der in 4 Schritten (und ggf. einem fünften Fehlerschritt) besteht.


(Quelle: Microsoft)

Das obige Schema zeigt die Phasen einer erfolgreichen Installation. Die Installation gliedert sich in folgende Phasen:

  • Downlevel phase: Läuft unter dem alten Windows, wo die zu installierenden Komponenten und Informationen gesammelt werden.
  • Safe OS phase: In dieser Phase wird die Recovery Partition konfiguriert und das Upgrade wird installiert. Das findet unter Windows PE statt und dort wird ein Rollback vorbereitet. In dieser Phase können Fehlercodes wie 0x2000C, 0x20017 etc. auftreten.
  • First boot phase: Das ist die Phase wo Windows nach der Safe OS-Phase zum ersten Mal gebootet wird. In diesem Zustand können die Fehler 0x30018, 0x3000D etc. auftreten.
  • Second boot phase: Während dieser Phase werden die endgültigen Einstellungen gesetzt. Die Phase ist auch als OOBE boot phase geläufig. Während der Einrichtung können Fehler mit den Codes 0x4000D, 0x40017 etc. auftreten.
  • Uninstall phase: Diese Phase wird nur eingeleitet, wenn das Upgrade nicht erfolgreich durchgeführt werden kann. In dieser Phase werden Fehlercodes der Art 0x50000 generiert.

An Hand des Fehlercodes lässt sich also sofort erkennen, in welcher Phase ein Fehler aufgetreten ist (war mir so bisher nicht klar).

Was man tun kann, wenn Fehler auftreten

Im Blog-Beitrag gibt Microsoft dann auch praktische Hilfestellung, was ein Anwender bei auftretenden Upgrade-Fehlern tun kann:

  • Die logischen Laufwerke und Festplatten einer Festplattenprüfung und –reparatur unterziehen (kann notfalls mit chkdsk /F erfolgen).
  • Versuch, das System mittels sfc und dism zu reparieren – habe ich im Artikel Windows 8: Komponentenstore reparieren beschrieben.
  • Windows per Windows Update aktualisieren lassen, so dass das System auf dem neuesten Stand ist.
  • Antivirus-Software von Drittherstellern deinstallieren. Der Windows Defender reicht für den Schutz aus. Diese Empfehlung gebe ich in meinen Blog-Beiträgen ebenfalls und habe die Gründe im Beitrag Windows 10: Welche Antivirus-Lösung soll ich einsetzen? erläutert.
  • Verifiziere die Kompatibilitätsinformationen, so dass die Antivirus-Software nach dem Feature-Upgrade wieder installiert werden kann.
  • Deinstalliere alle nicht benötigte Software und ziehe nicht benötigte essentielle externe Hardware (USB-Geräte, Dockes etc.) ab.
  • Aktualisiere die Firmware und die Treiber des Gerät vor dem Upgrade.
  • Sicherstellen, dass “Download and install updates (recommended)” während des Upgrade-Vorgangs zugelassen ist. Das ist etwas intransparent, das in Windows 10 Home ja ein Auto-Update erzwungen wird.
  • Stelle sicher, dass mindestens 16 GByte freier Speicher für das Upgrade auf dem Windows Laufwerk vorhanden sind (32 Bit). Bei 64-Bit-Installationen sind 20 GByte Speicher erforderlich.

Die obigen Hinweise finden sich in ähnlicher Form in meinen Blog-Beiträgen zur Fehlerbehebung und in der Upgrade-FAQ (siehe Windows 10 (V1511) November-Update & Troubleshooting FAQ).

Hilfen zur Ermittlung des Fehlercodes

Scheitert ein Upgrade wegen eines Fehler, sollte ein entsprechender Hinweis mit dem Fehlercode angezeigt werden. Gegebenenfalls findet sich der Fehlercode in der Ereignisanzeige. Wie man Update-Fehlercodes aufspürt, habe ich in den folgenden Blog-Beiträgen beschrieben:


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Windows-Updates KB3195781 und KB3194496 mit Installationsproblemen – Teil 1
Windows 10: Defender-Update liefert Error 0x80200001
Windows 10: Update-Fehler 0x800f0922

Bei Windows 10 Feature-Upgrades werden zusätzlich .log-Dateien geschrieben, die man auswerten kann. Diese sind als versteckte Dateien in diversen Ordnern zu finden. Ich habe das Thema im Blog-Beitrag Windows 10: Protokolldateien bei Upgrade-Fehlern analysieren behandelt.

Ergänzende Hinweise finden sich im Technet-Beitrag, wo die Datei setupact.log als extrem hilfreich zur Diagnose aufgeführt ist. Das Schöne: Für jede der .log-Dateien wird aufgelistet, wozu diese gut ist und welche Einträge man dort finden kann.

Hilfen zur Entschlüsselung der Fehlercodes und zur Fehlerdiagnose

Wurde der Fehlercode, der zum Upgrade-Abbruch führte, ermittelt, gilt es, diesen zu entschlüsseln und die Abbruchursache herauszufinden. Wie man Fehlercodes decodieren kann, habe ich im Blog-Beitrag Windows Fehler entschlüsseln beschrieben.

