Gedanken zum Chromebook Pixel

Letzten Freitag hat Google ja in San Franzisko sein neues Chromebook Pixel vorgestellt. Ein auf ChromeOS laufendes Notebook, welches mit einem hochauflösenden Touchscreen daherkommt. In der Presse und im Web ist das Chromebook Pixel ja ausgiebig behandelt worden. Hier noch zum Wochenausklang ein kurzer Abriss mit ein paar persönlichen Gedanken.


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Das Chromebook Pixel lässt sich direkt auf dieser Google-Seite ordern. Dort finden sich auch die Technikdaten: Ein 12,85 Zoll großer Bildschirm mit 2.560 x 1.700 Pixel Auflösung (239 PPI), einer Bildschirmhelligkeit von 400 nit und einem Ablesewinkel von 178 Grad. Die Auflösung ist bemerkenswert und als Neuerung hebt Google den Multi-Touchscreen mit Gorilla Glas hervor. Die Tastatur ist mit einer Hintergrundbeleuchtung versehen und besitzt ein großes Touchpad.

(Quelle)

Zudem weist das Chromebook Pixel eine 720p HD-Kamera, 4 GB DDR3 RAM sowie 32 GByte oder 64 GByte (beim LTE-Modell) an SSD-Speicher auf. Google stellt 1.000 GByte Speicher online über Google Drive zur Verfügung.

Im Gerät werkelt ein Intel® Core™ i5-Prozessor (Dual Core 1,8 GHz) sowie eine integrierte Intel® HD Graphics 4000-Einheit. Die Netwerkanbindung erfolgt über Dualband WLAN 802.11 a/b/g/n oder über LTE (beim 64 GB LTE-Modell). Zusätzlich wird Bluetooth unterstützt und Gerät besitzt 2 USB 2.0-Anschlüsse, einen Mini-Display-Port sowie einen 2-in1-Kartenleser für SD- und MMC-Speicherkarten.

Das Chromebook kommt mit einer aktiven Kühlung in einem eloxierten Aluminium-Gehäuse daher und besitzt eine Größe von 297,7 x 224,6 x 16,2 mm, bei einem Gewicht von 1,52 kg. Das 59 Wh-Akku soll bei aktiver Nutzung bis zu 5 Stunden halten. Die Specs sind z.B. auf dieser Seite (und hier) abrufbar. Weitere Details finden sich auf dieser Google-Supportseite (gelöscht). Als Preis werden 1.300 US Dollar genannt.

Die Presse überschlägt sich …

Für mich recht bemerkenswert: Während die Meldung bei mir fast folgenlos vorbei schwirrte, überschlägt sich die deutschsprachige Presse mit der Berichterstattung über das Chromebook Pixel. Hier eine Linkliste diverser Artikel in deutschen und englischsprachigen Medien.

Chromebook-Pixel bei Spiegel Online
Google-Notebook soll mit Apples MacBook konkurrieren (Zeit)
Chromebook Pixel mit Touchscreen und hochauflösendem Display
Google stellt Chromebook Pixel zum Preis von 1300 Dollar vor
Chromebook Pixel: Der Retina-Macbook-Killer? (Bild.de)
Zweifel an Google Chromebook Pixel (Frankfurter Rundschau)
Chromebook Pixel bei Fokus-Online

Google: Chromebook Pixel bei heise.de
Chromebook Pixel bootet Linux (heise.de)
CNet-Review (Englisch)


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Ich habe die Techseiten mal von den Massenmedien abgesetzt. Es lässt sich feststellen, dass Google mit dem Chromebook Pixel die Aufmerksamkeit der Massenmedien erringen konnte. Hintergrund ist wohl, dass die Auflösung des Touchbildschirms höher als beim Apple Macbook Air liegt.  Aber Cnet bringt es auf den Punkt Brilliant touch screen, hefty price.

Ein paar Gedanken zum Chromebook

Ich kann nicht beurteilen, ob die Displayauflösung beim Arbeiten wirklich so viel mehr bringt. Was ich aber weiß: Physik lässt sich nicht überlisten. Bei steigender Auflösung wächst die Zahl der Bildschirmpunkte, die ich ansteuern und mit Energie versorgen muss, quadratisch. So weit ich es am Rand mitbekommen haben, hat Apple bei seinen Macbooks bereits die Lektion kennen gelernt, dass die höhere Retina-Auflösung kräftig auf die Akkulaufzeit geht. Die Akkus der neuen Macbook Air-Geräte und der iPads haben zwar eine höhere Kapazität, aber meist eine geringere Laufzeit. Und die angegebenen 5 Stunden Laufzeit für das Chromebook Pixel reißen mich nicht vom Hocker.

Der hochauflösende Touchscreen wäre vielleicht noch etwas, was Begeisterung hervorrufen könnte. Aber da habe ich persönlich meine Probleme, denn bezüglich der Touchbedienung kann ich bereits bei Windows 8 keine Vorteile an Notebooks erkennen. Vielmehr nervt mich das Ganze eher, weil mir die Präzision der Mausbedienung abgeht.

