Windows XP-Exit-Strategie – Virtualisierung unter Linux – Teil 2

In Teil 1 meiner Artikelreihe hatte ich ja Fragen zum Supportende von Windows XP beantwortet. In Teil 2 habe ich Wege aufgezeigt, Windows XP virtualisiert unter Windows 7 oder Windows 8/8.1 weiter zu betreiben und so alte Programme verwenden zu können. In Teil 3 zeige ich, wie man die gleiche Technik zur Virtualisierung unter Linux verwenden kann.


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Benutzer, die kein neueres Windows-Betriebssystem auf ihrem Rechner verwenden möchten und auf das kostenfreie Linux setzen, brauchen trotzdem nicht auf Windows XP zu verzichten. Nachfolgend stelle ich kurz zwei Linux-Lösungen mit virtualisiertem Windows XP vor.

Ubuntu mit Virtualbox zur Windows XP-Virtualisierung

Ubuntu ist eine kostenlose Linux-Distribution, die sich großer Beliebtheit erfreut. Der Download ist auf dieser Webseite von Cannonical möglich. Mit etwas Glück lässt sich ein Ubuntu als 32- oder 64-Bit-Betriebssystem auf einem älteren Rechner, der bisher für Windows XP genutzt wurde, installieren. Allerdings wird nicht jeder mit Linux bzw. Ubuntu wirklich glücklich und will seine alten Programme aus Windows XP weiter verwenden. Die Idee ist dann, E-Mail und Internet-Surfen unter Ubuntu vorzunehmen, aber bestimmte Windows-Programme weiter unter Windows XP einzusetzen. Verzichtet man unter Windows XP auf die Interneteinbindung, sollte der Betrieb sicher sein.

Im ersten Schritt muss Ubuntu über das Software Center (siehe obiges Bild) zur Virtualisierung ertüchtigt werden. Hierzu lässt man nach VirtuaBox suchen und installiert das betreffende Paket. Für Windows-Umsteiger bietet Cannonical diese Seite mit Informationen zur Softwareinstallation.

Anschließend ist VirtualBox aufzurufen (siehe obiges Bild) und eine virtuelle Maschine aufzusetzen. Man kann in der linken Leiste auf die oberste Schaltfläche Dash Home klicken und dort nach VirtualBox suchen. Möglicherweise wird aber auch VirtualBox als Schaltfläche in der linken Seitenleiste eingeblendet. Anschließend kann man eine Windows XP Installations-CD/DVD zur Installation verwenden.

Sobald Windows XP erfolgreich installiert ist, durchläuft man die üblichen Installationsschritte. Bei Virtualbox ist die rechte Strg-Taste die sogenannte Host-Taste, mit der die im Virtualisierungsfenster gefangene Maus freigegeben wird. Bei meinem Kurztest (Ubuntu lief virtualisiert in VMware Workstation) gab es zuerst das Problem, dass ich keinen Mauszeiger verfügbar hatte. Ich habe die ersten Installationsschritte zum Einschalten des automatischen Update daher mittels der Tab- und Eingabetaste abgeschlossen. Irgendwann konnte die Mauszeigerintegration mit Host+I abgeschaltet werden und ich hatte einen Mauszeiger im Fenster der virtuellen Maschine. Dann ließ sich auch die Desktop-Auflösung von 800 x 600 Pixel auf höhere Werte setzen. Hier ist noch ein Screenshot des Ubuntu-Desktop mit dem Virtualbox-Fenster, in dem Windows XP läuft.


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Ich habe hier die virtuelle Maschine so konfiguriert, dass keine Internetverbindung existiert. Man sieht also, dass auch unter Linux kein Verzicht auf Windows XP notwendig ist.


