Seagate SSHD Hybrid-Festplatte angetestet

Bereits Anfang März hatte ich hier über eine neue Hybrid-Festplattenreihe von Seagate für Notebook- und Desktop-Systeme berichtet. Seagate hat mir zwischenzeitlich ein Exemplar über deren Presseagentur für ein paar Tage zum Testen überlassen. Hier ein paar Eindrücke, meine Irrungen und Wirrungen, und noch ein kurzer Blick über den Schüsselrand.


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Als ich den ursprünglichen Pressetext zur Seagate SSHD der 3. Generation las und den Blog-Beitrag hier schrieb, war ich schon ein Stück weit begeistert. Denn: Festplatten bieten viel Speicherplatz, sind aber (insbesondere in Notebooks) nicht sonderlich schnell. Die Überlegung: Solid-State-Disk werkeln flott, aber die Kapazitäten sind beschränkt und die Teile sind noch teuer. Wie kann man Festplatten mit größerer Kapazität geschwindigkeitsmäßig tunen? Mit Solid-State-Hybrid-Festplatten – wie Seagate meint.


(Quelle: Segate)

Seagate Technology bietet, basierend auf der aktuellen Produktlinie der Solid-State-Hybrid-Festplatten (SSHD), die dritte Generation seiner SSHD-Produkte auf den Markt an. Dazu gehören die Seagate Laptop SSHD, die 7 mm-hohe Seagate Laptop Thin SSHD sowie eine Desktop SSHD:

  • Seagate Laptop SSHD (2,5 Zoll für Notebooks)
  • Seagate Laptop Thin SSHD (2,5 Zoll, 7 mm Bauhöhe für Ultrabooks)
  • Seagate Desktop SSHD (3,5 Zoll für den Desktop-Einsatz)

Die Kapazitäten liegen bei den  Desktop-SSHDs zwischen 1 und 2 TB, die Laptop-Varianten erreichen dagegen 500 GB und 1 TB. Alle Produkte bieten laut Hersteller größte Leistungsfähigkeit und höchstmögliche Kapazität zu einem erschwinglichen Preis.

Angetestet, ein Fall mit Tücken …

Ja, ich gestehe, ich war etwas naiv – sonst hätte ich mir diese Tortur nicht angetan: Festplatte anfordern, in einen Rechner einbauen, mit Betriebssystem/Daten bespielen, testen (na ja, Seagate bietet ein Cloning-Tool, welches den letzten Schritt vereinfacht), Medium sicher löschen, Festplatte ausbauen, Päckchen fertig machen, zur Post latschen und dann auf eigene Kosten zurückschicken. Aber das Thema hat mich interessiert, so dass ich es einfach mal wissen wollte. Und weil ich naiv bin, dachte ich: Du baust die Disk ein, spielst etwas auf und erlebst einen Geschwindigkeitsrausch sondergleichen – kannst Du dann drüber bloggen, um vielleicht anderen Nutzern Hinweise zu geben …

… die angeforderte SSHD-Festplatte kam dann auch nach vielen Wochen als kleines Päckchen. Da ich gerade zufällig einen Medion PC MD 8380 für ein paar Tage vom Hersteller zum Test habe, schien die Gelegenheit günstig. Und weil wir beim Thema Naivität sind: Ich hatte es Segate überlassen, das SSHD-Modell auszuwählen (die sollten schon wissen, was taugt).


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Im Päckchen lag (die hier in der Amazon-Anzeige aufgeführte) Segate Laptop Thin SSHD ST500. Ein Notebook mit SATA 3-Anschluss besitze ich nicht (das Uralt-Teil hat hier noch so was wie PATA) – aber egal. Die Anschlüsse passen auch am Desktop – also flugs angeschlossen und mit dem Test der 2,5-Zoll-Notebook-Disk begonnen. Zum Start dachte ich: “Ist vielleicht keine schlechte Idee, mal ein Windows 8 von der Medion Windows 8 DVD auf der Segate Laptop Thin SSHD ST500 zu installieren. Das ist Praxis, da siehste, wie es im realen Szenario ausschaut.”

Bereits bei der Installation fiel mir aber auf, dass die Installation gefühlt etwas zäh ablief. Ich habe dann ChrystalDisk auf dem System gestartet und die Festplattenparameter der internen Disk und der SSHD ermitteln lassen. Hier die Daten der Disk …

… und hier das intern von Medion verbaute Modell.

