Faxen in Windows 7/8/8.1

Windows 7  bis 8.1 wird zwar in allen Versionen mit Windows-Fax und -Scan ausgeliefert. Das bedeutet aber nicht, dass die Benutzer auch eine entsprechende Fax-Funktion nutzen können. Im Rahmen meiner Buchprojekte habe ich mich etwas mit dem Thema auseinander gesetzt. Der Beitrag fasst das angesammelte Wissen als Exzerpt zusammen. Update: Der Artikel wurde ursprünglich für Windows 7 geschrieben, gilt aber nach wie vor für Windows 8 und Windows 8.1.


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In den Internet-Foren gibt es immer wieder Anwender, die Probleme damit haben, unter Windows 7 (oder Windows 8 bzw. 8.1) eine Faxfunktion einzurichten. Da es immer wieder Unwissen über die Voraussetzungen gibt, möchte ich die Thematik kurz in einem Übersichtsbeitrag zusammenfassen.

Voraussetzungen zum Faxen in Windows 7 bis 8.1

Um unter Windows Faxnachrichten versenden zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein.

  • Eine Hardware, die FAX unterstützt (z.B. ein analoges Modem oder eine aktive Fax-Karte etc.)
  • Eine für die Hardware geeignete Treibersoftware (auf Windows 7 abgestimmt) und die *geeignete* Fax-Anwendungssoftware

Hört sich einfach an – und ist es eigentlich auch – wenn nicht der Teufel im Detail stecken würde. In Windows 7 (und Windows 8/8.1) ist in allen Varianten die Fax-Anwendungssoftware Windows-Fax und -Scan bereits an Bord. Eigentlich sollte man also sofort loslegen können …

… und das kann man auch. Sobald ein analoges Modem über USB oder eine serielle Schnittstelle angeschlossen wird, und Windows 7 etc. die entsprechenden Treiber (als Build-In-Treiber) installiert, können Administratoren Windows-Fax und -Scan über das Startmenü aufrufen und dann im Menü Extras über den Befehl Faxeinstellungen das gleichnamige Eigenschaftenfenster öffnen. Auf der Registerkarte Allgemein lässt sich dann die Schaltfläche Faxgerät auswählen anklicken und das Modem als Faxgerät einstellen.

Wenn es Probleme gibt …

Sofern ein analoges Modem verfügbar ist, dessen Treiber unter Windows  installiert wurden und das Faxen trotzdem nicht klappen will, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Fax G3-Softmodemtreiber der Übeltäter. Um generelle Konfigurationsprobleme (Amtholung, Ton-/Pulswahl etc.) auszuschließen, empfehle ich die hier von mir aufgeführten Testhinweise auszuprobieren.

Zitat: Um jetzt auszuschließen, dass es wirklich an der Kette Verkabelung – Modem – Treiber – Einwahlregeln etc. hängt, würde ich dich bitten, noch einen Kurztest zu machen.

Einfach über das Netzwerk- und Freigabecenter eine Einwahlverbindung zur Telefonnummer 0192-658, Benutzername MSN Kennwort MSN (oder zu einem der anderen Internet by Call-Anbieter, siehe http://as.rwawartung.de/) einzurichten und dann zu testen, ob das auch nicht funktioniert (d.h. es sollte eine Einwahl-Internetverbindung aufgebaut werden – vorher LAN-Kabel abziehen oder WLAN abschalten).


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In einigen Fällen hilft es ggf. einen Windows Vista-Treiber für das Modem auszuprobieren.

Faxen mit Multifunktionsgeräten

Sind Multifunktionsgeräte mit Druck-, Scan- und Faxfunktionen im Einsatz, wird auch hier ein entsprechender Windows 7-/8/8.1-Treiber des Herstellers benötigt. Speziell bei älteren Geräten sieht es dann nicht immer gut aus – und 32-Bit-Treiber lassen sich unter einem 64-Bit-Windows nicht verwenden.

Liefert der Hersteller Windows Vista- oder Windows 7-Treiber, gilt es zu testen, ob diese eine Fax-Unterstützung bieten. Der erste Blick sollte in das Ordnerfenster Geräte und Drucker gehen. Vielleicht ist dort ein Fax-Druckertreiber installiert, der die Ausgaben an das Fax im Multifunktionsgerät umleitet. Eine Unterstützung von Windows-Fax und –Scan durch eine CAPI 2.0-Schnittstelle, die ein kompatibles Softmodem bereitstellt, dürfte wohl eher die Ausnahme sein.