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RoboLinux mit integriertem Virtualbox

Wer sich die Installation von Ubuntu und das Nachrüsten von Virtualbox ersparen möchte, kann auch direkt auf die Linux-Distribution RobLinux umsteigen. Diese basiert auf dem Debian-Zweig und wird auf dieser Webseite beschrieben. Das Projekt wirbt gezielt damit, dass man Windows XP auch ausführen kann. Der Download der eigentlich kostenfreien Version ist mir einer kleinen Spende von 1 US $ gekoppelt. Wer RoboLinux nur mal kurz antesten und dafür keine Spende über PayPal überweisen möchte, findet die 32- und 64-Bit-Version der aktuellen RoboLinux-Version als ISO-Datei auf dieser SourceFore-Seite. Die heruntergeladene ISO-Datei (2 GByte) ist dann als Installationsmedium auf eine DVD zu brennen (in Windows 7 z.B. per Kontextmenü Datenträgerabbild brennen).

Danach kann von dieser DVD gebootet und RoboLinux wahlweise als Live System zum Testen gebootet oder die Installation angestoßen werden (siehe obiger Screenshot). Ist RoboLinux gebootet und ein Benutzer angemeldet, stellt das Betriebssystem bereits die Virtualisierungsumgebung in der linken Leiste bereit. Man braucht also nur noch VirtualBox anzuwählen und kann dann Windows XP von einer Setup-DVD installieren.

Der obige Screenshot zeigt den RoboLinux-Desktop mit einer Verknüpfung zum Herunterladen des Windows XP oder 7 VM-Installers. Über das am linken Rand einblendbare Menü erhält man zudem Zugriff auf die Robolinux VM System Installer, kann also Windows XP einrichten. Über das Menü sind auch bereits vorinstallierte Grafikprogramme, LibreOffice, der Internet-Browser Firefox und ein E-Mail-Client abrufbar. Die RoboLinux-Webseiten enthalten Tutorials zur Installation und zum Betrieb.

Mit den hier skizzierten beiden Lösungen lässt sich ein Rechner auf Linux umrüsten und dann ein Windows XP virtualisiert unter Linux betreiben. Durch die unterschiedlichen Host- und Gast-Betriebssysteme sind die Systeme noch schwieriger durch Malware angreifbar. In diesem Beitrag findet sich noch eine Übersicht über vier Linux-Distributionen als Ersatz für Windows XP. Das dort erwähnte LinuxMint setzte ich hier auch gelegentlich in Tests (z.B. auf einem Eee PC 701) ein. Im Virtualisierungskanal meines Blogs finden sich weitere Informationen rund um das Thema Virtualisierung.

Das, was hier in Teil 2 und Teil 3 im Hinblick auf die Virtualisierung mittels Virtualbox unter Windows oder Linux besprochen wurde, lässt sich auch mit VMware Workstation realisieren (auch dieses Programm steht als Linux-Variante zur Verfügung, ist aber kostenpflichtig). Und es besteht die Möglichkeit, einen Mac mit OS X als Hostsystem einzusetzen, um Windows XP dann mittels Fusion (die VMware-Virtualisierungslösung für den Mac) oder mittels Virtualbox zu virtualisieren. Dieses Szenario beschreibe ich allerdings nicht.

Im letzten Teil befasse ich mich noch mit der Frage, wie sich Windows XP ggf. anpassen lässt. So braucht man in der virtualisierten Umgebung nach meinem Geschmack keinen Media Player, ggf. kein Outlook Express, keinen Internet Explorer 6 etc. Windows XP lässt sich um diese Funktionen entkernen, so dass nicht nur der “Fußabdruck” in Punkto Festplatten- und Arbeitsspeicher geringer wird. Man entfernt auch potentiell angreifbare Funktionen aus dem Betriebssystem.

Artikelreihe:
i: Windows XP-Supportende–und nun?
ii: Windows XP-Exit-Strategie – Virtualisierung in Windows – Teil 1
iii: Windows XP-Exit-Strategie – Virtualisierung unter Linux – Teil 2
iv: Windows XP-Exit-Strategie – Windows XP anpassen – Teil 3

Ähnliche Artikel:
a1: Dell bietet Service zur Windows XP-Migration
a2: Windows XP: Sicherheitslücken und Zero-Day-Exploit
a3: Windows XP: Keine Updates für Security Essentials mehr
a4: StartUbuntu-Iniative auf das Supportende von Windows XP
a5: Wochenrückblick und der Abschied von Windows XP (Presseschau meines Interviews)
a6: Microsoft bereitet Partner auf das Ende von Windows XP vor
a7: 2014: Supportende für Windows XP/Office 2003
a8: Windows 7 Nachrichtensplitter
a9: HP bringt Windows 7 zurück ….


