Studie: Flat-Design war ein Fehler und hat Nachteile

Momentan ist das sogenannte Flat-Design ja (neben Dark-Themes) der letzte Schrei, dem sich Designer und Grafiker meinen verschreiben zu müssen. Insbesondere Microsoft reitet dieses Steckenpferd. Jetzt belegt eine Studie, was viele Nutzer intuitiv geahnt haben: Das Flat-Design ist es Fehler und hat gravierende Nachteile in der Benutzbarkeit, speziell für neue Nutzer.


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Mit Microsofts Zune fing das Desaster an

Mit Windows 8 hat Microsoft ja das berühmte Flat-Design eingeführt. Alles flach, Navigation über Kacheln, keine Hierarchien. Und obwohl weder Windows 8 noch Windows 8.1 noch Windows 10 so der Brüller sind, hält man daran fest bzw. baut das noch aus.

Die Ursprünge dieser Manie gehen auf Microsofts Zune-Player, ein Clone des iPod, zurück, bei dem erstmals diese Design-Elemente eingeführt wurden. Argument: Das neue Design sieht sauberer und moderner aus.

Flat-Design: Die Benutzbarkeit leidet

Die Folge des Flat-Designs ist, dass die Benutzer die Navigation schwieriger finden und mehr Zeit auf einer Seite verbringen. Das sage nicht ich, sondern dass hat jetzt eine Studie der Nielsen-Normann-Gruppe ergeben.

Webseiten
(Quelle: Nielsen-Normann-Gruppe)

Das Unternehmen ließ 71 Benutzer auf neun Websites mit unterschiedlichen Flat-Design los und verfolgte die Augenbewegungen sowie die Zeit, die die Probanden für die Navigation im Inhalt benötigten. Das obige Bild zeigt zwei solcher Webseiten, wobei die linke Variante zumindest noch hervorgehobene Navigationselemente aufwies.

  • Im Durchschnitt verbrachten die Teilnehmer 22 Prozent mehr Zeit (d. h. langsamere Aufgabenausführung), wenn man die Seiten mit schwachen Navigations- und Bedienelementen (die sprechen von Signifikatoen) betrachtet.
  • Die durchschnittliche Anzahl der Fixierungen durch Augenbewegungen war bei den Ausführungen mit schwachem Signifikator deutlich höher als bei den Ausführungen mit starkem Signifikator. Im Durchschnitt hatten die Menschen 25 Prozent mehr Fixierungen auf den Seiten mit schwachen Signifikanten.

Die Ausgestaltung eines Flat-Designs beeinflusst also, wie schnell und akkurat sich ein Nutzer in der Struktur zurecht findet. Bei MS Power User hat man ein wunderbares Beispiel zu Windows 10 und dem flachen Startmenü gefunden.


(Windows 10 Startmenü – Quelle: MS Power User)

Neben der langen Liste an Kacheln, wo man ständig am Suchen ist, gibt es noch verwirrende Pseudeo-Elemente. Am linken Rand finden sich Symbole, die man anklicken kann. Die Legende mit den Buchstaben vor den einzelnen Kachelgruppen haben dagegen nur eine strukturierende Bedeutung. Abgesehen von der Tatsache, dass man in der Kachelliste immer am endlos am Suchen ist, erscheint die Navigation ziemlich verwirrend.


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Heat-Map
(Quelle: Nielsen-Normann-Gruppe)

In der Studie wurden sogenannte Heat-Maps der Augenbewegungen veröffentlicht, die zeigen, wo die Probanden hin schauten. Das obige Foto zeigt, dass sich die Augenbewegungen bei einem guten Design auf wenige Bereiche konzentrieren. Ein schlechtes Flat-Design führt dazu, dass die Leute ständig am Suchen sind, wo etwas relevantes zu finden ist.

Der Bericht der Nielsen-Normann-Gruppe bezieht sich initial zwar auf Webseiten, die Ergebnisse lassen sich meiner Meinung nach aber sehr gut auf das Flat-Design von Betriebssystemoberflächen – und speziell Windows 10 übertragen. Weitere Hinweise findet ihr bei The Register und bei MS Power User. Nachtrag: Bei ZDNet.de befasst man sich in diesem Artikel mit der obigen Studie und dem Thema.


