Kardinalfehler beim Einrichten von Benutzerkonten

Eigentlich ist es ja trivial – bereits bei der Installation fragt der Setup-Assistent den Namen für ein Benutzerkonto ab und legt ein Administratorenkonto an. Meldungen in Foren zeigen aber, dass es manche Benutzer schaffen, das System beim Anlegen von Benutzerkonten ziemlich auf’s Kreuz zu legen. Der Beitrag skizziert die do’s and don’ts bei diesem Thema.


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Welche Konten soll ich mindestens anlegen?

Die erste Frage, die sich stellt: Warum soll ich überhaupt zusätzliche Benutzerkonten anlegen. Ich arbeite alleine auf dem Rechner und brauche nur ein Administratorkonto.

Mein persönlicher Tipp ist: Legen Sie sich ein Administratorkonto bei der Installation an und richten Sie zusätzlich ein Standardbenutzerkonto zum Arbeiten ein. Auch unter einem solchen Benutzerkonto lassen sich mit Hilfe der Benutzerkontensteuerung die meisten administrativen Aufgaben problemlos ausführen.

Arbeiten mehrere Benutzer mit dem Rechner, richten Sie für jede Person ein eigenes Standardbenutzerkonto ein. Dies stellt sicher, dass die Arbeitsumgebungen, Zugriffsberechtigungen, Dateien sauber getrennt werden.

Tipp: Der Vorteil eines separaten Administratorkontos wird spätestens dann sichtbar, wenn das Benutzerprofil des aktuellen Benutzerkontos defekt ist und die Anmeldung unter einem temporären Profil erfolgt. Im Fall der Fälle kann sich ein Administrator einloggen und einfach ein neues Benutzerkonto anlegen sowie das defekte Benutzerprofil löschen/zurücksetzen.

Diese Kontennamen sind tabu!

Manche Anwender schlagen in den Microsoft Foren auf und beschweren sich, dass die Verwaltung der Benutzerkonten nicht funktioniert oder sonstige mysteriöse Effekte aufträten. Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass das Problem an der Benennung der Benutzerkonten festzumachen ist.

  • Ein Benutzerkonto mit dem Namen “Administrator” ist tabu. Ich weiß nicht, ob es sich überhaupt beim Setup unter diesem Namen anlegen lässt. Aber Windows 7 besitzt bereits ein Administratorkonto mit dem Namen “Administrator”. Dieses wird aber standardmäßig deaktiviert, sobald ein zweites Benutzerkonto in der Gruppe der Administratoren angelegt wurde.
  • Auch ein Benutzerkonto mit dem Namen “Benutzer” (oder “User”) ist eine schlechte Idee. Offenbar nimmt die Benutzerverwaltung diesen Namen an – aber Windows 7 bekommt dieser Kontenname nicht. Der Administrator bekommt dann die merkwürdigsten Fehlerbilder gezeigt.

Verwenden Sie nach Möglichkeit keine Umlaute und Sonderzeichen im Namen eines Benutzerkontos. Benennen Sie das Administratorkonto einfach aus einer Kombination des Namens und “Admin” (z. B. BornAdmin). Das Benutzerkonto können Sie dann mit dem Benutzernamen (z. B. Born) benennen. Dies umschifft gleich alle Klippen, die eventuell diesbezüglich auftreten können.

Tipp: An dieser Stelle auch gleich die Empfehlung, das deaktivierte Gastkonto in Windows 7 auch weiterhin abgeschaltet zu lassen. Ich kann zwar keinen konkreten Hinweis geben, aber in Microsofts Windows 7-Foren tauchen immer wieder Anwender mit Problemen auf, deren Ursache aktivierte Gastkonten sind. Für die Standardsysteme wird aber kein Gastkonto auf einem Windows 7-System benötigt.


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Konten umbenennen?

Ein Administrator kann ein Benutzerkonto mittels des Befehls Benutzerkonten umbenennen der Systemsteuerung umbenennen. Dies sollte aber nur in Notfällen durchgeführt werden, da dies durchaus einige Nachteile bringen kann.

So verwendet Windows beim Anlegen des Benutzerprofils den Namen des Benutzerkontos für den Profilnamen (Pfad %windir%/users/<konto>/). Wird ein Benutzerkonto umbenannt, bleibt der ursprüngliche Pfad erhalten. Bei zwei Benutzerkonten kein wirkliches Problem – wer aber viele Konten verwalten und auf die Profilordner zugreifen muss, steht dann vor dem Problem, die korrekten Profilordner für die Konten zu identifizieren.

