Adobe Acrobat Reader als Dokumentenscanner

Adobe hat seine Mobile-Geräte App Acrobat Reader in Android und iOS um eine neue Funktion zum Dokumentenscan ausgestattet. Hier eine Übersicht über die neue Funktion.


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Scannen per Mobile-App ist momentan ja populär. Die Woche hatte ich den Beitrag Googles Fotoscanner-App digitalisiert alte Fotos im Blog, wo es um das Scannen von Fotos ging. Auch Microsofts Office Lense kann scannen und Dokumente konvertieren (siehe z.B. Microsofts Office Lense konvertiert nach PDF). Jetzt zieht Adobe also nach.

Die neuen Scan-Funktionen wurden, laut Adobe-Pressemitteilung, am 17. November 2016 in der kostenlosen App Adobe Reader Mobile für iOS- und Android-Smartphones und -Tablets freigegeben. Damit sollen die 300 Millionen Nutzer der kostenlosen, mobilen Acrobat Reader-App nicht nur PDF-Dateien anzeigen und mit Anmerkungen versehen können. Es sind jetzt auch Dokumentenscans möglich. Adobe packt dabei einige Funktionen in die neue Scan-Komponente, die direkt in die mobile Reader-App integriert sind. Die Nutzer sind nun in der Lage, Bilder anzufertigen und diese in eine signierbare, gemeinsam nutzbare, speicherbare und sichere PDF-Datei umzuwandeln. Das Ergebnis kann man speichern, in die Cloud hochladen und verschicken.

Mit der Scan-Funktion lässt sich alles digitalisieren, von Quittungen über Steuerdokumente bis hin zum Lieblingsrezept. Adobe reklamiert für die App, dass deren Scan-Funktion ein unternehmenstaugliches Tool zum Konvertieren von Papierdokumenten, Formularen, Verträgen, Visitenkarten oder auch Aufnahmen vom Whiteboard in PDF-Dateien sei und sich in digitale Arbeitsabläufe integrieren lässt.

Adobe Acrobat Reader Scan-Funktion

Ich habe die App mal unter Android installiert und getestet. Über ein Burger-Menü in der linken oberen Ecke lässt sich das obige Menü öffnen und die Scan-Funktion wählen.

Adobe Acrobat Reader Scan-Funktion anstoßen

Dann wird die Kamera eingeschaltet und die obige Anzeige erscheint. Man braucht nur das Dokument mit der Kamera anzuvisieren. Im App-Fenster finden sich Schaltflächen, um den Scan zu starten (mittlere unterer Kreis) oder um auf die Scans zuzugreifen (unten rechts). Alles recht intuitiv. Aber ich habe keine Option zum Einschalten des LED-Blitzes gefunden. So werden die Scans bei Neonlicht immer Schatten aufweisen (nachfolgend bereits zu erkennen).

Adobe Acrobat Reader Scan-Ergebnis

Anschließend wird der Scan in obiger Darstellung von der App angezeigt. Der Scan lässt sich über die Symbole am unteren App-Rand drehen, beschneiden, zu mehreren Dokumente zusammenfassen, verbessern, löschen und speichern.

Scan speichern


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Beim Speichern lässt sich der Dokumentname angeben. Zudem wird angezeigt, was man als nächstes (über das Burger-Menü tun kann). Gespeicherte Scans werden als PDF-Dateien unter Android im Ordner Download/Adobe Acrobat abgelegt und lassen sich im Adobe Acrobat Reader öffnen, signieren und weiter verarbeiten.

Anmerkung: Auf Grund der nachfolgenden Beschreibung habe ich während des Tests die Mobilfunk- und WLAN-Verbindung gekappt. Man kann einen Scan offline anfertigen und die App bietet einem auch das Speichern als PDF-Dokument an. Also alles gut? Meine Idee war, das Android-Gerät am USB-Anschluss des PCs zu belassen, um die Probescans nach jedem Durchgang sofort auf dem PC weiter zu verarbeiten. Dabei wunderte ich mich, dass nach dem nächsten Scan beim Zugriff per PC im Zielordner des Android-Geräts kein PDF-Dokument vorlag, obwohl die App eine PDF-Datei als gespeichert vermeldete. Erst als ich die USB-Verbindung zwischen PC und dem Android-Gerät trennte und wiederherstellte, ließ sich vom PC auf den neuen Scan zugreifen. Die Scan-Funktion funktioniert also auch offline, ohne Adobe Document Cloud. Aber die Synchronisierung zwischen Mobilgerät und PC ist eine Schwachstelle unter Android und iOS. Zumindest in meiner Umgebung kann ich häufig nicht per USB auf neu erstellte Screenshots oder Dokumente des Android- oder iOS-Geräts zugreifen. Ich muss immer erst die Verbindung trennen. Und irgendwann hatte ich wieder den berühmten Fehler, dass die Ressource bereits verwendet würde (siehe Windows-Fehler “Die angeforderte Ressource wird bereits verwendet”). So macht das keinen Spass – und das Teilen oder Speichern in der Cloud ist nicht mein Ding.

