Das iPad: Meine Kollision mit der Apple-Galaxie

In meinen 30 Jahren im IT-Zirkus habe ich ja schon einiges erlebt – aber jetzt hatte ich – kurz vor Weihnachten – eine Begegnung der “dritten Art”. Dabei komme ich so langsam zum Schluss, nicht nur auf dem falschen Stern sondern in einer anderen Galaxis zu leben. Grund der Erkenntnis: seit kurzem fliegt ein iPad von Apple in meiner Umgebung herum – und vermittelt mir gänzlich neue Einsichten von der Absurditäten der Menschheit.


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Eigentlich wollte ich mir ja kein iPad holen, da ich es schon mitbekommen hatte: das Gerät ist bezüglich “Peripherie-Schnittstellen” bescheiden gestrickt und kommt vom Preis auch recht happig daher. Im Frühjahr hoffte ich ja noch darauf, dass die WePad-Macher da ein solides Stück Technik abliefern würden – die technischen Spezifikationen lasen sich ja beeindruckend. Was aus dem Produkt wurde, welches als WePad startete, dann in WeTab umgelabelt wurden und als “WeWait” endete, ist zwischenzeitlich bekannt. Irgendwie haben die Jungs um Neofonie es ziemlich versaut. Schade, ich hätte es den Entwicklern von 4tiitoo gegönnt (hab aber meine Finger glücklicherweise frühzeitig von diesem Projekt gelassen). Fast wäre ich ja wegen des verbauten Atom-Prozessors beim Gerät schwach geworden. Aber mit der schlechten Ablesbarkeit des verbauten “Spiegeldisplays” taugt das Teil nicht mal als Basis für ein Windows 7-Tablet PC-System (auch wenn der chinesische Fertiger Pegatron ein solches Exemplar anbietet [1]).

Egal, mit etwas Verstand hätte ich auf vernünftige Tablet PCs, mit denen sich etwas anfangen ließe, warten können. So Mitte 2011 dürfte es wohl so weit sein. Aber irgendwie hat mich der “Affe gebissen” und in einem Anfall geistiger Umnachtung schlug ich Markt + Technik vor, bei der Überarbeitung eines Einsteiger-Buchs auch ein paar Seiten zum iPad zu schreiben …

Ja nee, is klar, so was konnte einfach nicht gut gehen. Aber ich geb’s freiwillig zu, die “begeisterten Kommentare” der Apple-Fan-Boys und -Blogger haben mich neugierig gemacht. Auch im “Blätterwald” stößt man ja auf Schritt und Tritt auf Berichte rund um das Teil – Technik-Feaks im App-Fieber. Der iPhone/iPad-Simulator des Apple iOS SDK gab auch wenig her, um sich ein Urteil zu bilden.  Man(n) braucht Erfahrung, um mitreden zu können. Da Apple mit Testgeräten geizt, habe ich mir auf die Schnelle ein iPad WiFi + 3G 32 GB gekauft (4 Wochen Miete hätten auch einen Batzen gekostet – und bei 3 Monaten Miete finanzieren die Kosten bereits das Gerät – zudem war das benötigte Modell als Mietobjekt nicht direkt verfügbar).

Oh, ein teurer Schminkspiegel!

Als ich mir auf der Buchmesse und später im Gravis-Store die ersten Exemplare ansah, fiel mir schon auf, dass da ein Glare-Type-Display [7] verbaut wird. Als ich aber die Lieferung auspackte, wurde es mir ad-hoc klar: Da hat Apple einen furchtbar teuren Schminkspiegel entwickelt.

iPad-Schminkspiegel

Nicht das ich’s gebraucht hätte, ich setze mich auch ungeschminkt und ungekämmt vor den Rechner. Aber warum man bei solchen Geräten unbedingt auf Glare-Type-Displays setzen muss, erschließt sich mir (speziell aus ergonomischen Gründen) nicht so ganz. Und wenn ich höre, dass das Teil in Firmen einziehen soll, beschleicht mich dann schon mal die ganz zarte Frage, ob sich da irgend jemand mal Gedanken um die Einhaltung der Bildschirmarbeitsplatzverordnung gemacht hat. Aber vermutlich ist es eher Statussymbol als (Bildschirm-)Arbeitsplatz-Gerät.