Tipp: Sofern das Multifunktionsgerät per USB angeschlossen wird und die Software unter Windows XP lief, hilft ggf. ein Trick. Installieren Sie den Windows XP-Mode unter Windows 7 (ist aber Windows 7 Professional möglich – in den Home-Varianten wird ggf. eine separate Windows XP-Lizenz benötigt). Dann installieren Sie die Fax-Software für Windows XP und konfigurieren die virtuelle Maschine mit Windows XP so, dass der USB-Ausgang des Druckers verwendet wird. Mit etwas Glück kann dann in der virtuellen Maschine gefaxt werden. Denkbar wäre dann auch noch die Freigabe des Fax-Druckerausgangs im Netzwerk. In der Praxis dürfte dies aber daran scheitern, dass der dann unter Windows 7 benötigte Netzwerkdruckertreiber nicht funktioniert. Hinweise zur Virtualisierung und zum Windows XP-Mode finden sich hier im Blog unter
https://www.borncity.com/blog/category/virtualisierung/

Sonderfall ISDN-Anschluss bzw. -Karte

Besitzen Sie einen ISDN-Anschluss, benötigen Sie eine aktive ISDN-Karte (z.B. FRITZ!Box ISDN). Zudem gibt es ISDN-Telefonanlagen. Diese stellen einen ISDN-Zugang über einen USB-Anschluss für den Rechner zur Verfügung. Möchten Sie solche Lösungen für den Faxversand verwenden, wird es aber schwierig. Der vom Hersteller bereitgestellte Gerätetreiber dient lediglich zur Steuerung der ISDN-Einheit. Damit die Anwendungsprogramme mit dem ISDN-Gerät kommunizieren können, wird noch eine »Softwareschicht« zur Vereinheitlichung der Schnittstellen zwischengeschaltet.

  • Die Anbindung der Anwendung an die ISDN-Geräte kann über ISDN NDIS-WAN CAPI-Treiber (stellt einen Netzwerktreiber für die Kommunikationsprogramme bereit) erfolgen.
  • Der häufiger verwendete Ansatz besteht darin, die Anwendungen über ISDN CAPI-Port-Treiber an die ISDN-Einheit anzubinden.

Beide Varianten müssen die CAPI 2.0-Schnittstelle (Common ISDN Application Program Interface) unterstützen , da diese von den meisten Programmen benutzt wird. Die CAPI 2.0-Schnittstelle stellt virtuelle Modems für die Kommunikation bereit. Allerdings gibt es in der Praxis zwei Hürden, die den ganzen Ansatz für Windows 7 Fax- und -Scan unbrauchbar machen können.

  • Sie müssen (wie bereits weiter oben angerissen) sicherstellen, dass die Treibersoftware der Hersteller für Windows 7 (oder zumindest für Windows Vista) zugelassen ist. Ggf. könnte es auch ein Treiber für Windows XP tun, aber die Wahrscheinlichkeit ist noch geringer als bei Windows Vista.
  • Und ein noch größeres Problem ist aber, dass die CAPI-Implementierung nicht immer komplett vorgenommen wurde bzw. dass die Hersteller oft ihr eigenes Süppchen kochen. Um über die ISDN-Karte bzw. das -Modem faxen zu können, muss dieses eine Modememulation (Softmodem) an der CAPI-Schnittstelle bereitstellen. Zudem muss sichergestellt sein, dass sich dieses Softmodem von Drittprogrammen ansprechen lässt.

Selbst mit einer “CAPI 2.0-Schnittstelle” ist nicht sichergestellt, dass diese alle Merkmale erfüllt sind. Ich habe hier Produkte, die zwar ein ISDN-Anbindung als “Softmodem” bereitstellen, wo aber die Gruppe 3 Fax-Modemfunktionen nicht funktionieren – bzw. das Faxmodem durch Windows-Fax und -Scan nicht erkannt wird. Dann helfen nur “Spucke, Basteln, einige schmutzige Tricks”, Rückgriff auf Fremdsoftware zum Faxen und manchmal auch viel Glück.

