Droplet Computing: Windows-Anwendungen auf jedem Gerät

Noch eine kurze Vorstellung zum Wochenanfang. Mit Droplet Computing soll es in Zukunft möglich werden, Windows-Anwendungen auf beliebigen Geräten auszuführen. Aktuell fokussiert man sich darauf, dass diese Anwendungen (z.B. MS Office) auf Chromebooks laufen.


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Ich bin vor ein paar Stunden auf das Thema aufmerksam geworden, weil ein Benutzer in einem Post in einem sozialen Medium ausführte, dass Microsoft Office offline auf einem Chromebook ausführbar sein werde.

Droplet Computing – das Konzept

Das Problem, welches heute viele Anwender plagt: Anwendungen wurden häufig für Microsoft Windows geschrieben. Aber nicht erst seit Microsoft mit Windows 10 so manchen Anwender vor dem Kopf stößt, gibt es eine Absetzbewegung, weg von Windows. Auch vom Markt her erobern Smartphone, Tablet PCs und Chromebooks die Anwenderschaft.

Für Geschäftsanwendungen gilt aber: Wer auf Windows-Anwendungen angewiesen ist, ist an Windows gekettet. Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen – einschließlich aller Sicherheitslücken die auf der Windows-Plattform lauern. Aber das soll sich bald gewaltig ändern, wie die Firma Droplet Computing verspricht.

Bei ‘Droplet Computing’ handelt es sich um eine Software-Technologie (Patentanmeldung läuft), die es ermöglichen soll, jede PC-/Windows-Anwendung auf jedem Betriebssystem auszuführen. Die Lösung benötigt dabei, laut Hersteller, keinen Dual Boot-Betrieb, keine Windows-Emulation und auch keine Virtualisierung des Windows-Betriebssystems auf der Zielplattform. Es ist auch keine stabile und kontinuierlich verfügbar Netzwerkverbindung erforderlich, um auf die Anwendung zuzugreifen.

Laut diesem Dokument verwendet man dazu die Layer-X Technology, die die Sicherheit und zentrale Verfügbarkeit von Application Streaming und VDI ermöglicht, aber die Benutzerschnittstelle und die Konnektivität im Fokus hat. So ist beim Application Streaming oder VDI eine Verbindung zum Streaming Server erforderlich. Die Firma verspricht aber mit ihrer Lösung, dass Windows-basierende Unternehmensanwendungen wie Microsoft Office oder Photoshop direkt auf Googles Chromebooks laufen. Es ist keine Verbindung zu einem zentralen Server erforderlich. 

Dazu wird die Anwendung in einem isolierten Container, der einfach auf das Gerät heruntergeladen werden kann, ausgeführt. Das Ganze könnte per Browser oder USB-Stick erfolgen, wobei die Anwendungen online und offline auf INTEL und ARM-Plattformen funktionieren sollen. Hier ein Video mit der Konzeptvorstellung.

(Quelle: YouTube)

Laut Webseite des Anbieters ist Layer-X ein ‘lightweight compatibility layer’, unter dem Windows-Anwendungen wie Microsoft Office, Project und Visio, aber auch LibreOffice etc. native auf jedem Gerät laufen. Insbesondere wirbt der Anbieter damit, dass dies auch auf Systemen mit wenig CPU-Leistung oder knappem Disk-Speicher möglich sein soll. Auf einem Windows-PC oder Mac lizenzierte Anwendungen sollen damit auf anderen Geräten verfügbar sein. Hier ein Video mit Microsoft Office auf einem Chromebook.

(Quelle: YouTube)

Das soll effizient (es läuft ja kein Windows, sondern nur Anwendung in der Kompatibilitätsschicht auf dem Host-Betriebssystem) und vor allem sicher (es läuft ja kein Windows mit seinen Sicherheitslücken) sein. Klingt alles zu phantastisch, um wahr zu sein. Aktuell kann man sich auf der Unternehmenswebseite in eine Warteliste eintragen lassen.


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Droplet Computing – Ein Startup

Ich habe noch ein wenig im Internet recherchiert. Die Firma Droplet Computing ist erst im Dezember 2016 als britische Limited in Großbritannien in das Firmenregister eingetragen worden. Gründer ist Stephen Horne, der früher bei VMware für das Marketing zuständig war (siehe).

Mal schauen, was aus dieser Initiative wird – VDI- und Application Streaming-Lösungen gibt es ja sein einiger Zeit. Der hier genannte Ansatz mit Anwendungs-Containern und einer Kompatibilitätsschicht klingt vielversprechend, wenn das Konzept in der Praxis halten kann, was es verspricht.


