Windows 10: Die Krux mit den (UWP) Apps

Microsoft legt ja in Windows 10 den Fokus auf Apps, die auch dem Store bezogen werden. Dort stehen sogenannte UWP-Apps und konvertierte Desktop-Apps zum Download bereit. Zeit, mal einen Blick auf die Sachlage zu werfen und zu schauen, welche Vorteile oder Nachteile sich ergeben.


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UWP-Apps und Desktop-Apps

Seit Windows 8 versucht Microsoft ja Entwicklern und Nutzern Apps aus dem Store schmackhaft zu machen. Neben den UWP-Apps, die speziell für diverse Plattformen geschrieben wurden und nur im Store verfügbar sind, gibt es noch Desktop-Apps die über Centennial/Desktop Bridge konvertiert und in den Store eingestellt wurden. Bei den konvertierten Apps handelt es sich quasi um einen Container, in der die Win 32-App in einer Sandbox läuft.

Welche Vorteile haben die Apps?

Für Microsoft ist der Vorteil ganz klar: Wer den Store kontrolliert, bestimmt, welche Apps dort Einzug halten. In der Vergangenheit gab es immer wieder Aktionen, bei denen Microsoft den Store ausgemistet und viele Apps rausgeworfen hat. Und Microsoft verdient beim Kauf kostenpflichtiger Apps über den Windows Store.

Für Entwickler hat, laut Microsoft, der Windows Store den Vorteil, dass eine zentrale Instanz existiert, über die die Apps gefunden werden. Die Nutzer müssen nicht mehr im Web suchen. Wer aber die Suche im Windows Store kennt, dürfte ggf. ernüchtert sein. Es gab wohl Bugs im Store, so dass Apps niemals gefunden wurden (Microsoft musste nachbessern, siehe). Zudem muss der Nutzer wissen, wonach er suchen soll. Bei Hundertausenden Apps gleicht es oft der Suche im Heuhaufen, ob die Apps gefunden werden.

Für Benutzer soll der Windows Store der einfach Ort sein, um Apps zu finden und dann herunterzuladen. Da Microsoft den Store kontrolliert, sollten die Apps auch sicher sein. Also: weniger Arbeit bei der Suche nach Programmen und mehr Sicherheit, da Apps geprüft sind.

Die Kehrseite der App-Medaille

Wer auf Apps setzt, sollte aber auch die Kehrseiten des Konzepts kennen. Entwickler, deren konvertierte Apps oder UWP-Apps aus dem Store fliegen, haben kaum eine Möglichkeit, dagegen vorzugehen. So sollten sich Nutzer darauf einstellen, dass viele Apps Eintagsfliegen im Store sind. Habe ich hier immer wieder feststellen müssen, wenn ich Apps im Blog beschrieben habe und plötzlich Links gebrochen waren.

Bei den UWP-Apps war der Start ziemlich verhunzt. Ich verweise einfach mal auf den Beitrag von letztem September One year on and Microsoft still makes it hard to be productive on UWP sowie den Beitrag von Paul Thurrott And the Biggest Problem with Windows 10 Is … von September 2015, die beide auf das Problem mit den UWP-Apps eingehen.

Faktisch sind die meisten UWP-Apps auch in 2017 kaum produktiv brauchbar. Da wird gestrickt und gebastelt, upgedated und neu gestaltet, nur kommt selten was sinnvolles heraus (zumindest mein Eindruck). Hat bei mir dazu geführt, dass ich keine Apps verwende.

Das Apps häufig abstürzen, dass es Probleme mit dem Windows Store gibt und man ständig nachbastelt, soll hier erst gar nicht im Detail analysiert werden. Und so universal, wie Microsoft die Universal Windows Platform-Apps (UWP) bezeichnet, sind die auch nicht. Ich verweise einmal auf dieses Microsoft-Dokument vom Frühjahr 2017, welches bekannte Probleme bei UWP-Apps auf der Xbox benennt.

