E-Mail-Clients für Windows 7

Microsoft Windows 7 enthält keinen eigenen E-Mail-Client mehr. In Foren taucht immer wieder die Frage auf, welches Programm zur Verwaltung der E-Mails verwendet werden kann. Der Beitrag versucht einige “odds und evens” diesbezüglich zusammen zu knüpfen.


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Windows Mail aus Windows Vista

Die obige Einleitung ist insofern nicht ganz korrekt, als Windows 7 doch mit dem Programmcode für einen E-Mail-Client ausgeliefert wird. Der Ordner Program Files (x86)\Windows Mail (bzw. der korrespondierende Ordner bei 32-Bit-Systemen) enthält die Programmdateien von Windows Mail.

Allerdings hat Microsoft diesen E-Mail-Client deaktiviert. Wer Suchmaschinen bemüht, findet sicherlich Tipps, wie sich das deaktivierte Windows Mail aus Vista reaktivieren lässt (siehe z. B. [4]).

Von diesem Ansatz möchte ich aber abraten, das es sicherlich gute Gründe bei Microsoft gab, den E-Mail-Client zu deaktivieren. Der ganze Ansatz ist lizenzrechtlich auch nicht ganz koscher und bringt u. U. weitere Probleme bei Windows-Updates. Zudem ist Windows Mail unter Windows Vista nicht unbedingt als “Hort der Zuverlässigkeit und Stabilität” aufgefallen (siehe u. a. [1, 2, 3]).

Windows Live Mail

Der Nachfolger der Microsoft E-Mail-Clients Outlook Express (Windows XP) und Windows Mail (Windows Vista) ist das kostenlose Microsoft Windows Live Mail aus den Windows Live Essentials. Es reicht den Installer von der unter [5] genannten Webseite herunterzuladen und auszuführen. Dann kann Windows Live Mail als zu installierende Anwendung verwendet werden.

Vorteil dieses Programms ist, dass dieser neben einem E-Mail-Client auch ein Adressmodul, einen Newsgroups-Reader sowie ein Terminmodul aufweist. Zudem entwickelt Microsoft das Programm weiter. So wird die im September 2010 erwartete Version 4.0 der Windows Live Essentials auch eine Windows Live Mail-Fassung enthalten, die das aus Microsoft Office 2010 oder aus Microsoft Paint bzw. WordPad bekannte Menüband aufweist. Dann lässt sich über Registerkarten auf die Windows Live Mail-Funktionen zurückgreifen. Ein weiterer Vorteil (zumindest bis Windows Live Mail 3) ist der Umstand, dass die Bedienung sich stark an frühere Microsoft E-Mail-Clients anlehnt. Interessierte Anwender finden in meinen Markt+Technik-Buchtiteln Easy Windows 7: leicht – klar – sofort und Windows 7 Home Premium Magnum: Kompakt, komplett, kompetent eine Beschreibung dieses E-Mail-Clients.


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Was eher stört, ist die Tatsache, dass Windows Live Mail immer mal wieder versucht, ein Benutzerkonto bei Live.com einzurichten. Das lässt sich zwar bei der Installation umgehen. Aber dann funktionieren bestimmte Dienste (wie die Terminerinnerung des Kalenders) nicht.

Zudem möchte ich auch nicht verschweigen, dass in den Microsoft-Foren zu Windows 7 häufiger Anwender “aufschlagen”, die durch gravierende Probleme gepiesackt werden oder Funktionen vermissen (naja, einem “gescheckten Gaul haut man nicht hinter die Ohren” oder so ähnlich). Da lassen sich E-Mails z. B. nicht mehr versenden oder löschen – oder Windows Live Mail kann nicht mehr gestartet werden. Zudem kann Windows Live Mail nur als Ganzes (mit allen Anwendungen) deinstalliert werden.

Persönlich kann ich diese Probleme nur bestätigen. Von ca. August 2009 bis Dezember 2009 hatte ich Windows Live Mail unter Windows 7 im Produktiveinsatz. In dieser Zeit musste ich das Programm mehrfach neu aufsetzen, da es mit dem sonderbarsten Fehlermeldungen aufkreuzte. Da ich einen größeren E-Mail-Bestand zu verwalten habe, konnte ich die Fehler nicht tolerieren und habe das Programm nach einem “Belastungstest” aus dem Produktiveinsatz herausgenommen.


Microsoft Office 2010-Titel


Microsoft Outlook

Besitzer von Microsoft Office verfügen auch meist über das Programm Microsoft Outlook, welches einen E-Mail-Client beinhaltet. Hier ist zu überlegen, diesen E-Mail-Client einzusetzen.

Dumm ist lediglich, dass die Home & Student-Versionen von Microsoft Office 2007 bzw. 2010 kein Microsoft Outlook enthält. Wer dagegen noch über eine ältere Microsoft Office-Version verfügt, besitzt zwar auch Microsoft Outlook. Aber gerade bei älteren Office-Versionen gibt es erhebliche Probleme mit Microsoft Outlook. Betroffene Anwender möchte ich auf meinen den unter [6] verlinkten Blogbeitrag verweisen.

