ING-Bank plant Einkaufsverhalten-basierende Werbung

Mal wieder so ein Fall von "wo Daten anfallen, macht sich schnell jemand einen Kopf, wie er die geschäftsmäßig auswerten kann". Erst am Wochenende habe ich den Blog-Beitrag Nutzt Microsoft Benutzerdaten für politische Werbebotschaften? veröffentlicht, wo Microsoft mit den Kundendaten Kasse machen will. Nun lese ich, dass die niederländische ING-Bank (die Mutter von ING-Diba) ein Pilotprojekt für "Kundenwerbung, basierend auf dem Einkaufsverhalten" plant, welches dann von Dritt-Firmen genutzt werden kann.


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Die Information findet sich offiziell auf den Webseiten der ING-Bank. Bei der Bank fallen Millionen an Transaktionsdaten (Lastschriften, EC-Kartenzahlungen, Überweisungen) auf Kundenkonten an. Big Data machte es möglich: Diese Transaktionsdaten lassen sich so auswerten, dass diese Aufschluss über das Einkaufsverhalten geben. Positiv: Solche Auswertungen scheinen wohl die Regel zu sein, um Betrug zu erkennen und zu verhindern. Wenn plötzlich ungewöhnliche Belastungen auf dem EC- oder Kreditkartenkonto auflaufen, lässt sich beim Kunden nachfragen, ob die Zahlung in Ordnung geht.

Aber die Daten lassen sich auch anders auswerten, wie dieser ZDNet-Artikel ausführt. Stellt die Bank fest, dass ein Kunde häufiger in einem Gartencenter einkauft, wäre dies natürlich für das Gartencenter interessant. An Hand der Daten könnte man diesem Kunden dann zielgerichtete Werbung und Angebote übermitteln. Was natürlich erst einmal ganz harmlos klingt, hat es in sich. Als Bankkunde möchte ich nicht, dass meine Zahlungsdaten ausgewertet und die Ergebnisse an Dritte zwecks Werbung weitergegeben werden. Die niederländische Konsumentenschutzorganisation Consumentenbond stellt dann auch berechtigt die Frage, ob so ein Pilotprojekt überhaupt mit den niederländischen Gesetzen vereinbar sein.

Die ING-Bank betont, dass die Teilnahme an der Pilotstudie nur nach Einwilligung der Kunden erfolge (Opt-In). Die Entwicklung ist aber ein weiteres Indiz, dass gesammelte Daten Begehrlichkeiten wecken. Und die wollen befriedigt werden – wenn nicht legal, dann illegal. Und ob sich die Kunden mit der Einwilligung wirklich bewusst sind, für was sie zustimmen – und wie die Bank die Daten gegen Missbrauch sichert, steht auf einem anderen Blatt. Ich werde auf jeden Fall die ING-Diba da persönlich auf der Watchlist behalten. Ist jetzt ein zweites niederländisches Unternehmen, welches mir in Punkt Datenweitergabe negativ auffällt (siehe TomTom-Artikel in der Link-Liste).

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4 Antworten zu ING-Bank plant Einkaufsverhalten-basierende Werbung

  1. christian sagt:

    Aus ähnlichem Grund habe ich mein Postbankkonto Anfang Februar gekündigt. Eine Angabe im Adressfeld welche ich nur bei der PBank gemacht hatte, kam eines Tages postwendend zurück – als Werbung. Nach einiger Recherche fand ich heraus, dass die PBank wie die Deutsche Post auch Adresshandel betreibt. Von der Post wusste ich dies seit einigen Jahren. Zwar schockiert mich das Verhalten der Bank nicht aber es regt den Brechreiz doch ziemlich an. In meiner Kündigung habe ich besagten Bruch mit dem Datenschutz als Grund angegeben…

    Aber vielleicht übertreibe ich ja auch nur in Sachen Datenschutz mit Protestkündigungen bei Banken, Stromversorgern, Versicherungen etc.. Schließlich werde ich im Kollegen- und Bekanntenkreis ja auch ungläubig angestarrt, dass man mich nicht per Suchmaschine finden kann und dass ich keinen Facebookaccount habe um mein spannendes Leben der Welt zu präsentieren. :)

  2. Marc sagt:

    überall wo Daten anfallen, werden diese besser/schlechter ausgewertet. Auch hier im Blog bekomme ich durch google-cookies ua. bestimmte (zielgerichtete) Werbung.

    Die Frage ist ja grundsätzliche Werbefrei = kostenpflichtig / Werbung = kostenlos
    … weil bspw. der Autor/Blog-Betreiber auch von was leben muss
    Das gleiche ist halt auch bei den Versicherung/Banken usw.