Dass verschieden Entwickler Sturm gegen UWP-Apps laufen , wurde im Web und hier im Blog ja mehrfach thematisiert (hier, hier) thematisiert. Auch dieser Artikel befasst sich mit der Frage, warum man Spiele nicht als App aus dem Store kaufen sollte. Mit einzelnen Ports gab es zudem erhebliche Probleme, wie man z.B. hier und hier für Quantum Break, oder hier für Plex nachlesen kann. Und wenn ich dann Artikel wie diesen lese, die den Trick verraten, wie UWP-Apps im Vollbildmodus laufen können sollen, dann geht die Entwicklung für mich in die falsche Richtung.

Noch dickere Einschränkungen

Die Werbung, dass per Desktop Bridge konvertierte Win32-Apps über den Store ausgerollt werden können und sich per Klick installieren und später rückstandsfrei deinstallieren lassen, klingt auf den ersten Blick genial. Der Appx-Container, in den Apps von der Bridge verpackt werden, isoliert diese in einer Sandbox. Dadurch bleiben der Deinstallation auch keine Registrierungseinträge und Dateien zurück.

Das hätte man aber auch direkt unter Windows haben können. Der Mechanismus steht eigentlich mit portablen Apps längst unter Windows zur Verfügung, ohne dass man auf den Store angewiesen ist. Ich selbst verwende portable Apps, wo immer es geht. Und mit .NET war das Deinstallieren durch Löschen des Programmordners auch schon mal versprochen (ich erinnere mich noch an Vorträge auf der BASTA 2006 zu diesem Thema).

Fehler, wie hier berichtet dürften inzwischen ausgemerzt sein. Obwohl ich meine Hände nicht dafür ins Feuer lege, dass nicht irgend ein kommendes Windows 10 Funktionsupdate oder kumulatives Update plötzlich reihenweise Win32-Apps zum Absturz bringt. Aber sei es drum. Was bei der App-Geschichte aber gerne vergessen wird, sind folgende Einschränkungen:

  • Apps, die aus dem Store bezogen werden, stehen immer nur für ein Benutzerkonto zur Verfügung. Ich stelle mir schon die Frage, wie anspruchslos Nutzer inzwischen geworden sind, wenn sie das als Fortschritt feiern. Bei klassischen Win 32-Anwendungen richtet der Installer diese für die Maschine ein und man kann die Anwendung unter allen Nutzerkonten verwenden.
  • UWP-Apps können nicht für administrative Zwecke eingesetzt werden, da diese die Benutzerkontensteuerung nicht unterstützen. Per Desktop-Bridge konvertierte Win 32-Apps kennen zwar den Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen. Aber ob man sehr systemnahe Win32-Anwendungen wie einen Virenscanner als App im Store bereitstellen kann, da würde ich doch meine Zweifel anmelden.

Ich für meinen Teil werde mit dem Konzept der Apps, egal ob es UWP-Apps oder konvertierte Desktop-Apps sind, nicht wirklich warm. Es gibt mir zu viele Einschränkungen und Gängelung durch Microsoft, aber keine erkennbaren Vorteile.


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An dieser Stelle noch ein kleiner Schlenker: Demnächst wird ja Windows 10 S (ein funktional reduziertes Windows 10 Pro) für die Nutzer verfügbar sein. Dort lassen sich nur Apps aus dem Store verwenden.  Martin Geuß hat die Tage bei Dr. Windows darauf hingewiesen, dass Adobe Photoshop Elements 15 als Win32-App aus dem Store nicht unter Windows 10 S läuft (das wird in der Store-Beschreibung auch kommuniziert). Solche Überraschungen würde ich auch künftig nicht ausschließen.

Interessant fand ich zudem, dass sich vor ein paar Tagen auch jemand bei Dr. Windows mit dem Konzept der (UWP-)Apps auseinander gesetzt hat und fragt, ob dieses Konzept tot sei. Wie seht ihr das denn so? Sind Apps für Windows 10 wichtig oder eher ein no go? Nutzt ihr Apps und wie wird die ganze Win32-App-Konvertiererei in Store-Apps so gesehen?