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Nur ein Glück, dass meine Frau das Teil nicht öfters abgreift. Der Wutanfall bezüglich der vielen Tatschen (Fingerabdrücke) auf dem “Schminkspiegel” – die ein TouchScreen natürlicherweise nach sich zieht – wäre vorprogrammiert. Obwohl, wäre kein wirkliches Problem für einen Apple-Fan: “Hey Schatz”, ich hab da bei Pearl ein geniales Teil gesehen [2], lässt sich als iPad-Hülle, als “Anti-Kratzschutz-Unterlage” und als Putztuch für’s Display verwenden. Und eine Displayschutzfolie (o-Ton “Ein Muss für ‘stolze’ iPad-Besitzer”) gibt’s bei denen auch für n’ paar Ocken [3].

Wenn ich bedenke, dass das Zeugs in der Herstellung nur Cents kostet, hätte so was dem iPad als “im Lieferumfang” gut zu Gesicht gestanden. Beim eeePC war zumindest eine solche Tasche dabei – und Display-Schutzfolie war nicht erforderlich. Die Tage habe ich zufällig ein Video zu einem Tablet PC aus Shenzen gesehen, wo ein Leder-Case bereits im Lieferumfang dabei war. Aber Apple-Fans sind da eigen – nix, was nicht teuer zugekauft wurde, hat vor dem kritischen Auge Bestand (zumindest die Gravis- und Apple-Listenpreise für solches Zubehör legen diesen Schluss nahe). Vielleicht bin ich aber zu kritisch, und der eeePC sowie mein Netbook sind eh nur ein “Kellerkinder” – nix für wirkliche Apple-Fans …

Der Fairness halber muss ich aber zugeben, dass das iPad-Display im Betrieb (wenn man nicht gerade mit einer Leuchtquelle im Rücken sitzt) sehr gut ist. Die seitliche Ablesbarkeit des Displays ist gut und die Anzeigequalität kann mich begeistern. Auch der kapazitive TouchScreen ist eine saubere Lösung, zumindest, soweit ich das bisher beurteilen kann. Aber das Display meines Netbooks empfinde ich bei weitem als angenehmer (auch wenn dies andere Mängel wie geringere Auflösung und Helligkeit aufweist).

Doku gibt’s nicht – Generation Online holt sich die im Internet

Ich hatte mir das iPad auch im Hinblick darauf zugelegt, um herauszufinden, ob das etwas für “Generation 50 Plus” sein könnte. In den Gerätespezifikationen bei Apple [4] las sich das noch recht vielversprechend – neben dem iPad, einem Dock-Connector-auf-USB-Kabel, einem 10-W-USB-Netzteil, einem Werkzeug zum Entfernen der SIM-Karte war auch “Dokumentation” als eigener Punkt aufgeführt. Das ließ hoffen ….

Schön, wenn man noch an den Weihnachtsmann glaubt. Als ich die Lieferung auspackte, machte ich mich dann auf die Suche nach der Dokumentation. War das typische Matroshka-Problem: Große Kiste von DPD geliefert – geöffnet, viel Papier und kleine Kiste rausgenommen – kleine Kiste geöffnet, iPad-Schachtel rausgenommen und geöffnet, iPad-aus Folie ausgepackt und aus dem Plastikgesteck rausgehoben – dann noch zwei “abgebrochen  aussehende Teile” gefunden, die wohl zusammengesteckt ein “10-W-USB-Netzteil” ergeben. Wow – wieder was gelernt.

Aber zum Teufel, wo ist das “Werkzeug” zum Entfernen der SIM-Karte und wo findet sich die Bedienungsanleitung. Trotz allem Suchens konnte ich nix finden, was wie Dokumentation oder “Werkzeug” aussah  – das kleine “Papperl” hätte ich als “Verpackungsmaterial” fast schon weggeschmissen …

… ein Glück, dass ich aus Erfahrung erst dann wegwerfe, wenn das Gerät kaputt oder das Teil als wirklich “nicht zu gebrauchen” identifiziert wurde. Und siehe da, das “Papperl” ließ sich aufklappen. Drin eingefaltet waren je zwei Karten und zwei 6-seitige Heftchen (alles im A6-Format).