Und es geht doch – Faxen mit der Creatix PCI So ISDN-Karte

Besitzern älterer Medion-Rechner ist die Creatix PCI ISDN-Karte sicherlich ein Begriff. Diese, mit vielen Systemen unter’s Volk gebrachte ISDN-Karte wird zwischenzeitlich nicht mehr unterstützt. Während das Teil unter Windows XP noch seine guten Dienste bei mir verrichtete, konnte ich unter Windows Vista keinen Blumenpott gewinnen – lediglich eine Einwahlverbindung per ISDN ließ sich nutzen. Aber oh Wunder, im Rahmen meines Windows 7-Tricks-Titels habe ich eine funktionierende Lösung gefunden.

  • Laden Sie das Treiberpaket opci-XPDRV334A.zip sowie das Tools-Paket OP-UTL330A.zip von der Webseite www.creatix.de in einen lokalen Ordner herunter.
  • Nach dem Download sind die ZIP-Archive in lokale Ordner zu entpacken.

Der Treiber stammt nach den Einträgen in den .inf-Dateien noch aus Windows 2000-Zeiten, ist aber auch als für Windows XP verwendbar ausgewiesen. Unter Windows 7 ist eine Installation mit folgenden Schritten möglich.

  1. Rufen Sie den Geräte-Manager über das Startmenü auf (z. B. “Geräte” in das Suchfeld eintippen und dann den Befehl Geräte-Manager wählen) auf und suchen Sie das unbekannte Gerät mit der Hardware-ID PCI\VEN_1397&DEV_2BD0&SUBSYS_2BD01397&REV_02. Sie können die Einträge für unbekannte Geräte per Doppelklick anwählen und dann im Eigenschaftenfenster auf der Registerkarte Details die Eigenschaft “Hardware-Ids” überprüfen.
  2. Wählen Sie auf der Registerkarte Allgemein die Schaltfläche Einstellungen ändern und bestätigen Sie die Sicherheitsabfrage der Benutzerkontensteuerung.
  3. Klicken Sie auf der Registerkarte Treiber auf die Schaltfläche Treiber aktualisieren. Anschließend wählen Sie im Dialogfeld des Installationsassistenten den Befehl Auf dem Computer nach Treibersoftware suchen.
  4. Stellen Sie im folgenden Dialogfeld den Pfad zur Treibersuche über die Durchsuchen-Schaltfläche auf den Ordner mit den Creatix-Treibern ein.

Wenn Sie den korrekten Ort angeben, wird der Assistent einen passenden ISDN-PCI Card-Treiber finden und diesen für den Adapter installieren.

Hinweis: Der vom Hersteller bereitgestellte Gerätetreiber dient lediglich zur Steuerung der ISDN-Einheit. Damit Anwendungsprogramme mit dem ISDN-Gerät kommunizieren können, wird noch ein ISDN CAPI 2.0-Port-Treiber benötigt. Leider stellt Creatix keine CAPI 2.0-Implementierung bereit. Die Firma Creatix wird auch keine Aktualisierung der CAPI-Bibliotheken breitstellen und verweist auf die für Windows XP funktionierende herstellerspezifische Lösung (z.B. in Form der Classic PhoneTools der Firma BVRP). Leider ist diese Software nicht mit Windows Vista kompatibel und Avanquest hat letztendlich die Weiterentwicklung eingestellt. Aber es gibt einen trickreichen Ansatz, um (vielleicht) doch noch zum Ziel zu kommen.

Tipp: Zum Test, ob und welche Funktionen Ihre ISDN-Karte über die CAPI-Schnittstelle bereitstellt, können Sie eines der kostenlosen ISDN-Testtools (z.B. CapiTest 2.0) verwenden.

In einem weiteren Schritt muss die Creatix ISDN S0 PCI-Karte noch konfiguriert werden. Dabei sind die ISDN-Nummern (MSN) und das Protokoll einzutragen. Hierzu wird das oben erwähnte Tools-Paket OP-UTL330A.zip benötigt, welches zu installieren ist. Wichtig ist, dass Sie für die Setup- und Konfigurationsprogramme den Kompatibilitätsmodus für Windows XP SP2 über deren Eigenschaften festlegen (ist im Tricks-Buch in Kapitel 4, Abschnitt “Kompatibilitätsmodus für Altlasten” näher erläutert). Zudem müssen die Programme über den Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen gestartet werden, da andernfalls die Installation oder die Konfiguration nicht funktioniert. Über das Konfigurationstool ISDNCONFIG.exe lassen sich die MSN-Nummern einfügen. Zudem gibt es ein Diagnosetool, mit dem die Funktionsfähigkeit der ISDN-Karte überprüft werden kann.

