Oracle VirtualBox 4.0 im Kurztest

Pünktlich zum Jahresende hat Oracle VirtualBox 4.0 als Final freigegeben [1, 2]. Der Beitrag wirft einen kurzen Blick auf die neue Version und zeigt, wo es Licht und Schatten gibt.


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Neu Optik, neue Innereien

Die Version 4.0 kann mit einigen Neuerungen aufwarten. So wurde die Funktionalität in ein Basispaket untergebracht, wobei zusätzliche Extensions zugeladen werden können. Außerdem hat sich das Disk-Layout leicht geändert, um die Portabilität der VMs zu verbessern. Die augenfälligste Änderung betrifft die Benutzeroberfläche, die nun mit einer Vorschau auf suspendierte Gäste daherkommt.

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Ganz nett ist auch die Möglichkeit zur Skalierung des Fensters im Gastbetriebssystem und die Option, Verknüpfungen auf  die VM auf dem Desktop des Host-Betriebssystems abzulegen.

Unter der Haube kann der Virtualisierer nun mehr als 1,5/2 GByte RAM für den Gast bereitstellen, auch wenn ein 32-Bit-Host verwendet wird. Zudem ist eine verbesserte virtuelle Hardwareunterstützung (Intel ICH9 Chipset mit Unterstützung der drei Bustypen PCI, PCI Express und Message Signaled Interrupts, sowie Intel HD Audio-Support) hinzugekommen.

Auch beim Open Virtualization Format (OVA) wurde die Unterstützung verbessert, so dass ein Import/Export entsprechender Gäste möglich ist. Die Unterstützung von .vhd- (Windows) und .vmdk-Disks (VMware) war ja bereits in den Vorgängerversionen möglich. Nun kann auch die Größe von .vhd-/.vdi-Disks geändert werden.

Die Gasterweiterungen unterstützen nun mehrere virtuelle Bildschirme in Linux-Gästen. Was aber nach wie vor nicht vorhanden ist: die Unterstützung der Grafikkarte durch einen WDDM-Treiber. Dadurch ist nach wie vor keine Aero-Darstellung bei Windows 7-Gästen machbar, obwohl die Grafikkarte 2D-/3D-Unterstützung bietet. Ob eine RDP-Anbindung zu einer Aero-Unterstützung führt (wie bei Windows Virtual PC [4]), konnte ich auf die Schnelle nicht klären, da die hier verfügbaren Windows 7 Home Premium ja kein Remote Desktop unterstützen.


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Weitere Details sind dem Change-Log in der mitgelieferten Hilfe bzw. auf den Oracle-Webseiten zu entnehmen.

Hinweis: Unter [3] diskutieren Benutzer darüber, dass Oracle VirtualBox 4.0 nun unter GPL2 gestellt hat, wodurch auch eine Verwendung in kommerziellen Umgebungen möglich wird. Leider gilt dies nur für die Basisfunktionalität, während die Erweiterungen für USB 2.0-Support, RDP etc. weiter unter Personal Use for Evaluation License (PUEL) stehen – ein Einsatz also nur im privaten Rahmen kostenlos ist.

Oracle VirtualBox Extension Packs

Die größte Änderung stellt in meinen Augen die Aufsplittung in ein Basis-Paket mit der Möglichkeit zur Integration von VirtualBox Extension Packs dar. Solche Extension Packs lassen sich von der Oracle-Webseite [1] herunterladen und erweitern die Basisfunktionen. Ein Extension Pack lässt sich dabei auf allen VirtualBox-Plattformen installieren.

Momentan gibt es nur ein Extension Pack, was zum Booten suspendierter älterer Gäste erforderlich ist. Zukünftig könnten da weitere Extensions auf uns zukommen.

Anmerkung: Leider erwies sich meine Hoffnung, dass eine Windows XP-Mode Integration über VirtualBox 4.0 bzw. ein Extension Pack möglich sei, als Trugschluss. Im Gegensatz zu Windows Virtual PC, VMware Workstation 7/Player 3 und VMLite ist es also unter VirtualBox 4.0 noch nicht möglich, eine entsprechende .vhd-Disk einzubinden und zu betreiben. Das Einbinden geht zwar, die betreffende VM lässt sich aber nicht aktivieren. Hier warte ich gespannt auf die VMLite-Entwickler, die bereits seit einiger Zeit hinter den Kulissen an deren Version 4.0 werkeln. VMLite setzt dabei auf dem OpenSource-Code von VirtualBox auf, hat aber genau die von mir vermissten Ergänzungen, um den Windows XP-Mode einzubinden [5].

Extension Packs installieren

Das Installieren eines Extension Packs ist eigentlich mit wenigen Schritten erledigt, wenn Oracle die Implementierung auch ziemlich blöd vorgenommen hat. Hier die Schritte unter Windows 7.

  1. Starten Sie VirtualBox über den Kontextmenübefehl Als Administrator ausführen (andernfalls wird die Installation der Extension an fehlenden Berechtigungen scheitern).
  2. Wählen Sie im Menü Datei den Befehl Globale Einstellungen und klicken Sie im angezeigten Dialogfeld in der linken Spalte auf den Eintrag Zusatzpakete. Dann klicken Sie am am rechten Fensterrand auf die Schaltfläche Paket hinzuzufügen.

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  3. Danach wählen Sie im geöffneten Dialogfeld das Extension Pack aus, schließen das Dialogfeld und warten die Installation ab.

Nach einer erfolgreichen Installation steht die Erweiterung in VirtualBox zur Verfügung und kann vom VirtualBox-Manager oder den Gästen genutzt werden.

