Microsoft Office für’s iPad & Mobile first – Nachbetrachtung

Gestern Abend hat Microsoft Chef Satya Nadella ja unter anderem Microsoft Office für das iPad vorgestellt. In diesem Blog-Beitrag möchte ich noch eine kleine Nachbetrachtung vornehmen, aufzeigen, was nun wirklich Sache ist und erläutern, warum das eine Zäsur sein kann.


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Nachdem ich den Blog-Beitrag Microsoft Office für’s iPad angekündigt–und EMS kommt geschrieben hatte, wurde der Rechner heruntergefahren und ich habe den Feierabend genossen, eine Nacht drüber geschlafen und heute morgen beim Nordic Walking noch ein wenig sortiert sowie danach auch eine kurze Presseschau vorgenommen. Ich muss gestehen, ich war die letzte Zeit teilweise mit einigen Annahmen und Ansichten auf dem Holzweg – und gestern könnten wir eine historische Zäsur für Microsoft erlebt haben. Aber erst einmal etwas sortieren.

Office Mobile für iPhone versus Office für iPad, versus andere Office-Apps

Zuerst vielleicht einmal kurz aufgedröselt, wie man die gestrige Produktankündigung einsortieren muss, ist es doch nicht das erste Office für’s iPad.

  • Alternative Office-Apps: Es gibt viele Anbieter, die Apps zum Anzeigen von Office-Dokumenten bereitstellen. Problem bei diesen Lösungen: Häufig klappt das mit der Anzeige dieser Dokumente dann doch nicht – die nahtlose Integration von Office-Dokumenten, die im geschäftlichen Alltag gefordert wird, war nach meinem Eindruck bisher nicht gegeben.
  • Office Mobile für iPhone: Seit Juni 2013 gibt es von Microsoft ein Office Mobile für iOS (siehe Microsoft Office Mobile kommt für iPhone). Diese Office-Variante (Word, Excel, PowerPoint) ist aber für das iPhone mit seinem kleinen Bildschirm optimiert.
  • Office für iPad: Das ist die gestern vorgestellte neue Office-Suite (siehe folgenden Screenshot), die ab iOS 7 läuft. Es handelt sich dabei um gänzlich neu für das iPad entwickelte Apps, die mit Office Mobile für iPhone nichts gemeinsam haben.

Das muss man im Hinterkopf behalten, wenn man die nachfolgenden Ausführungen werten will. In diesem Artikel von recode.net geht Ina Fried darauf ein, warum Microsoft so lange für Office for iPad gebraucht habe.

Office für iPad & Co.: gratis versus kostenpflichtig, und Apple verdient mit

Microsoft hat bei Office für iPad in meinen Augen ein sehr nutzerfreundliches Modell gewählt.

  • Wer nur Office-Dokumente einsehen und zeigen will, bekommt die Apps für Word, Excel und PowerPoint gratis (siehe obiger Screenshot). Da lässt sich nicht meckern
  • Wer die Office-Dokumente bearbeiten möchte, ist auf ein kostenpflichtiges Office 365-Abonnement angewiesen. Das geht ganz problemlos, man meldet sich mit seinem Office 365-Konto innerhalb der App an und kann dann auch Dokumente bearbeiten. Man kann dann Office 365 auf bis zu 5 Tablet PCs (Android, iPad) und bis zu 5 Desktop-Systemen (Windows, Mac OS X) nutzen.

Das außerhalb von Office für iPad laufende OneNote gibt es ebenfalls gratis. Es geht in der aktuellen Diskussion etwas unter – ich hatte es in diversen Blog-Beiträgen aber bereits thematisiert: Microsoft ist zwar der Hersteller der Apps – diese werden aber über den Apple-iTunes-Store angeboten. Und wenn ein Office 365-Abo genutzt wird, verdient Apple 30% an diesem Abo (siehe diesen Blog-Beitrag und auch diesen Artikel).


