Chromecast-Emulatoren als Testumgebung – Teil 1

Der von Google kürzlich vorgestellte Chromecast-HDMI-Adapter für 35$ kann zwar wenig und ist in Deutschland nicht verfügbar, hat aber im Web hohe Wellen geschlagen. In den USA war der Adapter binnen Stunden ausverkauft. Zwischenzeitlich gibt es aber Ansätze, Chromecast über Software für verschiedene Testumgebungen verfügbar zu machen. Im Beitrag skizziere ich, was es an Ansätzen gibt und zeige, was da mit einem Chromecast-Emulator a la Nodecast möglicherweise geht.


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Worum geht’s?

Chromecast ist ein HDMI-Stick von Google, den es in den USA und Kanada für 35 $ gibt und der sich in eine HDMI-Buchse eines Flachbildschirms oder Fernsehers einstöpseln lässt. Mit Chromecast lässt sich ein TV-Gerät so nachrüsten, dass man über Android- und iOS-Apps (die teilweise noch kommen sollen) und im Google Chrome Browser bestimmte Medieninhalte wie Google Music, Youtube etc. auf den zweiten, am Chromecast-Adapter angeschlossenen Bildschirm (Fernseher) ausgeben kann. Ein paar Infos finden sich in meinem Blog-Beitrag Chromecast: HDMI-Streaming-Stick vorgestellt.

Das Ganze ist zwar ein “goldener Käfig”, da die Weiterreichung der Medieninhalte über Google-Anwendungen auf ein Google-Gerät erfolgt (zumindest nach Googles Intension). Alternative Lösungen wie DLNA oder Miracast leisten ähnliches und mehr (obwohl es Hinweise gibt, dass die Chromecast-Erweiterung für den Chrome Browser auch Miracast-Adapter erkennt – kann ich noch nicht testen, da ich noch auf den Adapter warte). Ein paar Gedanken über den Sinn von Chromecast habe ich hier zusammengefasst – die gelten auch noch, nachdem ich mehr Infos über Chromecast habe. Bezüglich DLNA und Miracast verweise ich auf die am Artikelende verlinkten Blog-Beiträge.

Die Google Chromecast-App zum Einrichten des Empfängers gibt es wohl hier im Play Store – aber ohne Chromecast-HDMI-Stick für mich nutzlos – und zudem ist das Teil mit keinem meiner Androiden kompatibel. Da technisch nicht so enorm viel hinter dem Chromecast-Konzept steckt: Die Anwendung teilt dem Chromecast-Adapter – grob gesprochen – die URL des wiederzugebenden Inhalts mit, und sagt “zeige das an”, gibt es inzwischen eine Menge Bastler, die den Chromecast-Adapter ersetzen wollen.


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Welche Ersatzlösungen sind in Entwicklung?

Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis Entwickler sich des Themas angenommen haben. Zwischenzeitlich sind einige Proof-of-Concepts entstanden, die die Runde durch’s Web machen. So gibt es eine App von einem Entwickler namens Koush, der die Chromecast-Wiedergabe aus beliebigen Apps unter Cyanogenmod ermöglicht (siehe z.B. hier). Ermöglicht auch lokale Medieninhalte an Chromecast zu streamen. Ganz nett, aber ohne Chromecast-HDMI-Stick ziemlich sinnfrei.

Bei Giga.de hat Steffen Pochanke eine kleine Zusammenfassung verschiedener Mods veröffentlicht. Der in meinen Augen interessanteste Ansatz ist CheapCast – eine Lösung von Sebastian Mauer. Ich hatte vor ein paar Tagen im Artikel CheapCast: Googles Chromecast für Arme? kurz darüber berichtet. Sebastian hat wohl einen Chromecast-Emulator in Java entwickelt, der auf einem Androiden als Empfänger für entsprechende Inhalte fungieren kann. Problem: Das Teil ist unfertig, außer einem Video mit der Demonstration des Proof of Concept gibt es noch nicht viel. Die Projektvorstellung findet sich in Sebastians Google+-Profil.

