Windows XP-Exit-Strategie – Windows XP anpassen – Teil 3

win7 In Teil 1 meiner Artikelreihe hatte ich Fragen zum Supportende von Windows XP beantwortet und in Teil 2, Teil 3  Wege aufgezeigt, um Windows XP virtualisiert unter Windows oder Linux weiter zu betreiben und alte Programme zu nutzen. In diesem Artikel beschreibe ich noch kurz, wie man Windows XP anpassen und das Installationsabbild minimieren kann.


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Windows XP minimieren, ein paar Überlegungen

Je mehr Komponenten ein Betriebssystem hat, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler zu Sicherheitslücken führen. Andererseits braucht man in einem virtualisierten Windows XP eigentlich keinen Windows Media Player, kein Outlook Express, kein Paint, kein WordPad und so weiter. Und häufig kann man auch auf den Internet Explorer und eine ganze Reihe weiterer, unnötiger Funktionen verzichten. Hätte auch den Vorteil, dass Windows XP leichter und schlanker wird. Im Idealfall werden eigentlich nur die Funktionen benötigt, um ein Programm installieren und ausführen zu können.

Ich hatte daher eigentlich erwartet, dass Microsoft vor dem Auslaufen des Supports für Windows XP eine Lösung der Art “MiniWin XP-VM” bringt – also ein auf rudimentäre Funktionen abgespecktes Windows XP, welches als virtuelle Maschine daherkommt. Das ist jetzt keine wilde Idee, denn bei Microsoft arbeitet man in den Entwicklungslabors genau an so etwas. Über das Projekt XaX bzw. Drawbridge hatte ich im Blog, unter anderem im Beitrag Microsofts “Drawbridge”-Projekt vorgestellt, mehrfach berichtet. Es gibt also diese Technologie, sogar in extrem innovativer Variante. Aber das sollte wohl nicht sein.

Google verfügt mit NaCl über das Gleiche, wobei dort die Mikrovirtualisierung bereits eingesetzt wird, um Spiele im Browser laufen zu lassen (siehe mein Beitrag Google Chrome Apps erobern den Desktop). Und diese Webseite enthält sogar Demos, die im Google Chrome Browser ausgeführt werden können.

Eigeninitiative mit nLite

Da Microsoft aber nichts liefert, bleibt uns als Anwender nur die Möglichkeit, nach eigenen Wegen zu suchen, um das Installationsabbild von Windows XP um nicht benötigte Optionen zu bereinigen. Glücklicherweise gibt es seit langem ein kleines Freeware-Tool Namens nLite, mit dem eine angepasste Installationsversion von Windows XP erstellt werden kann. Das kleine Programm sowie das zur Installation benötigte .NET Framework 2.0 gibt es auf dieser Webseite.

Installieren Sie zuerst das .NET Framework 2.0 unter Windows (ich habe es testweise unter Windows XP in einer virtuellen Maschine installiert). Danach installieren Sie das Tool nLite unter Windows.

Windows mit nLite minimieren: Schritt-für-Schritt

Um eine Installationsversion von Windows XP anzupassen, benötigen Sie eine Installations-CD. Legen Sie diese in ein DVD-Laufwerk ein und kopieren Sie den Inhalt der Installations-CD in einen lokalen Ordner der Festplatte. Dieser Schritt kann auch in nLite ausgeführt werden – benötigt wird der Ordner i386 von der CD in einem lokalen Ordner der Festplatte.

Starten Sie nLite über das Startmenü oder eine Desktop-Verknüpfung und durchlaufen Sie die Fenster des nLite-Assistenten. In folgendem Fenster fordert nLite den Pfad zum Ordner an, in dem die Installationsdateien liegen.


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Falls Sie dort die CD angeben, gibt nLite ihnen die Gelegenheit, die Dateien auf die Festplatte zu kopieren. Stellen Sie über die Schaltfläche Suchen den Pfad zum Verzeichnis ein und gehen Sie über die Weiter-Schaltfläche zum nächsten Fenster.

In diesem Fenster legen Sie fest, welche Komponenten im Installationsabbild entfernt werden sollen. Die betreffenden Kontrollkästchen sind zu markieren. Hier habe ich zum Beispiel alle Anwendungen entfernen lassen, da diese in der virtuellen Maschine keinen Sinn machen.

Aber auch Web-Anwendungen wie Outlook Express, der MSN Messenger, der Internet Explorer etc. können meist entfernt werden. Hier gilt es, ggf. auszutesten, was wirklich weg kann – oft lassen sich auch Treiber für nicht benötigte Hardware oder Dienste entfernen. Wenn eine entfernte Komponente für eine verbleibende Funktion gebraucht wird, meldet nLite dies.