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Kostenpflichtig als Abo, die spinnen wohl …


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Kommen wir nochmals auf das Thema kostenpflichtig versus gratis zurück. In den einschlägigen Foren tobt ja bereits die Kommentarschlacht – Tenor “wer ist so blöde, sich ein Office 365-Abo zu leisten?” – und überhaupt, “so bescheuert kann niemand sein, auf einem iPad Office-Dokumente zu erstellen”. Ich muss gestehen, einige dieser Gedanken habe ich hier in älteren Blog-Artikeln auch geäußert – muss mich aber korrigieren, da ich in den falschen Topf geschaut habe und die gestrigen Informationen noch nicht hatte. Die Diskussionen im verlinkten Forum gehen schlicht am Kern vorbei bzw. beruhen auf falschen Annahmen. Hier ein wenig sortiert, wie sich das Ganze für mich darstellt.

  • Office für iPad richtet sich nicht an Susi und Hans in der privaten Wohnstube, die nun ein fettes Office 365-Abo abschließen müssen und dann zahlen, bis sie schwarz werden. Das Office-Paket zielt eindeutig auf die geschäftlichen Anwender, die ihren Mitarbeitern nun problemlos Zugriff auf Office-Dokumente gewähren können.
  • Niemand wird eine riesige Excel-Tabelle, eine PowerPoint-Präsentation oder einen 30 seitigen Bericht auf dem iPad erstellen. Da kommen weiterhin die Windows- oder Mac OS X-Desktops zum Einsatz.
  • Aber um mal schnell ein solches Dokument unterwegs anzusehen, kann man auf die kostenlosen Apps zugreifen und bekommt einen ähnlichen Bedienkomfort, wie man ihn von Microsoft Office 2013 her kennt.
  • Und die Firmen mit großen Office-Installationen werden auf Mietmodelle a la Office 365 setzen. Dann ist es ein leichtes, den Mitarbeitern eine entsprechende Subscription bereitzustellen, damit diese unterwegs auch mal einen Wert in einer Excel-Tabelle ändern, einen Tippfehler in einem Kundenbericht, einer PowerPoint-Präsentation oder einem Angebot per Word- oder PowerPoint-App korrigieren können.

Unter diesem Gesichtspunkt macht der Ansatz von Microsoft sehr viel Sinn und der wird auch genutzt werden. Aus den “einschlägigen Foren” mal diese, diese und diese Stimme, die genau in diese Richtung zeigen. Auch Mashable bringt es mit dem Artikel Microsoft Office for iPad Isn’t Perfect, But It’s What We Needed All Along ziemlich genau auf den Punkt. Und hier hat engadget.com noch ein Review veröffentlicht.

Zum Office 365-Abo gezwungen?

Aber nochmals zurück, zum Rest der Anwenderschar, die sich von diesem “pösen, pösen Microsoft” betrogen sieht, weil sie keine App kaufen darf, sondern in ein Office 365-Abo gezwängt werden soll, um Office-Dokumente bearbeiten zu können. Stimmt so nicht, einfach mal ein wenig aufgedröselt.

  • Wer ein OneDrive-Laufwerk besitzt, hat Zugriff auf Office Online aus eigentlich jedem Browser und könnte die dort abgelegten Office-Dokumente laden, dann kleinere Korrekturen vornehmen und wieder speichern.
  • Es bleibt einem natürlich auch unbenommen, die Änderungen auf einem Windows Tablet PC oder einem Desktop-System vorzunehmen. Da gibt es ja Office 2013 als Kaufversion. Und die älteren Office-Versionen (2007, 2010) tun es auch.
  • “Aber ich will auf dem iPad ändern, kostenlos, mit dem Fuß aufstampf!” Auch kein Problem. Ich hatte in diesem Microsoft Office Mobile kommt für iPhone noch geschrieben, dass diese Version ein Office 365-Abonnement erfordert und dann auf 5 Geräten verwendet werden kann. Microsoft hat zwischenzeitlich die Geschäftsbedingungen geändert – Office Mobile für iPhone ist für private Zwecke kostenlos.

Ich habe es gerade auf dem iPad probiert – lädt man Office Mobile für iPhone kostenlos herunter, kann man Office-Dokumente öffnen, ändern und auch wieder speichern. Alles, was man braucht, ist eine Anmeldung an ein OneDrive-Laufwerk. In Word sieht das Dokument dann so aus.

