Privacy Dashboard und neue Windows 10-Privatsphären-Einstellungen

Microsoft bewegt sich mal wieder ein Stückchen in Richtung (mögliche) Transparenz. Für Windows 10 sollen ab dem Creators Update weniger Daten erfasst und die Verwaltung der Datenschutzeinstellungen transparenter werden. Zudem wird ein Privacy Dashboard eingeführt.


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Bewegt sich da was? Mit der gerade vorgestellten Build 15002 von Windows 10 (Windows 10 Build 15002 Insider Preview freigegeben) rudert Microsoft ja ein wenig in Sachen Auto-Update zurück. Ab dem Creators Update kann man Updates für 35 Tage zurückstellen und auch die Treiberaktualisierung per Windows-Update ganz abstellen (zumindest in den Business-Editionen von Windows 10). War ein hartes Stück Arbeit über 1 1/2 Jahre, bis Microsoft sich da ein klein wenig bewegt hat.

Bleibt noch dem Thema Datensammlung in Windows 10, etwas was (in meinen Augen) berechtigt heftig in der Kritik steht und Microsoft “das Genick” brechen könnte. Ich hatte das Thema Telemetriedatenerfassung hier im Blog ja häufiger kritisch behandelt. Und für die “alles nicht schlimm – die wollen doch nur spielen”-Fraktion  ein Verweis auf diesen Infoworld-Artikel. Die besten Daten sind aus Datenschutzsicht immer noch die Daten, die niemals erhoben werden. Auch hier bewegt sich Microsoft ein winziges Stückchen.

Windows 10 Creators Update bringt bessere Datenschutzeinstellungen

Wenn ich bei Microsoft lese “We’ve been listening to your feedback…” schießt mir immer “kann Lüge Sünde sein” durch den Kopf. Wie dem auch immer sei, in einem länglichen Traktat geht Terry Myerson, Vizepräsident der Windows and Devices Group bei Microsoft auf die geänderten Datenschutzeinstellungen im kommenden Windows 10 Creators Update ein.


(Quelle: Microsoft)

So sollen beim Setup von Windows 10 die Privatsphäreneinstellungen explizit angezeigt (und nicht mehr über Expresseinstellungen standardmäßig gesetzt) werden. Weiterhin führt Microsoft ab dem Creators Update zwei Level (Basic und Full) zur Diagnostic-Datenerfassung ein. Standardmäßig wird die Telemetriedatenerfassung auf Basic reduziert, so dass nur noch (vitale) Daten von Windows zur Sicherheits- und Fehleranalyse erhoben werden. Firmen können aber ggf. die volle Telemetriedatenerfassung einschalten, um mehr Informationen über ihren Gerätepark zu sammeln.

Microsoft Privacy Dashboard

Weiterhin führt Microsoft ein Privacy Dashboard für Microsoft-Konten ein (etwas, was Google schon lange Jahre hat). Meldet man sich unter einem Microsoft Konto an, lassen sich unter account.microsoft.com/privacy# die gesammelten Daten zu diesem Konto (Browserverlauf, etc.) einsehen.

MSDash

Das “Glaubensbekenntnis” kannst man imho getrost in der Pfeife rauchen – Microsoft bekommt da vom neuen Präsidenten notfalls Bescheid-gestoßen, wie zu verfahren ist. Aber immerhin erhält man als Nutzer die Möglichkeit, zu sehen, was Microsoft zu einem Benutzerkonto so sammelt. Und man kann auch Daten, wie das Cortana Notizbuch, die Standortdaten, Sucherverläufe in Bing etc. löschen.

Was mir persönlich sauer aufgestoßen ist: Unter letzte Einkäufe wurde für ein Testkonto vermeldet “Anscheinend wurden über Ihr Konto noch keine Einkäufe getätigt. Zeit für eine Shoppingtour.” – platter kommen nicht mal die Werber einer Drückerkolonne rüber. Süß fand ich ja auch, dass ich die Aufforderung erhielt, ein Windows Phone zum Konto hinzuzufügen, um mich damit anmelden zu können. Wo kriege ich ein Windows Phone her? Ein Königreich für ein Windows Phone. Soll das Dashboard zum Freilichtmuseum für auslaufende Microsoft Handy-Modelle mutieren? Alles gute Gründe, weiterhin mit lokalem Benutzerkonto unter Windows zu arbeiten und auf das Microsoft-Konto zu verzichten.