iPad-Schminkspiegel

Da fühlte ich mich zum ersten Mal richtig “veräppelt” – denn als erstes musste ich mir die media-markt-kauf-vermeidungs-brille-weil-nie-dabei aufsetzen, die mit gut 2 Dioptrien viel zu stark ist. Aber in der Tradition einer stärken Lupe das Entziffern so mancher Produktbeschreibung ermöglicht. Der Name des Teils kommt daher, dass ich es beim Einkaufen selten dabei habe und im Fall der Fälle auch mit aufgesetzter Brille das Kleingedruckte der Produktbeschreibung nicht lesen kann. Daher wandert halt so manches Produkt wieder ins Einkaufsregal zurück. Und weil ich dieses Problem erstmals mit Produkten in einem Markt mit den in den roten Hemden gewandeten Verkäufern hatte, war der Name der Brille geboren. Tja, diese Brille eröffnete mir gänzlich neue “Einblicke”, wenn ich auch etwas ratlos war, was mir “Bouton principal”, “Marche/veille Suspendre/re-activer” im Produktblatt sagen wollten. Der “Guide d’informations importante sur le produit” erschien mir, trotz rudimentärer Französischkenntnisse als “wichtig”.

Na gut, ich habe jetzt geschummelt, da waren ja 2 Karten mit dem Produktfoto und zwei 6 seitiger A6-Flyer dabei. Und im zweiten Set mit dem Titel “Wichtige Produktinformationen” konnte ich (trotz 2 Dioptrien Brille) gerade so entziffern, dass ich bitte “während der Fahrt keine E-Mails schreiben möge” – das sich das iPad bitte mindestens 15 cm vom Herzschrittmacher weg befinden möge (als ob ich das Teil vor lauter Begeisterung jubelnd an die Brust drücken würde) und dass sich “beim häufigen Tippen mit dem iPad leichte Schmerzen an den Händen” einstellen könnten. Aha – fast wäre ich ja in diese Falle getappt, denn ich war vor Wut kräftig in Fahrt und mit meinem Bürostuhl im Büro am rotieren. Nicht auszudenken, was mir hätte passieren können, wenn ich in diesem Zustand – quasi während der Fahrt – eine E-Mail verfasst hätte. Klagen wegen Unzurechnungsfähigkeit wären noch das harmloseste gewesen.

Schlimmer geht’s (n)immer: Und mit starker Brille konnte ich nun auch das Produktblatt mit der iPad-Abbildung deuten. Da waren die wichtigsten Teile wie Ein-/Ausschalter, Fach für Mikro-SIM-Karte bezeichnet und auf der Rückseite fand sich der Hinweis zum “Konfigurieren, synchronisieren und laden” – was wohl die Inbetriebnahme ermöglichen sollte. Zudem wurde ich eingeladen, die Seite help.apple.com/ipad zu besuchen, um das Benutzerhandbuch zu lesen. Dokumentation stelle ich mir irgendwie anders vor. Das Ganze erinnerte mich schon stark an die “Bedienungsanleitung”, die manchen fernöstlichen “Billig”-Produkten beiliegen – wo man aufgefordert wird “die harte Platte bitte pflegsam zu behandeln, da sonst Datenbruch entstehen könne”. Kleiner Unterschied: Solche Produkte werden für’n “Apple un en Ei” unters Volk gebracht. Beim Apple-Titel teil musste ich doch “etwas mehr” löhnen.  Als Basis für die Generation 50Plus taugt das iPad jedenfalls nicht!

Aber hey, das Konzept ist Klasse – keine Bäume müssen für das Papier zur Dokumentation gefällt werden. Keine veraltete Dokumentation nervt mehr, die durch häufige Updates des iOS-Betriebssystems nach wenigen Wochen sowieso überholt wäre. Und überhaupt, der Benutzer ist so begeistert – was braucht der schon Dokumentation.