Nicht sonderlich komfortabel, aber nutzbar. Gegenüber dem Word für iPad liegen allerdings Welten, wie folgender Screenshot zeigt.

Ich hatte noch kein Office 365-Konto eingetragen, daher ist das Dokument schreibgeschützt. Der Screenshot zeigt aber, das zwischen der Office Mobile für iPhone und den Office-Apps für iPad Welten liegen. Wer diesen Komfort zum Bearbeiten will oder braucht, muss halt zahlen. Natürlich wäre es schön, wenn Microsoft da ein Word für iPad zum Preis von 9,99 Euro angeboten hätte. Aber mal ehrlich: Wie viele Millionen Apps müssen die raushauen, um halbwegs die App-Entwicklung finanzieren zu können? Das jetzt von Microsoft gewählte Modell macht schon sehr viel Sinn. Zukünftig wird es eine ähnliche Variante von Office für Android geben (siehe auch).


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Strategiewechsel bei Microsoft: Ich höre wieder auf den Kunden

Gelegentlich hört man, dass Microsoft dann wohl sein eigenes Office auf dem Surface begraben habe, weil man jetzt so was auf dem iPad anbiete. Das ist aber zu kurz und zu viel “in alles innerhalb meines Zauns” gedacht. Gestern fühlte ich mich plötzlich wieder an alte Zeiten erinnert, in denen Bill Gates mit “information at your finger tips” durch die Lande zog und für einen MS-DOS- oder später Windows-Computer auf jeden Schreibtisch warb. Tenor: Wir bieten dem Anwender Lösungen, die er nach seinen Bedürfnissen nutzen kann. Und genau an diese Tradition knüpft Microsoft nun an, will sich aber jetzt als Geräte- und Diensteanbieter positionieren. Und da muss man über den Zaun hinaus agieren.

Der Kunde hat ein iPad? Kein Problem, holen wir ihn dort ab, wo er sich befindet, und stellen ihm auf dem Gerät das Beste, was wir bieten können, zur Verfügung. Er bekommt ein Office für sein iPad, sein iPhone, sein Android und kann sogar Basisfunktionen gratis nutzen. Für weiterführende Bedürfnisse kann er sich kostenpflichtige Funktionen und Dienste hinzubuchen.

Es gibt zwar auch bei Microsoft noch Leute, die das nicht begriffen haben, und auf Geräteebene in Richtung Android oder Apple bashen. Die Marketing-Leute in den Geräte-Sparten müssen ja Produktdifferenzierungen herausspielen, sonst könnte man gleich alles rund um Surface, Windows Phones und sogar Windows einstampfen. Aber auch das wird abnehmen, da bin ich überzeugt von. Das läuft viel subtiler: Ein Windows-Tablet (nicht die RT-Dinger) kann halt mit vielen Vorteilen aufwarten.

  • Mal ganz schnöde: Habe ihr euch jemals Gedanken darüber gemacht, ob und wie man unter Windows drucken kann? Was auf iPad oder unter Android-Geräten zum abendfüllenden Abenteuer wird (meine Blog-Beiträge tauchen immer noch unter den Hitlisten auf), ist unter Windows kein Thema.
  • Oder gibt es jemand, der jemals darüber nachgedacht hat, wo man auf einem Windows-System seine Dokumentdateien speichert, damit man diese auch in einer anderen Anwendung bzw. App öffnen kann? Unter Android geht es auf einer Speicherkarte und im internen Speicher halbwegs – bei iOS brichst Du dir aber die Finger ab. Da wird dann aus der Not eine Tugend gemacht – und die Apps reichen die Dokumente entweder (sofern vorhanden) über Inter-App-Kommunikation an weitere Apps weiter, die dann die Daten im iOS-Silodateisystem speichern. Oder man nudelt das Ganze per Internetverbindung auf Online-Speicher hoch.

Da liegt Windows um Längen vorne – und mit Windows 8.1 hat man bei Microsoft auch ein Tablet-OS, welches alle Vorteile ausspielen kann (auch wenn ich häufig die Details bestimmter Windows 8.1-Features kritisiere). Und weil wir gerade dabei sind – dieser Forenkommentar bringt einfach ein paar weitere, praktische Vorteile auf’s Tablet.

