Genial: .vhd-Boot für Windows XP, Vista und Windows 7

Erfahrenen Windows 7-Anwendern ist die Möglichkeit bekannt, ein Windows 7 in eine .vhd-Disk zu installieren und nativ zu booten. Allerdings war dies mit vielen Restriktionen verbunden. Unter [1] habe ich bereits vor einiger Zeit einen Ansatz beschrieben, wie sich ein Ubuntu aus einem virtuellen Laufwerk (.vhd-Disk) nativ per Windows 7-Bootmenü starten lässt. Nun fallen weitere Schranken bezüglich des Bootens von virtuellen Laufwerken, wie der Beitrag skizziert.


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Warum geht es?

Mit Windows 7 wurde ja die Unterstützung für .vhd-Dateien eingeführt. Und besonders genial: Anwender können Windows 7 Ultimate oder Windows Server 2008 R2 in einer solchen .vhd-Disk installieren und nativ ins Bootmenü einhängen. Das eröffnet gänzlich neue Optionen, braucht der Anwender doch nicht mehr mit Primärpartitionen auf der Systemplatte zu stoppeln und kann eine Installation durch einfaches Kopieren einer .vhd-Datei kopieren bzw. klonen.

Einziger Wehrmutstropfen an der ganzen Sache: Für ältere Windows-Versionen klappte der Ansatz nicht. Und für Windows 7 Home Premium sowie Professional hat Microsoft den .vhd-Boot deaktiviert. Sprich: Man kann zwar das Betriebssystem auf ein virtuelles Laufwerk installieren und dieses über einen BCD-Eintrag in das Bootmenü einhängen. Wer jedoch eine solche Maschine erfolgreich gebootet bekommt, macht nach viel Aufwand die ernüchternde Erfahrung, dass Windows 7 beim Versuch, zum Desktop zu gelangen, lapidar meldet, dass dieses Feature in der vorliegenden Form nicht unterstützt würde – hab’s leider für eines meiner Windows 7-Bücher auf die harte Tour ausprobieren müssen, da das Web diese Feinheiten nur an einigen wenigen Stellen verrät.

Die Schranken fallen …

Wäre es nicht schön, wenn auch Windows XP, Windows Vista oder die oben erwähnten Windows 7-Varianten eine Installation in einer virtuellen Disk zuließen? Wer nun hofft, dass Microsoft ein Einsehen hatte, muss enttäuscht werden. Die Lösung kommt vielmehr aus einer kleinen aber feinen Software-Schmiede VMLite. Dort werkelte eine Gruppe von Entwicklern um Dr. Hui Hong bereits seit einiger Zeit an einer entsprechenden Lösung. Nachdem VBoot für Linux durch entsprechend angepasste initrd-Versionen bereits im Sommer 2010 möglich wurde, widmete man sich Windows XP und danach Windows Vista/Windows 7. Jetzt, kurz vor Weihnachten 2010 war es so weit: Seit Monaten angekündigt und mir vorab in Teilen zugänglich, steht Virtual Boot (VBoot) in der Version 1.0 zum allgemeinen Gebrauch bereit [3].

Das betreffende, gut 10 MByte große, Paket kann nach einer kostenlosen Registrierung auf der VMLite-Webseite [2] als ZIP-Archiv heruntergeladen werden. Nach dem Entpacken liegt ein Ordner vboot vor, der neben einer Readme.html mit einer detaillierten Anleitung auch die Image-Dateien für die Bootlader enthält. Zudem finden sich die beiden Windows-Programme vbootedit.exe und vbootedit64.exe, die die Installation des Bootladers für 32- oder 64-Bit-Windows ermöglichen. Für Windows XP muss dabei der Master Boot Record durch eine spezielle Variante ersetzt werden.

Die Installationsschritte sind in der Hilfedatei ganz gut beschrieben. Nachdem der Bootlader installiert wurde, ist das System über die Windows-Installations-DVD zu booten. Sobald man in das Dialogfeld zur Auswahl der Installationspartition gelangt, ist das Fenster der Eingabeaufforderung durch Drücken der Funktionstaste F10 aus dem Windows 7 Setup-Assistenten zu öffnen. Dann lässt sich die  .vhd-Datei mit folgenden Befehle anlegen und mounten.