Jetzt gilt es noch, eine funktionierende FAX-Lösung einzurichten. Windows-Fax und -Scan scheidet aus, da wegen der unvollständig implementierten CAPI-Schnittstelle kein Modem erkannt wird.

Den von Medion vertriebenen Creatix ISDN S0 PCI-Karten lag eine OEM-Version der “Classic PhoneTools” der Firma BVRP bei. Diese Software stellt ein CAPI-Softmodem für die Creatix ISDN S0 PCI-Karte bereit. Sie können die Webseite www.medion.com/de/?service/treiber_~u~_updates.html von Medion aufrufen und über die Volltextsuche nach “Creatix ISDN” suchen. Dort werden sowohl die Treiber (Version 3.34.0.0) als auch das Paket “BVRP Phone Tools Creatix S0-PCI ISDN Karte” zum Download angeboten.

  • Nach dem Download müssen Sie das BVRP-Paket in einen lokalen Ordner entpacken und dann die Setup-Datei ausführen. Dabei ist es erforderlich, den Kompatibilitätsmodus für Windows XP und Als Administrator ausführen zu verwenden.
  • Das Setup-Programm richtet die Classic PhoneTools im Ordner Programme ein und legt ein Desktopsymbol an. Setzen Sie für das Desktopsymbol den Kompatibilitätsmodus über dessen Eigenschaftenfenster auf “Windows XP SP2”.
  • Beim ersten Aufruf der Classic PhoneTools über das Desktopsymbol ist der Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen zu verwenden (andernfalls lässt sich das Programm nicht konfigurieren und es wird kein Softmodem eingerichtet).
  • Klicken Sie im BVRP-Fenster auf die Schaltfläche Einstellen und tragen Sie im Eigenschaftenfenster Allgemeine Konfiguration die Benutzerdaten (Name, Telefonnummer etc.) auf der Registerkarte Profil eingeben ein. Auf der Registerkarte Kommunikation muss als Modem BVRP CAPI Softmodem aufgeführt sein.

Über die Schaltfläche Anderes Modem lässt sich ggf. das Softmodem auswählen.

Dies funktioniert jedoch nur, sofern das Programm im administrativen Modus ausgeführt wird (weil Programmdateien im Installationsordner angelegt werden müssen). Wenn alles klappt, sollten Sie anschließend über die Schaltfläche Fax eine Faxnachricht erstellen können. Sie werden über verschiedene Dialogfelder durch die Schritte zur Faxerstellung geführt und können dabei die Empfängernummer sowie den Text in das Faxdeckblatt eintragen.

Achtung: Die obige Lösung hat jedoch den Nachteil, dass der Fax-Druckertreiber nicht installiert werden kann. Daher lassen sich keine Faxnachrichten aus Anwendungen wie Microsoft Word über die Drucken-Funktion senden. Sie müssen die Faxnachrichten quasi in den Classic PhoneTools erstellen und können ggf. Dateien (Textformat, TIFF-Format etc.) an das Fax anhängen – ein doch etwas unbequemer Weg. Die Firma BVRP existiert zwischenzeitlich nicht mehr, die Firma Avanquest (www.avanquest.com) hatte die Weiterentwicklung der Software Classic PhoneTools übernommen. Auf der Webseite des Herstellers lassen sich noch Demovarianten herunterladen und bis zur Version 6 gibt es sogar eine deutsche Fassung. Allerdings funktionieren die Demoversionen nur, wenn diese mit Als Administrator ausführen aufgerufen werden (vermutlich kann sonst ein Timer nicht aktualisiert werden und die Software meldet, dass die Evaluierungsperiode abgelaufen sei). Man kann aber zumindest experimentieren und testen, ob die Fax-Funktion es tut. Falls dies zutrifft, im Titel “Magnum Windows 7 Home Premium Tricks” ist noch eine Bezugsstelle genannt, wo eine OEM-Version der BVPR-Software bezogen werden kann (aus diversen Gründen verzichte ich auf eine Veröffentlichung an dieser Stelle). Mit der OEM-Lösung war auf meinem Testsystem ein voll funktionierender FAX-Versand einschließlich FAX-Druckertreiber unter Windows 7 möglich.

Fax-Lösung für andere ISDN-Karten und TK-Anlagen

Für ISDN-Karten anderer Hersteller oder TK-Anlagen mit integriertem ISDN-Anschluss gilt sinngemäß das oben für die Creatix S0 ISDN-Karte gesagte. Der Hersteller muss Treiber für Windows 7 (oder zumindest für Windows Vista) für die ISDN-Karte oder die TK-Anlage anbieten, die eine CAPI 2.0-Schnittstelle bereitstellt. Dann lässt sich prüfen, ob (ggf. in Verbindung mit TAPI-Services) eine Einbindung in Windows-Fax und –Scan möglich ist.