Auszüge der Funktionsbeschreibung aus dem Adobe Pressetext

Adobe listet in seiner Pressemitteilung folgende Features der neuen, kostenlosen Scan-Funktion des Acrobat Reader Mobile für Android und iOS auf:

  • Erfassen Sie schnell mehrere Scans, egal ob Formulare, Quittungen, Verträge, Post-its, Whiteboards u.v.m. und das einfache Umwandeln in speicherbare und gemeinsam nutzbare PDF-Dateien
  • Anmerkungen oder Signaturen können einfach hinzugefügt und PDF-Dateien mit integrierten Verbindungen zu Box, Dropbox, OneDrive, Google Drive u.v.m. direkt in der App abgespeichert werden
  • Sowohl das „gewöhnliche“ Scannen, als auch die Integration in den Dokumenten-Workflow des Unternehmens ist mit der Scan-Funktion möglich

Die Scan-Funktion in Adobe Reader Mobile wird durch Adobe Sensei ermöglicht, ein neues Framework mit einer Reihe  intelligenter Dienste, die in Document Cloud, Creative Cloud und Marketing Cloud eingebaut sind – sprich: es gehen Daten in die Cloud, wenn die Dienste genutzt werden. In Document Cloud nutzt Adobe Sensei Künstliche Intelligenz (KI), maschinelles Lernen und Deep Learning, um sich wiederholende Aufgaben zu automatisieren, die Produktivität zu steigern und den Weg zum Arbeitsplatz der Zukunft zu ebnen. Bei Scan in Adobe Reader Mobile arbeitet Adobe Sensei im Hintergrund und erkennt automatisch die Dokumentgrenzen, korrigiert die Perspektive und verbessert die Textschärfe. So erfassen Sie alle Inhalte optisch ansprechend, direkt weiter verwendbar und in digitaler Form.

Was wird Adobe Sensei in der Zukunft bewirken?

Adobe verarbeitet über Document Cloud mehrere Milliarden PDF Dateien. Ein Unternehmen könnte zum Beispiel die Inhalte all seiner Dokumente im Detail verstehen, Muster und Ähnlichkeiten darin finden und aus diesen Inhalten Wissen extrahieren. Eine medizinische Forschungseinrichtung könnte hingegen so viele Tausend, wenn nicht Millionen Studien durchsuchen, um Muster in den Symptomen der Patienten zu finden und die wirksamsten Behandlungsmöglichkeiten zu identifizieren. Oder ein Unternehmen könnte im Zuge seiner digitalen Transformation semantische Strukturanalysen von Dokumenten, KI und maschinelles Lernen nutzen, um die Inhalte aller gescannten Dokumente zu analysieren und zu kategorisieren. Die Möglichkeiten sind spannend und die Anwendungsfälle nahezu endlos.

Hier sind ein paar Beispiele dafür, wie sich Technologie auf der Grundlage von Adobe Sensei auf die Zukunft der Arbeit auswirken könnte:

  • Alle PDF-Dateien einer Organisation werden analysiert, Muster erkannt und das Wissen aus ihnen extrahiert
  • Tausende PDF-Dateien bekommen automatisch Dokumente erstellt, in denen die Inhalte zusammengefasst sind
  • Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen wird angewendet, um den Inhalt von Dokumenten zu analysieren und zu kategorisieren, während sie eingescannt und digitalisiert werden
  • Zukünftig von überall aus in virtuellen Umgebungen mit dem Inhalt von Dokumenten interagieren

Über Adobe Document Cloud

Im Mittelpunkt der Document Cloud stehen Acrobat DC, die weltweit beste PDF-Lösung, Adobe Sign, die führende Lösung für elektronische Signaturen, die jedem die elektronische Unterzeichnung und den Versand von Dokumenten über jede Art von Geräten ermöglicht, sowie leistungsstarke begleitende mobile Apps. Zusammen mit dem Acrobat Reader ist Acrobat eines der am weitesten verbreiteten Programme der Welt und wird auf mehr als einer Milliarde Mobilgeräten und Desktops genutzt.

