Wie “grün” sind Apple und das iPad wirklich?

Nachdem Greenpeace Apple 2006 wegen seiner Elektronik-Produkte in den Fokus genommen hat [2], kündigte Steve Jobs eine Änderung der Unternehmenspolitik in Richtung “grüner Elektronik” an. Greenpeace publizierte dies auf der Webseite “Green my Apple” [1] und gibt gleichzeitig Apple-Nutzern die Möglichkeit,  ihre Wünsche nach einem grüneren Produkt an Steve kund zu tun. Nun sind einige Jahre vergangen. Bleibt die Frage, wie sieht es mit “green Apple” in 2011 aus?


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Dass bei der Herstellung des iPhone gefährliche Chemikalien zum Einsatz gelangten, wurde bereits 2007 aufgedeckt [3]. Der Anfang 2010 von Greenpeace vorgestellte Guide to Greener Electronics signalisiert zwar, dass Apple gemäß offizieller Politik zwischenzeitlich angegrünt ist [4].

Was in den Fertigungsstätten des iPhone oder iPad etc. für Chemikalien beim Herstellen der Geräte verwendet werden und welche Chemikalien in den Kunststoffteilen der Gehäuse enthalten sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Tage konnte ich in der DigiTimes einen Artikel lesen [14], dass Apple (wegen Geheimniskrämerei bezüglich seiner Lieferanten) unter Beschuss lokaler Umweltgruppen steht. Unabhängig von diesem Fragenkomplex gilt: Bei der Frage “Wie grün ist ein Unternehmen bzw. sein Produkt?” sollte man zudem den ökologischen Foot-Print etwas weiter fassen. Wie schaut es mit Recycling aus, und welchen Einfluss haben die Design-Entscheidungen der Entwickler?

Unter [5] geht Greenpeace auf das Thema ein und berichtet von Jobs Ankündigung, grüner zu werden und das Recyling zu unterstützen (in Deutschland gibt es diesbezüglich die ElektronG-Verordnung, aka Elektronik-Schrott-Verordnung, die das Recycling solcher Geräte regeln soll). 2007 meldete sich Greenpeace auch bzgl. Windows Vista zu Wort [6] und kritisierte zu Recht, dass mit dem neuen Betriebssystem Berge an Elektroschrott anfielen, weil alte Rechner und Peripheriegeräte nicht mehr mit Windows Vista genutzt werden können.

Fasst man diese Informationen zusammen und spiegelt das Ganze an den neuen Apple-Produkten, sieht das Ganze bzgl. “Apple goes green” gar nicht mehr so gut aus.

Peripherie beim iPad nur mit Klimmzügen nutzbar

Es mag zwar im Interesse von Apple sein, dass das iPad nur mit den vorgegebenen Zubehörteilen (BT-Tastatur, Camera-Connection-Kit, VGA-Connection-Kit etc.) zusammen arbeitet. Benutzer, die vorhandene Peripherie einbinden möchten, werden vor große Hürden gestellt oder können diese Teile sogar entsorgen.

Warum muss ich ein Camera-Connection-Kit besorgen, um eine simple SD-Karte oder einen USB-Anschluss für den Zugriff auf Daten zu haben? Ein Card-Reader gammelt derweil unbenutzt in der Ecke. Selbst wenn man argumentiert, dass da im Gehäuse kein Platz war – das iPad hat (wie das iPhone) Bluetooth. Aber Bluetooth lässt sich von Hause aus nicht zum Datenaustausch (PAN-Netzwerk) mit PCs/Notebooks verwenden. Ergo werden eigentlich unnötige Zusatzteile benötigt, die später den Berg an Elektronikschrott vergrößern.


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We goes green: Wirf deinen Drucker auf den Müll

Es mag ja vielleicht sein, dass neue Drucker einen geringeren Energieverbrauch haben. Ich hab’s nicht nachgeprüft. Aber totaler Schwachsinn ist der Ansatz von Apple, offiziell nur AirPrint-Drucker zu unterstützten. Anwender, die ein iPad als “easy-to-use” Gadget betrachten, und auf Ausdrucke angewiesen sind, müssen vorhandene Drucker durch neue ePrint-Drucker ersetzen.

Dass es andere Lösung gibt, habe ich unter [7] skizziert. Aber nicht jeder Anwender bekommt solche Lösungen zum Laufen oder möchte zig Apps ausprobieren. Zudem hätte es Apple (we goes green) gut angestanden, eine simple “click-and-use”-Lösung zur Einbindung/Weiterverwendung vorhandener Peripherie bereitzustellen.

Akku-Desaster zum Wohle des Kunden?

