Lizenzgebühren für Android?

Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass Android Open Source sei und die Hersteller von Smartphones bzw. Gadgets keinerlei Lizenzgebühren zahlen. Nur die Klage von Oracle gegen Google wegen Patentverletzung bei der JAVA-Engine Dalvik schwebt wie ein Damoklesschwert über Android.


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Das hatte ich mitbekommen, aber irgendwie unter “Wiedervorlage in far future” gebucht, da dort noch keine Entscheidung durch ein Gericht getroffen wurde. Gänzlich an mir vorbei gingen Patentstreitigkeiten, die zwischen den Playern im Smartphone-Markt laufen. Apple, Motorola, Samsung, HTC, Microsoft, ständig klagt einer gegen den anderen – wer behält da schon den genauen Überblick.

Nun wurde auf Businessinsider.com ein interessanter Artikel veröffentlicht, demzufolge High Tech Computer (HTC) für jedes verkaufte Android Smartphone 5 US $ Patentgebühr an Microsoft zahlt. Eine Vereinbarung vom April dieses Jahres sieht vor, dass HTC wegen Microsoft-Patenten Lizenzgebühren an Microsoft abführt. Nur war die Höhe der Patentzahlungen bisher unbekannt. Für HTC macht dieser Deal, der auf den ersten Blick absurd erscheint, vermutlich irgendwie Sinn. Denn der Hersteller bietet auch eine Menge Smartphones mit Windows Mobile an. Und unter diesem Blickwinkel spekuliert Businessinsider.com, dass man die Geschäftsbeziehung mit Microsoft nicht unnötig “belasten” wolle. Damit ist Microsoft im Patent-Krieg gegen anderen Android-Smartphone-Anbieter nicht schlecht aufgestellt.

Das führt natürlich sofort zur Frage, was da noch zu erwarten ist. Bei heise.de findet sich die Information, dass Microsoft von anderen Android Smartphone-Herstellern zwischen 7,50 bis 12,50 US Dollar pro Gerät verlangt. Gemäß Buinessinsider-Artikel erwartet Citi Analyst Walter Pritchard in den kommenden Monaten zusätzliche Patentauseinandersetzungen rund um Android.

Und nun wird es extrem interessant. Die letzten 12 Monate lese ich von vielen Analysten und Journalistenkollegen, wie chancenlos Microsoft im ganzen Smartphonebereich gegen Apple und Android sei. Ich habe in den vergangenen Monaten sowohl iOS als auch Android aus technischer Sicht im Hinblick auf Tablet PCs getestet und mir so meine eigenen Gedanken gemacht – werde wohl in Kürze mal einen Blog-Beitrag machen, warum Microsoft da riesen Chancen haben kann.

Durch den Businessinsider-Artikel eröffnet sich ein weiterer interessanter Ansatz, wenn man denn den Angaben im Artikel glauben kann. Und ich denke, es wird was wahres dran sein, denn Citi besitzt weltweit über 12.000 Geschäftsstellen in 140 Ländern und gehört zur Citigroup. Die Leute sind ständig auf der Suche nach Technologie-Analysten und durch die Banktätigkeiten ist Citi nicht nur vor Ort vertreten. Banker erhalten durch ihre Tätigkeit auch Einblicke in Interna verschiedener Firmen und Märkte.

Da ist es schon recht interessant, das ein zweiter Citi-Analyst, Kevin Chiang, von Businessinsider.com zitiert wird: Demnach glaubt man bei City, dass die Hersteller von Android Smartphones eine Marge von 10 bis 15 % haben, während bei Android Tablets die Marge bei 2 bis 3 % liege. Nimmt man den Straßenpreis für das Acer Iconia A500, den Acer momentan in den USA mit 449 US $ festgesetzt hat, ergeben sich bei einer Fertigungsmarge von 3 % ca. 13,50 US $. Setzt Microsoft nur 7,50 US $ als Patentgebühr durch, ist über die Hälfte der Marge weg. Auch wenn der eine oder andere Hersteller besser aufgestellt ist, bleibt die Situation präkär …

… und nun darf man raten: Wie attraktiv werden die Hersteller wohl ein Microsoft Betriebssystem für Tablet PCs und Smartphones finden, wenn die Margen für Android durch Patentgebühren dahin schmelzen? Sofern Microsoft nur etwas “halbwegs” brauchbares auf die Beine stellt – und bei der ARM-Variante von Windows 8 für Tablet PCs bin ich überzeugt, wird das so sein – dürfte sich der Markt kräftig drehen. Bezüglich Windows Phone höre ich auch, dass Microsoft aufholt. Könnte also schon in den nächsten 12 Monaten sein, dass sich da was tut. Das Ganze erinnert mich ein wenig an das Thema Netbooks, wo die ersten Geräte auch mit Xandros (Eee PC) oder Linpus Lite (Acer Aspire One) auf den Markt kamen. Und kurze Zeit später? Da hatten die Leute entweder Windows XP auf die Systeme gespielt oder die Hersteller lieferten die Netbooks gleich mit Microsoft Windows aus.

Es bleibt also spannend – und die Mär vom “kostenlosen” OpenSource-Betriebssystem Android ist nun aufgeflogen. Von den anderen Katastrophen der letzten Wochen rund um das Thema ganz zu schweigen.


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[Update: Der Digitimes.com-Meldung vom 30. Mai zufolge “dementiert” HTC, dass Microsoft Lizenzgebühren für Android Smartphones erheben wolle. Das Ganze ist undurchsichtig, denn HTC gibt an, ein solches Abkommen für 2010 mit Microsoft geschlossen zu haben. Aber Microsoft habe bisher nicht nach einer Verlängerung nachgefragt. Kann man sehen wie man will. Microsofts Fiskaljahr 2010 endet am 30. Juni 2011 – also wäre noch Raum im 2. Q. 2011 für eine “Nachfrage” zur Verlängerung des Agreements. Und wer sagt denn, dass Microsoft da nicht die Patentkeule gegen andere Android-Gadget-Hersteller herausholt? Spätestens, wenn ein ARM-Windows 8 ins Rennen geht, wird man schon Mittel und Wege finden, das eigene Produkt schmackhaft zu machen.]

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2 Responses to Lizenzgebühren für Android?

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