Und es gibt noch eine Falle, in die man eventuell tappen kann: Alle Windows-Funktionen, die nicht den Benutzernamen sondern den vollständigen Benutzernamen verwenden, funktionieren nach der Umbenennung nicht mehr. In meinen Windows-Tricks-Titeln habe ich einen konkreten Fall erwähnt, der mich in Windows XP-Zeiten schon mal einige Stunden der Fehlersuche gekostet hat: Verwendet man den Befehl runas in der Eingabeaufforderung, erwartet dieser im Parameter user: den vollständigen Benutzernamen. Ändert ein Administrator also den Namen des Benutzerkontos über die Systemsteuerung, muss der ursprüngliche Kontenname im Parameter user: des Befehls runas verwendet werden.

Hinweis: Falls Sie den Namen des Benutzerkontos umbenennen müssen und runas verwenden möchten, empfiehlt sich ein Trick. Drücken Sie die Tastenkombination Windows+R und geben Sie im Dialogfeld Ausführen den Befehl control.exe userpassword2 ein. Sobald Sie die Sicherheitsabfrage der Benutzerkontensteuerung bestätigt haben, gelangen Sie zur erweiterten Benutzerverwaltung. Dort können Sie auf der Registerkarte Benutzer einen Eintrag für ein Benutzerkonto anwählen. Über die Schaltfläche Eigenschaften lässt sich die Registerkarte Allgemein der Benutzerkonteneigenschaften aufrufen. Gleichen Sie dann die Werte in den Feldern Benutzername und Vollständiger Name ab. Dann klappt wenigstens der Befehl runas wieder mit dem Kontennamen.

Administratorkonto einblenden?

Über die erweiterte Benutzerverwaltung oder den Befehl net user …. lässt sich das Benutzerkonto Administrator aktivieren (siehe auch [1]). Manche Benutzer sind ganz “heiß” auf dieses Benutzerkonto, weist es doch die Sicherheitsabfrage der Benutzerkontensteuerung nicht auf.

Unter dem Strich ist es aber keine besonders gute Idee, dieses Konto zu aktivieren. Einmal ist dies das Notkonto, welches automatisch aktiviert wird, sobald kein weiteres Benutzerkonto mehr existiert. Dieser Fall lässt sich zwar über die Benutzeroberfläche nicht herstellen, da die Benutzerverwaltung das Löschen des letzten Kontos blockiert. Aber es soll ja schon Fälle gegeben haben, wo Tools oder Fehler diesen Fall herbeiführen.

Zudem bedeutet das Konto Administrator auch, dass die Benutzerkontensteuerung nicht verwendet wird, d. h. der Benutzer arbeitet mit vollen Berechtigungen ([2]). Lassen Sie also das Konto Administrator deaktiviert – es gibt keine Notwendigkeit, das Konto zu verwenden.

Benutzerkonten ausblenden?

Windows 7 bietet nach wie vor die Möglichkeit, Benutzerkonten in der Anmeldeseite auszublenden. Ich habe den Kniff in meinen Windows 7-Tricks-Titeln besprochen. Allerdings ist es keine besonders gute Idee, gleich alle Benutzerkonten auf diese Weise auszublenden, da Sie dann u. U. nicht mehr an ein Administratorkonto herankommen, um das System zu verwalten. Wem dieses Malheur doch passiert ist, sei auf den Artikel unter [3] verwiesen, wo ein Workaround zur Rettung beschrieben ist.

Ich brauche kein Kennwort!

Es gibt eine Menge Benutzer, die es furchtbar “eilig” haben und sich auch noch die Benutzeranmeldung sparen möchten. Wer nur ein Benutzerkonto einrichtet und diesem kein Kennwort zuweist, gelangt beim Windows 7-Start direkt zum Desktop – die Anmeldeseite wird übersprungen.

Bei mehreren Benutzerkonten finden es viele Anwender “komfortabel”, sich durch einen Klick auf das Kontensymbol anmelden zu können. Dies klappt aber nur, wenn das Konto kein Kennwort aufweist.