Tipp:  Falls Windows-Fax und –Scan nicht will und keine spezielle Faxlösung des Herstellers für Windows 7 verfügbar ist, die ISDN-Karte/-Anlage aber eine voll implementierte CAPI 2.0-Schnittstelle anbietet, empfiehlt sich ein Besuch der Webseiten von Shamrock. Von Herwig Feichtinger (ein Elektronik-Recke, der mir noch aus den Frühtagen der IT-Technik, als wir im vorherigen Jahrtausend noch “hautnah an den Bits der damals brandneuen 8085 Mikroprozessoren” rumgefummelt haben, als Chefredakteur der mc in guter Erinnerung geblieben ist) wird die Lösung CapiFax angeboten. Mit etwas Glück lässt sich der CapiFax-Server an die ISDN-Karte anbinden. Zumindest steht eine Testversion von CapiFax bei Shamrock zum kostenlosen Download bereit. Auf den Shamrock-Seiten finden sich übrigens auch einige ISDN-Testtools sowie eine gute Tipp-Sammlung rund um das Thema CAPI und ISDN.

FRITZ!Fax und FRITZ!Card ISDN

Für Besitzer von Produkten der Firma AVM (FRITZ!ISDN, FRITZ!Card ISDN) sieht es dagegen besser aus. Windows 7 enthält für die ISDN PCI-Karten und das USB-Gerät bereits Treiber und eine CAPI-Schnittstelle. Von AVM steht eine Windows Vista/7-Variante von FRITZ!Fax bereit.

  • Wer eine FRITZ!Card besitzt, sollte diese auch als Faxlösung betreiben können.
  • Wer eine FRITZ!Box nutzt, hat ebenfalls die Möglichkeit, diese mit FRITZ!Fax einzusetzen.

Voraussetzung für die zweite Variante ist, dass die FRITZ!Box mit einer entsprechenden Firmware-Version ausgestattet ist und an einem analogen oder ISDN-Telefonanschluss hängt. FRITZ!Fax lässt sich kostenlos von den AVM-Webseiten www.avm.de herunterladen. Mit der von mir getestet FRITZ!Fax-Software ließ sich sowohl über die FRITZ!Card ISDN als über die FRITZ!Box 7170 faxen. Es sollte auf den Download der passenden Softwarepakete geachtet werden. Und die mehrfache Installation-/Deinstallation diverser AVM-Softwarepakete incl. TAPI-Services für CAPI hat die fatale Tendenz – dass irgendwann nix mehr geht und Windows 7 neu aufgesetzt werden sollte (es bleiben wohl Reste der CAPI-Bibliotheken oder Registrierungseinträge zurück).

Windows-Fax und -Scan mit TAPI-Services für CAPI

Von AVM wird auch das Produkt TAPI-Services für CAPI kostenlos bereitgestellt. Mit dieser Lösung sollte eigentlich eine funktionsfähige CAPI 2.0-Schnittstelle bereitstehen, die von Windows-Fax und -Scan genutzt werden kann.

In den vergangenen zwei Jahren habe ich unter Windows Vista und seit Erscheinen auch unter Windows 7 einige Experimente mit Windows-Fax und -Scan in Verbindung mit den AVM-TAPI-Services unternommen. In keinem Fall war es mir möglich, mit den AVM-TAPI-Services eine Anbindung als Fax-Lösung zu erreichen. Was problemlos funktioniert, ist FRITZ!Fax. Da es anderen Nutzern ähnlich geht, möchte ich eine Korrespondenz mit der Pressebetreuung von AVM bezüglich dieser Thematik einfach unkommentiert hier einstellen.

>kommenden Windows 7. In diesem Rahmen möchte ich meinen Lesern auch einen

>Weg vorstellen, um das in allen Windows 7-Varianten enthaltene Programm

>Windows Fax- und Scan zum Faxversand mit AVM-Produkten zu verwenden

>(Fritz!Fax werde ich separat testen).

