Meine 2 Cents/Gedanken zu Google Chromecast …

Chromecast Gestern hat Google also unter dem Namen “Chromecast” einen HDMI-Stick für 35 US $ angekündigt, der sich in jeden beliebigen Fernseher mit HDMI-Anschluss einstöpseln lässt. Ermöglicht, Medieninhalte von Tablets oder Smartphones aus Apps auf das TV-Gerät zu übertragen. So einige Leutchen von der Presse überschlagen sich vor Begeisterung. So weit, so gut. Aber vielleicht Zeit, für ein paar grundsätzliche Gedanken meinerseits.


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Ich muss gestehen, ich habe das Live Event von der Google Presseveranstaltung nicht verfolgt und habe mich erst später hingehockt, um ein paar Beiträge zu den vorgestellten Google-Neuheiten zu bloggen. Hatte noch kurz bei techstage.de in den Live-Event reingeschaut – und mir war das Zitat von Fabien Röhlinger hängen geblieben:

“Wir freuen uns anzukündigen, dass Chromecast 35$ kosten wird…”
ACH DU SCHANDE!!!!

Ich hatte das so interpretiert, dass das extrem billig sei – zudem war mir sofort klar, dass es den Stick vorerst nur in den USA geben wird. Heute bin ich noch auf diesen Artikel gestoßen, der Google Chromecast als Dolch für Apples AirPlay sieht. Nun gut.

Es stört irgend was …

Was mich sofort störte, war der Umstand, dass auf dem Stick ein komplettes ChromeOS läuft. Das Wiedergeben von Streaminginhalten aus iOS und Android soll mit Netflix, YouTube, Google Play Movies & TV sowie weiteren Apps möglich sein. Was soll die Erwähnung von ChromeOS ? Brauche ich für den Streaming-Renderer nicht bzw. interessiert den Anwender einen feuchten Kehrricht. Dann bin ich ins Bett gegangen.

Was nun stört, weiß ich mittlerweile – und möchte das in folgenden Abschnitten etwas auseinander fummeln.

Noch ein Streaming-Ansatz … den die Welt nicht braucht!

Heute, am frühen Morgen, als ich mit zwei Nordic Walking-Stöcken durch den Wald stapfte, fielen die Puzzlesteinchen plötzlich an die richtige Stelle und es formte sich ein Bild. Koinzidenz oder nicht – ich habe mich die letzten Tage mit dem Thema DLNA auseinander gesetzt und auch etwas in AirPlay und Miracast hineingeschnuppert. Und da macht man sich spontan so seine Gedanken, wenn einem Chromecast vorgestellt wird. Fummeln wir doch das Ganze etwas auseinander.

  • Apple werkelt mit AirPlay, was die Anwender in einen goldenen Käfig sperren will, da es nur mit der Apple-Welt funktioniert. Wer’s braucht, bitteschön – ein Hoch auf die Fanboys. Und wer etwas bastelfreudiger ist, kann auch einen Windows-Rechner oder ein Android-Gerät zum AirPlay-Empfänger hochrüsten – ich plane in den kommenden Wochen da was an Blog-Beiträgen.
  • Für Leute, die herstellerübergreifend Medieninhalte wie Fotos, Musik und Videos auf Geräte übertragen möchten, gibt es den DLNA-Standard. Mit einem kleinen HDMI-Stick lassen sich auch ältere TV-Geräte für DLNA ertüchtigen. Windows, Android und auch iOS lassen sich dann so trimmen, dass die Inhalte drahtlos auf DLNA-Empfänger übertragen werden können – die gerade online gehende Artikelserie über DLNA zeigt, was geht.
  • Und es gibt Miracast als Standard, der den kompletten Screeninhalt samt Audio (unabhängig von Apps) von einem Miracast-Gerät auf entsprechende Miracast-Empfänger streamen kann. Windows 8.1 wird auf halbwegs aktueller Hardware Miracast unterstützen (wenn die Treiberhersteller mitziehen). Und Android 4.2 soll Miracast auch per Betriebssystem unterstützen.

Fazit: Mit DLNA habe ich die Möglichkeit, Medieninhalte zu streamen – und Miracast verspricht mir, das sich meinen Screen (samt Audio) drahtlos auf andere Geräte mappen kann. Und das erst einmal herstellerunabhängig (wenn die die Hausaufgaben gemacht haben, funktioniert das Ganze auch). Brauche ich eigentlich mehr?

Raus aus AirPlay, rein in den Google-Käfig?

Und nun kommt Google mit Chromecast. heise.de hat es unbewusst im Titel des Artikels Google Chromecast: Noch eine Streaming-Architektur formuliert: Google hat da auch noch was. Bei näherer Betrachtung verdichtet sich bei mir der Eindruck – das braucht die Welt wirklich nicht. Hier ein paar Infokrümel, die mir die letzten 24 Stunden über den Weg gelaufen sind.