Ach ja, zwei Sachen vergaß ich noch! Den Bogen mit den zwei Apple Logo-Abziehbildchen, der der “Dokumentation” beilag. Scheint für Apple-Fans enorm wichtig zu sein “mir sparen für unsere Kunden an nix!”. Und am Papperl war an einer Papierlasche der Innenseite so eine komische Metallnadel angebracht. Sah wie der abgebrochene Stundenzeiger meiner Taschenuhr aus. Erinnerte mich irgendwie an die Stecknadeln an neuen Hemden, die das Teil sauber im Karton zusammen halten sollen – aber irgendwie zurückbleiben und einen beim Anprobieren an den unmöglichsten Stellen pieksen. Irgendwann habe ich dann den Apple-Intelligenztest doch noch geschafft – denn es fehlte ja noch das “Werkzeug zum Entfernen der SIM-Karte”. Langsam dämmerte mir, dass die in obiger Abbildung sichtbare Metallnadel wohl nix zum Fixieren des “Papperl” sondern ein Werkzeug sei. Die Spitze passte in eine kleine Bohrung am SIM-Schacht – drücken, schon kommt die Schublade heraus. Naja, geht das Teil verloren, tut’s auch eine aufgebogene Büroklammer …

Ironie: beim Schreiben dieses Beitrags fiel mit das “Papperl”, in das die “Dokumentation” eingeschlagen war, wieder in die Hand. Und da sah ich, dass auf der Innenseite des Deckblatts in leicht schattierten Grautönen ein Schema zum Anwenden des  “Werkzeug zum Entfernen der SIM-Karte” aufgedruckt war. Gut gedacht, wenn man davon ausgeht, dass der gebogene Karton aufgeklappt liegen bleibt. Hätten die Produktdesigner dieses Schema direkt auf den Karton, neben die Lasche zur Fixierung des “Werkzeugs” drucken lassen – wäre es auch so minderbemittelten Personen wie mir (die aus einer anderen Galaxie stammen) vielleicht schneller klar geworden, was das Teil soll.

Inbetriebnahme: Ohne PC geht nix!

Naja, Apple gibt auf seinen Webseiten die Mindestvoraussetzungen an – PC mit Windows oder Mac OS X – mir war das schon klar. Aber mir ging auch der Fall einer älteren Dame im Hinterkopf herum, wo enthusiastische Kinder einen iPad geschenkt hatten, weil die Dame keinen Computer besitzt und mit so was “nicht zurecht kommt”. Und schon klingelte das Telefon, wo jemand aktiviert worden war, der einen kennt, der einen kennt, der sich mit PCs auskennt. Ich konnte seinerzeit auch ohne iPad diese Frage beantworten.

Aber im Kern nimmt die Erstinbetriebnahme eines iPad skurrile Züge an: Ja nee klar, wer ein Auto kauft, benötigt zusätzlich vor der ersten Fahrt eine eigene Werkstatt mit voll ausgestatteter Diagnosestation zum Starten! Was bei einem Autokäufer in der Reaktion “Vogel zeigen” münden würde, wird beim iPad klaglos hingenommen. Also, beim ersten Einschalten weist der iPad darauf hin, dass er per “Dock-Connector-auf-USB-Kabel” an einen PC will, um “nach Hause zu telefonieren”. Ob die Apple-Entwickler in Kinderzeiten zu viel ET geschaut haben?

Also Windows 7 auf dem PC gestartet, einen gut 80 MByte großen iTunes-Installer heruntergeladen. Dann die Installation angestoßen und gezittert, dass mir das Teil nicht die gesamte Windows 7-Installation zerdeppert (die Hilferufe vieler iTunes-Geschädigter in den Microsoft-Foren waren mir noch gut in Erinnerung). Dann das iPad per “Dock-Connector-auf-USB-Kabel” an den PC angeschlossen, iTunes gestartet und sich auf stundenlanges Warten eingestellt. Und nun dauerte es nur ein paar Mausklicks und wenige Sekunden, bis mir das Mistteil sagte, dass es nun arbeitsbereit sei. Keine Ahnung, welche Daten da hinüber kutschiert wurden – aber das iPad-Display zeigte die ersten App-Symbole und war bereit.

PS: Es gibt mindestens noch eine Person, die sich an diesem Procedere stört, wie ich unter [8] gelesen habe.

Kleine Kollateralschäden

Dass das “Dock-Connector-auf-USB-Kabel” arg kurz geraten ist – hatte ich schon erwähnt? Aber das akzeptieren wir doch gerne. Schließlich ist das ein Überall-Dabei-Gerät (mobil) mit eigener Power-Station (Akku hält Stuuuunden) – und man ist ja so selten mit dem PC verbunden, wozu gibt’s WiFi- und 3G-Netz. Zudem weiß man doch um die knappen Rohstoffvorräte dieses Planeten – und überhaupt, seit die Chinesen global alles an Kupfer und PVC aufkaufen, was greifbar ist, muss man sich bescheiden. Nur gut, dass ich bereits vor Jahren einen USB-Verlängerungsadapter sowie mehrere USB-Kabel gekauft habe (obwohl ich da noch nix vom iPad wusste).