Eine andere, sehr spannende Sache, hat mein alter Bekannter, Huihong Luo, momentan am Köcheln. Der Name wird euch nichts sagen, aber bei VMLite und VMLite XP Mode wird es bei dem einen oder anderen Leser klingeln – und auch VBoot kommt aus dieser Ecke. Zudem haben die Entwickler um Huihong eine Android x86-Implementierung für VMLite bereitgestellt (ich hatte hier und hier drüber gebloggt). Tja, und nun sitzt Huihong Lua an einem Chromecast-Port für den Raspberry Pi – die Beta von rPlay gibt es bereits. Huihong Luo stellt es in diesem Forentread bei VMLite.com vor. War zwar als AirPlay-Empfänger konzipiert, aber eine Chromecast-Emulation scheint hinzugekommen zu sein.

(Quelle: YouTube)


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Bei Youtube gibt es ein Video von Huihong Luo, dass das Ganze vorstellt. Da ich aber momentan noch kein Raspberry Pi habe, nützt mir das nicht so sonderlich viel. [Update: Kurz nach Veröffentlichung dieses Blog-Beitrags hatte ich bereits eine Mail von Huihong Luo, er arbeitet an Binärversionen des Receivers für diverse Plattformen (auch Windows). Könnte also sein, dass ich demnächst über Beta-Versionen dieser Teile berichten kann. Aber wir wollen doch jetzt spielen …

… daher habe ich vor ein paar Tagen nach dem Begriff “Chromecast Emulator Windows” im wilden weiten Internetz suchen lassen. Und dann bin ich auf das Projekt Leapcast gestoßen (wird auch kurz im Giga-Artikel erwähnt). Laut Github-Projektbeschreibung eine “ChromeCast emulation app for any device”. Klang mal richtig gut – der Haken: Eigentlich will ich mir keine Linux-Umgebung mit Python aufsetzen, um mit dem Teil zu frickeln. Man kann zwar auch Python unter Windows einrichten – aber die Hürde war mir (gefühlt) doch zu hoch, um gaaanz fix, und auf die Schnelle in 10 Minuten was hinzufrickeln. Und diese Issues-Seite hat mich auch nicht überzeugt. Dokumentation gibt es auch kaum, man muss sich durchbeißen.

Um keinen falschen Eindruck zu hinterlassen: Ich ziehe meinen Hut vor dem Entwickler, der einen klasse Job gemacht hat. Nur für mich hängen die Trauben (zumindest gefühlt), etwas zu hoch. Aber da war ja noch was …

Ich habe etwas im Google+-Stream von Sebastian Mauer gestöbert und bin auf auf diesen Beitrag von ihm gestoßen. De öchener jung (?) hat sich vom Nodecast-Projekt inspirieren lassen und das ganze Python-Zeugs mal schnell in JavaScript portiert. Das Ganze verwendet das Node.js-Framework und sollte ebenfalls auf verschiedenen Plattformen laufen. Sebastian hat das Teil Nodecast getauft und dann das Projet auf GitHub eingestellt. Klasse Sache! Das wäre doch was zum Experimentieren – JavaScript geht unter Windows und damit müsste der Windows-PC doch binnen weniger Minuten  als Cromecast Emulator zum Laufen zu bringen sein. Sebastian hat ja auch noch ein nettes YouTube-Video mit Proof-of-Concept veröffentlicht.

