Professionelle Datenrettung, wenn nichts mehr geht

SicherheitDer Verlust wichtiger Daten hat schon so manchen Anwender getroffen – und natürlich liegt keine Datensicherung vor. Sind wirklich wichtige Daten verschwunden, oder lässt sich nicht mehr auf einen Datenträger zugreifen (Brand- oder Wasserschaden), ist guter Rat teuer. Ich hatte kürzlich Gelegenheit zu einem Gespräch mit Datentrettungsprofis. In diesem Blog-Beitrag möchte ich kurz beleuchten, was professionelle Datenretter wie Kroll Ontrack in einem solchen Fall tun können.


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Unverhofft kommt oft – speziell im Hinblick auf Datenverlust. Mal schnell noch ein paar Dateien gelöscht und dann festgestellt, dass Wichtiges dabei war. Oder der Notebook bzw. der Datenspeicher ist plötzlich nicht mehr lesbar. Der größte GAU für viele Anwender ist dann gegeben, wenn man nicht mehr an wirklich wichtige Dateien herankommt. Im Blog habe ich in diversen Artikeln beschrieben, was man bei einer “sterbenden” Disk oder einem nicht mehr erkannten externen Laufwerk überprüfen kann.

a1: Disk-Doktor – Teil I
a2: USB-Stick wird als RAW angezeigt – Disk-Doktor II
a3: USB-Festplatte wird nicht erkannt

Was aber tun, wenn eine Festplatte bereits ausgefallen ist und Daten nicht mehr gesichert werden konnten? Oder die Festplatte ist zwar in Ordnung, aber die Daten wurden gelöscht bzw. sind nicht mehr zugreifbar? Man hat die Partitionierung verändert oder eine Partition sogar formatiert und stellt fest, die Daten sind weg. Von den wirklich harten Fällen wie Feuchtigkeits- oder Brandschaden am Notebook bzw. Rechner ganz zu schweigen.

Wenn wirklich wichtige und nicht mehr anderweitig beschaffbare Daten auf dem Datenträger sind, ist guter Rat teuer. Selbst mit irgendwelchen Datenrettungstools auf dem Datenträger fuhrwerken? Bei wirklich wichtigen Dateien hätte ich da meine Bedenken, da man auch im semiprofessionellen Bereich häufig nicht die richtigen Tools und i.d.R. auch nicht die erforderlichen Erfahrungen zur sicheren Wiederherstellung der Daten hat. Und wenn die Hardware nicht mehr funktioniert (LKW ist über Notebook gefahren), ist eh “Schicht im Schacht”.

Zur Datenrettung gibt es aber professionelle Dienstleister wie Kroll Ontrack, bei denen Datenrettung und –wiederherstellung zum Tagesgeschäft gehört. Ich weiß nicht, wie es Euch geht – aber sollte mir mal so ein Malheur passieren und wichtige Daten sind weg, stellen sich sofort Fragen der Art “Kann ein Dienstleister wie Kroll Ontrack noch was tun?”, “Kümmern die Profis sich ggf. auch um die private Festplatte mit unwiederbringlich gelöschten Fotos?”, “Was kostet mich eine solche Dienstleistung?”, “Soll ich nicht vorher selbst eine Rettung versuchen?”. Man liest zwar gelegentlich in der Presse schon mal den einen oder anderen Artikel, wo Kroll Ontrack oder andere Dienstleister noch Daten von einer Festplatte eines abgebrannten Rechners restaurieren konnten. Aber das sind dann die “spektakulären Fälle”. Mich treibt bei der Lektüre dann immer die unausgesprochene Frage um “und wenn mein Malheur mal nicht zu diesen spektakulären Fällen gehört, macht da eine Anfrage bei Kroll Ontrack Sinn – und auf was muss ich mich kostenmäßig einstellen?”

PeterB-KrollKürzlich hätte ich die Gelegenheit gehabt, im Rahmen eines Blogger-Days, die Labors zur Datenrettung bei Kroll Ontrack in Stuttgart zu besuchen. Aber mir war da (angesichts anderer Termine) der Aufwand für einen Tagestrip nach Stuttgart doch etwas zu hoch. Aber ich habe die Chance genutzt, ein Interview mit Peter Böhret, Managing Director Kroll Ontrack Deutschland, zu führen. War für mich die Gelegenheit, mal ein paar Fragen, die mir schon länger für “den Fall der Fälle” auf den Nägeln brannten, zu klären. Nachfolgend findet ihr daher meine Fragen und die Antworten von Herrn Böhret.

Frage 1: Was kann ich als betroffener Anwender tun, wenn ich unbeabsichtigt Dateien gelöscht habe?