Jetzt kommt mir diese kluge Investition zupass, denn wenn ich das “Dock-Connector-auf-USB-Kabel” mit dem “10-W-USB-Netzteil” verbinde und so zur Energieversorgungsstation “umbaue”, kann ich die Kabeltrommel bzw. Verlängerung im Keller lassen. Einfach das USB-Verlängerungskabel mit dem USB-Verlängerungsadapter dazwischen schalten, schon reicht das “Powerkabel” ca. 2 Meter weit. Ich geb’s ja zu, ich bin ein Weichei, und mag nicht in verkrampft, verdrehter Haltung in Nähe einer Steckdose ausharren, wenn ich das iPad über das ca. 96 cm lange “Dock-Connector-auf-USB-Kabel” zu “10-W-USB-Netzteil” am Stromnetz betreiben will (an der USB-Buchse des PC lädt es im Betrieb ja nicht). Aber vielleicht bin ich ja auch nur verwöhnt von meinem Netbook, dessen Netztrafo samt Anschlusskabeln standardmäßig gut 2 Meter überbrückt und locker bis zur nächsten Steckdose reicht. Gut, der Kauf des Netbooks fand im vorherigen Leben, Äonen vor dem Erscheinen des iPad, statt – zu dieser Zeit, da gab es Kupfer noch in Barren und man hat es platt gewalzt in Form von Dachrinnen verprasst oder auf Kirchendächer genagelt. Und das Teil hat auch eine etwas schlaffere Power-Station, die nach 2-3 Stunden ohne Stromnetz schlapp macht. Zeiten waren das …

Vielleicht habe ich auch nur noch nicht das Konzept des “überall-dabei-ohne-Steckdose-nutzbar”-Geräts verstanden. Das Wetteifern um die “längsten Akkulaufzeiten” durch Abschalten von Apps oder das Reduzieren des Fan-Outs der USB-Schnittstelle am optionalen Camera Connection Kit durch neue iOS-Updates gibt mir nicht so wirklich was. Vielleicht hat mir auch nur das Wissen, dass ein LiIonen-Akku nur 500 bis 1000 Ladezyklen verkraftet, den Blick für solche Feinheiten vernebelt.

Hellauf begeistert …

Aber ich gebe es zu, ich war wirklich begeistert von dem Teil. Helles, klares, gut ablesbares Display (wenn man vom “Schminkspiegel-Effekt” absieht). Schniekes Alugehäuse, welches gut in der Hand liegt (dass die Rückseite “kippelt”, wenn es auf dem Tisch liegt, hat Apple gerafft und wird dies vermutlich beim iPad II korrigieren). Beim Drehen des iPad springt die Anzeige blitzschnell in die richtige Orientierung – und auch das Antippen eines App-Symbols “zaubert” sofort dessen Anwendungsfenster auf’s Display – einfach Klasse! Ehrlich – kein Scheiß!

Dass ein iOS-Update zwischenzeitlich die Arretierungstaste, die das Drehen der Anzeige verhindern soll, deaktiviert hat, ist unter “blöd gelaufen” zu verbuchen.

… ist anders

Als ich dann die erste App geöffnet hatte, begann die Suche nach der “Taste” um das Fenster zu minimieren oder zu schließen – kennt man schließlich von Mac OS  X (was mir wirklich gefällt und ein solides Stück Ingenieurkunst darstellt) und Windows. Naja, irgendwie habe ich schon geschnackelt, welche Funktion die Home-Taste wohl habe. Aber warum man die meisten Bedienelemente am oberen Bildschirmrand anordnet, die Home-Taste aber am unteren Bildschirmrand positioniert, erschließt sich mir genau so wenig wie die Tatsache, dass ich unter Mac OS X ein Fenster über die Symbole in der linken oberen Fensterecke zwar schließen (minimieren) kann, aber dann die Anwendung explizit über die Menüleiste beenden muss. Obwohl – einen Verdacht habe ich ja – im “Guide d’informations importante sur le produit” wird ja davor gewarnt, dass man beim “viel Tippen auf dem iPad” schmerzende Hände bekommt. Also sorgen wir für Bewegung – hält fit und beweglich und schützt vor “schmerzende Hände” – und erspart nebenbei “et consultez un medizine” – na prima – und zwischenzeitlich habe ich mich an die Home-Taste gewöhnt. Die Bedienung geht schon recht flott – wenn ich nicht mal wieder eine App erwische, die ein gänzlich anderes Konzept zur Handhabung vorsieht.

