Android 3 “Honeycomb” Testdrive

Nachdem ich mich nun seit fast 2 Monaten mit einem iPad rumquäle, schaue ich mich natürlich auch nach neuen Konzepten um. Windows 7-Tablet PCs sind ja noch Fehlanzeige (ein WePad kaufen und von MeGoo auf Windows 7 umrüsten wollte ich mir bisher nicht antun). Da kam es gerade Recht, dass Google vor einer Woche Release 09 des Android-SDK freigegeben und vor zwei Tagen auch Android 3.0 (Honeycomb) in einer Präsentation vorgestellt hat. Zeit, mal selbst einen Blick in Android 3 zu werfen.


Anzeige

Nein, ich habe mir noch kein Image für ein Netbook besorgt, wie ich dies mal für frühe Android-Varianten beim Eee PC getestet habe [1]. Vielmehr war meine Überlegung, den Android-Emulator des SDK zu verwenden und die Preview auf Honeycomb in Augenschein zu nehmen. Hinter dem Emulator steckt ja nichts anderes als Quemu als Virtualisierer, in den ein Image von Android geladen wird. Aus früheren Versuchen war mir klar, dass der Emulator langsam sei (aber bin ich ja gewöhnt, habe ich die ersten Tests mit iOS in einem SDK unternommen, bei dem Mac OS X in einer virtuellen Umgebung lief – aber irgendwie ist ja neben Slow Food auch andernorts Entschleunigung angesagt). Zudem muss klar sein, dass R09 des SDK noch eine Vorabversion von Android 3.0 enthält.

Vorbereitungen für den Test

Als Host sollte ein Quad-Core System mit Windows 7 dienen, was eigentlich genügend Ressourcen für Quemu bereitstellt. Hier die Schritte, um die Laufzeitumgebung halbwegs frei von Kollateralschäden aufzusetzen.

  • Sofern man noch keinen Android SDK besitzt, empfiehlt sich der Download von der Android-Developer-Seite [2]. Ich habe mir die ZIP-Archivdatei der Release 9 des SDK heruntergeladen. Wer nicht ganz so fix “zu Fuß ist”, sollte sich die .exe-Variante laden.
  • Nach dem Download des ca. 35 MByte großen Installerpakets muss dieses entpackt bzw. installiert werden. An dieser Stelle mein Tipp, die ZIP-Archivdatei per Rechtsklick anzuwählen, auf den Kontextmenübefehl Eigenschaften zu gehen und dann auf der Registerkarte Allgemein die Schaltfläche Zulassen anzuklicken. Dies löscht das Internetzonenbit, was ggf. später Kollateralschäden beim Aufruf der Anwendungen verhindert.
  • Nach dem Entpacken (bzw. Installieren) geht es zum Ordner android-sdk-windows, wo das Programm SDK Manager.exe aufgerufen wird. Sobald die Java-Anwendung läuft, erscheint ein Dialogfeld zur Auswahl der gewünschten Pakete. Die Packages-Einträge lassen sich in der Liste anwählen und über das Optionsfeld Reject von der Installation ausschließen. Ich habe das komplette SDK mit älteren Android-Versionen ausgewählt gelassen und dann auf Install geklickt, um mehr Flexibilität zu haben. In diesem Fall dauert der über 200 MByte  große Download aber einige Zeit.Paketauswahl Android SDK

Nachdem das Paket eingerichtet ist, kann es an das Ausprobieren des Emulators bzw. der Honeycomb-Demo gehen. Der Emulator befindet sich im Verzeichnis Tools. Wer jedoch den Fehler macht, mal schnell die emulator.exe per Doppelklick anzuwählen, wird mit einem blitzenden DOS-Fenster abgestraft. Ein Aufruf des Programms aus dem Fenster der Eingabeaufforderung zeigte dann die Ursache: Der Emulator erwartet beim Aufruf die Parameter der auszuführenden AVD-Datei mit dem Gastsystem.

Den Emulator starten – wie geht denn das?

