Google Glass kommt, richtig gut?

So, wie es ausschaut, ist jetzt die Produktion der Google Datenbrille “Google Glass” angelaufen und erste Exemplare werden an Entwickler und Tester der ersten Stunde ausgeliefert. Gleichzeitig hat Google nun ein paar Details zu dem Teil veröffentlicht, so dass ich einfach mal ein paar Gedanken zusammenfassen möchte.


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Wie heise.de hier berichtet, handelt es sich um ein Modell, welches dem endgültigen Serienmodell nicht entspricht. In der Serie sollen sich noch Änderungen am Konzept ergeben. Google hat gleichzeitig eine API für Google Glass vorgestellt und auch die Technikdaten für die Brille veröffentlicht (siehe).

Eine 5 Megapixel-Kamera kann 720P Videos aufzeichnen und auf den insgesamt 12 GByte Speicher (von 16 GByte) ablegen. Google Glass verwendet eine 802.11B/G WIFI-Verbindung (aus Energiespargründen setzt man nicht auf 802.11N) zur Kommunikation. Zudem ist noch Bluetooth mit an Bord.

Glass01(Quelle: Google)

Laut Google soll das Display in der optischen Wahrnehmung einem 25-Zoll HD-Bildschirm entsprechen, der in ca. 2,40 m (8 Fuß) Entfernung aufgestellt ist. TheVerge.com berichtet hier von einer 640 x 360 Pixel Auflösung – ziemlich mickrig, wenn ihr mich fragt. Das Akku soll einen Arbeitstag lang (bei typischer Nutzung, was immer das heißen mag) halten. Laden lässt sich das Ganze über eine microUSB-Buchse. Wie sich das Ganze “anschaut”, lässt sich auf der Google Glass Startseite in einem Video betrachten.

Meine 2 Senf (konnte ich mir nicht verkneifen)

Abschließend noch ein paar Gedanken rund um das Thema. Im Internet fahren die Tech-Geeks ja voll auf diese Datenbrille ab. Könnte sein, dass Google Glass in entwickelten Ländern seine Liebhaber findet. Aber bei Licht betrachtet, ist die Datenbrille überflüssig wie ein Kropf. Warum? Ein weniger als briefmarkengroßes Display, welches mir in der rechten oberen Gesichtshälfte eingeblendet wird, hat natürlich den enormen Charm meiner 3 Wochen getragenen Socken. Stellt euch mal 2,5 Meter von eurem Desktop-Monitor und schaut dann, wie viel da noch zu erkennen ist.

So nebenbei bemerkt, es soll ja Leute geben, die eine (Lese-)Brille benötigen. Google hat zwar mal etwas verlauten lassen, dass “man auch Google Glass für Brillenträger” anschieben wolle. Hört sich gut an, allerdings empfehle ich den Leuten, die da sagen “kein Problem, gibt’s eine Spezialbrille”, mal ein Gespräch mit dem Optiker. Wer über eine bestimmte Brillenstärke hinaus ist, kennt den Trum, Linsen zu finden, die sowohl im Nah- als im Fernbereich verwendbar sind. Und jetzt kommt quasi noch eine “Makro-Ebene” direkt vor dem Auge dazu. Klar, man kann da einen entsprechenden Linsenbereich schleifen, so dass die Glass-Anzeige scharf rüber kommt. Aber dann reden wir von echtem “Luxus”, den der Optiker liefert wird. Fielmann wird da nicht mithalten wollen.

Und wie das Teil sich in der prallen Sonne verhält, ob da noch optisch was zu erkennen ist – da würde ich zumindest ein Fragezeichen dran machen. Google weist in seiner FAQ auch darauf hin, dass “Scuba diving” (also Tauchen mit der Brille) ein absolutes no go sei. Eine geniale Möglichkeit wäre ja die assistive Unterstützung beim Autofahren durch aumented Reality und Navigation. Allerdings: Aus gutem Grund haben viele Behörden die Verwendung von mobilen Geräten für den Fahrer verboten. Da rollt das nächste Problem auf die stolzen Besitzer des Teils zu.


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Und abseits der optisch/technischen Ebene gibt es da noch die datenschutzrechtliche Ebene. Gibt zwar schon erste Techblogs, die zwischen den Zeilen maulen “kann ja nicht mehr lange dauern, bis sich Widerstand regt”. Mal Hand auf’s Herz: Wir wollen nicht, dass unsere Häuser mit Google Streetview aufgenommen werden. Wir legen Wert auf Datenschutz bei unseren Daten und wir fordern – meiner Ansicht nach zu Recht – eine gewisse Art von Privatsphäre. Wer Bilder von Personen aufnimmt und diese im öffentlichen Raum bereitstellt, muss zig Rechtsvorschriften a la Recht am Bild beachten. Leitete ich IP-Adressen von Spammern, die in meinem Blog täglich massenhaft einschlagen, an eine öffentliche Spam-Datenbank zum Abgleich weiter, verstieße ich gegen EU-Recht.

Und da glaubt ihr wirklich, dass Google Glass problemlos von Hinz und Kunz getragen und im Alltag benutzt werden könnte? Und die Daten werden dann per Blaufunk und Smartphone zu Google und anderen Diensten hochgeladen – mit dem Segen der Datenschützer und der “Gefilmten”? Träumt ruhig weiter – ich sehe es mal so: Google Glass ist ein interessantes Konzept für TechGeeks mit zu viel Geld und viel Zeit. Aber im Alltag erwarte ich doch gewaltige technische, administrative und rechtliche Probleme. In der Sonne sieht man nix, Brillenträger lässt Google Glass blind wie Maulwurf Willie zurück und mancher, all zu forsche, TechGeek dürfte wohl auch bald mit “schönen blauen Augen” unterwegs sein. Von daher wird es spannend, zu beobachten, wie das als “Tiger abgesprungene” Google Glass nun wirklich im harten Alltag landet. Schönen Tag noch.

Links:
1: Google Glass FAQ
2: Google Glass Technikdaten
3: Google Glass Startseite


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1 Antwort zu Google Glass kommt, richtig gut?


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  2. Günter Born sagt:

    Kleiner Nachtrag – in diesem Bericht kommen die ersten Unboxing-Videos zum Zuge.

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