(Quelle: YouTube)

Na ja, war nicht in ein paar Minuten gestemmt, zumal die Dokumentation zu dem Zeugs denkbar knapp gehalten (genau gesagt, nicht vorhanden) ist und ich einige Male kräftig gegen die Wand gefahren bin. Das ist auch das, was mich mittlerweile am meisten frustiert: Da draußen gibt es ziemlich findige Köpfe, die irgendwelche Apps zusammenfrickeln, das ganze aber ohne jegliche Beschreibung abliefern. Ist bei den Microsoft Windows-Apps so, bei den Android-Apps und bei vielem Apple- und Google-Zeugs läuft es ähnlich. Die Techies kriegen das hin, aber die Masse der Anwender bleibt außen vor. Gut, Mutti wir nicht mit Nodecast experimentieren – aber ich denke, es gibt viele Leute, die mit einer gescheiten Anleitung schon mal was testen und probieren möchten.

Aber nun löppt es hier mit Nodecast– und für die Noobs unter euch beschreibe ich in Teil 2 in einem hands-on-Artikel, wie man Nodecast unter Windows 8.1 (oder jedem anderen Windows, geht aber auch unter Linux bzw. Mac OS X – was ich aber nicht mehr getestet habe), zum Rennen bringt. Damit kann man zur Not ein Windows Tablet mit HDMI-Anschluss als “Chromecast-Dongle” für den heimischen Fernseher umfunktionieren.

Update: In Teil 4 der Artikelreihe zeige ich, wie man mit der Android App Cheapcast ein Android-Smartphone, -Tablet oder TV-Stick zum Chromecast Empfänger hochrüsten kann.

Artikelreihe:
i: Chromecast-Emulatoren als Testumgebung – Teil 1
ii: Nodecast: Chromecast-Emulator how to – Teil 2
iii: Nodecast: Chromecast-Emulator im Hands on – Teil 3
iv: Android Chromecast-Emulator als Beta verfügbar–Teil 4

Ähnliche Artikel:
a1: Chromecast: HDMI-Streaming-Stick vorgestellt
a2: Meine 2 Cents/Gedanken zu Google Chromecast …
a3: Kann Google Chromcast vielleicht Miracast?
a4: Chromecast im Teardown

b1: Miracast bei Windows 8.1
b2: DLNA im hands-on-Experiment
b3: Den Fernseher per inakustik-Stick mit DLNA nachrüsten
b4: DLNA-Streaming unter Android
b5: CheapCast: Googles Chromecast für Arme?

c1: Experimenting with ICS (in Virtualbox, VMlite, VMware)
c2: Testing Android-x86 Ice Cream Sandwich-Image from VMLite
c3: VBoot: Genialer Ansatz zum Booten aus virtuellen Laufwerken


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2 Responses to Chromecast-Emulatoren als Testumgebung – Teil 1

  1. Pingback: LinuxLife Blog » CheapCast als Chromecast-Ersatz im Test

  2. Pingback: LinuxLife Blog » CheapCast als Chromecast-Ersatz im Test sagt:

    Nachdem Google im Update-Posting zur neuen YouTube-Version explizit den Cast-Button und Chromecast und Google TV erwähnt, wollten wir mal ausprobieren, wie man den Button überhaupt nutzen kann. Mangels Google TV sind wir dann auf die Lösung mit CheapCast gestoßen. Dabei handelt es sich um eine App, die aus jedem Android-Gerät ein Pseudo-Chromecast-Gerät macht. Wer ein altes Android-Handy mit HDMI-Ausgang besitzt, kann dieses zum Beispiel an einem großen TV-Gerät anschließen und über ein zweites Handy Videos bei YouTube abspielen. Oder man schließt ein 70-Euro-Android-Handy an die Stereoanlage an, um dann die Musik via Google Play Music darauf zu steuern. Das dürften die praktischsten Einsatzszenarien sein, es gibt aber bestimmt auch noch weitere. Alternativ kann man auch aus dem Chrome-Browser heraus direkt Inhalte auf das Chromecast-Gerät streamen bzw. einen Windows oder Linux-Rechner als Chromecast-Server einrichten. Wie das funktioniert, erklärt diese sehr ausführliche Artikelserie von Günter Born auf borncity.de .

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