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7 Kommentare zu Windows 10: Die Krux mit den (UWP) Apps

  1. Al CiD sagt:

    Ich finde generell, die Hoheit über die Software einer Plattform sollte nicht bei einer Instanz bleiben.

    Es sind und bleiben Insellösungen, die meist inkompetent betrieben werden und, wenn es mal richtig schlecht läuft, das ganze System betreffen, wie zuletzt mal wieder gesehen im Playstore von Google (über 1000 Apps infiziert).
    Auch bei Apple ist es nicht besser (zB VPN Software aus dem Store geschmissen), die Willkür der Zentrale ist eine Zumutung für die Eigentümer der (teuer) erkauften Ware… da sollte eigentlich eine Klage zu erwarten sein.

    Tja… und bei Microsoft sieht alles so aus, als wäre nichts durchdacht und alles mit heißer Nadel gestrickt…

    Ab dem Moment, wo Software nur noch, egal auf welcher Plattform, nur noch vom jeweiligen Store zugelassen wird, wird diese bei mir komplett gestrichen… sollen sich andere damit herum schlagen.

  2. Karl (al Qamar) sagt:

    Ich habe bis jetzt noch kein wirklich nützlichen gefunden. irgendwas ist immer schlechter als bei Desktop Apps. z. b. Netflix app. Lautstärkeregelung funktioniert nicht mit der app in windows ja aber nicht linear. d. h. bei 5 Prozent schon volle Lautstärke. Intro lässt sich nicht überspringen wie im Browser.

    Amazon app ist nur ein Browser rendering aber extrem viel langsamer.

    Am besten ist die Spotify App die gar keine App ist sondern ein Downloader für die Win32 app.

    und Arobat Reader app konnte ewigkeiten nicht mal drucken.

    dann ist es auch vorbei mit store gleich store.

    bei Windows 8.0 habe ich andere Apps in der VM als bei Windows 8.1 und wiederum andere bei Windows 10 wiederum andere bei windows 10 Mobile. Apple lässt grüßen, wo es apps für tablets gibt oder phone.

    das ist bei allen auch Google halbgarer Scheiß wenn um Geräteübergreifende Nutzung geht. teils sind Lizenzen an ein Gerät gekoppelt statt an ein Konto.

    Microsoft setzt allerdings der Usability die Dornenkrone auf. my 2 cents als MS Evangelist.

  3. Paul Brusewitz sagt:

    Die meisten UWP-Apps sind nur Browserfenster mit einem Rahmen zur Verzierung drum. Sie können nix weiter als Web-Inhalte darstellen und selbst das nicht, wenn sie in einem Netzwerk über einen Proxie-Server kommunizieren sollen. Schon die einfache Installation von „Privoxy“ auf dem PC genügt, dass fast alle UWP-Apps nicht mehr funktionieren.

    Dazu kommt, dass man das ganze Zeug für produktive Arbeit nicht nutzen kann. Man braucht sich z.B. nur den Mail-Client „Mailbird“anzusehen. Das hat man ein prima Beispiel wie etwas nicht aussehen soll und wie man etwas von der Funktionalität her voll in den Sand setzt. (Meine persönliche Meinung!)

    Für Privatanwender sind sicher einige der Gratis-Spiele-Apps interessant. Für den Arbeitseinsatz privat und erst recht in Firmen ist das Ganze absolut untauglich.

    Microsoft sollte das Ganze Kachel-Design und die UWP-Apps in die Tonne treten.

    Die frei werdenden Resourcen könnten sie in eine neue Version eines Home-Servers für Privatanwender stecken. (Nur so eine Idee …)

    Freundliche Grüße

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  5. JohnRipper sagt:

    Viel schlimmer ist dass ich mit Windows 10 Pro die Installation von UWPs verhindern/Steuern kann.

  6. Karl (al Qamar) sagt:

    johnripper fehlt da ein Wort?

