Flop Nummer 2: Google Chrome Book?

Mitte März berichtete ich ja im Artikel Samsung und Google Chromebook erhältlich über die neuen, von Google und seinen Partnern erhältlichen Chromebooks. Klein, leicht, billig und mit ohne Windows. Eigentlich ein gutes Zeichen – obwohl ich mir die Frage stellte: Wer braucht das alles? Und startet Google nach Microsofts Windows 8 den nächsten Flog in der aktuellen IT-Geschichte?


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Wer sich mit Chromebooks nicht so auskennt: Das sind quasi Ultrabooks mit SSD-Speicher, auf denen ein auf Linux aufsetzendes Browser-Betriebssystem von Google werkelt. Große Festplatten braucht man nicht, da ja alle Daten “in der Cloud” gelagert werden. Und das Google Chromebook Pixel machte ja mit seinem Retina-Display ziemlich in Technikkreisen Forore.

(Quelle)

Zudem weist das Chromebook Pixel eine 720p HD-Kamera, 4 GB DDR3 RAM sowie 32 GByte oder 64 GByte (beim LTE-Modell) an SSD-Speicher auf. Google stellt 1.000 GByte Speicher online über Google Drive zur Verfügung. Im Gerät werkelt ein Intel® Core™ i5-Prozessor (Dual Core 1,8 GHz) sowie eine integrierte Intel® HD Graphics 4000-Einheit. Die Netwerkanbindung erfolgt über Dualband WLAN 802.11 a/b/g/n oder über LTE (beim 64 GB LTE-Modell). Zusätzlich wird Bluetooth unterstützt und Gerät besitzt 2 USB 2.0-Anschlüsse, einen Mini-Display-Port sowie einen 2-in1-Kartenleser für SD- und MMC-Speicherkarten.

Das Chromebook kommt mit einer aktiven Kühlung in einem eloxierten Aluminium-Gehäuse daher und besitzt eine Größe von 297,7 x 224,6 x 16,2 mm, bei einem Gewicht von 1,52 kg. Das 59 Wh-Akku soll bei aktiver Nutzung bis zu 5 Stunden halten. Die Specs sind z.B. auf dieser Seite (und hier) abrufbar. Weitere Details finden sich auf dieser Google-Supportseite. Als Preis werden 1.300 US Dollar genannt.

Nun ja … in diesem Artikel hatte ich nun auch die Preise anderer Chromebooks genannt: Das Samsung Chromebook XE303C12 ist zum Preis von 299 Euro bei Notebooksbilliger, Cyberport und Saturn erhältlich. Das Modell XE303C12-H01DE (verfügt zusätzlich über ein 3G-Modul) kostet 349,- Euro (UVP). Günstiger ist das Acer C7 Chromebook, welches man wohl bei Saturn, Cyberport, Notebooksbilliger und Amazon für 279 Euro bekommt.

Die spannende Frage am Ende des Tages: Wie verkaufen sich die Dinger eigentlich? Ed Bott hat hier bei ZDnet.com mal einen Blick auf die Zahlen geworfen. Sein Statement “Uh-oh. It looks like Google’s Chromebook has fallen victim to the same malaise that’s affected Windows PCs and Macs.” Eigentlich wären die Teile ja perfekt: Immer dabei, immer eingeschaltet und arbeitsbereit. Messungen der Geräteverteilung beim Abrufen von Internetseiten in den ersten Wochen nach dem Start dieser Chromebooks ergaben, dass da weniger als 1 % Geräte erkannt wurden. Nicht gut.

Das erste Chromebook wurde im Juni 2011 “als Windows-Killer” ausgeliefert. Acer soll wohl weniger als 5.000 Exemplare verkauft haben. Nun gibt es aber mehr und vor allem preisgünstigere Modelle zu kaufen. NetmarketShare weist in seinen Berichten über Betriebssystemverteilungen überhaupt keine Chromebooks aus – die segeln quasi unter der Wahrnehmbarkeitsschwelle.  Am 14. April hat Bott wohl Zahlen von NetMarketShare erbeten und bekommen. Chromebooks haben da einen “Marktanteil” von 0,023 Prozent.


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Man kann nun etwas sarkastisch sein, und das Chromebook als Windows-Killer ansehen. Windows 8 dümpelt ja auch bei 1% Marktanteil (laut ZDNet-Artikel). Da sehen die 0,023% für die Chromebooks zwar immer noch nicht gut, aber auch nicht mehr so schlecht aus. Von daher war meine Schlagzeile vom 2. Flop wohl nicht ganz so weit her geholt. Ach, und noch eine Lehre: Die Tech-Presse hat das Chromebook bei seiner Vorstellung durch Google ja enthusiastisch in den Himmel gehoben. Scheint, als ob die Masse der Benutzer ein deutlicheres Gespür für besitzt, was brauchbar ist und was taugt und was man im Regal links liegen lässt.


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4 Antworten zu Flop Nummer 2: Google Chrome Book?


