Unzuverlässige Surfaces von Empfehlungsliste gestrichen

Kleine Nachricht zum Feierabend: Eine US-Konsumentenvereinigung hat die Empfehlung zum Kauf von Microsofts Surface Tablet-PCs zurückgezogen. Der Grund liegt in der Unzuverlässigkeit der Geräte. Nachtrag: Im Artikel wurden Ergänzungen durch neue Erkenntnisse hinzugefügt.


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Hier im Blog berichte ich ja mit schöner Regelmäßigkeit über Probleme mit Microsofts Surface Tablet PCs. Mal ist es eine Hardware, die streikt, dann ist es die nicht gegebene Reparierbarkeit der Geräte (die die Masse der Käufer scheinbar nicht interessiert) mal ist es ein Softwareproblem, was nach einiger Zeit (teil-)gefixt wird.

Consumer Report verbannt Microsoft Surfaces

Ich hatte eigentlich schon länger darauf gewartet, dass es irgendwo mal bezüglich der Microsoft Surfaces hakt. In den USA werden ja häufig Kaufempfehlungen für bestimmte Geräte ausgesprochen. So gibt es das unabhängige US-Produkt-Review-Journal Consumer Reports, die Empfehlungen aussprechen. Wer auf deren Empfehlungsliste steht, hat qasi einen Bonus beim Verkauf.

Surface Pro
(Surface Pro, Quelle: Microsoft)

Ganz klar: Die Microsoft Surfaces waren auf dieser Liste – und für das Unternehmen wäre es auch wichtig, dass die Geräte dort drauf bleiben. Man denke nur an das Surface Laptop, welches nach Microsofts Willen ja an Schüler und Studenten verkauft werden soll.

Jetzt ist aber scheinbar Schluss mit lustig. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet in diesem Artikel, dass Consumer Reports alle Microsoft Surface-Modelle von ihrer Empfehlungsliste gestrichen habe. Grund für diesen Schritt ist angeblich die zu häufigen Ausfälle der Geräte.

25 % der Käufer haben in den ersten 2 Jahren Probleme

Gut, ein Gerät kann schon mal ausfallen. Aber die non-Profit-Organisation hat 90.000 Besitzer von Notebooks und Tablet PCs befragt. Bei der Auswertung stellte man fest, dass bei den Microsoft Surfaces 25% der Besitzer kurz vor Ende der 2 Jahre nach dem Kauf von Problemen berichteten. Beim Mitbewerb liegt dieser Wert, laut der Nutzerbefragung niedriger, am besten schneiden Apple-Geräte ab. Zitat:

followed a survey of 90,000 tablet and laptop users, which found that an estimated 25% of Surface owners would experience “problems by the end of the second year of ownership”.

Laut der von Reuters zitierten Consumer Reports-Auswertung leiden die Microsoft Surfaces unter Einfrieren (Freezes), plötzlichem Abschalten (unexpectedly shut down) oder Problemen mit dem Touchscreen.


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Microsoft streitet das ab

Das dürfte ein herber Schlag für das Marketing von Microsoft gewesen sein, sind doch die Surfaces in deren Augen das Beste, was auf dem Markt zu haben ist. Und ein Käufer blättert auch eine Menge Scheine für die Geräte hin. In einem ersten Statement geht Microsoft daher auch die Organisation an und bezweifelt die Aussagen:

“We don’t believe these findings accurately reflect Surface owners’ true experiences or capture the performance and reliability improvements made with every Surface generation,”

Laut Microsoft werden die Geräte mit jeder Generation immer besser. Jan Dawson, Chef-Analyst von Jackdaw Research sieht das Thema ganz einfach:

The reality is that Microsoft has very little experience in some of the newer categories it’s entering very rapidly, which may expose it to more risk of problems in manufacturing,

Microsoft fehlt einfach die Erfahrung im Geschäft, so dass es in der Produktion zu Fehlern mit entsprechenden Ausfallraten komme. Wenn man dann noch sieht, dass die Surfaces nicht wesentlich zum Geschäftsergebnis von Microsoft beitragen und die Einnahmen ständig sinken, könnte man sich ja mal ausmalen, wann die Axt an dieses Projekt gelegt wird.

Ergänzungen: Bei Dr. Windows hat Martin Geuß den Artikel Zuverlässigkeit: Kunden setzen die Marke Surface auf den letzten Platz veröffentlicht – gleicher Tenor, etwas abweichende Tonalität und ergänzende Infos (ganz lesenswert).

Und noch ein Nachtrag. Woody Leonhard hat bei ComputerWorld einen ganz lesenswerten Artikel zum Thema publiziert. Dort werden weitere Fakten genannt. Hier ein Zitat aus dem Consumer Report-Bericht

Due to its comparatively higher breakage rate, Microsoft laptops cannot be recommended by Consumer Reports at this time. These conclusions are based on our breakage rate estimates for laptops by the end of the 2nd year of ownership, gathered from subscribers’ experiences with 41,304 laptops purchased new between 2014 and the first quarter of 2017. Our statistical model estimates breakage rates for laptops not covered by a service contract and accounts for the number of hours of use per week.