  7. Tim sagt:

    „Sind Apps für Windows 10 wichtig oder eher ein no go? “

    Mittlerweile eher ein Problem.
    Eigentlich bleiben doch nur noch XBox und PC ähnliches übrig. Wenn auf dem PC nun die XBox Spiele laufen werden, wie „versprochen“, weil da arbeitet MS ja ganz ganz dolle dran… dann…

    Was soll ich denn dann noch mit der XBox? Die stürzt mittlerweile genau so oft, oder selten ab, wie mein PC. Onlinezwang ist auch da normal, Patch-Wahn ist da auch normal, die Controller funktionieren hier wie da…
    „Zur Not“ lässt sich so ein richtiges und stärkeres nvidia Max-Q Notebook im vergleich zur Konsole auch direkt am TV anschließen, so das es durchaus ein Unterschied sein dürfte und da ja die Spiele irgendwann unter Win10 laufen sollen…
    Wers denn glaubt… ich nicht! Zumindest nicht so wie man es erwartet.

    Ansonsten, überhaupt muss man sich schon fragen, wozu überhaupt noch an UWP festhalten?

    Windows Phone ist mal wieder tot, liegt im Keller bei MS neben Phone 6, 7, 8, wie von Anfang an von vielen gedacht und befürchtet. Warum ich kein solches Gerät kaufen würde, weiß ich recht genau. Ich kenn MS ja nun schon länger…

    Mein Glaskugel zeigt mir:
    Windows S floppt wie RT, darauf folgt dann die billig ARM Hardware Kacke und irgendwann verabschieden wir uns trauernd von Cortana, weil kaum ein Nutzer sie gebraucht, oder irgendein Schnacker von MS lässt sich was anderes einfallen…

    Vielleicht kommt dann plötzlich doch noch ein richtig neues Windows 11, weil die alte vermurkste Fassung aus der Vista Familie einfach nicht mehr tragbar war…
    Erwähnten Sie nicht neulich im Spaß ein Win-Linux, Herr Born?
    Könnt man sogar bei 1.0 wieder anfangen… und wirklich überraschen würde mich Microsoft damit auch nicht mehr, es wirkt eh, als hätte MS keinen Bock mehr auf OS.

    Microsoft hat tolle Ideen, die sie außerhalb von Microsoft eigenen Gebäuden nur nicht wirklich in die Praxis umsetzen können… man könnte auch von Flausen im Kopf reden.

    Der App Kram war von Anfang an gleichzeitig vollkommen überflüssiger Kram.
    Aber das schnelle Geld im Micropayment-Bereich hat halt gelockt und so sieht das dann halt bei Microsoft aus.

    Angefangen mit nem DVD Player für 15 Euro der nix taugte und einem mobile Minecraft Port, der x-fach teurer war, als in anderen Stores und obwohl diese Win10 Version bis heute nicht alle Features der ursprünglichen Java Version enthält, dafür aber einen InGame Store, für Dinge die normal umsonst zu haben sind…
    UWP ist nur eine andere umschreibung für Kundenverarsche, Kundenknebel und an dieser Stelle eindeutig demonstrierter reiner Geldgeilheit im direkten Vergleich mit Mitbewerbern…

    Das beste an Windows 10 ist alles das, was nichts mit der neuen tollen Scheiße zu tun hat. Den Rest kann man knicken, nutzen, oder links liegen lassen… Solange der Mist per Update nicht grad mal das System lahmlegt.

    • Tim sagt:

      Oder mal wieder andere tolle Überraschungen per Update lauern:

      Gestern kam ein Windows Update hier rein und heute fehlt der Equalizer in den Soundeinstellungen an allen drei Kisten hier… ist ja nicht so, das einem deren Spielereien auch mal auffallen, grad wenn sich mal direkt der Klang verändert.

      Und ich soll nun wieder raten obs an Microsoft, oder den Treibern der Hersteller liegt, die Microsoft kackdreist installiert, oder wie?
      Nicht mal die Sprache in diesem Menüpunkt ist noch deutsch… wieder mit heißer Nadel gestrickt!
      Mich kotzt das so an.

      Microsoft, Ihr geht mir langsam echt schwer auf den Sack. Was soll sowas…?
      „Ham wir gestrichen und entfernt, benutzt kaum wer…“, oder wie?

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