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18 Kommentare zu Studie: Flat-Design war ein Fehler und hat Nachteile

  1. Tim sagt:

    Der Wunsch Design-technisch unterschiedliche Geräteklassen zu vereinigen war ein Fehler… Die übergroßen Kacheln und Co in Listen sind an einem Smartphone oder Tablet ja sogar noch einigermaßen Sinnvoll, aber an Tablet hybriden, richtigen Notebooks und PCs ist das alles Käse. Ab 24 Zoll Monitoren bekommt man regelrecht spontanen Augenkrebs… Die letzteren Geräteklassen sind ganz nebenbei auch noch immer die hauptsächliche Zielgruppe für Windows, auch wenn man mittlerweile glaubt, es wäre wohl nicht mehr so.
    Wieviele Kommentare man dazu schon lesen konnte möcht ich nicht zählen und ja, das fing seinerzeit beim 8er Startmenü an. Designer scheint es bei MS tatsächlich zu viele zu geben…
    Programierer die es ermöglichen das Firmen und Personen sich selber ihr Design anpassen können, wären statt dessen mal was dolles… Wozu dieses Einheits Korsett mit Witzlosen Themes, die heute Desings, heißen und noch immer scheiße sind.

    Vom reinen Nutzen aus meiner Sicht, war das Vollbild 8er Startmenü nix anderes für mich, wie das unter 7, oder heute 10. Windowstaste drücken, den Namen der Anwendung tippen die ich da suche und nach ein paar Buchstaben ist das Ding da. Das ist die wichtigste Funktion seit 7 geworden, der Rest ist doch Banane.

    Vieles andere läuft über Tastenkürzel, die sich über X Windows Versionen entwickelt haben und erhalten geblieben sind. Anderes funktioniert direkt aus dem Explorer heraus und auch das schon seit mindestens XP.

    Grad was überdeutlich Systemsteuerung und neues Einstellungen Fenster angeht ist Windows seit 8 vollkommene Baustelle, weil die Herrschaften eben nicht wissen, wohin die Reise denn nun gehen soll… Der Quatsch ist ja nie fertig geworden, seit 8er Zeiten. Baustellen Design.
    Die Studie hat sich also mit Wischi Waschi Scheiße beschäftigt…
    Ob die Nielsen-Normann-Gruppe auch so Sachen wie kalt ohne Filter gekochten Kaffee erforscht, um festzustellen, das der nicht schmeckt und das Pulver unangenehm zwischen den Zähnen kleben bleibt?

    Spätestens mit dem nachsten Design Wahn seitens Microsoft kommt vielleicht was drittes neues dazu und das kommt dann wieder plastisch 3D mit schnörkeln und wirkt wie zum anfassen und lecker ablecken, wie ein Lolli…
    Also wieder sowas, was dann die bescheidene Intel Grafikeinheit wieder kotzen lässt…

    • Das Desktop Design unter Windows ändert sich sowieso alle Nase lang ob man will oder nicht, Microsoft sollte sich vielleicht einfach mal dazu durchringen dem User die eigene Wahl zu lassen den Desktop und das Startmenü so anzupassen wie er es gerne möchte dann wäre auch die ewige Diskussion welches Startmenü nun das bessere ist vom Tisch.

      Also ich fand das Windows 8/8.1/12 Startmenü Ultra scheiße, mittlerweile hab ich mich dran gewöhnt, mittlerweile hab ich mich daran gewöhnt und freue mich Täglich nur noch darüber das es einigermaßen irgendwie läuft. Hauptsache es ist einigermaßen Sicher und die Einstellungen die ich tätige bleiben erhalten.

      Die Viereckigen Kacheln finde aber nach wie vor eher störend fürs Auge zumal es in der Natur auch nicht so viele ecken und kannten gibt.

  2. Dieter Schmitz sagt:

    YouTube führt gerade ein Flat-Design ein:

    YouTube mit neuem Logo und Look

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/YouTube-mit-neuem-Logo-und-Look-3816919.html

    Zitat: „Wie andere Google-Dienste erstrahlt dann auch YouTube im sogenannten „Material Design“. Es zeichnet sich durch Minimalismus und klare Strukturen aus. Das neue Aussehen soll „frischer, einfacher und intuitiver“ sein, schreibt YouTube-CPO Neal Mohan.

    YouTube hätte sich lieber diese oben genannte Studie zu Herzen genommen!

    • Tim sagt:

      Hey komm… gut am neuen ist schon mal das man jetzt auch einen Dark Modus einschalten kann. Das strahlende Weiß von Webseiten brennt mittlerweile schon in meinen Augen ;). Ich find das gut.

      Ansonsten fummelt YouTube doch eh alle Nase am „Design“ und alle immer so: „Och nöööö“ und bevor die letzten aufhören zu meckern, kommt schon was neues. ;).