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Zunächst sollten Sie noch einmal genau überlegen, wo sich die Daten befinden könnten und die Suchmöglichkeiten des PCs nutzen – auch mit Blick in den Papierkorb oder auf andere Laufwerke. Vielleicht haben Sie ja auch eine Kopie der Dokumente oder Bilder per E-Mail versandt und finden noch eine Kopie in Ihren Mails. Lassen Sie bei der Suche aber die Ordnerstrukturen auf jeden Fall bestehen: Verschieben, löschen oder kopieren Sie keine Inhalte oder Ordner, damit nicht versehentlich noch vorhandene Daten überschrieben werden.

Sind die Daten tatsächlich gelöscht, gibt es zwei Möglichkeiten: Falls Sie ein Backup Ihrer Daten gemacht haben, können Sie auf diese gesicherten Daten zurückgreifen. Hier sollten Sie allerdings darauf achten, dass Sie die Daten niemals auf die gleiche Festplatte zurücksichern. Falls das Backup doch nicht die aktuelle Version enthält, würden Sie damit auch die noch vorhandenen Daten verlieren. Steht kein aktuelles Backup zur Verfügung, dann können Sie Ihre Daten mit einer Datenrettungs-Software wie Ontrack EasyRecovery wiederherstellen. Sollte das alles nicht helfen, dann ist ein professioneller Datenretter gefragt.

Frage 2: Was soll ich als Anwender vermeiden, wenn Dateien unbeabsichtigt gelöscht wurden?

Viele Nutzer versuchen, Daten selbst zu retten und richten dadurch oft irreversible Schäden an den Dateien an. Daten werden schneller überschrieben, als viele glauben.

Bei einem Datenverlust, egal aufgrund welcher Ursache gilt immer: Stellen Sie auf keinen Fall die Daten wieder auf dem ursprünglichen Laufwerk her. Und speichern Sie keine neuen Daten auf dem Laufwerk, denn es könnte korrupt oder beschädigt sein. Außerdem sollten Sie nie versuchen, eine Korruption durch Formatierung des betroffenen Datenspeichers zu lösen. Am besten ist es, betroffene Laufwerke möglichst schnell aus dem Betrieb zu nehmen.

Frage 3: Welche Lösungen bietet Kroll Ontrack den Kunden bei Datenverlusten an?

Zum einen bieten wir unser beliebtes Werkzeug Ontrack EasyRecovery, als professionelle Lösung für die „Do-it-yourself“ Datenrettung. Die neueste Version des Tools, Ontrack EasyRecovery 11, kann den Zustand von Festplatten überprüfen, Daten in allen gängigen Formaten wiederherstellen und Dateien und Ordner sogar auch dauerhaft und sicher löschen. Zudem unterstützt die Enterprise-Version auch die Datenrettung in virtuellen Umgebungen. Mit dem kostenlosen Download können Betroffene erst prüfen, ob die Dateien sich finden und wiederherstellen lassen, bevor sie die Software kaufen.

Anmerkung: Die Datenrettungssoftware Ontrack EasyRecovery habe ich hier. Die werde ich bei Gelegenheit testen und einen separaten Blog-Beitrag veröffentlichen.

Bei physikalischen Schäden und solchen, die von der Software nicht behoben werden können, sind unsere Datenrettungs-Services das Mittel der Wahl. In unserem Labor und Reinraum können wir mit einer sehr hohen Erfolgsquote in fast allen Fällen von Datenverlust eine Wiederherstellung durchführen. Das reicht von der Rettung einzelner Festplatten mit Head-Crash oder Wasserschäden bis zu komplexen Fällen, in denen Unternehmen einen Datenverlust in virtualisierten Systemen erlitten haben. Für Unternehmen gibt es auch die Möglichkeit, unseren Service über eine Remote-Verbindung in Anspruch zu nehmen.

Frage 4: Was kostet eine Datenrestaurierung? Gibt es da Pauschalen?

Vor der eigentlichen Datenrettung führt Kroll Ontrack im ersten Schritt eine Diagnose durch, bei der das Speichermedium analysiert und der Schaden evaluiert wird. Für diese Diagnose gelten feste Preise, die für HDDs bei 90 Euro netto und für SSDs bei 180 Euro netto beginnen. Danach erhält der Kunde einen übersichtlichen Report, der zeigt, welche Daten wiederherstellbar sind. Zusammen mit der Dateiliste erhalten die Kunden einen Festpreis für die Datenrettung. Die Kosten dafür berechnen sich nach Art und Schwere des Falles und das Aufwands und beginnen bei ca. 800 Euro. Entscheidet sich der Kunde für die Rettung der Daten, entstehen über den Festpreis hinaus keinerlei zusätzliche Kosten.