Kompatibilität mit alten Gast-Systemen

Bei der Installation von VirtualBox 4.0 interessiert, wie es mit vorhandenen Gastsystemen ausschaut. VirtualBox 4.0 kann sowohl die .vdi-Dateien älterer Versionen als auch Gäste in .vhd-Disks (Windows Virtual PC) als auch .vmdk-Images (VMware) lesen. Nach der Installation zeigte der Oracle VM VirtualBox Manager auch alle vorher eingerichteten Gäste in der linken Spalte.

Eine abgeschaltet Windows 7 Home Premium Gastmaschine ließ sich ohne Probleme booten. Gleiches galt für einen Gast mit dem Windows XP-Mode (wenn sich dieser auch nicht aktivieren ließ – altes Problem).

Schwieriger wurde es mit einem suspendierten Windows 7-Gastbetriebssystem. Der Versuch, diesen Gast nach der VirtualBox-Installation zu booten, endete nach wenigen Sekunden mit der hier gezeigten Fehlermeldung.

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Offenbar kann bei suspendierten Gästen der USB 2.0-Controller nicht mehr gefunden werden. Dies ist auch logisch, da genau diese Unterstützung über ein unter PUEL-Lizenz laufendes Extension Pack bereitgestellt wird. Als ich diese Erweiterung von der Oracle-Webseite [1] heruntergeladen und gemäß den obigen Schritten installiert hatte, konnte auch die suspendierte Maschine einwandfrei booten.

Harter Reset – und alles war weg

Wo ich aber ein ziemliches Desaster erlebt habe, war der Versuch, eine in einer .vhd-Disk installierte Windows 7 Professional-Version unter VirtualBox zu starten. Was ich toleriert hätte, wären BlueScreens in der VM, da die Hardware durchaus zu Windows Virtual PC differiert. Aber VirtualBox 4.0 verhielt sich da garstiger: Windows 7 bootetet als Gast-Betriebssystem und ich sah die Windows-Startanimation mit der Fortschrittsanzeige. Aber nach wenigen Sekunden erschien ein Dialogfeld mit der Fehlermeldung, dass der VirtualBox Manager nicht mehr funktioniert.

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Das Schließen der Programminstanz, das Zurückgehen auf den Sicherungspunkt etc. führte nicht dazu, dass sich im Gastfenster überhaupt noch irgend etwas tat.

Und dann habe ich den großen Fehler gemacht: Alle Instanzen von VirtualBox (laufende Gäste und VirtualBox Manager) zu schließen. Anschließend habe ich den VirtualBox Manager erneut aufgerufen und dann die störrische VM erneut gebootet. Und dann ging nix mehr – ich konnte zwar noch einen Medienstream, der im Hintergrund lief, über die Lautsprecher verfolgen. Auch der Mauszeiger ließ sich als Textcursor bewegen. Aber die komplette Bearbeitung der Ereigniswarteschlangen war unter Windows 7 blockiert. Es ließ sich weder etwas per Maus anklicken noch funktionierte die Tastatur. War richtig Scheibenkleister, da nur noch ein harter Reset übrig blieb – und dadurch der fast fertig geschriebene Blog-Beitrag im digitalen Nirvana verschwunden war. Beim Neustart wurde auch noch ein Dirty Flag auf dem Systemlaufwerk gefunden und das Dateisystem überprüft. Glücklicherweise gab es keinen weiteren Datenverlust und ich brauchte “nur” den Blog-Beitrag neu einzutippen. Zwischenzeitlich habe ich im Heise-Forum [7] weitere kritische Beiträge gefunden, wo andere Probleme auftraten.

Was bleibt als Fazit: Hier ein sehr gemischtes Gefühl, wegen der oben skizzierten Fehler. VirtualBox 4.0 wirkt auf mich “halbfertig”, Aero-Unterstützung und Windows XP-Mode-Integration, die wirklich Sinn gemacht hätten, fehlen komplett. Wie Oracle der ganzen Sache langfristig gut tun wird, steht auf einem gänzlich anderen Blatt. Zumindest das Verhalten bei OpenOffice.org, Java und MySQL lässt mir da wenig Hoffnung, dass das alles in Zukunft mit VirutalBox stressfrei weiter gehen wird. VirtualBox ist zwar schlank und schnell, aber zwischenzeitlich fahre ich hier VMware Workstation 7.x, um auch Aero in meinen Testumgebungen nutzen zu können. Und ich warte gespannt auf das Team um Dr. Huihong, der mit VMLite ein sehr interessantes Produkt auf VirtualBox-Basis bereitstellt. Da ist die Windows XP-Mode-Integration problemlos möglich – und macht richtig Spass. Die VMLite-Kostenlos-Version wird bisher auf das Ausführen von 3 Gastbetriebssystemen gleichzeitig begrenzt – was für viele Zwecke mehr als ausreichend ist.

Weiterführende Links:
1: Oracle VirtualBox-Downloadseite
2: VirtualBox.de-Downloadseite
3: Lizenzdiskussion bei heise.de
4: Windows Virtual PC: bedingt tauglich!
5: VMLite 3.2.6: XP-Mode für Alle
6: Virtualisierungsartikel im Blog
7: Diskussion im Heise-Forum


Weitere Infos zu Windows 7 finden sich in meinen Windows 7-Titeln.

 

(c) by Günter Born www.borncity.de
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1 Antwort zu Oracle VirtualBox 4.0 im Kurztest


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  2. Philipp Horn sagt:

    Hallo,

    ich hatte das gleiche Problem das Virtualbox 4 bei mir die gleiche Fehlermeldung angezeigt hat und abgestürzt ist.

    Habe herausgefunden das es ein Grafiktreiberproblem auf der virtuellen Maschine gibt. Nachdem ich in der Konfiguration der Maschine die Häckchen für 3D und 2D Unterstützung deaktiviert hatte lief die VM einwandfrei auch mit installiertem Grafikkartentreiber.

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