Was mich aber wirklich ärgert, ist die Politik von Apple, den Geräten keine austauschbaren Akkus zu spendieren. Es braucht nicht viel Weitsicht, um zu erkennen, dass die Lithium-Ionen-Akkus nach 500 bis 1.000 Ladezyklen rapide an Kapazität verlieren. Ein Hinauszögern der Ladezyklen durch Ausbau der Akkus (wie ich es bei Net- und Notebooks praktiziere), ist nicht möglich.

Apple argumentiert, dass nur so die größtmögliche Akku-Kapazität für die Kunden eingebaut werden kann. Die Geräte mit schlappem Akku werden gegen einen Pauschalgebühr [11] ausgetauscht – der Kunde erhält also ein “neues” iPad. Und im besten Fall tauschen Dienstleister die verbrauchten Akkus für Apple wieder aus, so dass die Geräte erneut in den Kreislauf zurück gehen. Spätestens in drei bzw. vier Jahren ist absehbar, dass Millionen iPads als teurer Elektroschrott enden, weil niemand mehr die Pauschale (ich habe mal > 100 $ läuten hören [13]) für den Akkutausch für das “alte Gerät” bezahlen mag.

Die Apple-Argumentation, dass dies zum Wohle des Kunden sei, vermag ich dabei nicht so ganz nachzuvollziehen. Ein abschraubbarer Gehäusedeckel würde es ermöglichen, dass die Benutzer das verbrauchte Akku (wie bei Handys) durch ein Ersatz-Akku tauschen. Entsprechende Angebote gibt es auch schon heute [12].  Unter [8] finden sich Links auf Akku-Quellen und eine Bastelanleitung für ältere iPhone-Modelle. Für iPhone und iPod gibt es auch spezielle Dienstleister [9], die den Austausch übernehmen. Dass so etwas ein Dorn im Auge von Apple ist, suggeriert die Meldung [10], dass bei iPhone 4 spezielle Torx-Sicherheitsschrauben zum Einsatz kommen. Auch beim iPad ist der Akku-Tausch nur etwas für gewiefte Bastler, die über Spezialwerkzeug verfügen. Und leider macht das Beispiel Schule: Beim WePad war (neben dem Spiegel-Display) für mich der größte Knackpunkt der nicht wechselbare Akku. 

Wenn ich dies so alles betrachte, reicht es nicht, nur die Fertigung zu betrachten, sondern der Lebenszyklus der Geräte ist zu bewerten. Daher ist es in meinen Augen surreal, wie viel Mühe sich im Hinblick auf umweltgerechte Fertigung gegeben wird. Aber nachdem das Gerät über den Tresen gegangen ist, heißt es “aus den Augen, aus dem Sinn” – und der Weg als teurer Elektronikschrott ist bereits vorbestimmt. Unter diesem Aspekt mag Apple sich zwar offiziell einen grünen Anstrich geben – nachhaltig und ökologisch geht in meinen Augen aber anders. Also höchste Zeit, die unter [1] bereitgestellten Möglichkeiten zu nutzen, um Steve & Apple auch diesbezüglich einzuheizen.

Links:
1: Green my Apple (Greenpeace-Seite, englisch)
2: Mac Expo: Greenpeace-Rausschmiss
3: Gefährliche Chemikalien im iPhone
4: Wie grün ist die Elektronikbranche (Jan. 2010)
5: Tasty news from Apple (2007, Greenpeace, englisch)
6: Windows Vista – Müll für die dritte Welt
7: Drucken mit dem iPad (Folge von Beiträgen)
8: Akkutausch beim iPhone
9: Akku-Wechsel-Dienstleister
10: Apple tauscht Gehäuseschrauben
11: Batterieaustausch bei Apple
12: iPhone-Akku-Tausch-Alternativen
13: iPad-Akku-Tausch
14: Secretive Apple Under Fire from Environmental Groups

(c) by Günter Born www.borncity.de
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1 Antwort zu Wie “grün” sind Apple und das iPad wirklich?


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  2. patrick sagt:

    für apple spricht allerdings die weit längere halbwertzeit der produkte, das sie im gegensatz zu div. “lifestylehandys” (jedes jahr ein update) bzw. pc’s grüner macht. so gesehen ist es mir lieber, dass die ipad 1 irgendwann in 4 jahren teurer elektroschrott werden, als billige clones schon nach einem jahr. ausserdem muss man den gebrauchtmarkt bei apple produkten betrachten, wo noch immer um die 10 jahre alte geräte gehandelt und gekauft werden. durch das einzigartige design sind das natürlich liebhabergeschäfte, aber immerhin werden so alte computer weiter genutzt und nicht zu elektroschrott.

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