Anmerkung: Der Punkt “was kostet es”, ging mir immer im Kopf herum, wurde in den Beiträgen, die ich bisher so gelesen habe, aber durch die Bank verschwiegen. Von daher konnte ich mir die Frage natürlich nicht verkneifen und finde es Spitze, dass Herr Böhret da Zahlen als Anhaltspunkte genannt hat.

Frage 5: Wie läuft es ab, wenn der Anwender einen Datenverlust erleidet und von Kroll Ontrack eine Restaurierung haben will?

Die kostenfreie Datenrettungs-Hotline von Kroll Ontrack ist 24 Stunden am Tag erreichbar und gibt bereits eine erste Schadenseinschätzung für den Datenrettungsfall. Medien werden von Kroll Ontrack kostenlos abgeholt.

Im Datenrettungslabor von Kroll Ontrack tauschen die Ingenieure dann bei Bedarf Teile aus, um die Platte auszulesen. Gearbeitet wird immer auf einer Kopie der Daten, nicht am Original. Als einziger Datenretter stellt Kroll Ontrack allen Kunden ein komplettes Verzeichnis der wiederherstellbaren Dateien zur Verfügung und macht ein verbindliches Angebot für die Datenrettung. Erst jetzt entscheidet der Kunde, ob er eine Datenrettung in Auftrag geben möchte.

Für die Datenrettung stellen die Kroll Ontrack Ingenieure in Feinarbeit die Daten Bit für Bit wieder her. Hierfür kommen eigens entwickelte Software-Tools zum Einsatz, die beispielsweise die Wiederherstellung bei verschlüsselten Festplatten um ein Vielfaches beschleunigen und auch mit komplexen Datenstrukturen in RAIDs, virtualisierten Systemen oder ähnlichen Infrastrukturen zurechtkommen.

Ist die Hardware beschädigt, werden die Datenträger in einem unserer staubfreien Reinraum-Arbeitsplätze (Klasse100) bearbeitet. Durch Absprachen mit allen gängigen Festplattenherstellern bleibt auch bei Bearbeitung des Mediums der Garantieanspruch erhalten.

Nach der Datenrettung werden die Daten aus Sicherheitsgründen verschlüsselt. Dann erhält der Kunde das Originalmedium und die wiederhergestellten Daten zurück.

Frage 6: Was soll ich beim Hardwarekauf von Speichermedien beachten, um Fehler zu vermeiden?
(Stichwort: Datenträger mit interner Verschlüsselung)

Datenträger mit interner Verschlüsselung, sogenannte Self-Encrypting-Drives sind in der Tat problematisch. Denn wenn die Rohdaten bereits beim Schreiben auf die Flashspeicher durch den Controller verschlüsselt werden, können selbst wir dem Kunden leider noch nicht weiterhelfen. Hier sind wir auf den Schlüssel des jeweiligen Herstellers angewiesen und nicht alle Hersteller kooperieren mit Datenrettungsanbietern. Wir versuchen aber, mit vielen Herstellern direkt zusammenzuarbeiten, um auch bei Controllerschäden entsprechend schnell reagieren zu können.

Beim Kauf von SSDs sollten Sie also den Einsatzzweck bedenken. Sollen Daten im Fall eines Verlusts wiederherstellbar sein, sollten SSDs ohne interne Verschlüsselung gewählt werden. Immer gilt aber: Greifen Sie beim Kauf von SSDs auf namhafte Hersteller zurück. Da es vergleichsweise einfach ist, aus eingekauften Controllern und Speicherchips eine Festplatte zu bauen, gibt es Hunderte von Herstellern auf dem Markt. Nicht alle dieser Anbieter haben aber auch die Erfahrung, um eine verlässliche Festplatte zu bauen.

Generell raten wir von externen Backup-Medien im 3,5“-Format ab, da diese bauartbedingt eine externe Stromversorgung benötigen und daher relativ schnell ein großer Kabelsalat entsteht. Dies führt in der Folge leicht dazu, dass Kinder, Haustiere oder die Anwender selbst an diesen Kabeln hängen bleiben und die Speichermedien vom Tisch ziehen. Da es sich bei 3,5“-Massenspeichern jedoch fast ausschließlich um traditionelle HDD-Festplatten handelt, die auch noch vergleichsweise schwer sind, sind diese nach einem Sturz fast immer beschädigt. Werden sie darüber hinaus auch noch als reguläre Speichererweiterung genutzt statt als Backup-Laufwerk, besteht ein sehr hohes Risiko eines totalen Datenverlusts.