      Das wesentliche bleiben doch die Videos und störender waren eher so Maßnahmen, die Content Ersteller zu Mist animieren, wie diesen Vorspann zum heiß machen und Co… oder die Änderungen an den Trends…

      YT hat scheinbar grad ganz anderen Ärger, was monitarisierung der Content-Ersteller und die Art der Einstufung von Videos als Familienfreundlich angeht, sowie das halten und befriedigen von Werbekundschaft…
      Die Änderungen sind viel lustiger zu betrachten, was denn wohl zukünftig so Familien- bzw. Werbefreundlich gemaß Youtube sein soll…

      Die Begriffe scheinen direkt zusammenzuwachsen. Werbung und Familie!
      Alles ohne Werbung ist auch nicht mehr Familienfreundlich… derzeit.
      Da werden grad Videos von Werbung befreit, Jahre alt und Jahre hats keinen interessiert… Außer die, die von den Werbeeinnahmen lebten.
      Es lohnt sich also „Schrott“ gemäß YouTube zu konsumieren, wenn man keine Werbung will.
      Das hätte man mal im Fernsehen schon vor Jahren einführen sollen…

  3. Matthias Gutowsky sagt:

    Mal abgesehen von allem anderen, aber natürlich kann man die Buchstaben im Windows 10 Startmenü anklicken und natürlich haben die eine Funktion. Einfach mal ausprobieren.

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  5. Sherlock sagt:

    Die Methode, Anwendungen über ein Suchfeld starten zu sollen, ist das Umständlichste, was es jemals gab. Die Idiotie begann mit Win 7.
    Im Vollbild-Startmenü von Win 10 muss auch niemand riesige Kacheln einrichten, man kann kleine Icons in mausgerechter Größe verwenden.
    Die Schilda-Methode:
    Suchfeld: „WIN + a+b+c… (ggf. + Pfeiltaste für die Ergebnisliste) + Enter“
    Startmenü hingegen: „WIN + Klick“ für jedes Programm.
    Man muss nur bis zwei zählen können, um zu sehen, was besser ist.
    Man legt sich also die häufig genutzten Programme ins Startmenü, das Suchfeld taugt dann gelegentlich für Windows-Einstellungen.
    Die Leute, die sich bisher den Desktop mit Icons zumüllten (mit den damit einhergehenden Problemen), können das nun ins Startmenü übertragen und können auf Fool-Tools zur Sicherung der Icons verzichten, die zudem auch gerne mal den Explorer instabil machen.

    • Sherlock sagt:

      Noch vergessen: die oben abgebildete Ansicht „Alle Apps“ rufe ich nie auf. Wüsste nicht, wozu die gut sein sollte. Zum Starten von Programmen auch mega-umständlich.

    • Martin Feuerstein sagt:

      Kommt drauf an, WIE du arbeitest. Menschen mit der Maus suchen ein Desktopsymbol, was sie „mal eben“ anklicken können Desktopsymbol – wenn du weißt, wo das ist bzw. wie das aussieht, geht das schnell. Menschen mit der Tastatur drücken die Windows-Taste (was zufällig das Startmenü UND darin integriert ein Textfeld öffnet, welches automatisch den Fokus hat) und tippen drauflos – wenn du weißt, welchen Text du suchst, geht das schnell.

  6. Christian sagt:

    „Das Unternehmen ließ 71 Benutzer auf neun Websites mit unterschiedlichen Flat-Design los…“

    Oooch, das sind ja nur „ein paar wenige“ User, die da rumprobierten, und davon
    waren wohl noch weniger nicht „so“ begeistert. Man bedenke, dass ja Tausende
    von MICROSOFT-Mitarbeitern und die obere Etage das Design ganz toll finden
    und viel schneller damit arbeiten…ähh…’rumwursteln können!

    Und wegen DEN paar Usern nun alles umkrempeln? Kommt nicht in die MS-Tüte!

    Gruss, Christian

    • Andreas K. sagt:

      Christian schrieb: „Man bedenke, dass ja Tausende
      von MICROSOFT-Mitarbeitern und die obere Etage das
      Design ganz toll finden“

      Kommt mir eher wie „Des Kaisers neue Kleider“ vor.
      Neben dem Design besteht aber auch noch die Katastrophe Datenschutz. Sollte da seitens MS in Zukunft kein Umdenken erfolgen, bin ich bei Linux.

      • Tim sagt:

        Das blöde ist, im Linux Boot sitzen Firmen wie Microsoft eben auch mit drin… Da merkt das bloß keiner, weils ja so frei und offen ist…

        In einer Welt ohne Windows wird Linux die Hölle!