Wer aber auf Kennwörter für die Benutzerkonten verzichtet, handelt sich ein Problem ein: Windows 7 benutzt den Kontennamen sowie das Kennwort zur Authentifizierung innerhalb eines Netzwerks. Fehlt ein Kennwort, erscheint bei Netzwerkzugriffen ein Authentifizierungsdialogfeld, in dem Benutzername und Kennwort eingegeben werden müssen. Sie sollten daher alleine aus diesem Grund für jedes Benutzerkonto auch ein Kennwort vergeben.

Tipp: Um sich trotz Kennwort für ein Benutzerkonto ggf. automatisch anzumelden, lässt sich ein Trick nutzen. Rufen Sie die erweiterte Benutzerverwaltung über den Befehl control.exe userpassword2 auf. Auf der Registerkarte Benutzer lässt sich die Markierung des Kontrollkästchens Benutzer müssen Benutzernamen und Kennwort eingeben löschen. Dann erscheint ein Dialogfeld, in dem Sie das Benutzerkonto samt Kennwort zur Autoanmeldung eingeben können. Über die Funktion “Abmelden” des Startmenüs haben Sie nach wie vor die Möglichkeit, sich explizit unter anderen Benutzerkonten anzumelden.

Profile verlagern?

Manche Benutzer sind auch vom Ordnungswahn getrieben und wollen unbedingt die Profilordner vom Windows-Laufwerk auf eine zweite Partition verlagern. Während diese Möglichkeit bei Windows XP noch mit Tricks möglich war, klappt das bei Windows Vista/Windows 7 nicht mehr. Nur wer ein eigenes Installationsimage (WIM) erstellt, hat dort die Möglichkeit, die Benutzerprofile auf eine separate Partition zu verlagern (habe ich aber bisher nie probiert).

Die einzige Möglichkeit zur Verlagerung der Benutzerordner nach der Installation bietet die Registerkarte Pfad in den Eigenschaften eines Benutzerordners. Dort lässt sich der Pfad auf diesen Ordner auf eine andere Partition verschieben.

Aber auch hier wäre ich sehr zurückhaltend, da Windows 7 bzw. manche Anwendungen spezielle Berechtigungen für Benutzerordner erwarten. Dann klappt plötzlich das Autorefresh der Shell, das Backup, das Drucken aus dem Internet Explorer ([4]) etc. nicht mehr.

Weiterführende Links:
[1] Ich will aber mein Administratorenkonto wiederhaben …
[2] Windows und die Benutzerkontensteuerung …
[3] Vom Administratorenkonto ausgesperrt …
[4] Drucken im Internet Explorer geht nicht mehr


Weitere Infos zu Windows 7 finden sich in meinen Windows 7-Tricks-Titeln.

(c) by Günter Born www.borncity.de
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3 Antworten zu Kardinalfehler beim Einrichten von Benutzerkonten


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  2. Nachtrag: Ich war meiner Zeit mit dem obigen Beitrag wohl arg voraus. Von Microsoft gibt es nun einen eigenen KB-Artikel 3053711, der auf Probleme hinweist.

  3. Breiholz sagt:

    Ich habe eine Frage zu dem letzten Absatz in Ihrem Artikel “Profile verlagern”.

    Die Festplatte ist partitioniert in C (99GB) und D (400GB). In C liegt das Benutzerkonto damit auch alle Dokus, Bilder, Videos usw. mit dem Ergebnis, dass C jetzt bis auf 3 GB belegt ist und der Rechner sich dauernd aufhängt. Auf D ist 90% freier Speicher. Müsste das Benutzerkonto mit seinen Dateien nicht besser auf D liegen?

    Vielen Dank für die Mühe

    • Günter Born sagt:

      Wäre logisch – das Problem ist, dass Microsoft eine Verlagerung der Benutzerprofile in Windows nicht unterstützt. Man kann es versuchen und den Pfad diverser Benutzerordern über deren Eigenschaftenfenster verlagern. Wenn es bei Updates – oder bei Windows 10 Funktionsupgrades – knallt, kann man sich bei Microsoft bzw. bei den verlagerten Profilen bedanken.

      Ich halte es so, dass ich auf separaten Partitionen meine Datenlaufwerke habe. Dort lege ich Ordner an und speichere direkt aus den Anwendungen heraus meine Dokumentdateien (Bilder, Videos, Musik). So bleibt Windows samt Profilen unangetastet.

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