Alles so schön groß und bunt hier!

Wow, das ist schon genial, wie man mit zwei Fingern durch Spreizen den Dokumentbereich mit Text, Fotos etc. vergrößern kann. Das hat mich schon begeistert – zumal ich mich seit kurzem als Träger einer Lesebrille outen muss. Da könnte man doch auf die Brille verzichten …

… als Mittler zwischen den Welten der Entwickler und den Normalanwendern habe ich natürlich auch die Bedürfnisse der Generation 50 Plus fest im Blick. Und da interessierte mich so etwas natürlich brennend!

Dumm nur, dass man dieses Konzept nicht auf die Bedienelemente der Titelleiste anwenden kann. Ich kann zwar ein geöffnetes Dokument stufenlos zoomen – sofern die App dies zulässt (was bei weitem nicht Standard ist). So vermag ich zwar den Inhalt des Dokumentfensters ohne Brille zu erkennen, und horizontales Scrollen macht ja richtig Spaß mit dem TouchDisplay – ich frage mich nun ständig, wie wir früher Bücher so ganz ohne ständiges horizontales oder vertikales Scrollen gelesen haben – war schon ein verdammt primitives Interface, was wir da früher bei Druckwerken benutzten. Und “one more thing”: Mein Dokumenttext im Browser ist jetzt schön groß, aber dummerweise kann ich die Beschriftung der Bedienelemente in der Titelleiste ohne Brille oft nicht lesen. Apple wirbt zwar “Kaum zu glauben, wie viele Ideen wir in so was dünnes gepackt haben” – aber so was nennt man wohl “nicht zu Ende gedacht”.

Katerfrühstück im App-Chaos

So richtig ein Frustpaket habe ich mir dann beim Ausprobieren der Apps geholt. Genial, wie ich Fotos auf dem iPad anzeigen, vergrößert darstellen und als Diashow anzeigen kann. Ein elektronischer Bilderrahmen wirkt uralt dagegen – ist aber wesentlich preisgünstiger. Aber verdammt, wie lässt sich ein Foto auf dem iPad löschen? Irrsinn hoch Drei: Fotos, die ich auf dem iPad gespeichert habe, lassen sich über eine Löschen-Schaltfläche in der Symbolleiste des App-Fensters löschen. Ausnahme: Fotos, die durch iTunes auf das iPad gelangen, sind “unkaputtbar”. Sie lassen sich zwar zum Löschen anwählen, aber nicht entfernen (habe ich aber erst erfahren, als ich in einem iPad-Büchlein von Kollege Giesbert Damaschke blätterte – weil die Löschen-Schaltfläche scheinbar nur manchmal funktionierte). Nur wer iTunes aufruft, die Fotos im Originalordner löscht und dann neu synchronisiert, bekommt die Bilder weg.

Überhaupt, iTunes ist schon ein eigenes Kaliber, mit dem ich persönlich nicht wirklich warm werde (und andere Leute auch nicht, wenn ich so manche Stimmen höre). Mal wird ein Bibliothekssymbol in der linken Spalte des iTunes-Fenster gewählt. In anderen Situationen ist die Registerkarte am oberen Rand zu wählen und im dritten Fall öffnet sich ein Fenster Automatische Wiedergabe zum Zugriff auf den Speicher mit den Fotos. Alles streng logisch, wie mir letztens ein Bewohner von Sargittus-B zu verklären versuchte.