  7. Sven Fischer sagt:

    Ich kann mich auf dem Desktop auch nicht mit dem Flat Design anfreunden. Egal ob in Windows, oder auch als DE bei Linux-Distros Bsp. Gnome. Glücklicherweise hat man bei Linux-Distros die Wahl und man kann sich seinen favorisierten Desktop aussuchen und anpassen.
    Bei Windows leider nur per zusätzlicher Software Bsp. Classic Shell.

    Smartphones, Tablets und andere Geräteklassen mit „Touchoberfläche“ Bsp. Kassen, medizinische Apparate, Steuerungen haben ein anderes Bedienkonzept und da ist eine „Kacheloberfläche“ sinnvoll.

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  9. Herr IngoW sagt:

    Ich finde das Titelbild am besten 😉

  10. anthropos sagt:

    Ist wieder Predigt-Stunde mit viel Text und wenig Inhalt? Feini.
    Suchen wir doch dann Jemanden, der das Gegenteil bestätigt, weil er die Daten unterschiedlich bewertet oder eine andere Handvoll Nutzer aussucht. Klar, seit Windows 8 kann man über die vorangestellten größeren Buchstaben zu jeden Punkt im Alphabet springen statt die Liste von oben nach unten abzugrasen, ein alter Hut sozusagen, den Viele immer noch nicht kennen, weil sie anscheinend den Kopf auf Pause stellen und den PC bedienen wollen wie zu Zeiten von Windows 98 (die ich auch noch kenne).

    Bis jetzt habe ich noch keine Probleme erlebt beim Benutzen von Windows 10, allerdings viele Vorwürfe gehört, dass hier und da mehr Klicks benötigt würden, was ich selten bestätigen konnte; vielleicht sollte man sich vorher besser informieren, bevor man BlaBla in die Welt hinaushustet.

    Das tolle Bild des Artikels ist übrigens das Startmenü im Tablet-Modus, das auch einschalten kann im Desktop-Modus, wenn man das unbedingt will und mag. Natürlich ist es aber passend, um alles so zu verdrehen, dass die Meinung des Blogs halbwegs durchdacht wirkt.

    Mensch, waren das noch Zeiten, wo Leute auf Stein meißeln mussten, da hatten sie vorher schon etwas überlegt, wie und was sie schreiben sollten.

  11. Thomas Bauer sagt:

    Umgedreht wird auch ein Schuh daraus. Es kann doch von Vorteil sein wenn Benutzer länger suchen und mehr Augenkontakt benötigen. So beschäftigen sich Benutzer mehr mit der Seite und verweilen länger. Sie konsumieren mehr Werbung. Das ganze auf Windows 10 umzumünzen ist auch recht gewagt. Immerhin arbeitet man sich in ein Betriebssystem nur einmal ein und nicht täglich aufs neue. Einmal eingearbeitet lenkt das aufgeräumte Flat Design dann dafür weniger von der Arbeit ab so das die benötigte Einarbeitungszeit mehr als kompensiert wird. Aber Hauptsache über Windows 10 meckern.

    • Tim sagt:

      Kommt halt darauf an, was die Augen fixieren und womit der Nutzer sich beschäftigt… Wenn eine Seite nicht Kinderleicht aufgebaut ist und den Nutzer vernünftig durchs Angebot führt… ists Müll.

      Siehe die Stores… das ist alles noch sehr unglücklich gelößt und wirkt chaotisch, wenn du nicht direkt weißt, wonach du suchst. Ansonsten erschlägt dich die Masse und du vergisst wonach du eigentlich anfänglich gesucht hast.
      Erinnert eher an so bummeln und dabei zufällig finden. Wie viele Apps werden wohl erst gar nicht gefunden in diesem Überangebot, wovon ein großteil auch noch echter Schrott ist.

      Für verkäufer ist Masse und Viel was tolles, da findet sich halt auch Käuferschaft… für den einzelnen Käufer ist Masse halt stress und überfordernd. Zu große Auswahl ist für den einzelnen Mist.

  12. Andreas B. sagt:

    Ist doch seltsam, dass man die Intelligenz von Schimpansen testet, ob die sich für ein Stück Banane in Verschachtelungen hineindenken können (chinese Boxes aka Baumstruktur), während man dem homo sapiens alle Spielsachen in der Fläche auskippt …

    Übrigens blicke ich wehmütig auf xp zurück, wo man noch durch Festhalten der Umschalttaste ganz flott mehrere Programme nacheinander aus dem Startmenü starten konnte.

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