Nun gibt es zwei Ansätze, um den Emulator zu verwenden: Entweder man doppelklickt auf die im Verzeichnis Tools befindliche Datei android.bat, oder man geht  den direkten Weg und ruft den SDK Manager über SDK Manager.exe im Hauptverzeichnis des SDK auf. Der SDK-Manager zeigt das hier sichtbare Programmfenster. In der linken Spalte lassen sich die installierten Pakete (Installed packages) abfragen, Einstellungen anpassen sowie die virtuellen Geräte verwalten.

Android SDK Manager


Werbung

Klickt man auf den Eintrag Virtual Devices erscheint in der rechten Spalte die Liste der konfigurierten Geräte (beim ersten Aufruf ist diese Liste leer).

Virtuelle Maschine für Honeycomb einrichten

Um nun zur Android-Emulation (möglichst mit Honeycomb) zu kommen, muss ein entsprechendes Gerät (AVD = Android Virtual Device) eingerichtet werden (der SDK-Manager konfiguriert dann ein entsprechendes Android-Image, welches im Emulator geladen werden kann).

Über die Schaltfläche New des SDK-Manager wird das Dialogfeld zur Konfigurierung der VM-Optionen aufgerufen. Anschließend erscheint das hier gezeigte Dialogfeld, in dem Sie im Feld Name einen Gerätebezeichner für die virtuelle Maschine vorgeben. Dabei sind Sonderzeichen, Blanks etc. unzulässig (da die AVD möglichst universell auf Dateien abgebildet werden muss). Im Listenfeld Target lässt sich auch die Preview von Android Honeycomb einstellen.

AVD konfigurieren

Im Feld Size wird die Größe einer SD-Karte vorgegeben (2 GByte reichen) und über ein Kontrollkästchen der Gruppe Snapshot kann das Anlegen von Differenzabbildern erzwungen werden (für Entwickler sinnvoll). Die Einstellung Skin sollte auf “Default (WXGA)” belassen werden. Über die Schaltfläche New lassen sich noch Hardwareeigenschaften wie SD-Kartenunterstützung, Tastaturunterstützung etc. festlegen (was aber zum Testdrive nicht gebraucht wird).

Sobald die Schaltfläche Create AVD angewählt wird, beginnt der SDK-Manager mit dem Build der betreffenden Maschine. Das kann ein paar Sekunden dauern.

Android-Instanz im Emulator starten

Ist die AVD erzeugt, taucht deren Eintrag im Android SDK and AVD Manager in der Kategorie “Virtual devices” auf. Sie können den Eintrag markieren und dann über die Schaltfläche Edit in den Einstellungen modifizieren. Die Schaltfläche Details zeigt ein Info-Dialogfeld mit den Parametern der AVD.

Android-Emulation starten

Nun reicht es, den Eintrag der AVD in der Liste zu wählen und dann in der rechten Spalte auf Start zu klicken. Sobald das Dialogfeld Launch Options erscheint, klicken Sie auf die Schaltfläche Launch – kurz und schmerzlos. Bei Bedarf können Sie auch “Scale display to real size” markieren und dann als Screen Size (in) einen Wert für die Bildschirmgröße in Zoll angeben (z. B. 7). Dies hilft u. U. bei der Anpassung, wenn Sie die Darstellung im Portrait-Modus benötigen (siehe unten).

Es erscheint ein Dialogfeld mit der Fortschrittsanzeige zum Laden und danach das Fenster des Android-Emulators. Sofern Sie die Skalierung der Anzeige bei der Konfiguration in Launch Options auf den Vorgaben belassen haben, sollte jetzt ein Fenster im Landscape-Modus und im WXGA-Faktor von 1280×800 Pixeln auf dem Desktop angezeigt werden.

Nun heißt es sich, in Geduld zu fassen, denn der Emulator braucht doch einen “Tick”, um Android zu booten. Wenn alles gut läuft, sollte aber nach wenigen Sekunden bereits der Text “A n d r o i d” im Fenster erscheinen.

Kollateralschäden beheben …

Ist Honeycomb endlich gestartet und erscheint der Android-Desktop im Emulatorfenster, müssen Sie vermutlich eine Menge Kollateralschäden beheben – denn die Preview ist alles andere als fertig. Im Idealfall sollte dann alles wie hier gezeigt aussehen.