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c:\vboot\tools\x86\vbootctl.exe createhd c:\win7.vhd /size 40
c:\vboot\tools\x86\vbootctl mount c:\win7.vhd /setup

Anschließend kann im Setup-Assistenten die Anzeige zur Auswahl des Installationsziels aktualisiert werden und das virtuelle Laufwerk kann ausgewählt werden. Danach darf die Windows 7-Installation im virtuellen Laufwerk erfolgen. Die Details zur Installation sind in den VBoot-Hilfedateien nachzulesen.

USB-Boot geht nun auch

Viele Nutzer haben irgendwie eine USB-Festplatte oder gar einen SSD rumfliegen und sinnen darauf, diese als Installationsziel für das Betriebssystem verwenden zu können. Durch Umstöpseln einer externen Festplatte könnte auf einer physischen Maschine ganz fix ein neues Betriebssystem – quasi im Apatchenmode – gebootet werden (Apatchenmode bedeutet: auftauchen, seine Sache erledigen und dann ohne Spuren zu hinterlassen, wieder verschwinden). Das bietet die Chance, Windows-Installationen auszuprobieren, ohne die auf der internen Festplatte installierte Betriebssystemvariante zu gefährden.

Was für diverse Linux-Derivate seit Jahren problemlos möglich ist, ist unter Windows eine “No-Go-Area”. Beim Aufkommen der Netbooks erinnere ich mich, Stunden mit Rumbasteln verbracht zu haben, um eine USB-Boot-Variante von Windows XP zu zimmern. Obwohl entsprechende Hacks unter Verwendung eines modifizierten USB-Treibers kursierten, bekam ich die Lösung nie an’s Laufen. Und unter Windows Vista/Windows 7 galt erst Recht die Devise “No way”.

Mit VBoot 1.0 gehört dies der Vergangenheit an. Durch Installation eines entsprechenden Bootladers auf das USB-Gerät kann bereits beim Booten das betreffende Medium wie eine Festplatte angesprochen werden. Der VBoot-Bootlader ruft dann den Windows-Bootlader auf, der anschließend das Betriebssystem lädt. Schon rückt ein USB-Boot in Reichweite – im VMLite-Forum haben die Entwickler bereits angefragt, wie groß das Interesse für ein .vhd-Boot von Mac OS X sei. Da tun sich in meinen Augen ungeahnte Möglichkeiten auf, habe ich für solche Experimente doch bisher immer meine ausrangierten Festplatten verwendet – denn ein Mac OS X-Testsystem kommt schon noch mit 15 bis 20 GByte Plattenplatz aus.

Zwischenzeitlich haben die Entwickler auch die ersten Patches in das VBOOT-V1-Paket integriert, so dass Anfangsfehler bereits behoben sind. Interessierte Leser finden zudem im VMLite-Forum detaillierte Diskussionen zu aufgetretenen Problemen und zum Booten von USB-Medien [4].

Wem also die Weihnachtsganz “schwer im Magen liegt”, kann sich am Thema VBoot abarbeiten und nebenbei ein paar Kalorien verbrauchen (wie pflegte Microsoft Technical Evangelist Daniel Melanchton zu schreiben “Banging the head against a wall uses 150 Calories an hour”). Und wer an den Festtagen “in tödliche Langeweile verfällt”, kann zur Abwechslung mal in’s VBoot-Universum “beamen”.

Nachtrag: Unter [6] findet sich noch ein Forenbeitrag von Hans Peter Matthess, der einen Ansatz zum Clonen eines Windows 7 Ultimate-Systems in eine .vhd-Disk beschreibt. Wird dies mit vboot kombiniert, sollten sich beliebige Windows-Varianten recht einfach in in eine virtuelle Disk clonen lassen.

Update:  Zwischenzeitlich ist die Final der vboot 1.1 bei VMLite veröffentlicht. Es sei hier angemerkt, dass die herunterladbare Variante eine Laufzeitbegrenzung von 3 Monaten aufweist. Danach ist eine Lizenz für 99$ zum weiteren Betrieb erforderlich. Details sind auf den Webseiten des Anbieters zu finden.

Weiterführende Links:
1: VBoot: Genialer Ansatz zum Booten aus virtuellen Laufwerken
2: VMLite-Webseite
3: VBoot-Download-Seite (erfordert eine Registrierung)
4: VMLite-Forum
5: .vhd-Disks automatisch mounten
6: Forenbeitrag zum Clonen von Win 7


Weitere Infos zu Windows 7 finden sich in meinen Windows 7-Titeln.

(c) by Günter Born www.borncity.de
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