Um dies über ISDN zu realisieren, stellen wir ein Update des Produktes “TAPI Services for CAPI” bereit. Die neuste Version

Version : 02.03.00

Build : 09.10.20

siehe

ftp://ftp.avm.de/programs/tapi/windows.7/deutsch/

basiert auf der CAPI2.0 eines beliebigen ISDN-Controllers. In “Windows Fax- und Scan” wird dann einfach eine TAPI-Line zum faxen ausgewählt (siehe Doku).

Anmerkung: Bei meinen Tests hatte ich diese Variante installiert und es wurde wirklich eine TAPI-Linie in Windows-Fax und -Scan angezeigt. Meine Windows 7-Testinstallation war aber auf Grund vorhergehender CAPI 2.0-Installationen anderer Produkte und der TAPI-Services für die FRITZ!Box ziemlich verhunzt. Daher konnte ich keine funktionsfähige Fax-Verbindung über FRITZ!Card ISDN aufbauen. Als “frei fliegender Autor” verfüge ich auch über keine eigene FRITZ!Card ISDN und hatte mir (für das Buchprojekts) eine entsprechende Komponente für einige Stunden zum Test ausgeliehen. Auf Grund dieser gerätetechnisch bedingten Randbedingungen vermag ich nicht endgültig zu klären, ob diese Lösung nun funktioniert oder nicht (ich vermute mal, dass es funktioniert).

Interessanter wäre für mich, wenn ich die Lösung TAPI-Services für CAPI 2.0 für die FRITZ!Box einsetzen könnte (da ich die FRITZ!Box einsetze). Hier gibt es seitenfüllende Beschreibungen in Foren, wo es nicht geklappt hat (und auch ich habe da ziemlich viel Zeit mit Tests zugebracht, da die Readme des Produkts behauptet, dass es geht). Um Lesern eventuell zeitraubende Fehlversuche zu ersparen, hier einfach die Antwort von AVM.

>Frage: Gibt es bei AVM Ansätze oder Lösungen, um eine CAPI 2.0-Schnittstelle

>mit Softmodem in Verbindung mit der Fritz!Box WLAN 7170 etc. einzusetzen –

für FRITZ!Boxen gibt es eine eigenständige Lösung zum faxen. “FRITZ!fax fuer FRITZ!Box” steht in der Version

Version: 03.07.04

Build: 09.10.16

ftp://ftp.avm.de/fritz.box/tools/fax4box/

auch bereits für Windows 7 zur Verfügung.

>Frage: Auf den AVM-Supportseiten wird u. a. ein TAPI-Service für Fritz!Box

>angeboten, der auch eine Schnittstelle für TAPI-fähige Anwendungen wie MS

>Outlook bietet. So wie ich gesehen habe, wird dort aber keine

>CAPI-Schnittstelle mit Softmodem eingerichtet – jedenfalls erkennt Windows

>Fax- und Scan die TAPI-Dienste nicht.

Die “TAPI-Service für Fritz!Box” sind eine reine Telefonie-Lösung zur Anbindung von MS-Outlook über IP an die F!Box (siehe Doku). Für Fax over IP gibt es das o.g.

“FRITZ!fax fuer FRITZ!Box”

Damit ist die Antwort ziemlich eindeutig: Die von mir oben skizzierte FRITZ!Fax-Lösung tut es und ist in wenigen Minuten unter Windows 7 installiert. Mit TAPI-Services für FRITZ!Box lässt sich leider bezüglich Windows-Fax und -Scan nicht viel anfangen.

Faxen über IP (T.38-Lösung)

Bei Verwendung einer FRITZ!Box 7170 mit Anbindung an einen ISDN-Telefonanschluss ist mit FRITZ!Fax kein Problem. Wer aber nur noch einen DSL-Anschluss besitzt und den Festnetzanschluss gekündigt hat, steht vor der Frage, ob nicht auch Fax-over-IP möglich ist. Theoretisch ließe sich eine VoIP-Verbindung auch verwenden, um ein Faxgerät anzurufen (d.h. Faxgerät am DSL-Router angeschlossen und dann über Internettelefonie eine Verbindung zu anderen Faxgeräten aufbauen).

Faxen über Voice over IP ist aber kritisch. Die Übertragung erfolgt dann nach dem T.30-Standard, wobei die Fax-Datensignale über den Sprachkanal übermittelt werden. Wegen der Bandbreitenbegrenzung vieler DSL-Provider sowie der Verzögerungen in der IP-Paketvermittlung klappt dieser Ansatz meist nicht und es kommt ständig zu Verbindungsabbrüchen.