Woody Leonhard schließt daraus, dass neue Surfaces wie das Surface Pro (2017) nicht in die Auswertung eingingen. Er kritisiert aber auch den Service von Microsoft, der Kunden oft im Regen stehen lässt – es ist angeblich nur ein verschwindend geringer Teil der Nutzer betroffen.

Die Geschichte hat dazu geführt, dass  Panos Panay, Corporate Vice President, Microsoft Devices, hier einen eigenen Blog-Post veröffentlicht hat. Laut Microsoft sind 98% der Surface-Besitzer zufrieden.

Ergänzung 2: Mit großem Vergnügen habe ich diesen Artikel bei MS Power User gelesen, der die Aussagen im Microsoft Blog-Post auseinander nimmt. Ich erspare mir mal einen eigenen Blog-Beitrag und habe daher die beiden Beiträge von Woody Leonhard und MS Power User einfach verlinkt.

Bildet euch also eure eigene Meinung. Wie schaut es eigentlich bei den Surface-Besitzern aus? Ist da alles im grünen Bereich oder herrscht Unzufriedenheit?

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6 Kommentare zu Unzuverlässige Surfaces von Empfehlungsliste gestrichen

  1. Sam sagt:

    Ich zitiere:

    „Man denke nur an das Surface Laptop, welches nach Microsofts Willen ja an Schüler und Studenten verkauft werden soll.“

    Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Microsoft will das vorrangig an Schüler und Studenten vermarkten? Studenten scheinen heutzutage ja über richtig viel Geld zu verfügen. Zu meiner Studi-Zeit mit BAföG wäre so ein super teures Notebook nicht drin gewesen.

    Noch dazu ist das Surface Laptop (für mich) nur ein viel zu kleines Spielzeug-Notebook ist, ohne nötige Schnittstellen und noch dazu gänzlich irreparabel oder aufrüstbar.

    Will man sich dann als Schüler oder Student so ein kleines 13 Zoll-Ding mit zeitgemäßem Speicher, hier einer 500er SSD zulegen, darf man sagenhafte 2.500,- Euro dafür berappen? Unglaublich!

    Wenn dann noch die genannten Qualitätsmängel hinzukommen kann das ganze Surface-Konzept nur den Bach runtergehen. Es sei denn die (MS) ändern ganz schnell was an diesen Mängeln, was ich aber nicht glaube, das die das schaffen.

    In der Life-Style Premium Liga, für Preise weit über 2000,- Euro würde ich persönlich mir dann doch lieber ein MacBook Pro kaufen (wenn ich mich denn mit dem macOS-Betriebssystem anfreunden könnte;-)).

  2. Kerry sagt:

    Mein Sohn nutzt das Surface seit Studienbeginn (1,5 Jahre jetzt) und ist top zufrieden.

    • Tim sagt:

      Damit ist der Sohnemann auch noch nicht Teil der Aussage:

      “Bei der Auswertung stellte man fest, dass bei den Microsoft Surfaces 25% der Besitzer kurz vor Ende der 2 Jahre nach dem Kauf von Problemen berichteten.”

      Der Ärger könnte noch kommen, oder man hat halt Glück. ;p

      Bei 90000 befragten Kunden sind 25% Problemfälle nun wirklich schon schräg. Je nachdem wie stark die Gruppe Microsoft darin wohl vertreten ist. Das steht ja leider nicht dabei.

  3. Tim sagt:

    “25 % der Käufer haben in den ersten 2 Jahren Probleme”

    Wirklich? Oder sind 25% der befragten Personen gemeint, die verschiedene Geräte nutzen und die Gruppe MS Geräte ist nur ein Teil der befragten?

    Es würde ja sonst bedeuten das eines von vier verkauften Geräten Ärger macht…
    Ich spotte ja auch gern, aber das trau ich MS nun auch nicht zu 😉

    • Günter Born sagt:

      Du hast Recht, sprachlich unsauber, die Aussage kann sich nur auf Surface-Besitzer in der Umfrage beziehen. Extrapolation ist schwierig – aber es geht um den Trend und den Herstellervergleich.

      • Tim sagt:

        …wobei man auch nie vergessen darf, das sich eben die Leute mit Problemen auch eher dazu äußern… Die wollen sich ja Luft machen.
        Der Rest hat eigentlich nix dazu zu sagen und ob man dann an Umfragen teilnimmt ist auch wieder fraglich.

        Andererseits: In der heutigen Zeit mit Product Reviewern und Co ist vor allem positiven Zahlen und Bemerkungen zu Produkten auch kaum noch zu glauben.

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