Ubuntu 11.10 im Kurztest

Die Tage hat Canonical die neue Version 11.10 (Oneiric Ocelot) von Ubuntu freigegeben.  Zeit, einen kurzen Blick auf den Client zu werfen.


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Eigentlich habe ich zu Ubuntu (wie zu anderen Linux-Distributionen wie SuSE Linux) ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Da gibt es Versionen, die genial daherkommen und bei denen alles out-of-the-box funktioniert. Ich habe es aber häufig genug bei Ubuntu erlebt, dass mal wieder irgend eine Interimsversion massiv Probleme bereitete: Da ging WLAN auf dem Netbook nicht oder in einer virtuellen Maschine kam ich nicht auf die Windows-Freigaben. Und die Querelen in der Linux-Community bezüglich Gnome 3 ließen mich auch nichts gutes hoffen.

Ich hatte mir die ISO des Clients zwar bereits am Wochenende heruntergeladen, bin aber erst heute zu einem Kurztest in einer virtuellen Maschine gekommen. Hierzu habe ich das Live-System gebootet & später Ubuntu 11.10 in einer VM auf Festplatte installiert – und um es gleich zu sagen: die neuralgischen Punkte wie Netzwerk und Zugriff auf Freigaben funktionierten aus dem ff.

Benutzeroberfläche Unitiy-Desktop…

Nach dem Booten wird der Nutzer mit diesem Unity-Desktop begrüßt. Hat mich auf den ersten Blick nicht sonderlich gestört, dass die Symbole für Anwendungsprogramme in einer Liste (als Starter bezeichnet) am linken Desktoprand zu finden waren. Erinnert irgendwie an das Dock von Mac OS X. Auch die Schaltflächen zum Minimieren oder Schließen einer Anwendung werden Mac-like in der linken oberen Fensterecke eingeblendet (für Windows-Nutzer aber suboptimal).

Dann durfte ich aber feststellen, dass die Schaltfläche zum Zugriff auf die Systemeinstellungen oder zum Herunterfahren nach wie vor in der rechten oberen Ecke zu finden war. Ist dann schon etwas doof, wenn man die Maus ständig über den Desktop rasen lassen muss, um von der linken Leiste zum Einstellungsmenü in der rechten oberen Desktop-Ecke zu gelangen.

Und ob die linke Symbolleiste zum Aufrufen von Programmen übersichtlich bleibt, wenn man sehr viele Anwendungen hat? Was ich auch gewöhnungsbedürftig finde: Die Schaltflächen zum Schließen/Minimieren etc. werden nur dann im Fenster angezeigt, wenn dieses angeklickt ist. In den ersten Minuten war ich ständig auf der Suche, wie ich nun ein Fenster minimiere oder schließe. Zudem hat sich das Live-System in meiner VM gelegentlich verklemmt, so dass die Symbole in der linken Leiste nicht mehr anwählen ließen.


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Über die oberste Schaltfläche des Starters lässt sich die Dash-Ansicht abrufen. Über das Dash erhält man Zugriff auf Firefox als Browser, einen Fotobetrachter, Thunderbird als E-Mail-Client und einen Media Player. Zusätzlich finden sich im Dash Symbole, um auf Multimedia- und Internetanwendungen sowie auf Dateien zuzugreifen.

Ansonsten stehen Anwendungen von Libre Office, ein Symbol zum Zugriff auf das (renovierte) Software Center, auf die Einstellungen und auf die vier virtuellen Linux-Desktops im Starten bereit.

Bei meinem schnellen Rundumflug bin ich mit Ubuntu 11.10 und dem Unity-Desktop aber nicht so richtig warm geworden. Man kann zwar mit dem Grundsystem leben, aber der Unity-Desktop ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Wenn ein Symbol plötzlich nicht mehr reagiert, weiß man nie, ist das was abgestürzt oder hast Du was falsch gemacht. Also nochmals drauf geklickt und schon ist das gerade mühsam geöffnete Fenster wieder ausgeblendet – irgendwie empfinde ich das etwas stoppelig. Was ich schon vermisse, ist der alte Gnome-Desktop, in dem ich mich meist ad-hoc zurecht fand.

So bleibt mein bisheriger Eindruck, dass die Linux-Entwickler (und im konkreten Fall die Leute von Canonical) sich mitunter selbst im Weg stehen, auch weiterhin bestehen. In jeder neue Ubuntu-Version wurde irgend etwas im GUI geändert, so dass man altbekanntes nicht mehr wiederfand bzw. langwierig suchen oder konfigurieren musste. Das auf unbedarfte Nutzer loszulassen kann nur im Chaos enden. Den Unity-Desktop gibt es zwar bereits ein paar Tage – ich habe aber die letzten Ubuntu-Varianten nie benutzt. Also bin ich wieder am Suchen, wie man dieses oder jenes konfiguriert und einrichtet. Bei heise.de gibt es zwar einen zweiteiligen Artikel, in dem steht, dass man von Unity auf Gnome zurück kann.

Die Optionen, um den x windows-Manager entsprechend umzukonfigurieren, habe ich aber auf die Schnelle vergeblich gesucht. Nach ein wenig Recherche war es dann klar: Man muss manuell im Software-Center das Paket gnome-shell nachinstallieren [3]. Unter [4] findet sich noch eine Anleitung, um dies im Terminal mit apt-get install zu managen. Das Terminal lässt sich aufrufen, indem man den Dash-Bereich über das oberste Symbol des Starters einblendet und Terminal im Suchfeld eintippt. Root-Rechte erhält man im Terminal mit sudo su – Danach kann man auf Gnome umsteigen. Hierzu heißt es abmelden und dann auf das Einstellungsmenüsymbol klicken und Gnome wählen.

Hier ist übrigens die Gnome-Benutzeroberfläche zu sehen. Hat sich auch einiges gegenüber meinen noch einer VM rumdümpelnden Ubuntu 10.04 geändert.

Aber man will ja geistig jung und flexibel bleiben. Unterm Strich: Alles recht einfach, wenn man weiß, wie es geht. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Linux-Frickler es nie lernen. Einerseits die Welt mit Linux-Distris beglücken wollen. Andererseits alles daran setzen, dass ein normaler Benutzer keine Chance hat, da halbwegs kollateralschädenfrei weiterzukommen. Mein 10 Minuten-Kurztest hat sich dadurch auch schon wieder in eine 1 stündige Sitzung entwickelt. Die meiste Zeit war ich dabei im Internet am recherchieren, wie man dieses oder jenes aufruft oder dieses und jenes installiert. Hat mir wieder bestätigt, dass ich auch in näherer Zukunft keine Bücher über Linux schreiben werde.

Bei heise.de gibt es noch die beiden nachfolgend verlinkten Artikel, die die Neuerungen kurz vorstellen.

Links:
1: Neues in Ubuntu 11.10 Teil I
2: Neues in Ubuntu 11.10 Teil II
3: Wiki Ubuntu-users
4: Gnome-Shell unter Ubuntu 11.10 einfach installieren
5: Gnome unter Ubuntu installieren (ältere Anleitung bei Chip.de)


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