Riskio: Das iPad im Unternehmen

Apples iPad ist ja sehr erfolgreich im privaten Bereich, so dass durchaus immer mal wieder Stimmen zu vernehmen sind, dass das Gadget eigentlich auch breit in Unternehmen Einzug halten wird. Wer sich mit dem iPad befasst, kommt aber zum Schluss, dass dieses Gadget in Unternehmen eher Kopfschmerzen als Freude auslösen dürfte.


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Nachdem ich mich längere Zeit mit dem iPad befasst habe, bin ich persönlich zu dem Schluss gekommen, dass das Konzept nichts für den Unternehmenseinsatz ist. Klar, die Apple-Entwickler haben ein solides Produkt entworfen, was von der Hardware und vom ersten Eindruck schon überzeugen kann. Aber reicht das für den Unternehmenseinsatz? Meine Antwort lautete aus meiner bisherigen Sicht: Nein, und wurde jetzt durch Analysten von Gartner indirekt bestätigt (hier gibt es bei ZDNet einen Beitrag).

Meine Bedenken beginnen bei der Frage, wie die Geräte in die Unternehmensinfrastruktur sauber integriert werden können. Dies beginnt schon bei der Frage, wie Daten zwischen Unternehmensservern und den iPads ausgetauscht werden können. Das jeder im Unternehmen einen iTunes-PC verfügbar hat, um das iPad zu synchronisieren, kann’s ja wohl nicht sein.

Das von Apple verwendete Silo-Dateisystem macht den Austausch von Daten diverser Anwendungen auch zum Geduldsspiel. Es mag zwar en vogue sein, da seine Dokumente auf Dropbox & Co. zu schieben. Aber im Unternehmen wird dies gelegentlich im Bezug auf Datensicherheit etwas anders gesehen. Und wenn ich mal Leute im Außendienst sehe, die abseits der Ballungsgebiete unterwegs sind, schaut es mit schneller UMTS-Anbindung auch schlecht aus.

Wer sich mit dem Thema Datensicherheit in der Unternehmen-IT auseinander setzt, dürfte auch einige graue Haare bekommen. Hier habe darüber gebloggt, wie man gestohlene Mobilgeräte aufspüren kann. Interessant die Statistik, wieviele mobile Geräte jedes Jahr an Flughäfen oder öffentlichen Orten verloren gehen. In den USA sind es pro Woche über 12.000 Notebooks, die alleine an Flughäfen verloren gehen – 70% werde nicht wiedergefunden. Das Absichern der Daten vor einem Missbrauch oder unbefugter Einsichtnahme ist in iOS schlicht nicht vorgesehen – keine Verschlüsselung, kein Zugangspasswort etc.

Das Beziehen von Apps aus dem iTunes Store ist für Unternehmenseinsätze auch alles andere als optimal. Insgesamt ist Apple derzeit kein Player, der im Unternehmensumfeld wirklich punkten kann.

Gartner fügt den obigen Punkten weitere Aspekte hinzu, die ein iPad zum Problembär machen können.

  • Zum Zugriff auf Unternehmensanwendungen sind auf den iPads Microsoft Lizenzen erforderlich. Auch Geräte wie das iPad brauchen eine Lizenz, um auf Server, Microsoft Office 360 oder Outlook zuzugreifen. Sieht das Unternehmenslizenzmodell die Lizenzierung für Geräte vor, ist für jedes iPad eine Lizenz erforderlich.
  • Die Absicherung der Gerätedaten sowie das Abwehren eines unerlaubten Zugriffs sind ebenfalls Thema bei Gartner. Hatte ich aber oben schon thematisiert.
  • Auch die Formatkonvertierung von Dokumenten zwischen Windows-Programmen und dem iPad dürfte für viele Probleme sorgen. Ein Brief, auf dem PC getippt, auf dem iPad korrigiert und dann unter Windows ausgedruckt, könnte gelegentlich für Überraschungen sorgen.

Es gibt noch weitere Punkte, die Gartner als Problemstellen ausführt. Der Hauptaussage bei Gartner ist aber “Apple ist kein Enterprise-Player”, tut sich also im Unternehmensumfeld schwer. Nur wenn dieses Schwächen ausgebügelt werden, kann Apple im Unternehmensumfeld signifikant punkten.


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2 Antworten zu Riskio: Das iPad im Unternehmen


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  2. dri sagt:

    Viele Äusserungen scheinen darauf zu beruhen, dass man die Möglichkeiten für den Business-Einsatz von iOS nicht kennt.

    iOS kann auf Exchange-Server zugreifen und ermöglicht auch die Arbeit in Unternehmensnetzwerken, die darauf aufbauen. Die Frage der Lizenzierung ist dabei ja nicht vom iPad abhängig, sondern vom Lizenzierungsmodell der jeweiligen Firma allgemein. Von daher ist das Argument etwas blödsinnig, da das für jeden Rechner und jedes Gerät gilt, welches man in ein Exchange-Netzwerk einbinden will.

    Bezüglich der Entwicklung von Unternehmenspezifischer bietet Apple auch hier Modelle an, um die Entwicklung und Verteilung von unternehmensinterner Software auch inhouse zu ermöglichen, ohne über den offiziellen AppStore gehen zu müssen.

    Apple bietet auch eine Übersicht über Möglichkeiten zum Einsatz in Unternehmen:

    Zitat daraus:

    “iOS supports Mobile Device Management (MDM), giving businesses the ability to manage scaled deployments of iPhone and iPad across their organizations. These MDM capabilities are built upon existing iOS technologies like Configuration Profiles, Over-the-Air Enrollment, and the Apple Push Notification service, and can be integrated with in-house or third-party server solutions. This gives IT departments the ability to securely enroll iPhone and iPad in an enterprise environment, wirelessly configure and update settings, monitor compliance with corporate policies, and even remotely wipe or lock managed devices.”

    • Günter Born sagt:

      Zu “Die Frage der Lizenzierung ist dabei ja nicht vom iPad abhängig, sondern vom Lizenzierungsmodell der jeweiligen Firma allgemein” – ich dachte, das ginge aus dem verlinkten Artikel zur Gartner-Aussage klar hervor – also ist dem nichts mehr hinzuzufügen.

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