Und nun legen wir mal ein paar Takte zu, lösen uns vom klein-klein und schauen über den Schüsselrand. Das ist mir eigentlich auch erst in den letzten Tagen so richtig klar geworden. Microsoft ist da verdammt gut aufgestellt. Die sitzen mit ihren Geräten und Diensten im Zentrum und können auf verschiedenen Plattformen punkten.

  • Du brauchst als Unternehmen eine BYOD-Lösung, um unterschiedliche Mobilgeräte in eine IT-Infrastruktur einzubinden? Mit Microsoft Azure, Windows Intune und der gestern vorgetellten Microsoft Enterprise Mobility Suite (EMS) hat das Unternehmen die entsprechenden Dienste und Tools im Angebot.
  • Du brauchst ein Office für Mobilgeräte, wobei Du einen Hardware-Zoo aus Windows Phone, Android und iOS-Geräten hast – und Desktops mit Windows oder Mac OS X sollen auch integrierbar sein? Microsoft kann ein entsprechende Office auf allen diesen Plattformen anbieten.
  • Du willst nicht tausende Geräte mit unterschiedlichen Apps verwalten und mühsam per Anwender lizenzmäßig und versionsmäßig aktuell halten? Mit einem Office 365-Abonnement hast Du bereits alles an Bord, um Speicher in der Cloud nutzen zu können. Und die Lizenzierung der Apps bzw. Anwendungen ist auch geklärt. Die Updates spielen wir automatisch ein.

Von den ganzen Diensten rund um Microsoft Azure, Azure Active Directory, Windows Intune, Sharepoint Server, Office 365 und so weiter möchte ich erst gar nicht sprechen. Welche Firma kann da genau so punkten? Google oder Apple oder IBM? Google hat zwar auf Android-Geräten Erfolg, aber wie sieht es mit Apps oder gar übergreifenden Lösungen aus? Apple verkauft zwar iPhones und iPads sowie ein paar Macs, aber außerhalb dieses Kosmos ist da auch nicht mehr viel. Und speziell im Firmenumfeld sieht es mau aus. Aus diesem Blickwinkel finde ich es irre, wie Analysten den Apple-Börsenkurs treiben und das Unternehmen kurmäßig auf “wertvollste Firma der Welt” treiben. IBM oder HP oder Dell oder Oracle sind in Nischen und speziellen Segmenten sicherlich erfolgreich – aber außerhalb der Geschäftswelt kein wirklicher Begriff.

Von daher ist die Argumentation von Satya Nadella in diesem Artikel schon nachvollziehbar – wenn Microsoft das mit funktionierenden Produkten füllen kann. Wenn ich jetzt nichts gravierendes übersehen habe (dieser Forenkommentar stimmt mit meinem Eindruck überein) oder etwas unvorhergesehenes auftritt, sehe ich Microsoft für die Zukunft schon ganz gut aufgestellt. Office for iPad und Office 365 sowie EMS sind eine Wette auf die Zukunft. Die Chance, da wieder ganz vorne mitzuspielen ist jedenfalls da.

Das hier ist übrigens kein von Microsoft bezahlter Werbeartikel – wer meinen Blog liest, weiß, dass ich in vielen Sachen durchaus recht kritisch eingestellt bin und auch mal kräftig vom Leder herziehe. Aber in der Nachbetrachtung sind mir obige Gedanken durch den Kopf gegangen und ich habe mit der Neuskalierung des Ganzen begonnen (trotz eigener Vorbehalte gegen Cloud oder Tablet PC-Nutzung für produktives Arbeiten – aber ich habe Augen und sehe, was um mich herum in der Geschäftswelt abgeht). Habe ich da grobe Denkfehler begangen und liege ich falsch? Oder wie seht ihr das?

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1 Antwort zu Microsoft Office für’s iPad & Mobile first – Nachbetrachtung


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  2. Günter Born sagt:

    Nun hat Microsoft Office Mobile für iPhone auf 1.1.1 aktualisiert.

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