Android 3 Desktop

Erstes Problem bei mir war, dass das Emulatorfenster zwar im Landscape-Modus erschien, aber der Android-Bildschirm im Portrait-Modus angezeigt wurde. Zudem war die Benutzeroberfläche in Englisch und die Tastatureingaben verwendeten eine japanische Eingabemethode – dass die Zeit nicht stimmte, war nebensächlich. Wie kommt man aus dieser Bredouille?

Irgendwie müssen Einstellungen angepasst werden, aber wie? Durch Drücken der Tastenkombination Strg+F12 kann zwar das Emulatorfenster in die Portrait-Darstellung gedreht werden [4]. Aber auf einem gängigen Bildschirm bleibt da ein Teil am Desktoprand abgeschnitten.

Nach etwas Sucherei wurde ich ich unter [3] fündig. Man muss (quasi mit schiefem Kopf oder im Portrait-Modus des Emulatorfensters) zu den Einstellungen gehen (die bei mir wegen der englischen Oberfläche noch Settings hießen), und das Drehen des Bildschirms zulassen. Hierzu klickt man in der “rechten Desktop-Ecke” (siehe oberes Bild) auf die Schaltfläche “Anwendungen” (oder das englische Pendant “Apps”) und wartet, bis die App-Seite angezeigt wird.

Android 3 Apps

Dann wählt man das Symbol “Settings” bzw. “Einstellungen” an. In der Einstellungsseite ist dann der Eintrag “Display” (bzw. das englische Screen) in der linken Liste anzuwählen. Bei mir war die Option “Display autom. drehen” (bzw. Auto-rotate screen) markiert. Ich habe die Markierung durch Anklicken aufgehoben (was zwar unlogisch ist, aber half). Danach habe ich die Tastenkombination Strg+F12 verwendet, um in den Portrait- und dann wieder in den Landscape-Modus zurückzuschalten. Und plötzlich war der Android-Desktop im Querformat zu sehen (es hakt also noch an allen Ecken und Enden).

Android 3 Apps

Im nächsten Schritt bin ich zu Language & input gegangen, habe “Select language” angeklickt und dann per Scroll mit dem Mausrad die deutschen Spracheinstellungen in das Fenster geholt und auf “Deutsch (Deutschland)” geklickt. Der Bildschirm des Emulators wurde kurz grün und danach erschien die deutsche Bedienoberfläche.

Die Tastatureinstellung wurde unter “Geschietsschema & Text” über die Gruppe “Tastatureinstellungen” vorgenommen. Klickt man auf “Configure input methode”, erscheint ein Zusatzmenü, in dem ich chinesische Optionen und Japanese IME deaktiviert habe. Danach per Maus nach unten zur Gruppe “Settings” scrollen und unter “Android-Tastatur” auf “Current input methods” klicken. Irgendwie ließ sich nach etwas Spielen eine deutsche Tastatur auswählen. Allerdings hatte ich im Nachgang, als ich die Tastatur wieder wechseln wollte, einige Abstürze der Anwendung.

Unter “Datum & Urzeit” habe ich dann noch die Option “Automatische Zeitzone” deaktiviert und die Zeitzone auf “GMT+1” gestellt. Danach ging auch die Uhrzeitanzeige korrekt.

Noch eine Kurzanleitung gefällig?

Nach diesen Schritten stand dem Test von Android Honeycomb nichts mehr im Wege. Hier ein paar Hinweise zur Bedienung.