Im Technet-Beitrag finden sich nun ergänzende Informationen, wie man einzelne Fehlercodes interpretieren kann und wie sich diese zusammensetzen.

  • 0x800xyyyy: Die Ziffer 8 signalisiert einen Win32-Fehler, wie ich auch im Blog-Beitrag Windows Fehler entschlüsseln  beschrieben ist. Die letzten 4 Ziffern des Fehlercodes ergeben den HRESULT-Code, dessen Entschlüsselung ich im verlinkten Blog-Beitrag zeige.
  • 0xC1900yyy: Die Ziffer C signalisiert eine NTSTATUS-Meldung. Auch hier geben die letzten 4 Ziffern des Fehlercodes die Details zum Fehler an.

Der Fehlercode 0xC1900101 ist ein generischer Fehler, der nur angibt, dass ein Rollback erfolgte. Der Grund für das Rollback findet sich im dem Extended-Fehlercode (z.B. in 0xC1900101 – 0x4000D). Interessant ist die Erläuterung zum Extended-Fehlercode. Die erste Ziffer hinter der Hex-Signatur x liefert die Phase, in der das Rollback erfolgte.

Hex-Ziffer Phase
0 SP_EXECUTION_UNKNOWN
1 SP_EXECUTION_DOWNLEVEL
2 SP_EXECUTION_SAFE_OS
3 SP_EXECUTION_FIRST_BOOT
4 SP_EXECUTION_OOBE_BOOT
5 SP_EXECUTION_UNINSTALL

Anschließend kann man die letzten zwei Ziffern für eine detailliertere Beschreibung der Rollback-Ursache verwenden. Die folgende Tabelle enthält die von Microsoft veröffentlichten Statuscodes.

Hex Operation
0 SP_EXECUTION_OP_UNKNOWN
1 SP_EXECUTION_OP_COPY_PAYLOAD
2 SP_EXECUTION_OP_DOWNLOAD_UPDATES
3 SP_EXECUTION_OP_INSTALL_UPDATES
4 SP_EXECUTION_OP_INSTALL_RECOVERY_ENVIRONMENT
5 SP_EXECUTION_OP_INSTALL_RECOVERY_IMAGE
6 SP_EXECUTION_OP_REPLICATE_OC
7 SP_EXECUTION_OP_INSTALL_DRIVERS
8 SP_EXECUTION_OP_PREPARE_SAFE_OS
9 SP_EXECUTION_OP_PREPARE_ROLLBACK
A SP_EXECUTION_OP_PREPARE_FIRST_BOOT
B SP_EXECUTION_OP_PREPARE_OOBE_BOOT
C SP_EXECUTION_OP_APPLY_IMAGE
D SP_EXECUTION_OP_MIGRATE_DATA
E SP_EXECUTION_OP_SET_PRODUCT_KEY
F SP_EXECUTION_OP_ADD_UNATTEND
10 SP_EXECUTION_OP_ADD_DRIVER
11 SP_EXECUTION_OP_ENABLE_FEATURE
12 SP_EXECUTION_OP_DISABLE_FEATURE
13 SP_EXECUTION_OP_REGISTER_ASYNC_PROCESS
14 SP_EXECUTION_OP_REGISTER_SYNC_PROCESS
15 SP_EXECUTION_OP_CREATE_FILE
16 SP_EXECUTION_OP_CREATE_REGISTRY
17 SP_EXECUTION_OP_BOOT
18 SP_EXECUTION_OP_SYSPREP
19 SP_EXECUTION_OP_OOBE
1A SP_EXECUTION_OP_BEGIN_FIRST_BOOT
1B SP_EXECUTION_OP_END_FIRST_BOOT
1C SP_EXECUTION_OP_BEGIN_OOBE_BOOT
1D SP_EXECUTION_OP_END_OOBE_BOOT
1E SP_EXECUTION_OP_PRE_OOBE
1F SP_EXECUTION_OP_POST_OOBE
20 SP_EXECUTION_OP_ADD_PROVISIONING_PACKAGE

Das sind zwar für unerfahrene Benutzer kryptische Informationen, geben aber Hinweise, in welchem Schritt der Installationsabbruch mit welchem Grund erfolgte. Man kann dann in den .log-Dateien nach dem Fehlercode suchen, um ggf. einen Hinweis zu erhalten, welche Datei genau das Problem verursacht. Im Zweifelsfall lässt sich zudem im Internet nach dem Fehlercode bzw. dem Bezeichner suchen. Manchmal erhält man dann weitere Hinweise auf gefundene Ursachen. Im Technet-Beitrag finden sich dann noch eine Sammlung an Fehlercodes zu häufiger auftretenden Fehlern wie 0xC1900101 – 0x20004 mit Informationen, was man tun kann. Hier möchte ich auf meine deutschsprachigen Blog-Beiträge und Wiki-Artikel bei Microsoft Answers verweisen, die diese Fehler ebenfalls (in deutsch) thematisieren.