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10 Kommentare zu Droplet Computing: Windows-Anwendungen auf jedem Gerät

  1. Schöne Idee, aber ob das so einfach funktioniert kann ich mir kaum vorstellen!

    • Kim O. Fee sagt:

      Das klingt zu schön, um wahr zu sein …
      Mal abgesehen davon, dass mich das Verfahren erst dann interessieren würde, wenn damit nur-Windows-basierte Programme auf einem beliebigen Linux bestückten x86-PC laufen können: Wo ist der Haken an der Sache?

  2. Holger K. sagt:

    Das erinnert mich an Wine (ein Win32-API-Emulator) unter Linux und BSD, aber mit einem möglicherweise technisch anderen Ansatz. Wine ist aber OpenSource, da frage ich mich doch, was dann Droplet Computing kosten wird.

    Da in den Informationen teilweise widersprüchliche Eigenschaften genannt werden, könnte es sein, dass man dieses System lokal (wie Wine) oder remote (wie Citrix XenApp) einsetzen kann.

    Anhand der Webseite sieht es so aus, als ob man den Businessbereich im Auge hat und nicht den Privatanwender. Schauen wir also, was daraus wird, wenn es ein fertiges Produkt werden sollte.

  3. Kim O. Fee sagt:

    “Das erinnert mich an Wine (ein Win32-API-Emulator) unter Linux und BSD, aber mit einem möglicherweise technisch anderen Ansatz.”

    Ganz gewiss ist das ein völlig anderes Verfahren, Günter schrieb es bereits: “es läuft ja kein Windows, sondern nur Anwendung in der Kompatibilitätsschicht auf dem Host-Betriebssystem”.

    Ergo kein Doppel-Betriebssystem unter der Haube, folglich auch keine aufgeblähte C-Partition und auch kein Riesen-Image/Backup davon, sondern eine Art von relativ kleinem Container-Programm. Aber wie gesagt, zu schön, um wahr zu sein, denn es wäre (imo) eine kleine Revolution, die diese Firma garantiert nicht für lau aus der Hand gibt (sollte es sich zu 100% tauglich erweisen, wird ein interessierter User vermutlich nicht um eine Kosten-Nutzen-Analyse herum kommen …)

    • Kim O. Fee sagt:

      PS, falls es sich nicht um ein Werbe-Trick handelt – das Interesse scheint nicht gering zu sein:
      “Our nets are full!
      Due to the extraordinary response to a post on chromeunboxed.com, we are at present struggling to keep within our server limits – so if you get a 500 server error we sincerely apologise.”

    • Holger K. sagt:

      Wine ist kein Windows Emulator, dort werden zur Laufzeit Win32-API-Calls in POSIX-Calls übersetzt und dann ausgeführt. Dazu muss also kein Windows installiert sein.
      Der Nachteil von Wine ist aber, dass man keine Garantie hat, dass jedwede Windows-Software darunter fehlerfrei läuft. Die Entwickler haben aber in der jüngeren Vergangenheit viel daran getan, dass einiges mehr läuft als noch vor ein paar Jahren.

      Was mich nur stutzig bei Droplet Computing macht, ist die Aussage, dass auch Geräte mit Touchscreen wie Smartphones unterstützt werden sollen. Das halte ich für unglaubwürdig. Eine Software, die für ein Point-and-Click-Interface gedacht ist, auf dem kleinen Bildschirmchen eines Smartphones mit dem Finger zu bedienen, halte ich für unrealistisch.

      Es besteht die Möglichkeit, dass es sich hierbei um teilweise gefakte Eigenschaften handelt, um Investoren anzulocken. Wir werden sehen.

  4. Rolf Dieter sagt:

    Zu schön um wahr zu sein.
    Sollte es aber funktionieren, was ich ja kaum glauben kann, sollte den Jungs in Redmont der Arsch auf Grundeis gehen.
    Das wäre endlich die Killer-App für Linux, und MS müsste sich ganz warm anziehen.
    Denn an dem einen Punkt schwächelt Linux immer noch gewaltig, den verfügbaren Programmen. Wenn das ausgeräumt wäre, kann Linux ein echter Gegenspieler zu MS werden, und dem Wechsel steht nichts mehr im Weg.
    Ich hoffe also, dass das wirklich funktioniert.
    Warten wir es ab.

  5. Schade ist, dass zuvor noch auf einem anderen OS lizenziert werden muss. Dadurch ist ja noch immer das andere OS notwendig.

    • Günter Born sagt:

      Das Szenario ist aber in vielen Fällen gegeben. Ich bin aber weiter am Thema dran, weiß nur nicht, ob ich da was in nächster Zeit veröffentlichen darf/kann.

    • Ralf Lindemann sagt:

      Das habe ich mich auch gefragt, wie man die Lizenz-Problematik angehen will. Bei Produkten wie LibreOffice stellt sich das Problem nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Microsoft es nicht gerne sehen wird, wenn etwa ein lizenziertes MS-Office als „Droplet-Container-Anwendung“ auf beliebig vielen (?) Geräten ausgeführt werden kann.

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