Wo ich so richtig Bauchschmerzen bekomme, ist das von Google anvisierte Konzept der Cloud-Worker. Das Chromebook Pixel kommt mit 32 oder 64 GByte SSD – der restliche Speicher findet sich “in der Cloud” auf Google Drive. Wie cool ist das denn bitte? Wenn ich mobil bin und wirklich an verschiedenen Standorten arbeite, dürften die 5 Stunden Akkulaufzeit mich nicht mal über einen Arbeitstag retten – oder ich muss mich immer auf die Suche nach einer Steckdose machen.

Ist der Speicher bereits arg knapp, kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Bin ich mobil unterwegs, brauche ich einen schnellen Zugriff auf die Cloud. Ob Google sein LTE-Modem auf die europäischen Mobilfunkanbieter abgestimmt hat, weiß ich nicht (keine Lust zum Recherchieren). Aber die Mobilfunkanbindung in Deutschland ist teilweise ein Trauerspiel. Bin ich mal unterwegs, steht abseits der Ballungszentren häufig kein UMTS, sondern nur GPRS- mit Edge zur Verfügung. Sprich: Die Daten tröpfeln nur so aus der Leitung. Aber selbst mit UTMS-Geschwindigkeit macht das Ganze nicht wirklich Laune – speziell, wenn mehrere Leute in einer Funkzelle auf die Idee kommen, mal kräftig Daten herunter zu laden.

Ach, und da wäre noch die Frage, wie ich als Firma oder Privatperson mit Daten in der Cloud umgehe. Bereits 2009 findet sich im Spiegel der Artikel Warnung vor Googles Betriebssystem. Dass Google, Apple, Microsoft & Co. die in der Cloud abgelegten Inhalte scannen und damit Zugriff auf die Dokumente haben, ist in diesem Artikel thematisiert. Lese ich diesen aktuellen Artikel bei heise.de lagern in der Cloud massive datenschutzrechtliche Fallen. Unternehmen und deren ITK-Verantwortliche müssten ja mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn sie sich auf diesen schwankenden Boden begäben. Und jedes Unternehmen tut in meinen Augen auch gut daran, bei Auftragsvergaben dediziert in die Auftragsbedingungen rein zu schreiben, dass der Aufragnehmer sicherstellt, dass die Daten nicht in der Cloud landen.

Fasse ich das Ganze mal zusammen, bleibt vom Chromebook Pixel momentan nur ein furchtbar teures, 1,5 kg schweres Alu-Gehäuse mit hochauflösendem Display, was nix kann, kaum Speicher besitzt und kaum Akkulaufzeit aufweisen kann. Von einem Macbook Air-Killer kann ich nichts erkennen – und wie das einem Notbook mit Windows 8 gefährlich werden könnte, weiß ich auch nicht. Die Frankfurter Rundschau bringt es auf den Punkt “zu teuer). Martin Geuss hat es im Artikel Google bringt das Chromebook Pixel – warum Microsoft langsam panisch werden darf humorvoll adressiert und auch Blogger Caschy bringt hier einen Kommentar, nach dem das Chromebook Pixel für ihn unbrauchbar sei.

Was bleibt? Beim mir der Eindruck, dass wir momentan medial etwas saure Gurken-Zeit haben – und sich die Medien auf jedes Event stürzen, welches Potential haben könnte, einen Gegenpool zu Apple-Nachrichten zu setzen. Das Chromebook Pixel ist vielleicht technisch interessant, läuft aber konzeptionell in massive Probleme und ein kommerzieller Erfolg wird von mir momentan bezweifelt. Überhaupt bin ich mir nicht so ganz sicher, ob wir in 5 Jahren noch wirklich die heiße Liebe zur Cloud hegen. Denn wo das hinführt, hat Microsoft gerade eindrucksvoll demonstriert. Weil ein https-Zertifikat abgelaufen war, konnten Anwender nicht mehr auf den Windows Azure-Datenspeicher zurückgreifen. Nicht auszudenken, wenn da die Infrastruktur im Rahmen eines Cyber-Angriffs gezielt gestört oder lahm gelegt wird. Na, schaun wir mal, welche Volten die IT-Industrie die nächsten Jahre noch schlägt.

Das Allerletzte: Ach ja, heise.de und einige andere Medien habe es ja berichtet. Frickler wie der Google-Angestellte Bill Richardson habe bereits Wege ausbaldovert, um Linux (und nicht nur den Linux-Kern von Chrome OS) auf dem Chromebook Pixel laufen zu lassen. Dafür brauche ich aber kein Chromebook für 1.300 $, sondern ein simples Netbook reicht da vollkommen aus.


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1 Antwort zu Gedanken zum Chromebook Pixel

  1. HansS sagt:

    Danke, der beste Kommentar, den ich in den letzten Tagen zu diesem Thema gelesen habe.

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