Microsoft und die Volten bei Office 2013/365

Wenn ich nicht schon eine graue Mähne hätte, könnte die Wolle auf dem Kopf schlagartig grau werden (das mit den Haare raufen lasse ich lieber). Worum gehts? Um die Volten, die Microsoft mal wieder beim neuen Produkt Office 2013 bzw. Office 365 schlägt. Gelegentlich drängt sich mir der Eindruck auf, dass der Hersteller seinen Nutzern bei allen Gelegenheiten vor die Schuhe pieseln und nicht wirklich Kunden haben will.


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Bei Windows 8 habe ich stellenweise nur noch mit dem Kopf geschüttelt, wie man eine solche Crash-Strategie gegen den Nutzer fahren kann und mutwillig Beschränkungen wie fehlendes Startmenü oder ähnliche Features entfernt. Aber egal. Beim Surface habe ich es dann locker gesehen. Da stimmte nix an der Beschreibung im Shop und so mancher Benutzer zog frustriert im MS Answers-Forum über das Surface RT her. Nun haben wir also ein neues Office – angekündigt am 29. Februar mit gleichzeitiger Verfügbarkeit. Kommt immer gut, wenn man die Welt das draußen überraschen will – die Vertriebspartner können dann schauen, wie sie weiter kommen.

Vertrieb? Installation? Machen wir direkt!

Auf diesen knappen Nenner lässt sich eigentlich das Ganze bringen. Die typische Box-Version mit inliegender Installations-DVD gibt es bei Office 2013 nicht mehr (Office 365 ist eh ja ein Mietmodell). Vielmehr bekommt der Benutzer, so er denn sein Office-Paketchen im Handel und nicht im Microsoft Store kauft, zwar eine Box. Aber die enthält nur eine Key-Card – so dass er online zu http://office.com/setup gehen darf, den Produkt-Key eintippen und dann einen Webinstaller herunterladen darf.

Wird das Teil gestartet, nudelt das die betreffenden Dateien herunter und installiert das komplette Paket – ohne Eingriffsmöglichkeit für den Benutzer. Kommt gut für Benutzer mit einer kleinen SSD, die Office mal gerne auf eine separate Partition schaufeln wollen. Auch wer gerne mal häufiger sein Windows neu aufsetzt, lässt dann die Drähte zu Microsofts Download-Servern glühen – denn eine Installations-ISO ist nur für Firmenkunden (oder gegen Aufpreis) möglich. Interessant: bei meinem Office Professional Plus 2013 kann ich die Installationsoptionen setzen (das ist also quasi noch die “old school” für Firmenkunden, damit die nicht ganz von der Fahne gehen).

Preis? Kegeln wir aus!

Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass Microsoft die Nutzer auf die Mietvariante namens Office 365 zwingen will. Wer ein Office 2013 Home & Student kauft, zahlt 139 Euro [a], darf dieses aber nur auf einem Rechner installieren. Das Office 365 Jahres-Abo kostet nur 99 Euro pro Jahr, darf aber auf bis zu 5 PCs innerhalb der Familie installiert werden – und Mac OS X wird mit Office 2011 unterstützt.

Und damit das auch jeder kapiert, hat Microsoft klammheimlich die Preise für Mac Office um 17 % angehoben sowie die Multi-Lizenzen abgeschafft – berichtet Computerworld hier (ifun hat’s hier in deutsch). Überhaupt ist das ja mit dem Preis so eine seltsame Sache.

Bei Office 2010 gab es ja noch die Starter-Edition mit Word und Excel, die OEMs für 4 $ erwerben und auf Systemen vorinstallieren konnten. Hat für die meisten Anwender im Privatbereich gelangt – spülte Microsoft aber wohl kein Geld in die Kasse. Also wurde Office 2010 Starter geschlachtet.