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6 Antworten zu Windows XP-Exit-Strategie – Virtualisierung unter Linux – Teil 2


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  3. Micha244 sagt:

    Hallo,

    das ist ein guter Beitrag, der WinXP-Nutzern, die nicht unbedingt an Windows festhalten wollen – aber das eine oder andere liebgewonnene oder per Wine etc. unter Linux nicht (richtig) laufende Programm weiter nutzen wollen – sicher helfen wird.
    Denn diese Alternative wird oft nicht beschrieben. Da gibt es fast nur “aktuelles Windows” oder “Komplettumstieg” auf Linux bzw. neuer Rechner mit aktuellem System – bestenfalls noch den Verweis auf das nicht ganz unkritische “Dualboot”.

    Noch ein Zusatztipp zu den Aussagen über Wine im Hauptbeitrag: es gibt eine kommerzielle (kostenpflichtige) Variante von Wine (Crossover von Codeweavers), mit der mehr Windows-Programme unter Linux zum Laufen zu bringen sind. Damit gelingt dann vielleicht doch irgendwann der Komplettumstieg.

    Was Windowsbenutzer mitbringen müssen für den Wechsel in die Linuxwelt sind nur Lernwille und etwas Zeit. Es gibt Hilfe in den Linux-Systemen selbst, im Internet oder in Zeitschriften wie “Easy Linux” (natürlich auch Einsteigerbücher).

    Ich selbst bin übrigens privat seit vielen Jahren reiner Linux-Nutzer, der nur beruflich hin und wieder Windows (per Remote-Client oder in einer virtuellen Maschine) nutzen muss. Mac kenne ich auch, kann aber trotz mancher Vorteile für den Anwender nicht dazu raten, da dort der Abhängigkeitsgrad (und die Fragwürdigkeit von Herstellerentscheidungen) recht heftig sind.

    • Günter Born sagt:

      @Micha244: Danke für die Kommentarergänzung – kann ich unterstützen. Andererseits einfach ein paar persönliche Erfahrungen mit eingestellt.

      Dualboot empfehle ich seit geraumer Zeit nicht mehr (ich habe hier noch ein Tablet, wo Multiboot mit Meego und Android 4.x neben Windows 8.1 gebootet werden kann). Das Thema hat sich mit modernen Windows 8/8.1 UEFI-Rechnern aber ziemlich erledigt. Denn man muss schon tiefer rein, um ein Multiboot mit Windows 8.1 und Linux (Android ist mir momentan keine Lösung geläufig) einzurichten. Eine Virtualbox-Installation löst das Problem auf elegante Weise. Und umgedreht wird auch ein Schuh draus (wenn die alte Windows XP-Hardware leistungsmäßig mitmacht – was aber bei Linux durchaus möglich ist).

      Zu Crossover – in besten SUSE-Tagen (vor dem Verkauf an Novell) hatte ich hier auch das Produkt im Einsatz. Manches ging besser als unter Wine – aber am Ende des Tages bin ich doch immer wieder an Programmen gescheitert, wo ich nicht genügend Pertinenz zur Anpassung hatte. Codeweaver hat das Produkt sicherlich weiter entwickelt – aber man muss schon sehr “hardcore” orientiert sein, um sich da durchzubeißen ;-).