Abschließende Worte

Es wird in den obigen Auszügen aus dem Adobe Pressetext klar: Die neue Scan-Funktion dient zum Promoten der Adobe Document Cloud (Adobe DC). Die Scan-Ergebnisse hängen davon ab, wie gut die Kamera des Mobilgeräts und die Ausleuchtung ist. Auch ist eine ruhige Hand gefragt. Meine Probescans auf einem Nexus 4 mit Neonbeleuchtung waren leicht unscharf.

Probescan

Eine gescannte DIN A4-Textseite war zwar lesbar, aber auch unscharf – Scan-Qualität definiere ich doch irgendwie anders. Die Umwandlung in Graustufen hat nicht wirklich was gebracht. Verwirrend empfinde ich auch die Bedienoberfläche der App. Üblicherweise wird man als Nutzer im Burger-Menü der App die Dateiliste mit dem PDFs abrufen und diese kurz antippen. Dann gelangt man in den Anzeige- und Kommentieren-Modus. Dort gibt es zwar einige Schaltflächen um unteren App-Rand. Eine Schaltfläche zum Löschen habe ich aber nicht gefunden. Um einen PDF-Scan zu löschen, muss ich im Burger-Menü der App die Dateiliste abrufen und dort das PDF-Dokument durch längeres Antippen markieren. Dann wird eine Schaltfläche zum Löschen eingeblendet, deren Logo äußerst verwirrend ist (und es kommt keine Nachfrage, das PDF ist sofort weg). Zusätzlich kann man über die drei Pünktchen am oberen App-Rand ein Menü öffnen. Dort steht der Befehl Löschen zur Verfügung. Also App-GUI-Chaos auch hier.

Trotzdem dachte ich, die Funktion hier vorzustellen – vielleicht ist sie ja für den einen oder anderen Blog-Leser von Interesse. Vielleicht macht ihr ja bessere Erfahrungen.

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4 Kommentare zu Adobe Acrobat Reader als Dokumentenscanner

  1. woodpeaker sagt:

    Also in meinen Augen ist das Kinderkram.
    Erwachsene haben dafür einen PC und einen richtigen Scanner.
    Und Cloud – habe dazu meine Meinung hinlänglich kundgetan. 🙂

    • steinwasser sagt:

      yo. Trotzdem werdens etliche machen, einfach weils geht, wie eig. immer.
      Aber wer Visitenkarten scannt, hat eh den Schuss nicht gehört…

  2. Ich kann es auch einfach per Bild ab Fotografieren und später mittels Abby Fine Reader in ein PDF Dokument umwandeln da zu brauche ich keine Adobe App.
    Im Übrigen geht das glaube ich auch bestens mittels Google https://chrome.google.com/webstore/detail/project-naptha/molncoemjfmpgdkbdlbjmhlcgniigdnf aber alle Dokumente würde ich damit auch nicht einscannen wollen.

  3. Dekre sagt:

    Ich möchte auf was (aus meiner Sicht) danz tolles hinweisen , was mich heute positiv überrascht hat. Ich habe mir von Foxit den Foxit-Reader heruntergeladen und installiert. Hier ist die Internetseite auf deutsch.
    https://www.foxitsoftware.com/de/
    Ichb in serh positiv überrascht weil es mal so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Da ich nun auch Adobe Acrobat Prof XI habe, so war mal wieder ein Test angesagt.
    Foxit Reader gib tes dort auch in diversen mobilen Versionen.
    Wenn man nur den Vergleich zwischen Adobe Acrobat Reader (PC-Fassung) und den Foxit-Reader zieht, so sind da Welten dazwischen. Mit dem Adobe Acrobat Reader kann man nichts machen außer lesen und Zusatzmodule kaufen. Das Scannen vom Drucker (Scanfunktion) funktioniert auch gut.
    Vor ca. 2-3 Wochen hatten wir hier über die PDF-Variante von Softmaker und ausgetauscht. Also ich bin von allein von den Foxit-Reader erst einmal sehr prositiv gestimmt und der Reader ist kostenlos. Die beiden Kaufvarianten sind dann auch wohl machbar.

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