Auch die Möglichkeit, Office 2010 Home & Student auf bis zu 3 PCs innerhalb einer Familie zu installieren, findet bei Office 2013 kein Pendant. Man kann entweder eine Einzellizenz kaufen oder muss zum Abo von Office 365 greifen. Läuft das Office 365-Abo aus, lassen sich die Dokumente nur noch lesend zugreifen.

Und, ist Office 2013 an einen PC gebunden?


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Der Irrsinn geht noch weiter. Seit Tagen schwirren die Gerüchte durch’s Web, dass Office 2013 als Lizenz an einem PC gebunden sei. Beim Wechsel des PC erlischt die Lizenz und der Benutzer muss eine neue Lizenz erwerben.

Heise.de hat dies z.B. hier thematisiert und prompt ein paar geharnischte Benutzerkommentare eingefangen, dass dies Bullshit sei. Andere Webseiten berichteten, dass dies auf Grund der Rechtslage in Deutschland nicht zuträfe. Bei Heise findet sich ein gestriges Update, dass Microsoft dazu nur “Kein Kommentar” einfällt. Offenbar muss man sich in Unterschleißheim erst einmal sortieren.

In den USA gibt die EULA dagegen die Bindung an einen PC vor. Scheibenkleister, zeigt aber, wo die Jungens und Mädels aus Redmond mit uns Benutzern hin wollen: Zahlviech für die Aktionäre. Und weil Microsoft ein “vielschichtiger Chor” ist, bei dem sich die Teilnehmer nicht ganz grün sind (mir fällt da immer nur das Organigramm hier ein), hat man für eine allgemeine Verunsicherung gesorgt. Martin Geuss von Dr. Windows hat’s heute in einen Beitrag gegossen. Jevon Fark vom Office-Team hat im offiziellen Blog eine Stellungnahme abgegeben: Office 2013 ist an einen PC gebunden, eine Übertragung ist nicht möglich.

An der Stelle habe ich mich dann endgültig ausgeklinkt. Getreu einem Badesalz-Spruch und der Standardantwort von Heinz Becker (alias Gerd Dudenhöfer): Ach gehma fort mit dem Mist – da brauche mer erst garnich driwwer redde …

… womit alles gesagt wäre. Im Blog habe ich gezeigt, wie man auch Office 2000 unter Windows 8 zum Rennen bringt – und Office 2007 sowie 2010 laufen eh. Kann man getrost abwarten, bis Microsoft seine Selbstfindungsphase abgeschlossen und wieder mit den Füßen auf den Boden zurück gekommen ist. Momentan grübele ich noch, warum mir immer der Satz “LibreOffice hat eine strahlende Zukunft” durch den Kopf schießt – aber ich komme irgendwie nicht drauf. Bis demnächst in diesem Theater.

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3 Antworten zu Microsoft und die Volten bei Office 2013/365


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  2. Günter Born sagt:

    Nachtrag: Noch ne Volte – Kunden, die eine Hardware innerhalb der Garantie ersetzen, sollen von Microsoft eine Sondergenehmigung zum Transfer von Office 2013 bekommen – berichtet jedenfalls IT-Espresse [1]. Halten wir’s mit Asterix: Die spinnen ja, die Römer …

    1: http://www.itespresso.de/2013/02/22/microsoft-gibt-bei-lizenzen-fur-office-2013-nach/

  3. Sir Charles sagt:

    Ich habe gerade die neueste Jubelmeldung von Facebook gelesen: Office 2013 soll jetzt explizit NICHT mehr an einen Rechner gebunden sein.

    Quellen: http://www.officeblog.at/post/2013/03/06/Kundenwunsch-erfullt.aspx

    Genauere Infos: http://blogs.office.com/b/office-news/archive/2013/03/06/office-2013-retail-license-agreement-now-transferable.aspx

    • Günter Born sagt:

      Ja – sitze gerade an einem Artikel, wo ich die Volte von der Volte von der Volte in einem Rant thematisieren werde.

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