Das war dann der Zeitpunkt, wo ich einen Fluch ausgestoßen habe (ich hatte gepennt und hätte der Presseagentur mitteilen sollen, dass ich eine Desktop-SSHD bevorzuge). Denn eine Disk für Notebooks mit 5.400 Umdrehungen ist auf Baugröße und Energieeffizienz, nicht aber auf Leistung getrimmt (soll ja in Ultrabooks werkeln). Da kann sie kaum mit einer Desktop-Festplatte, die meist mit 7.200 Umdrehungen werkelt, mithalten. Ein wirklich realistischer Vergleich würde also schwierig.

Zum Spass habe ich mal einen ATTO-Benchmark mit beiden Disks laufen lassen und mir die Ergebnisse angesehen. Hier der Disk-Benchmark der Segate-SSHD.

Und hier die Benchmark-Ergebnisse der von Medion verbauten Seagate 3,5-Zoll-Desktop-Festplatte (ohne SSHD).

Erwartungsgemäß liegt die Segate SSHD bei Schreibzugriffen und auch beim Lesen deutlich hinter der Desktop-Festplatte. Alleine der größere Umfang der äußeren Sektoren auf der 3,5-Zoll-Desktop-Festplatte führt mit den höheren Schreib-/Lesegeschwindigkeiten zu besseren Werten. Wo die 2,5 Zoll Laptop Thin SSHD ganz gut mithalten kann, ist beim Schreiben kleiner Datenmengen. Nun hatte ich also eine Erklärung für das “gefühlt” zähe Verhalten bei der Windows 8-Installation.

Da die Laptop Thin SSHD ja für Ultrabooks konzipiert wurde, hat dies natürlich sofort einige ungewollte Gedankengänge ausgelöst. Werbemäßig kommen die Ultrabooks ja als Speerspitze der Entwicklung rüber, auch wenn die Akkulaufzeiten noch nicht so der Brüller sind. Ich mag die Ultrabooks ja schon wegen der fehlenden Reparierbarkeit nicht so sonderlich. Die obigen Ergebnisse legen zudem nahe, dass die Kisten zwar teuer, aber dazu auch noch langsam sind. Aber das ist eine andere Baustelle.

Nochmals überdenken und doch noch Testergebnisse

An dieser Stelle war ich dann so weit, dass ich den Test abbrechen, die SSHD einpacken und zurückschicken wollte. Habe dann aber die Presseagentur nochmals angemailt und bekam kurze Zeit später einen Telefonanruf von der Segate-Technik. Im Rückblick hätte dieses Gespräch im Vorfeld stattfinden sollen (dann wäre vieles einfacher und zielgerichteter gewesen). Gut, mit etwas Nachdenken oder mehr Recherche hätte ich auch selbst drauf kommen sollen – aber: erstens fehlt mir dazu momentan die Zeit und der Nerv – und zweitens verhalte ich mich in manchen Testszenarien bewusst doof, glaube alles, was die Werbeprospekte so versprechen – bringt oft unverhoffte Erkenntnisse.

Bei der SSHD ist es nach Aussage der Seagate Technik so, dass der Solid State Disk-Zwischenpuffer keine Beschleunigung der Schreibzugriffe bewirken wird, sondern sich auf das Caching der Lesezugriffe optimiert. Und nach kurzer Überlegung wird dann auch klar, wo das Konzept seine Grenze hat: Liest man große Datenmengen, die verstreut über die Festplatte gespeichert sind, wird der Cache zur Zwischenpufferung nicht ausreichen und der Vorteil der SSHD geht verloren. Ich habe dann einfach mal folgende Tests gefahren:

Windows 8-Start
(Fast-Boot aus)
55 Sekunden (1. Mal) 45 Sekunden (Folgestarts)
App 1 6 Sekunden (1. Mal) 2 Sekunden (Folgeaufrufe)
App 2 5 Sekunden (1. Mal) 2 Sekunden (Folgeaufrufe)

Beim mehrfachen Aufruf bestimmter Anwendungen oder beim Start des Betriebssystems kann der SSHD-Cache eine Optimierung vornehmen. Wie erwartet ergibt sich auch eine Verbesserung der Startzeiten. Ob diese aber auf die SSHD oder auf Windows-eigene Optimierungen zurückgehen, konnte nicht genau geklärt werden (Klartext: Da habe ich mir nicht mehr wirklich die Mühe gemacht, ein Testszenario auszudenken). Denn der gleiche Test auf der internen Desktop-Festplatte ergab ebenfalls eine stark verkürzte Startzeit, nachdem ich die Apps mehrfach gestartet hatte. Und mit Fastboot fällt bei Windows 8 eh eine verkürzte Bootzeit nicht mehr so ins Gewicht.