2,5“-Backup-Medien hingegen benötigen in der Regel keine externe Stromversorgung. Da diese außerdem deutlich leichter sind, entstehen bei einem Sturz geringere Aufprallkräfte, sodass die Laufwerke normalerweise weniger stark beschädigt werden.

Die sicherste Lösung für ein lokales Backup stellt jedoch ein NAS-Laufwerk (Network Attached Storage) dar, das an das private WiFi-Netz angebunden ist. So kann es an einem sicheren Ort untergebracht werden und ist vor etwaigen Schäden gut geschützt. Auch hier sollte man darauf achten, dass das NAS nicht auf eine interne Hardwareverschlüsselung zurückgreift.

Soweit die Antworten auf meine Fragen. Gerade der Punkt Kosten und das Thema “verschlüsselnde Datenspeicher” waren Sachen, die bei mir für Blog-Beiträge eigentlich schon länger auf der Agenda standen. Ich hoffe, es bleibt euch der Anruf bei Kroll-Ontrack erspart. Aber falls das Schadensereignis doch mal auftritt, bietet der Blog-Beitrag vielleicht eine grobe Orientierung zur Vorgehensweise. Und irgendwann in den kommenden Wochen schiebe ich noch einen Blog-Beitrag über das Kroll-Ontrack Datenrettungstool nach – nur stehen momentan hier auf meinem Schmierzettel noch so verdammt viele andere Themen für die Blog-Agenda, die auch abgearbeitet werden wollen. 


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6 Antworten zu Professionelle Datenrettung, wenn nichts mehr geht


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  2. speedy75 sagt:

    Schönen Dank für die ausführlichen Informationen ist doch einiges dabei was man selbst nicht weiss. Wir in unserer Firma haben den Service von Kroll Ontrack schon 2x in Anspruch genommen und sind damit sehr gut gefahren auch wenn es nicht billig war, aber dieses Geld war es uns wert.

  3. Florian Baumann sagt:

    Vielen Dank für diese Infos. Ich hatte ähnliche Preise im Kopf, woraus sich für mich der Schluss ergibt: Wenn Softwarelösungen zur Datenrettung versagen, dann kann man als Privatperson eigentlich nur noch sagen: »Futsch is’ futsch und hin is’ hin.« In den wenigsten Fällen dürfte sich da ein professioneller Datenretter finanziell lohnen.

    Also regelmäßig sichern, sichern, sichern.

    Bzgl. EasyRecovery würde mich mal interessieren, ob es sich von der Funktionalität (nicht von der Bedienung!) lohnt gegenüber kostenlosen Tools wie PhotoRec/Testdisk. PhotoRec hat mir nach einem Platten-Crash meiner Urlaubsfotos vom letzten Sommer retten können (von dem Rest hatte ich vorher eine Sicherung gemacht), daraufhin hat der Autor von mir eine Spende bekommen.

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  5. Thomas Kunze sagt:

    Wenn man regelmäßige Backups erstellt kann man sich solche hohen Ausgaben für datenrettung sparen. Es gibt ausreichend free Software, die Backups voll automatisch in gewünschten Zeitabständen erstellt. Das Einrichten dauert in der Regel maximal 10 Minuten und eine zusätzliche Backup Platte vielleicht 100 Euro.

    Damit fährt man definitv besser als sich die Daten retten zu lassen, wenn es zu spät ist. ;-)

    Viele Grüße
    Thomas

  6. Peter Klie sagt:

    Hallo

    Ich hatte vor kurzem ein ähnliches Problem und ich muss sagen, dass Kroll Ontrack vielleicht die größten sind, aber bei weitem nicht die Preiswertesten. Ich habe von denen für meine Festplatte ein Angebot über 1400.- € bekommen, was mir deutlich zu hoch war. Ich hab mich etwas umgesehen und bin dann zu data-recovery.de gegangen und siehe da, es geht auch für unter 1000.- € genauer gesagt für 665.- ! Ich hab jetzt meine Daten wieder und bin rundum zufrieden.

    Gruß Klie

  7. AnneK sagt:

    Hallo

    Ja, ja… auch ich musste letztens für meine Nachlässigkeit Ängste ausstehen konnte aber zum Glück mit einem Tool meine Daten retten. Aber nicht immer ist es die eigene Nachlässigkeit. Ein Freund hat vor ein paar Monaten eine defekte Festplatte eines verstorbenen Familienmitglieds retten lassen. Niemand wusste, ob eventuell wichtige Daten oder vielleicht auch nette Erinnerungsfotos, etc drauf sind.
    Er hat übrigens gute Erfahrungen mit http://www.deutschland.deadhardrive.com gemacht.
    Ich musste sie ja zum Glück dann doch nicht ausprobieren :-)

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