Die saubere Lösung wäre, dass der DSL-Provider ein T.38-Gateway bereitstellt (der T.37-Standard ist meines Wissens in Europa nicht verbreitet). Dann werden die Faxdaten über einen separaten Kanal per Fax-over-IP (FoIP) zum T.38-Gateway des Providers übertragen und von dort an das Faxgerät übermittelt. Diese Möglichkeit steht aber erst bei einigen Providern (für Kunden, die auf Festnetz verzichten) zur Verfügung. Persönlich kann ich dies nicht testen, da ich bei 1&1 nicht zu den Kunden gehöre, die auf DSL-Komplett umgestellt haben.

Aber postulieren wir mal, dass das Faxen über T.38-Gateway funktioniert. Wie kann das Gateway mit Windows-Fax und -Scan verheiratet werden? Hier bin ich bei der Kommunikation mit der US-Firma Faxback auf eine sehr gute Lösung gestoßen. Die Firma bietet auf ihre Internetseite www.faxback.com ein kostenloses VoIP-Plug-In für Windows-Fax und -Scan zum Download an (kurze Registrierung genügt, da über die E-Mail der Freischaltcode übertragen wird).

Wird das Plug-In unter Windows 7 installiert, richtet dieses eine entsprechende Schnittstelle ein. Anschließend kann in Windows-Fax und -Scan ein entsprechendes Gerät angesprochen werden. Voraussetzung ist aber, dass das VoIP-Plug-In korrekt für das T.38-Gateway eingerichtet wurde. Leider konnte ich diesen Ansatz nicht bis zur erfolgreichen Übertragung einer Faxnachricht testen, da ich keinen Zugriff auf ein T.38-Gateway habe.

Alternativen zum Faxen für technisch nicht Sattelfeste

Falls Ihnen beim Lesen der obigen Texte der “Schädel ob der vielen Begriffe und Kniffe schwirrt” gibt es auch einfachere Alternativen. Faxübertragung hat für die meisten Anwender nicht mehr den Stellenwert, wie zur Jahrtausendwende. Die einfachere Alternative besteht darin, auf einen der im Internet angebotenen (kostenpflichtigen) Faxdienste zurückzugreifen. Bei Web.de bekommen die Mitglieder der kostenpflichtigen E-Mail-Postfächer (Web.de-Club-Mitgliedschaft) einen Fax-Druckertreiber, mit dem sich Faxnachrichten über Web.de versenden lassen können. Bei 1&1 steht ebenfalls ein entsprechender Druckertreiber (“1&1-SmartFax”) zur Verfügung (aber die Kosten pro Faxseite sind horrend). Auch bei GMX gibt es einen solchen Faxdienst.

Der andere Ansatz besteht darin, nachzusehen, ob die Anbieter eines E-Mail-Konto den Faxversand per E-Mail unterstützen. Bei 1&1 sind entsprechende Funktionen bei den E-Mail-Konten verfügbar. Details sind in den Beschreibungen der betreffenden 1&1-Dienste zu finden.

Wer aber nur wenige Faxe versenden möchte, für den lohnt sich dies nicht. Bei reinen Textnachrichten empfehle ich z.B. ein kostenloses WEB.DE Postfach zu verwenden und dieses mit 5 Euro aufzuladen. Dann lassen sich Fax-Nachrichten in einem Textformular im WEB.DE Freemail-Konto verfassen und versenden.

Wie kann ich Faxempfang testen und sicherstellen

Abschließend noch ein kurzer Hinweis auf zwei Fragen. Wer mit den obigen Lösungen experimentiert, aber ggf. nicht über ein Faxgerät verfügt, braucht einen Test-Faxempfänger. Während ich früher noch mein (zwischenzeitlich kaputtes Amstrad FX6000 AT-)Faxgerät durchs Haus an einen anderen Telefonanschluss geschleppt habe, verwende ich zwischenzeitlich zum Testen eine clevere Lösung in Form von Unified Messaging Services (UMS).

Und dieser Ansatz ist auch hilfreich, wenn man nicht ständig einen Rechner eingeschaltet lassen möchte, nur weil mal alle Schaltjahre ein Fax eintrudelt. Hinter UMS steckt die Möglichkeit, die Anbieter von Postfächern oder Geräten haben, eintreffende Sprach- und Faxnachrichten umzuwandeln und dann per E-Mail zuzustellen.