Und was sagen andere so …

Beim Schreiben dieses Beitrags habe ich dann noch ein wenig geschaut. Western Digital geht ab Sommer mit ähnlichem Zeugs in den Markt, liefert aber nur an OEMs und die Laufwerke brauchen spezielle Adapter (siehe diesen aktuellen heise.de-Bericht). Ich habe dann mal geschaut, ob Amazon.de was weiß. Hier sprangen mir die Attribute “SSD-Geschwindigkeit zum HD-Preis” in’s Auge – also genau das, was bei mir die Überlegung zum Blog-Beitrag angetriggert hatte. Ein Käufer zeigte sich mit der Wahl zufrieden, hatte er doch eine Notebook-Festplatte durch Cloning auf die SSHD übertragen und kam von 2 Minuten Bootzeit auf etwa 20 Sekunden.

Beim US-Anbieter Newegg.com gibt es die Festplatte ebenfalls und aktuell 27 Kundenreviews. Sind durchwegs positiv – heben aber durchgehend auf die “beschleunigten Bootvorgänge” ab – einer bemängelt, dass das Teil nicht so schnell wie erwartet sei. Und es kommt ganz klar heraus: Entgegen der Seagate-Werbeaussage Performs like an SSD ist die SSHD keine Konkurrenz für eine SSD (was ja mein Ansatzpunkt für den Blog-Beitrag war). Aber, die Leute waren zufrieden …

Wer es etwas genauer haben will, die Leute bei storagereview.com testen Festplatten am Fließband. Die Seagate SSHD Thin Review (Gen3 500GB, ST500LM000) ist hier in einem Review behandelt. Gibt viele Diagramme und Vergleiche mit ähnlichen Festplatten. Interessant sind die “real life” Testszenarien, wo sich die Segate SSHD wohl ganz gut schlägt. Fazit der Tester: Ein wirtschaftlicher Ansatz, um noch ein wenig Leistung am Laptop herauszukitzeln, ohne sich gleich in die Kosten einer SSD-Investition zu stürzen. Unter dem Strich macht die SSHD auch das, was sich die Entwickler vorgestellt haben: Real live-Anwendungen etwas beschleunigen – auch wenn sich das alles in Grenzen hält.


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Die Tester adressieren aber auch sehr detailliert das Problem des Ansatzes: Als die ersten SSHD-Modelle von Segate auf den Markt kamen, waren SSDs noch fast unbezahlbar. Aktuell bekommt man eine 128 GByte SSD im Preisbereich der Segate SSHDs – und die Preise werden weiter fallen.

Und damit kommen wir zu meinem Fazit: Ich denke, der Ansatz von Segate, SSD und HD zu verheiraten, ist nicht schlecht. Aber die unterschwellige Werbebotschaft “Du brauchst keine SSD mehr”, ist nicht zu halten. Wer aus seinem Notebook noch ein Quäntchen mehr Leistung herauskitzeln will, kann mit der SSHD liebäugeln. Ob aber das Upgrade auf die SSHD wirklich den erhofften Geschwindigkeitsschub bringt, kann nur jeder persönlich im Praxiseinsatz herausfinden. Mir persönlich erscheinen (rein vom Bauchgefühl) die paar Sekunden schnelleren Startzeiten häufig genutzter Anwendungen einfach zu wenig, um da zu einer solchen Lösung zu greifen. Aber es mag Szenarien geben, wo das gänzlich anders ausschaut.

Auf dem Desktop würde ich daher eher zur SSD greifen – bei Notebooks muss man sehen, ob Platz für eine zusätzliche SSD ist. Unterm Strich: Gestartet bin ich mit hohen Erwartungen, dann habe ich beim ersten Test geflucht und nun bin ich wieder ein Stück schlauer. Und es ist wieder ein Blog-Beitrag mehr. Vielleicht war euch das alles bereits vor dem Lesen klar – dann wurde jedenfalls für diesen Text kein Baum gefällt, um zu Papier verarbeitet zu werden. Und falls nicht, vielleicht hilft der Beitrag bei der Entscheidung Pro oder Kontra SSHD.

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a: Neue Segate Solid-State-Hybrid Festplatten


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4 Antworten zu Seagate SSHD Hybrid-Festplatte angetestet


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  2. moinmoin sagt:

    Schöner Beitrag, Günter.
    Besser kann man den Unterschied SSHD / SSD nicht beschreiben.

  3. Pingback: Gaming PC, ca 600Eur

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  5. PAul Schmarling sagt:

    Schöner Beitrag, Günter.
    Besser kann man den Unterschied SSHD / SSD nicht beschreiben.
    I c h s c h l i e ß e m i c h d i e s e m U r t e i l a n !
    PS 14.06.2015

  6. Schöner Beitrag, Günter.
    Besser kann man den Unterschied SSHD / SSD nicht beschreiben.
    I c h s c h l i e ß e m i c h d i e s e m U r t e i l a n !

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