Meine abschließenden 2 cents: Ich halte in meinen Blog-Beiträgen mit Kritik an einigen Microsoft-Geschichten nicht hinterm Berg. Gelegentlich musst Du die Sau halt mit wüstem Geschrei in den Pferch treiben. Sonst bewegt sich nichts. Hab ich als Bauernsohn von Kindesbeinen an gelernt. Ohne die öffentliche Kritik und wenn alle im Sinne der “was regst Du dich auf” Apeasement-Fraktion gehandelt hätten, würde Microsoft weiter aufrüsten und noch mehr Daten sammeln. Natürlich wäre es zu viel der Ehre, wenn es nur meine Kritik war, die Microsoft zum Umdenken bewog. Ed Bott hat es bei ZDnet.com auf den Punkt gebracht (der englischsprachige Beitrag ist ganz lesenswert). Es war die geballte Kraft der Datenschützer und Aktivisten, die Microsoft die Hölle heiß gemacht haben, so dass man sich bewegen musste. Also bleiben wir dran, denn die Trippelschrittchen sind – um einen geflügelten Begriff zu verwenden – “zu spät und zu wenig”, da geht m.M. noch was.


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15 Kommentare zu Privacy Dashboard und neue Windows 10-Privatsphären-Einstellungen

  1. Zumindest mal die Richtige Richtung, was davon zu halten ist sei Mal dahingestellt sein!

  2. Janami25 sagt:

    Man bewegt sich in die richtige Richtung. Sämtliche Kritik von vielen war bisher auch berechtigt und auch richtig, das gilt auch für das Update System, nicht nur den Datenschutz. Nur so erreicht man was.

    Ich denke aber, das was den Ausschlag für Veränderungen gibt, ist immer wie Wirtschaftlichkeit.

    Windows 10 hatte so gut wie gar kein Wachstum mehr, und so was „tut weh“. Nur dann folgen Änderungen. Es lohnt sich als Kritiker weiterhin am Ball zu bleiben, hab Ich ebenfalls immer gesagt. Trotz ständiger Schönrednerei, wie toll doch alles sei…

    Wenn es wirklich so gewesen wäre, würde Microsoft jetzt nicht langsam das Steuer „herum reissen“. 😉

    Trotz allem bleiben die Home User in vielen Dingen wieder mal aussen vor. Obwohl Sie das gleiche Betriebssystem als Basis nutzen. Das fine Ich nicht richtig.

    Und vor allem warten wir mal ab, in welchen Versionen tatsächlich die Änderungen des Update Systems greifen. Wenn es wiedermal auch nicht die Pro betrifft, dann Gute Nacht.

  3. Blupp sagt:

    Ein Stück in die richtige Richtung ist das ganz sicher, nur leider nicht weit genug.
    Das Interesse an den Daten kann ich nachvollziehen. Legitim ist es, da vom Nutzer nicht explizit erlaubt, jedoch nicht. Man hat ja nur die Wahl zwischen umfassender und exzessiver Spionage. Die Möglichkeit zu sagen „Ich will das nicht.“ hat man weiterhin leider nur durch die Nichtbenutzung von Windows 10. In meinen Augen ist das mal wieder eine Versuch die Nutzer zu täuschen. Meldet man sich dann noch mit einem Microsoftkonto bei diesem Privacy Dashboard an, hat man auch nicht mehr Datenschutz. Im Gegenteil, man personalisiert die Daten dadurch noch selbst indem man diese einem Konto zuordnet. Dazu noch die ^^Drückerkolonne… ja klar Microsoft :-/

    Echter Datenschutz geht anders:
    Im Grundzustand wird absolut Nichts übertragen. Der Nutzer entscheidet dann was er wie und wann überträgt. Dazu könnte Microsoft auch gern ein zwei Mal, ohne Verallgemeinerungen, nachfragen und im Einzelnen darlegen welche Daten wofür benötigt werden. Dann kann man als Nutzer des Systems frei entscheiden.

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  5. Addi sagt:

    Es bewegt sich nichts seitens MS. Es ist nur eine Reaktion und Schönfärberei auf die Anti-Spy Tools (zb. O&O Shutup). Solange zb. Diagnostics nur von ‚Full‘ auf ‚Basic‘ zurückgestellt und nicht ABgestellt werden kann, ist es das Gleiche nur im netteren Design. Windows 10 ist für mich immer noch keine Option!

  6. Christian sagt:

    …ähem…Datenschutz? Ich lese immer nur „Datenschutz“.
    Wie kann man denn etwas verbessern, was es gar nicht mehr gibt???

    …und bei MS klopfen sie sich sicher wieder reihenweise auf die Schultern,
    was für tolle neue Möglichkeiten (welche eigentlich schon lange fixen Bestand
    sein sollten!) wieder gebastelt wurden!

    Gruss, Christian

  7. Nobody sagt:

    Lassen sich die vermeintlich verbesserten Privacy Einstellungen mittels Netzwerktools kontrollieren, oder kann man nur hoffen, dass Microsoft die Änderungen tatsächlich umsetzt?

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  9. Herr IngoW sagt:

    Alle reden über Datenschutz bei Windows10 und anderem von Microsoft.
    Ob die Einstellungen nun funktionieren, oder weit genug gehen wird man sehen. Ein Fortschritt ist es dann wohl auf jeden Fall.

    Wann reden wir mahl über den Datenschutz bei Google/Android oder Apple?