Android 3 Desktop

  • Die Schaltfläche Anwendungen in der oberen rechten Ecke schaltet zum Desktop mit den installierten Apps um. Ein Klick auf ein App-Symbol startet dieses.
  • Klicken Sie in der linken unteren Ecke auf den nach links zeigenden Pfeil, geht es zum vorherigen Fenster/Desktop zurück.
  • Der nach oben zeigende Pfeil in der linken unteren Ecke blendet das App-Fenster aus.
  • Die Schaltfläche mit den überlappenden Fenstern in der linken unteren Ecke zeigt die Liste der laufenden Apps (siehe folgendes Bild). Anwählen (per Mausklick) eines App-Symbols bringt das Fenster in den Vordergrund.Android 3 Desktop
  • Das Pluszeichen in der oberen rechten Ecke des Android-Desktop ruft die nachfolgende Darstellung mit Widgets, verschiedenen Desktops und den Apps ab. Über die obere Fensterliste soll sich wohl zwischen diversen Desktops blättern lassen (im Emulator zu zäh und nicht nutzbar). Im unteren Teil werden (je nach gewählter Kategorie) die Widgets (kleine Fenster mit der Vorschau auf Mails, Analoguhr, Lesezeichen etc.), Apps, Hintergrunde etc. aufgelistet. Android 3 Desktop

Widgets und Apps lassen sich in der hier gezeigten Darstellung zu den Desktops verschieben (ggf. auch nur anklicken) und werden dort angeheftet. Sind mehrere Desktops gefüllt, lässt sich mit “Wischen” nach rechts oder links zwischen diesen Desktops blättern. Im Emulator ist dies alles aber noch zu zäh.

Zudem kam es bei meinem Kurztest häufiger vor, dass beim anschließenden Umschalten der Bildschirmdarstellung der Desktop im Portrait-Modus um 90 Grad gedreht angezeigt wurde. Dann half das zweimalige Drücken der Tastenkombination Strg+F12.

Bezüglich der Anwendungen lässt sich feststellen, das hier noch die größten Probleme herrschen. So war es mir z. B. nicht möglich, den Browser zum Abrufen einer Webseite zu überreden. Die Google-Seite erschien zwar, aber nach Eingabe einer URL erschien die Meldung, dass die Anwendung nicht mehr reagiert. Insgesamt ist die Honeycomb-Preview in vielen Teilen noch recht unstabil und der langsame Emulator macht das Testen auch nicht zum riesen Spaß. Um sich aber einen ersten Eindruck zu verschaffen (ohne auf “bunte Bildchen” in Webseiten von Computerzeitschriften oder wackelige YouTube “Hands-On”-Videos angewiesen zu sein), ist es schon ganz gut.

Fazit: Wenn ich Android 3 jetzt mit dem Apple iOS vergleichen soll, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen mag. Bei iOS ärgert mich zwar die Gängelung durch Apple an allen Ecken und Enden. Aber ich finde ich die Purität der Desktop-Bedienung gegenüber Android 3 schon wieder bestechend (obwohl ich an der iOS-GUI genügend Kritikpunkte finde, wo dieses einfache Bedienkonzept durchbrochen wird). Bei Android 3 tue ich mich deutlich schwerer mit der “intuitiven” Bedienung, weil vieles zu verspielt daherkommt und mit Features überladen ist. Vielleicht wird dies besser, wenn die Final von Honeycomb auf einer realen Hardware bereitsteht und besser bedienbar als im Emulator ist.

Wo ich meine große Hoffnung drauf setze: dass das Android-Konzept im Hinblick auf das Ansprechen von Peripherie, die Unterstützung von Speichermedien und Kameras sowie beim Installieren von Apps wesentlich flexibler als das Apple-Konzept wird. Wie sich das Ganze später auf realer Hardware anfühlt, wird sich zeigen müssen (mal schauen, ob die Hersteller von Android 3-Tablets sich überreden lassen, das eine oder andere Testexemplar für ein paar Tage bereitzustellen).

In dieser Hinsicht hoffe ich, mit dem Beitrag zumindest ein paar Insights gegeben zu haben – und vielleicht kann der eine oder andere Leser noch ein wenig Honig draus saugen, um Honeycomb selbst zu testen.

Links:
1: Eee PC & Co: Android Test-Drive
2: Download-Seite Android SDK (Englisch)
3: Android Honeycomb (Ubuntu Blog.ch)
4: Android-Emulator bedienen (Englisch)


Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Android abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Response to Android 3 “Honeycomb” Testdrive

  1. Pingback: Android x86 3.2 Honeycomb im Test « Borns IT- und Windows-Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.