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  2. Uwe sagt:

    Naja, jetzt mal Butter bei die Fische.
    1% bei was weiß ich wieviel hunderten von Millionen Rechnern, Smartphones und Tablets auf der Welt… Das ist doch für ein Nischen-Produkt eine beachtliche Zahl…
    Wieviel % greifen denn auf diese Seite mit einer PlayStation oder mit einer Nintendo Wii zu? Das wird noch viel weniger sein, oder? Schaut mal eure Analytics Zahlen an…

  3. M. Wittmann sagt:

    Ich hatte das Cromebook gekauft wegen seiner Harware-Eigenschaften und habe es innerhalb 48 Stunden als unbrauchbar und “Schrott” zurückgeben sobald ich merkte, dass man das Gerät durch seine spezielle System-Software weder off-line benutzen kann noch ein anderes Betriebssystem installieren kann und in vielem Weiteren eingeschränkt und gerade dadurch ganz erheblich manipuliert wird.

    M. Wittmann

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  5. Rainer Phantasiename sagt:

    Die Idee hinter den Chromebooks ist erst einmal in Ordnung. Ein einfaches Gerät für 80% der üblichen Arbeiten wie Mail, Briefe schreiben etc. – noch dazu wenig Angriffspunkte für übliche Schadsoftware und ein “immer aktuelles” Betriebssystem.

    Leider sieht das Gesamtkonzept keine (sinnvolle) Möglichkeit vor, offline mit dem Gerät zu arbeiten. Und genau da fangen die Probleme an. Die Netzabdeckung ist auch im Jahr 2013 in Deutschland suboptimal in Bezug auf Mindestbandbreite und Verfügbarkeit. Im ländlichen Raum kann immer noch vielerorts froh sein, wenn man wenigstens einfache Text-Emails über eine wackelige GPRS-Verbindung mit viel Geduld abrufen kann.

    Beim Chromebook sieht es aber so aus, das ALLES aus dem Netz kommt: Anwendungen, Updates, Daten – selbst die einfachsten und banalsten Arbeiten lassen sich nicht (sinnvoll) offline erledigen. Das resultiert absolute Abhängigkeit von Wifi oder 3G. Wifi gibt es aber erst recht nicht flächendeckend und 3G ist auf Grund der Preis- und Traifstrukturen hierzulande kaum bezahlbar, wenn man nicht im Gegenzug viel Zeit mitbringt.

    Das alleine sind bereits Hemmnisse genug. Dennoch wird es schlimmer, wenn man sich Auslieferungszustand und verfügbare Software ansieht – und besonders, wenn man die Bedienung des Gerätes einmal erlebt hat.

    Selbst einfache Dinge wie das Abspielen einer Musikdatei oder eines Videos oder das (verlustfreie) Öffnen eines Word-Dokument oder einer Excel-Tabelle können schnell zur unlösbaren Aufgabe werden. Obwohl die Basis des Systems auf Linux aufgebaut ist, können nicht einfach Applikationen wie beispielsweise Open- oder Libre-Office installiert werden.

    Und dann ist da noch die Sache mit dem Datenschutz…

    Ein Chromebook kann ohne Registrierung bei Google nicht genutzt werden. Die meisten (eigentlich fast alle) im Store verfügbaren Anwendungen erfordern eine zusätzliche(!) Registrierung und die Angabe vieler personenbezogener Daten. Meist gilt US-Recht (oder schlimmeres) und oft sind Angaben zum Entwickler, zum Unternehmen, zum Datenschutz spärlich und grundsätzlich nicht überprüfbar. Dort die Kontrolle zu behalten ist vollständig unmöglich.

    Noch dazu handelt es sich meist um Anwendungen, die auf “Freemium” als Geschäftsmodell basieren. Wer sie dauerhaft und intensiv nutzen will, der muss pro Monat und Jahr dafür bezahlen.

    Natürlich kann man auch auf der spärlichen integrierten SSD ein paar Daten speichern oder einen USB-Stick nutzen. Allerdings ist der Regelfall der, das man seine Datei bei Google in der Cloud speichert und damit jegliche Kontrolle über die Inhalte, deren Verarbeitung, Sicherung und Kontrolle vollständig abgibt. Zudem macht man sich erpressbar – denn auch wenn mit dem Kauf eines Chromebooks von Google großzügige Freikontingente enthalten sind, so folgt zwangsläufig nach Ablauf einer Frist der Zwang zu monatlichen oder jährlichen Zahlungen, will man seine Daten weiterhin nutzen – und die steigen mit zunehmender Datenmenge.

    Aus dem praktisch bestehenden Online-Zwang resultiert eine sehr genaue Möglichkeit zur Nutzungsanalayse und zur Erstellung von Profilen über die Nutzer von Chromebooks.

    Fazit:
    Man macht sich mit der Nutzung eines Chromebooks vollständig gläsern und liefert sich eine großen Anzahl von Unternehmen vollständig aus. Die TOC (also “Total Cost of Ownership”) eines Chromebooks ist nur dann interessant, wenn man das Gerät nicht nutzt – ansonsten ist es teurer, weniger leistungsfähig und schlechter ausgestattet als selbst die billigsten alternativen Geräte vom Lebensmitteldiscounter.

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