Unter dem Strich finde ich den Technet-Beitrag eine coole Sache, die mir an einigen Stellen fehlende Puzzleteile zu diversen Blog-Beiträgen nachliefert. Vielleicht hilft das euch bei auftretenden Fehlern mit Installationsabbrüchen bei Feature-Updgrades (und ich denke, auch bei der Installation kumulativer Updates) weiter. Wenn Microsoft dann noch die Updates besser in den Griff bekommt, dass keine Fehler in den Paketen für einen Installationsabbruch verantwortlich sind, wäre “Land in Sicht”. (via)

Artikel bei Microsoft Answers
Windows 10 FAQ
Windows 10: Installations- und Upgrade-Troubleshooting

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6 Kommentare zu Windows 10: Upgrade-Fehler analysieren und beheben

  1. Nils sagt:

    Sehr hilfreich, Danke.

  2. Holger K. sagt:

    Danke für das zur Verfügung stellen der Informationen. Sehr hilfreich!

  3. Robert sagt:

    Ich habe ein interessantes Problem, das mir neu ist, und das ich bis jetzt nicht lösen konnte: seit der Installation der 14931 Build (Slow Ring) kann ich den PC (Desktop) nicht mehr runterfahren. Ruhezustand geht auch nicht, ebenfalls nicht “Energie sparen”.
    In allen 3 Fällen geht zwar der Monitor auf Standby, der Rechner läuft jedoch weiter.
    Neu starten funktioniert jedoch.

    Schon mal gesehen? Was könnte ich machen?

    • Al CiD sagt:

      Schon mal aus der CMD-Konsole mit Adminrechten folgendes versucht:
      “shutdown /s /t 0”
      .
      Wenn das ohne Probleme geht dann noch mal in den Energieoptionen gucken, dass die Einstellungen alle richtig sind

      Viel Erfolg

  4. Sarah Seeger sagt:

    Ich habe folgendes Problem:
    Seit 201 Tagen kann ich Windows nicht mehr aktualisieren. Bei “Prüfen” steht dann:
    Windows 10 Upgrate reserviert. Eine Installierung ist jedoch nicht erfolgt. Ein letztes
    Update erfolgte am: 17.07.2016 um 09.45 Uhr.
    Eine Definitionsaktualisierung ist nicht möglich, stattdessen erfolgt der Hinweis:
    Fehler: 0x80070652.
    Ein Abbrechen bezüglich des Windows 10 Apgrade ist nicht ebenfalls nichtmöglich.
    Ich arbeite weiterhin mit Windows 7.
    Bisher habe ich keine Lösung meines Problems trotz intensiver Suche im Internet
    unter Windows finden können.
    Kann mir jemand eine Hilfestellung oder Rat zu meinem Problem geben? Bin für
    jeden Hinweis dankbar, Updates wieder erfolgreichen aktualisieren zu können.
    Es grüßt Sarah

    • Günter Born sagt:

      Ich interpretiere deinen Kommentar folgendermaßen:

      1. Du arbeitest unter Windows 7, aber im Juli 2016 war Microsoft so freundlich, dir das Upgrade auf Windows 10 reinzudrücken, welches wegen Problemen aber (glücklicherweise) nicht installiert wird.

      2. Jetzt streikt Windows Update, weil das Upgrade auf Windows 10 quer steckt.

      Ich habe mal geschaut, der Fehlercode 0x80070652 weist in die gleiche Richtung, denn er steht für ERROR_INSTALL_ALREADY_RUNNING “Es wird bereits anderweitig eine Installation ausgeführt. Beenden Sie den anderen Installationsvorgang, bevor Sie diese Installation fortsetzen.”

      Wird jetzt etwas schwierig, denn ein klicke hier und alles wird gut, dürfte schwierig werden. Versuche folgende Vorgehensweise – ohne Gewähr auf Erfolg – ich muss da ein wenig raten:

      Gehe in diesen Beitrag von Microsoft und schaue, ob die Update-Problemhandlung für Windows 7 weiter hilft.

      Falls Du damit nicht weiter kommst, schau dir mal das Tool im Blog-Beitrag Windows 10 Upgrade mit GWX Control Panel blocken an. Das Tool gibt es nach wie vor – und dieses Besitzt Optionen, um den Update-Cache zu löschen. Vielleicht kann das noch was reißen.

      Hilft das auch nicht, versuche den Update-Store gemäß meinen Hinweisen im Blog-Beitrag Windows lädt permanent Updates neu zu leeren.

      Hilft auch nicht, versuche das anstehende Update abzubrechen – wie das geht, habe ich im Artikel Windows 10: Upgrade-Fehler 0xC000021A im Abschnitt “Versuch, anstehende Updates zu unterbrechen” skizziert.

      Vielleicht hilft was weiter – viel Glück.

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