Aber dann gingen dem Typen von Sargittus-B auch die Augen auf, als ich ihn mit folgendem konfrontierte: Ein Dateitransfer zwischen dem iPad und einem per Bluetooth, USB- oder WLAN verbundenen Rechner? Per Default nicht vorgesehen! Drucken aus den betreffenden Apps? Ja, geht mit Airplay, wenn man einen entsprechenden Drucker hat. FTP-Transfer von und zu FTP-Servern? In iOS nicht vorgesehen. Zugriff auf die Systemebene oder ein Terminalfenster? Teufelszeug – nur mit einem Jailbreak machbar. Die Liste der Unzulänglichkeiten ließe sich beliebig fortsetzen. Mir liegen auch noch die begeisterten Kommentare im Web zur Wiedergabe von HD-Videomaterial vor. Ich glaube, das iPad hat gemerkt, dass ich es nicht so richtig lieb habe – jedenfalls mein Versuch, selbst aufgenommene Videos und ein HD-Testvideo im .wmv-Format per VLC-App abzuspielen, hat es mir übel genommen. Nur ruckelnde oder stehende Bilder, Klötzchenbildung aber kein Video. Auch die Anzeige von PDF-Dateien kam nicht so ganz gut. Ich hatte da ein schlaffes eBook mit 68 MByte aus meiner letzten Produktion – das App quittierte den Versuch der Anzeige mit Mecker “die Ressourcen sind recht gering, ob ich weiter machen möge”. Habe ich bestätigt und konnte was sehen – zumindest ein Zipfelchen von der ersten Seite.

Lass uns fair bleiben! Alles ist möglich – mit Apps lässt sich die fehlende Funktionalität nachrüsten. Viele Apps kosten nix bis wenig – aber wer seinen Wünschen freien Lauf lässt, ist locker 100 Euro für die wichtigsten Grundfunktionen los. Und scheinbar habe ich das fatale Talent, immer die falschen Apps auszuwählen – hätt ich doch das andere, viel bessere App genommen. Kein Wunder, dass sich rund um das iPad Goldgräberstimmung ausbreitet und viele Apps angeboten werden. Und um zu sparen, akzeptieren die Benutzer auch “Werbung in Apps”, wie ich gerade [5] entnehmen konnte. Lange Gesichter wird es höchstens geben, wenn Benutzer dann auf die alten “Geschäftsmodelle” in gänzlich neuen Schläuchen hereingefallen sind [6] und kräftig abgezockt werden.

Naja, zwischenzeitlich funktioniert hier das Drucken auf meinem unter Windows freigegebenen Drucker und auch Dateizugriffe auf das iPad sind ohne iTunes möglich. Die letzten Tage habe ich viel recherchiert, ausprobiert, so manches gelernt und neue Erkenntnisse gewonnen. Funktionen, die MS-DOS bereits in den 90iger Jahren des vorherigen Jahrtausends von Hause aus beherrschte, muss ich nun per App nachrüsten. Aber im Zeitalter von iPad & Co. liefert so was Stoff für einige Blog-Beiträge.

Zeit ein Fazit zu ziehen

Mein Eindruck: das iPad ist ein Klasse Gerät, was mich als Hardware schon streckenweise begeistern kann. Fairerweise muss ich auch feststellen, dass die “Konkurrenz” mit dem Hintern nicht hoch kommt – kein vernünftiger Android Tablet PC (wobei dort ähnliche Probleme existieren) und noch weniger was anständiges mit Windows 7. Von daher hat Apple gut vorgelegt. Aber letztendlich muss man das Gesamtkonzept betrachten. Die Art, wie Apple das Ganze ins Volk drückt und den Käufer bevormundet, hat schon eine eigene “Qualität”. Ein halbgares iOS, dem rudimentäre Funktionen, die jedes Mac OS X oder jedes gammelige Windows bieten, fehlen. Ein Konzept der Apps, die fest an die Cash Cow Apple-Store gebunden sind, ohne die das Gerät eigentlich nutzlos ist. Die Zensur der im Apple-Store zugelassenen Anwendungen, die den Anwender wieder bevormundet, aber andererseits nicht vor Abzocke schützt. Was unter Windows 7 oder Mac OS X in guter Qualität als Open Source, angefangen von OpenOffice.org über FileTransfer bis hin zu Browsern, E-Mail-Clients etc., kostenlos bereit steht, wird es unter iOS in dieser Konstellation so nie geben. Von den Sicherheitsaspekten ganz zu schweigen. Es ist ein Irrsinn, dass ich mir zig Apps auf’s System holen muss, um überhaupt Grundfunktionen verfügbar zu haben. Und von keiner dieser Apps weiß ich, was sie sonst noch so treiben und mit meinen Daten macht.