Anbieter wie WEB.DE oder 1&1 stellen bei den E-Mail-Postfächern die Möglichkeit bereit, einen UMS-Anschluss zu konfigurieren. Dieser ist dann über Telefonnummern wie +49-3212-1-xxxx aus dem Festnetz erreichbar. Eine Sprachnachricht wird als Audiodatei per E-Mail-Anhang übertragen, während eine Faxnachricht als PDF- und TIFF-Anhang übermittelt wird.

Besitzer einer FRITZ!Box 7170//270 etc. haben zudem die Möglichkeit, einen USB-Stick an die betreffende Box anzuschließen. Anschließend lässt sich die FRITZ!Box so konfigurieren, dass auf einer eingerichteten MSN-Nummer eingehende Faxnachrichten umgewandelt, auf USB-Stick abgelegt und ggf. als E-Mail zugestellt werden.

Unter dem Strich stehen dem gewillten Anwender also viele Wege zur Faxkommunikation unter Windows 7 zur Verfügung.


Die obigen Informationen sind ein Auszug aus den von mir bei Pearson (Markt+Technik) publizierten Windows 7-Tricks-Titeln.

(c) by Günter Born www.borncity.de

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9 Kommentare zu Faxen in Windows 7/8/8.1

  1. Heisenberg sagt:

    schöner Artikel, vielen Dank dafür. Ich hab vor Jahren eine Fritz!Card USB v2 an einer XP-Kiste für den XP-Faxdienst (als service) eingerichtet. Das wra damals eine ganz schöne Fummelei. Jetzt will ich demnächst auf 7 umsteigen. Dank des Artikels bin ich zuversichtlich =)

  2. Pingback: Windows-Fax und –Scan verschwunden « Borns IT- und Windows-Blog

  3. Henning Tismar sagt:

    Guten Tag!
    Ich habe ein Netzwerk mit WLAN-Router, ein PC mit XP, der andere mit W-7.
    Am XP befindet sich ein Analog-Modem, mit dem ich mit dem entsprechenden Windows-Programm Faxe senden und empfangen kann.
    Am W-7 habe ich kein Moden.
    Mit beiden PC’s kann ich ins Internet über den Router gehen.
    Wie kann ich von W-7 das Analog-Moden des XP nutzen für Faxe?
    Oder geht das auch direkt über den Router?
    Oder soll ich mir ein USB-Analog-Moden besorgen und an den W-7 anschliessen, aber woher kann ich das beziehen, mit dem entspr Treiber für W-7?
    Für einen Tip wäre ich sehr dankbar.
    Viele Grüsse
    Henning Tismar

    • Günter Born sagt:

      Bitte um Verständnis, wenn ich im Blog keine Individualberatung bzgl. Fax-Problemen geben kann.

      Der Ansatz, das Windows XP Analogmodem per Netzwerk für Fax-Versand anzusprechen geht mit Bordmitteln nicht – mit einer Fax-Server-Lösung wäre vielleicht was zu reißen. Aber es ist imho ein Luxusproblem: Wenn der Win XP-Rechner es mit dem Fax-Modem tut, warum nicht diesen einsetzen?

  4. Pingback: [BLOCKED BY STBV] Faxkonto - kein Zugriff

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  6. Lucio sagt:

    Warnung vor dem USR USB-Modem Modell 5637!

    Es funktioniert unter Windows 10 nicht. Ich hatte es vor knapp einem Jahr gekauft …
    Der Online-Händler will den Kaufpreis nicht ersetzen. USR antwortet nicht auf meine Support-Anfragen – die sie nur in Englisch haben wollen!

    Frohe Weihnachten!

  7. Bernd sagt:

    Hallo,

    bei mir hat es geholfen die Firewall für die Zeit der Installation
    zu deaktivieren. Erst den TAPI Treiber dann Fritz4Box.

  8. darude sandstorm sagt:

    wie geht das mit faxback? ich möchte windows fax und scan mit der fritzbox koppeln. intern auf der oberfläche der fritzbox kann ich schon faxe verschicken. entweder tippe ich es auf der fritzbox oder ich öffne dort ein bild.

    bequemer geht es mit windows eigenen mitteln.

    • Hm, scheint ja “dringend” zu sein – 1 Kommentar und gleich zwei Mails mit der Bemerkung “warum soll ich Namen angeben”. Die Kopplung faxback mit “Windows Fax und Scan” ist imho hier in den Treffern thematisiert. Wenn was per FRITZ!Box gekoppelt werden soll, wäre AVM der Ansprechpartner – ich bin da außen vor …

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