    Bekannter hatte sich erst die Tage geärgert, was für eine Frechheit seiner Voba sich heraus nimmt, die Kontogebühren von 0 (ohne monatl. Mindesumsatz) auf nun 2,90 Euro p.Monat zu erhöhen.
    Meine Frage daraufhin, wer die Löhne/Filialen/EDV usw. zahlen soll, hat wie Baldrian gewirkt ;-)

    Solange man entscheiden kann, finde ich es iO.
    Zumal sich die Frage stellt, wie lange es die Banken in der früheren/heutigen Form in Zukunft geben wird.
    Interessant ist in diesem Zusammenhang evtl. auch PFM – http://www.ibi.de/1317-aktuelle-studie-personal-finance-management.html bzw. http://www.ibi.de/1314-digitalisierung-in-der-finanzdienstleistungsbranche-die-zukunft-des-bankgeschaefts-findet-nicht-in-der-filiale-um-die-ecke-statt.html

    • Günter Born sagt:

      @Marc: Danke für den Einwurf.

      Auch hier im Blog bekomme ich durch google-cookies ua. bestimmte (zielgerichtete) Werbung. …
      Die Frage ist ja grundsätzliche Werbefrei = kostenpflichtig / Werbung = kostenlos … weil bspw. der Autor/Blog-Betreiber auch von was leben muss

      Der ist gut – nur so viel: die Werbeeinnahmen hier liegen unter Harz IV-Niveau, nix von Leben muss. Und über 1/4 der Website-Besucher kommen mit Adblockern …

      Solange man entscheiden kann, finde ich es iO.

      Ist eine schwierige Sache. Ich bringe die Artikel hier, um die Leute zu sensitivieren für so was. Die ING-Bank will es mit Einverständnis des Nutzers angehen. Das Problem sehe ich darin, das Grenzen aufgeweicht und früher oder später überschritten werden. Zweiter Aspekt: Mein Arzt, meine Bank, mein Pastor (wenn ich noch einen hätte) besitzen ein besonderes Vertrauensverhältnis. Ersterer vertraue ich mein Bestes (mein Geld), zweiterem meine Gesundheit bzw. mein Leben und dritterem mein Seelenheil an. Da mag ich nicht auch noch im Nachgang entsprechend datenmäßig ausgewertet werden.

      Zurück zum Artikel: Auch wenn Banken sich irgendwie finanzieren müssen, wird es Grenzen geben. Kein Verständnis habe ich für manchen Glaspalast von Banken – und schau dir an, wie manche Filialen umgebaut werden (Motto "scheißegal, Hauptsache teuer"). Das ist jeweils ein sehr schmaler Grat, auf dem die Vorstände der Banken da wandeln. Ich habe die Kontenumstellung meiner Bank auf Einzelbuchung auch hinter mir. Da kommt jetzt einiges auf den Prüfstand – und wenn es mir zu viel wird, löse ich Konten auf.

  3. Marc sagt:

    die Sensibilisierung ist 100% iO. nur in diesem Zusammenhang sollte man sich halt auch klar sein, dass Leistung nie kostenlos sein kann/wird – das kann man solange drehen und wende wie man will, das wird sich nicht ändern.

    Dein zweiter Aspekt sollte vielmehr sensibilisiert werden, denn würde man gerade diesen Personenkreisen nicht blind vertrauen, hätte es evtl. kein Pfusch, Bankenkrise/ Rentenanlage-Totalverluste, Missbrauchsfälle gegeben.
    Aber Einwände gegen Medikamenten-Service (bspw. über docmorris) direkt aus der Praxis usw. oder eine Krankenkassen/-Zusatzversicherungsberatung, die evtl. relevante Dinge für mich besser abdeckt oä. hätte nichts.

    Auch im Punkt Gigantismus muss/kann ich dir nur zustimmen. Hier wird die EU und Technik jedoch dazu beitragen, dass dies nicht so weiter geht. Denn gerade durch SEPA (IBAN/BIC) steht jedem seit Anfang des Jahres eine große Anzahl von ausländischen Banken zur Verfügung und ob nun die IBAN mit DExxx anfängt oder YYxxx wird zukünftig niemand interessieren – hinzu kommt, dass die dt. Banken die Rechenzentren zentralisiert haben.

    ergänzend div. URLs.:
    http://www.sueddeutsche.de/geld/gebuehren-banken-verabschieden-sich-vom-gratis-konto-1.1839232 bzw. https://www.quirinbank.de/
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/die-besten-gratiskonten/9040808.html
    für jeden was dabei: http://auszeichnungen.fmh.de/

    zurück zur Ausgangsthematik:
    web.de/gmx.de/googlemail usw. haben die gleiche Thematik aufgegriffen – kostenloser Mail-Account gegen Werbung
    private User mieten sich kaum/keine eigene Mail-Server

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