Interessant ist für mich auch die Meldung unter [9], dass ein Drittel aller iPad-Nutzer keine Apps aus dem Store lädt. Dann wird das Konzept aber noch fraglicher, denn was bleibt, ist ein teurer Bilderrahmen mit Medieplayer und Surffunktion.

Apple wirbt mit “Kaum zu glauben, wie viele Ideen wir in so was dünnes gepackt haben.” – Produkte, die so wie das iPad daherkommen wirken auf mich aber eher etwas “dünn”. Technik, die begeistert, sieht in meinen Augen anders aus. Und als Käufer fühle ich mich schlicht “veräppelt” – aber das sagte ich schon.

Und spätestens hier dämmert mir die Erkenntnis, dass ich wohl in einer anderen Galaxis lebe und so manches ungläubig zur Kenntnis nehmen muss. Da gibt es hochbezahlte Analysten, die bereits den Abgesang auf Microsoft und Windows blasen, weil Android, iOS, the Cloud und was weiß ich alles, die Zukunft sind und “ein old style OS wie Windows ablösen”. Aber auch wenn ich offensichtlich in einer anderen Galaxis lebe, erscheint mir die Zukunft von Windows in rosigen Farben. Sobald ein paar Hersteller es schaffen, Windows 7-fähige Tablet PCs mit halbwegs funktionsfähiger Technik zu vernünftigen Preisen anzubieten, wird sich der Markt drehen. Denn da habe ich auf “Knopfdruck” die breite Welt der Windows-Software zur Verfügung und muss mir nicht zahlreiche Apps beschaffen, um rudimentäre Funktionen nutzen zu können.

Wenn ich so manchen Artikel zu iPad & Co. lese, fällt mir nur ein Vergleich zur gewesenen DDR ein. Dort war ein Trabi der heiße Wunsch vieler Bürger, die 10 und mehr Jahre auf die Erfüllung warteten – und für die dortigen Verhältnisse irre Kaufsummen aufbrachten. Komischerweise kühlte diese Liebe schlagartig ab, als nach der Wende plötzlich Alternativen zur Verfügung standen. Momentan stellt sich mir nur die Frage, wann diese Wende bei Tablet PCs stattfindet – denn das gegenwärtige Konzept von iPad und Android-Gadgets (so die denn als Tablet PCs kommen)  erscheint mir da nicht sonderlich lukrativ oder gar vorteilhaft. Könnte dann sein, dass ich mir mit dem iPad ein besonders teures Stück Elektronikschrott ins Haus geholt habe …

… warten wir’s ab, 2011 wird auf jeden Fall in dieser Hinsicht spannend.

Weiterführende Links:
1: WeTab mit Windows 7
2: Xcase Passgenaue 3in1-Mikrofaser-Tasche für iPad
3: SOMIKON Glasklare Display-Schutzfolie für iPad
4: Apple iPad-Seite
5: User akzeptieren Werbung in Apps
6: Inkasso auf Fingertipp
7: Glare-Type-Display
8: Inbetriebnahme
9: App-Nutzung beim iPad

 

(c) by Günter Born www.borncity.de
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4 Antworten zu Das iPad: Meine Kollision mit der Apple-Galaxie


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  5. Andreas sagt:

    schöner Artikel!

    das mit der Wende wird erst klappen wenn die Hardware ebenbürtig oder besser ist – die Westautos waren ja auch viel besser in der Ausstattung.

    Ich hätte ja gerne was in 10″ OLED kein Spiegeldisplay, SD Slot, gutter Akku. Das Gerät braucht auch nicht so dünn sein wie das iPad.

    Momentan guck ich mir android OS an – mittlerweile ist ja die 4er erschienen.

    • Günter Born sagt:

      @Andreas: Fürchte, bei Android wirst Du auch deinen “Spass” haben. Apple kann’s schon noch – keine Frage. Trotzdem lasse ich gelegentlich hier einen Rant auf diesen Hersteller ab, weil man an vielen Kleinigkeiten sieht, dass Apple der Kunde ziemlich egal ist.

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