    • Nun, bei Google gibt es dieses Dashboard seit Jahren. Zu Apple kann ich wenig sagen.

      Beide Anbieter kommen hier bei mir aber nicht als „Arbeitsbasis“ für kritische Daten/Arbeiten vor (wenn ich mal den Google Chrome ausnehme).

      • Herr IngoW sagt:

        Die Frage ist wer nutzt das, egal bei wem.
        Die Schweizer werden mit MS zusammengearbeitet haben, das sollten andere Datenschützer auch machen und nicht immer nur über alles meckern, das scheint ja nicht viel zu bringen.

    • Trillian sagt:

      Wg. Datenschutz und Apple lohnt ein Blick in Apple’s Datenschutzrichtlinie:

      https://www.apple.com/legal/privacy/de-ww/

      Liest man sich das durch wird man erkennen, dass man durch die Benutzung der entsprechenden Produkte seine Privat- und Geschäftssphäre mit Apple teilen wird…

    • Thürk Maschke sagt:

      „Ein Fortschritt ist es dann wohl auf jeden Fall.“

      ’nAbend Herr Ingo 🙂

      Wat den een sien Fortschrritt, iss den annern sien Rrrückschrritt, nä 😉

      Der ♬ ♩ MS Daten-Tango ♬ ♩ geht so:

      ♬♭♪ Drei Schritte vor und ein zurück. ♪ ♩♩

      Grüße 🙂

  10. Thürk Maschke sagt:

    „Gelegentlich musst Du die Sau halt mit wüstem Geschrei in den Pferch treiben.“

    Nur Schade um die vielen Perlen, die der „Sau“ immer noch vorgeworfen werden;)

    Ansonsten gilt, nicht nur in den Niederlanden:

    „Vertrouwen komt te voet en gaat te paard.“

    Vertrauen geht zu Pferd und kommt zu Fuß…

  11. Janami25 sagt:

    Man wird den Datenschutz niemals in Windows 10 komplett deaktivieren können, soviel ist sicher. Die „leben“ inzwischen von den Daten, wie Google und Fratzenbook. Wenn man deren Dienste nutzen möchte (und dazu wird man regelrecht gedrängt), wird das auch niemals zurück genommen werden. Leider auch bei einem lokalen Konto. Es sei denn man nutzt es offline, nur dann ist man absolut sicher.

    Ob man damit „leben“ kann, steht auf einem anderen Blatt. Sämtliche „grossen“ kommerziellen machen das inzwischen, leider, das hat uns die Zukunft gebracht. Und solange es im gesetzlichen Rahmen bleibt, wird es schwierig dagegen vorzugehen, ausser Boykott. Was trotzdem ein „starkes Schwert“ ist. 🙂

    Alternativen gibt es nicht mehr viele, die keine Daten abgreifen. Die Welt hat sich leider zu der Datensammel- und Werbeplattform entwickelt, die mir auch nicht gefällt. Aber die Menschen wollen überall erreichbar sein, Ihre Daten teilen und etliche Dienste nutzen. Und so ist es eben, das zu ändern ist unmöglich. Weil es vielen einfach auch egal ist, und das ist die grosse Masse.

    Trotz allem ist das für mich schon mal eine Verbesserung und mehr Transparenz in Windows 10, auch wenn es nicht das Nonplusultra ist.

    • Potrimpo sagt:

      „Fratzenbook“

      Ist man eigentlich besonders „in“, wenn man Namen verhunzt? Eigentlich diskreditiert man sich mit solchen Aussagen, da offensichtlich eine argumentative Diskussion nicht möglich ist. Überzeugende Argumente benötigen keine Verunglimpfung.

  12. Thürk Maschke sagt:

    „Ist man eigentlich besonders „in“, wenn man Namen verhunzt?

    @Potrimpo:

    Nein, ist man nicht:

    Man empfindet wohl besonderen Abscheu gegen den Namensträger…

    Ich halte „Janami’s“ Stilmittel „Verballhornung“, für ein legitimes Mittel um mit (beißenden) Spott/Ironie diese, seine Abscheu, gegenüber Facebook auszudrücken.

    „Fratzenbook“ oder auch „Fakebook“, ist für mich seeehr nachvollziebar.

    Btw:

    Weiland Herbert Wehner („Bonner Republik“), ist hierfür geradezu ein
    Parade-Beispiel:

    Jürgen Wohlrabe, MdB/CDU= Übelkrähe

    oder

    Richard Jaeger(Bundestagsvizepräsident/CSU)= KopfabJaeger.

    „GFÖFAZ“ gab’s ja auch schon, auch nicht gerade „Earcandy“ aber sehr treffend, imo.

    Eine Verballhornung allerdings, diskreditiert den „Verwender“ auch bei mir:

    „Windoof“

    Die finde auch ich wirklich präpubertärdumm.

    Einen schönen Abend:-)

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