      Zu den “Einsteigerbüchern”: Es ist gut, dass es das noch gibt – meine Achtung vor den Autoren – ich habe diesbezüglich längst das Handtuch geworfen (Buch war nach Druck leider immer bereits veraltet). Und hier stehen zwei Koflers im Schrank (verschiedene Versionen). In den Niederungen der Praxis stellst Du dann schnell fest, dass der Kofler dann doch da aufhört, wo’s detaillierter hätte werden müssen – und landest in den Man-pages oder befragst Internet Suchmaschinen, ob jemand zufällig was mehr weiß. Nix ist so kreativ wie die Maintainer der diversen Linux Distributionen ;-).

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  5. Micha244 sagt:

    Hallo, das war ja eine schnelle Reaktion.

    Dualboot bei aktuellen Systemen ist wirklich dank dieser “genialen” Erfindung UEFI bzw. dessen fehlerhafter Umsetzung zu einem Martyrium selbst für Spezialisten geworden.
    Bei älteren Sytemen, auf denen noch XP läuft, sollte das aber meist funktionieren. Aktuelle Distributionen erledigen das fast vollautomatisch.

    Wine und Crossover sind einen Versuch wert. Wenn ein Programm nicht (richtig) läuft, dann muß man es eben behalten (Virtualisierung) oder es muß abgelöst werden. Im Privatanwenderbereich finden sich meist Alternativen.

    Einsteigerbücher sollten die Grundlagen und Unterschiede zu anderen Systemen erläutern – das ist für Umsteiger das größte Problem (wo sind die Laufwerke?…) und möglichst aktuell und passend sein (deswegen empfiehlt sich auch eine der bekannten Distributionen für Umsteiger). Ansonsten helfen tatsächlich nur entweder die eingebauten Hilfen oder das Web (ubuntuusers.de z.B. ist sehr hilfreich).

    Eins muß man Umsteigern sagen: Linux-Distributionen sind kein “anderes Windows”. Es ist eine andere Welt. Es gibt andere Probleme als unter Windows. Und es ist nichts für jemanden, der keine Zeit und keine Lust zum Lernen hat – wobei ich der Meinung bin, dass man sich auch bei Windows ein wenig mit dem System auseinandersetzen sollte, nicht nur wegen der Sicherheit (die vielen ferngesteuerten Botnetz-Rechern z.B. sprechen da eine deutliche Sprache).
    Aber umstellen muss sich auch, wer von XP auf Windows 8 geht oder z.B. von einem alten MS Office auf ein aktuelles.
    Und besser vorbereitet sind die, welche sich auch bei Windows nicht nur mit Oberflächenwissen begnügt haben, denen der Datenaustausch mit Nutzern anderer Systeme nicht fremd ist und/oder die schon die diversen OpenSource-Programme unter Windows nutzen: Firefox/Seamonkey/Thunderbird, VLC, Gimp, Scribus, MediathekView …
    Meine Empfehlung: Eine Live-DVD von Ubuntu/Xubuntu/Lubuntu/Ubuntu Gnome …, Linux Mint, Mageia, PCLinuxOS, ZorinOS – um einige der benutzerfreundlichsten zu nennen – nehmen und auf dem Zielsystem (ausgiebig) testen. Wer sich die verschiedenen Linux-Desktops mal ansehen will: “Hybryde Fusion”-Live-DVD nehmen, dort kann man einfach während der Sitzung (!) den Desktop umschalten…

  6. bat sagt:

    Ich suche nach der Möglichkeit, das Windows-Programm ClipMate – eine Multi-Zwischenablage, die auch portable läuft – auf meinem Android 4.4.2 Tablet öffnen zu können, weil ich das Programm auch als ‘Datenbank’ nutze. Bisher las ich stets, eine Virtualisierung von Windows sei nur auf Systemen mit ARM-Prozessoren möglich, weshalb eben nicht auf Android. Ist die hier vorgestellte Lösung für meinen Wunsch einsetzbar? Ein total abgespecktes XP oder gar Win98 würde reichen.

    • Günter Born sagt:

      Kann ich nicht beantworten, da ich ClipMate nicht kenne. Nur Android <> Linux mit Fensteroberfläche. Du wirst alleine daran scheitern, einen Virtualisierer für Android zu finden, da Lime zurückgezogen wurde.

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