  • Google hat Android 4.3 vorgestellt, aber nichts mehr von Miracast-Unterstützung verlauten lassen. Mag sein, dass Miracast noch unterstützt wird – scheint aber keinen besonderen Stellenwert mehr zu haben (ich mag mich täuschen, dann lerne ich halt dazu).
  • Google hat das neue Nexus 7 vorgestellt – abseits des Marketinggeklingel stelle ich fest: Da ist auch von Miracast keine Rede – und statt MHL kommt SlimPort zum Einsatz (die Leute dürfen also losrennen und sich neue Adapter kaufen). Das erneut kein microSD-Kartenslot vorhanden ist, verbuche ich mal als “Beratungsresistenz” seitens Google.
  •  Google verspricht zwar, dass Chromecast auch unter Windows und Mac OS X über Chrome als Browser funktioniere. Hab mir erst überlegt, wie das gehen soll und was an Infrastruktur dahinterstecken muss. heise.de hat es hier implizit ausgepackt:  Der Stick rendert die gestreamten Daten selbst und bekommt vom Handy vereinfacht gesagt nur eine URL geliefert. Das Mobilgerät ist also quasi nur “Fernbedienung” zur Steuerung des Chromecast-Sticks, der mitgeteilt bekommt, was er abspielen soll. Im Klartext: Alles läuft über das Internet – durch Googles Fänge und jetzt wird auch klar, warum ChromeOS da im Stick werkelt.
  • Geht man weiter, heise.de hat es hier auch beschrieben: Bei Google Cast geht alles nur über den Umweg Web: Fotos kann man anzeigen, wenn man sie auf Google+ geladen hat, Musik kann man streamen, wenn sie bei Google Music liegt. Spiele gehen gar nicht, außer vielleicht in der Cloud-Gaming. Es lassen sich also keine Medieninhalte (Daten) vom Mobilgerät auf den Stick streamen. Und das alles in Zeiten von PRISM, TEMPORA und Co.

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Google Chromecast ist also fundamental etwas anderes als bei AirPlay und Miracast, wo das Ganze von Apps unabhängig ist und direkt per WiFi auf die Empfänger gestreamt wird. Oder anders ausgedrückt: Ich will Apple und AirPlay entkommen, um mich mit Haut und Haare Google und Chromecast auszuliefern. Klingt mir wie die Wahl zwischen Pech und Schwefel, um geteert zu werden. Sorry, geht gar nicht.

Aus diesem Blickwinkel ist das Google-Zeugs für mich ein ziemlich totgeborenes Kind, was die Welt nicht wirklich braucht. Sollte Google in Android 4.3 auch noch den Miracast-Support gekippt haben, wäre das der letzte Sargnagel, sich von Android ab- und neuen Mobil-OS-Plattformen zuzuwenden. Aber Chromecast ist heute ja in Deutschland noch nicht verfügbar – und mit DLNA habe ich Lösungen, die auch ohne deren Stick funktionieren.

Was mich allerdings kollossal ärgert: Irgendwie wird der Konsument doch offensichtlich als Kaufvieh eingestuft – wir rufen einen Standard aus, und kippen den zwei Wochen später durch den nächsten Standard, oder machen gleich was herstellerspezifisches – und die Fanboys machen das alles klaglos mit. Gestern war MHL bei High-End-Smartphones der letzte Schrei, heute gehen wir auf SlimPort, ohne neue Adapter geht da nix. Bei Apple geht es beim Dock genau so.

Im Hinblick auf herstellerübergreifende Standards brauchen wir neben DLNA, Intels schon gestorbener Wireless Display Technik, Apples abgeschotteter AirPlay-Choose und dem sich abzeichnenden Miracast nun wirklich keine zusätzliche, herstellerspezifische Lösung.

Ach, und noch was: Mir hängen immer noch die 35 $ für Chromecast mit dem eingangs zitierten Kommentar von Fabian Röhlinger im Hinterkopf. Hinter den Kulissen stehe ich mit verschiedenen Herstellern in Kontakt, weil ich die im Hinblick auf Streaming-Lösungen wie Miracast in die richtige Ecke haben will. Momenten darf aber noch nichts detailliertes sagen, nur so viel: zur IFA oder kurz danach wird es einen HDMI-Stick in der Preiskategorie des Chromecast-Dongle geben, der nicht nur DLNA, sondern noch viel mehr kann. Ich muss zwar noch Testsamples in die Finger bekommen – aber ich freue mich schon riesig auf den Test und warte gespannt, was sich da ergibt.

Aber hey, warum mache ich mir eigentlich Gedanken? Google hat ja gezeigt, dass die ein Produkt, was nicht sofort die Leute bindet, ganz fix rauskicken. Google Reader & Co. lassen grüßen. Getreu dem abgewandelten Sponti-Spruch aus meiner Jugend schließe ich daher den Beitrag mit meinen 2 Cents: Stell dir vor, Google bietet den Chromecast-Stick an und keiner will ihn haben …

Ähnliche Artikel:
a1: Slim Port, was ist das nun schon wieder?
a2: Chromecast: HDMI-Streaming-Stick vorgestellt
a3: Miracast bei Windows 8.1
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2 Responses to Meine 2 Cents/Gedanken zu Google Chromecast …

  1. Günter Born sagt:

    Nachtrag: im offiziellen Blog-Eintrag von Google zu Android 4.3 sieht es so aus, als ob eine Miracast-Unterstützung in der neuen OS-Variante dabei ist, wenn der Begriff auch nicht explizit erwähnt wird.

    Wireless Display for Nexus 7 (2013 edition) and Nexus 10 – project from your tablet to a TV.

  2. Günter Born sagt:

    Noch ein Nachtrag: Carsten Knobloch hat hier auch seine Meinung zum Thema gepostet – habe es erst jetzt gesehen. Er zieht es von einem anderen Standpunkt auf – kommt aber zu einem ähnlichen Schluss, dass er es nicht braucht. Und zum “günstigen Preis” – hatte ich im Artikel ja was angedeutet …

    Nachtrag 2: Noch ein Artikel von Rene Hesse bei Mobiflip zum Thema:

    http://www.mobiflip.de/chromecast-keine-alternative-zu-miracast-airplay-und-co/

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