Thunderbird, wenn’s klappen soll

Wer einen stabilen und dazu noch kostenlosen E-Mail-Client für Windows 7 sucht, sollte unbedingt einen Blick auf das OpenSource-Programm Thunderbird werfen. Der Download ist unter [7] möglich. Der große Vorteil, den Thunderbird (neben der Stabilität) ausspielen kann, ist die Plattformunabhängigkeit. So kann ich das Programm sowohl unter Windows als auch unter Mac OS X und unter Linux einsetzen. In vielen Linux-Distributionen ist der Thunderbird enthalten.

Persönlich nutze ich seit Dezember 2009 den Thunderbird portable [9] auf meinen Windows-Systemen. Der große Vorteil: Ich kann den Ordner mit Thunderbird portable bei Bedarf auf eine Netzwerkplatte oder einen an der FRITZ!Box angeschlossenen USB-Stick schieben und haben überall im Netzwerk Zugriff auf die Mailkonten. Selbst aus einer virtuellen Maschine heraus ist der Start von Thunderbird portable kein Thema. Da die Nachrichten mit im Thunderbird-Ordner gespeichert sind, entfällt auch die früher für mich erforderliche Synchronisation zwischen E-Mail-Clients (siehe z. B. [10]) mittels IMAP-Postfächern. Es gibt zwar ein paar Unzulänglichkeiten auf der Bedienoberfläche des Thunderbird und auch die Konfigurierung ist nicht immer sonderlich transparent (hier merkt man schon den Unterschied zwischen OpenSource-Entwicklern, die in Communities so vor sich hin werkeln, und einem halbwegs sauber designten Benutzerinterface aus den Microsoft Useability Labors). Aber unter dem Strich zählt für mich die Stabilität und die Portablität des Thunderbirds. Da nehme ich gerne ein paar zusätzliche Mausklicks in Kauf, um bestimmte Funktionen zu finden (und fluche höchsten heimlich über die bornierten Entwickler, denen so etwas offenbar nicht auffällt).


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Weiterführende Links:
[1] Problembehandlung in Windows Mail (Microsoft)
[2] Windows Mail – Nachrichten nicht mehr löschbar  (Vista-Blog)
[3] Windows Mail-Import aus Outlook Express 6 klappt nicht 
[4] Windows Mail aktivieren (Unaware-Beitrag)
[5] Download Windows Live Essentials (Microsoft)
[6] Probleme mit Microsoft Office
[7] Thunderbird Download-Seite
[8] Wikipedia-Seite zu Thunderbird
[9] Thunderbird portable
[10] E-Mail-Synchronisierung über Server


Weitere Infos zu Windows 7 finden sich in meinen Windows 7-Titeln.

(c) by Günter Born www.borncity.de
The source of smart computer books


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4 Responses to E-Mail-Clients für Windows 7

  1. Thorsten Albrecht sagt:

    TheBat! ist als alternativer E-Mail-Client durchaus zu empfehlen. Nutze ich seit über 10 Jahren.

    Thorsten

  2. Walther Lipphardt sagt:

    könnte das Mail-Programm “Mozilla Thunderbird” die Probleme zur Übertragung von Mail-Dateien auf neue PCs lösen?
    ———
    Sehr geehrter Herr Günter Born,
    vielen Dank für ihre sehr informativen und interessanten Ausführungen zu Mail

    ich habe für Emails und Kontakte auf XP und Vista das standardmäßige “Microsoft Outlook” (Outlook Express, Windows Mail ca 2000) verwendet und konnte Email-Dateien und –Kontakte mühelos von den Vor-PCs auf die Folge-PCs mit Windows_Easytransfer übertragen.

    Dies geht bei Windows 7 und 10 mit Microsoft Outlook z.B. 2003 nicht mehr (nach endlosen verzweifelten Export-Import-Versuchen).

    würde das von Ihnen empfohlene “Mozilla Thunderbird” die Probleme auf Win 7 und Win 10 lösen.

    Mein wesentlicher Schriftverkehr geht über EMails und ich bin auch auf frühere Mails angewiesen.
    Musss ich meine bisherige Verzeichnisstruktur neu aufbauen

    vielen Dank, wenn Sie mir raten können

    Mit freundlichen Grüßen
    Walther Lipphardt

    • Günter Born sagt:

      Ich denke, das TB das eher nicht löst – ich habe mich aber nie mit diesem Problem im Detail befasst, befürchte aber, dass es an vielen Ecken klemmt. Der Hintergrund ist, dass ich seit sehr vielen Jahren den Thunderbird Portable verwende – der liegt auf irgend einem logischen Laufwerk – und ich brauche nur dessen Verzeichnisstruktur zu kopieren, um auf jeder beliebigen Windows-Maschine auf dem neuesten Stand zu sein.

      Hier bleibt nur: Versuch macht klug. Die bestehenden E-Mails aus dem aktuellen E-Mail-Programm exportieren, dann ggf. Thunderbird in der portablen Version auf dem neuen System starten und dort die E-Mails wieder importieren. Dann sieht man schnell, ob und wo es klemmt.

      • Walther Lipphardt sagt:

        herzlichen Dank Herr Born
        Ihre Beschreibung zu TB war für mich positiv.
        Ich werde versuchen auf TB umzusteigen
        Mit Outlook komme ich zum Retten alter Mail-Dateien nicht weiter.
        vielen Dank

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