In diesem Fenster können Sie die Seriennummer für die unbeaufsichtigte Installation eintragen und über die Steuerelemente der Registerkarten verschieden Optionen anpassen.

Über die Weiter-Schaltfläche geht es zum nächsten Fenster, welches Ihnen die möglichen Schritte anzeigt. Wählen Sie erneut die Weiter-Schaltfläche, um zum nächsten Fenster zu gelangen.

Nun lässt sich in nachfolgend gezeigtem Fenster die ISO-Datei mit dem Installationsabbild über die Schaltfläche Erstelle ISO anlegen. Bei Bedarf können Sie noch verschiedene Optionen anpassen oder weitere Dateien zum Installationsabbild hinzufügen.

Die so erzeugte ISO-Datei lässt sich dann als virtualle CD in einer virtuellen Maschine einbinden. Booten Sie die virtuelle Maschine vom virtuellen CD-Laufwerk, sollte die Windows XP-Installation starten. Dann gilt es, auszutesten, ob die funktional reduzierte Windows XP-Variante funktioniert und die Anforderungen erfüllt. Mit ein wenig Experimentieren sollten Sie sich “schlanke” Windows XP-Installationen anfertigen können, die von allem unnötigen Ballast befreit sind und nur noch die gebrauchten Anwendungen ausführen. Damit möchte ich meine Artikelreihe zum  End of Live von Windows XP und zur Exit-Strategie abschließen. Ich hoffe, es hilft weiter.

Artikelreihe:
i: Windows XP-Supportende–und nun?
ii: Windows XP-Exit-Strategie – Virtualisierung in Windows – Teil 1
iii: Windows XP-Exit-Strategie – Virtualisierung unter Linux – Teil 2
iv: Windows XP-Exit-Strategie – Windows XP anpassen – Teil 3

Ähnliche Artikel:
a1: Dell bietet Service zur Windows XP-Migration
a2: Windows XP: Sicherheitslücken und Zero-Day-Exploit
a3: Windows XP: Keine Updates für Security Essentials mehr
a4: StartUbuntu-Iniative auf das Supportende von Windows XP
a5: Wochenrückblick und der Abschied von Windows XP (Presseschau meines Interviews)
a6: Microsoft bereitet Partner auf das Ende von Windows XP vor
a7: 2014: Supportende für Windows XP/Office 2003
a8: Windows 7 Nachrichtensplitter
a9: HP bringt Windows 7 zurück ….
a10: Windows XP-Supportende: Warnung ab 8. März


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4 Antworten zu Windows XP-Exit-Strategie – Windows XP anpassen – Teil 3


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  2. Jan sagt:

    Lange habe auch ich nLite eingesetzt um Windows zu entschlacken, aber auch um es mit den sonst so zeitraubenden Updates zu versehen.

    Das Tool meiner Wahl unter 7 war weniger gut, ich muss zugeben, der Name ist mir entfallen. Ich stieg um auf die Update-Pakete von Dr.Windows. Die deutlich bekannteren von WinFuture hinterließen zuviele Spuren im System (etwa im OEM-Teil).

    Nun meine Frage, gibt es ein von Ihnen empfohlenes Tool, ein nLite sozusagen, für Windows 8(.1)? Der schon mehrfach (unteranderem von der c’t) aufgezeigte Weg über das WAIK erscheint mir wenig komfortabel. Zumindest nicht so sehr vorgekaut wie es einst nLite tat.

    • Günter Born sagt:

      @Jan: Sorry, hab’s verschwitzt zu antworten. MoinMoin von Deskmodder hat das aber getan. Persönlich bin ich ab Windows 7 kein Freund mehr von solchen Tools, da Microsoft die Struktur des Servicing Stacks geändert hat (wodurch Updates eventuell mehrfach im Servicing Store landen). Wenn man auf Tools setzt, müsste man sicher sein, dass das System auch noch beim nächsten großen Windows-Update funktioniert.

      Updates kann man über WSUS (macht kein Privatanwender), über das von heise.de mit initiierte WSUS Offline-Update oder über das von Peter Schirmer entwickelte GWC.Net sammeln und bei Bedarf dann lokal installieren lassen. Über das Thema plane ich seit längerem einen Blog-Beitrag (oder gleich mehrere), bin nun noch nicht dazu gekommen.

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  4. Jan sagt:

    Ich danke für die Informationen. Wenn sowieso ein größerer Artikel geplant ist, dann bleibe ich bis dahin beim Update-Pack.

    Jenes von Heise war mir bekannt, ich bewieß in der Vergangenheit aber kein glückliches Händchen, so dass die Verwendung von diesem Tool keine Zeitersparnis brachte.

    Insgesamt ging es, wie schon richtig erkannt, darum, die Updates bereits während der Installation zu erledigen.

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