Windows 10 Technical Preview unter Azure testen?

Gerade bin ich über Microsoft Developer Switzerland auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht worden, dass man die Technical Preview von Windows 10 auch ohne Installation aus der Cloud, per Microsoft Azure, testen könne. Könnte ein interessanter Ansatz sein, wenn der einfach und narrensicher gestaltet wäre. Hier einfach ein paar Informationen und Gedanken dazu.


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Die Möglichkeit, Windows 10 Technical Preview über Azure zu testen, ist im Microsoft MSDN-Blog-Beitrag Try the Windows 10 Technical Preview now without having to install it first! beschrieben. Fand ich doch spontan mal Klasse, braucht man sich doch nicht um Download und Installation zu kümmern. Ich hab’s dann mal spontan angetestet …

Was man braucht? Ein MSDN-Abonnement und eine Azure-Subscription. Das Ganze richtet sich an Firmenkunden und Entwickler. Für Startups beschreibt der obige Artikel, wie man über das BizSpark Program an entsprechende Subscriptions kommt. Als MVP verfüge ich über ein solches MSDN-Abonnement. Damit kann man eine begrenzte Anzahl an virtuellen Maschinen für einige Stunden täglich zum Testen betreiben. Oder anders ausgedrückt: Über mein MSDN-Abonnement kann ich monatlich 75 Euro Azur-Leistungen verbraten. Das Ganze klingt gut und sollte in ein paar Minuten eingerichtet sein …

Nachdem ich es es ausprobiert habe, bin ich allerdings mehr als ernüchtert. Nach der Anmeldung am MSDN-Konto durfte ich feststellen, dass ich noch eine Azure-Subscription brauche. Anmeldung mit einem Microsoft-Konto und Anerkennung diverser Bedingungen reicht eigentlich. Nur lese ich mir gerne vorher durch, was ich so anerkennen soll. Erste faustdicke Überraschung: Der Microsoft Online-Abonnement-Vertrag für mein Konto (Sprache war auf deutsch eingestellt) war auf niederländisch eingestellt. Kommt natürlich gut, aber ich verstehe, dass die US-Mitarbeiter deutsch und dutch nicht unbedingt auseinander halten können. Mein Versuch, per Feedback eine Rückmeldung zu geben, scheiterte (es gab kein direktes Feedback-Formular – hab’s dann meinen MVP-Leads mit der Bitte um Meldung auf den Tisch gekippt).

Also ohne den Online-Abonnement-Vertrag gelesen zu haben (mein niederländisch ist grottenschlecht) registriert um dann durch ein zähes Formular mit Telefonverifizierung gelotst zu werden. Nach Bestätigung dauerte es dann fast eine Minute, bis die Registrierung freigegeben wurde (da tobten wohl ein paar Datenbank-Skripte in der Cloud, um Daten zu sortieren). Ich wollte es schon abbrechen, als ich plötzlich die Auswahlseite für Support sah – dort wurden mir alle möglichen, unverständlichen Supportoptionen angeboten und ich habe keine Möglichkeit gesehen, das zu umgehen. Also eine Option ‘Pay per use’ für den Support gewählt und schon sollte ich meine Kreditkartendaten zur Abrechnung eintippen. Dabei wollte ich eigentlich nur kurz schauen, was die virtuelle Maschine von Windows 10 Technical Preview unter Azure so macht. Wollte Microsoft aber nicht – daher habe ich den Registrierungsprozess an dieser Stelle entnervt abgebrochen und bei mir so gedacht “Liebe Microsoft-Leute, so geht’s nicht …”.

In einem zweiten Schritt habe ich mich beim Azure-Konto erneut angemeldet und konnte nach einer halben Minute die Einführungsanimation ansehen. Und dann hatte ich die Azure Konfigurationsoberfläche vor Augen, in der ich nach meiner Azure Windows 10 Technical Preview Enterprise suchen konnte. Hab die auch irgendwann gefunden.

Anschließend wurde ich durch die Einrichtungsschritte mit den Cloud-spezifischen Kollateralschäden (Kennwort mindesten 8 Zeichen, DNS-Name der Maschine muss eindeutig sein usw.) geleitet. Und irgendwann hieß es dann, das die VM mit 1,75 GB Arbeitsspeicher eingerichtet und gestartet würde. Als Speicherort wurde Westeuropa angegeben. Hat dann allerdings recht lange gebraucht, bis sich was tat – wie lange genau, weiß ich nicht, denn ich bin irgendwann zu Mittag gegangen. Ich vermute aber mal, dass die Installation einer lokalen Kopie auf einer halbwegs schnellen Maschinen auch nicht wesentlich langsamer abläuft.

Nach der Mittagspause war die VM eingerichtet. Nach Auswahl der VM konnte ich über die in der Fußzeile des Browsers angezeigte Verbinden-Schaltfläche eine RDP-Verbindung zur VM aufbauen. Unschön, dass die Zertifikate als “nicht verifizierbar” gemeldet werden und man beim Aufbau der RDP-Verbindung Warnungen, dass die Identität des Remote-Rechners nicht festgestellt werden kann, erhält. Aber das RDP-Fenster öffnete sich und nach ca. 2 Minuten war ich durch die Anmeldeprozedur an der Windows 10 Technical Preview und konnte auf den Desktop der Windows 10 TP Enterprise zugreifen.


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Ab diesem Zeitpunkt konnte ich, trotz meiner schmalen DSL-Verbindung, überraschend flott auf die Technical Preview zugreifen und das Ganze könnte sogar Spass machen. Für Entwickler und IT-Leute in Firmen, die mal testen wollen, sicherlich eine nette Sache. 

Allerdings tut sich Microsoft in meinen Augen keinen Gefallen damit, wie die Azure Registrierung und Anmeldung momentan gehandhabt wird. Die hier skizzierte Lösung wird eh nur etwas für Firmen mit MSDN-Account und Möglichkeit zum Zugriff auf Azure-Konten sein. Problem sehe ich (zumindest aus den Erfahrungen meiner Industrietätigkeit), dass die Billing-Mechanismen Microsofts eventuell mit den Gepflogenheiten in Firmen kollidieren. Normalerweise braucht das Rechnungswesen eine Bestellung mit Angaben über die Höhe der Kosten und in größeren Firmen muss das über diverse Unterschriftswege von Prokuristen gezeichnet werden. Da ist das einfach nicht mit “schnell mal was ausprobieren”. Ich kann verstehen, dass Microsoft das alles so abwickelt – ob es aber effizient für die Kunden ist, weiß ich nicht. Irgend einer unter den Blog-Lesern, der da was zu sagen kann oder will? Meine Industrietätigkeit ist über 22 Jahre her Zwinkerndes Smiley.

Was ich allerdings genial fände: Wenn man als Besitzer eines Microsoft Kontos direkt im Browser die Möglichkeit bekäme, eine virtuelle Windows 10 TP-Build unter Azure auszuprobieren. Dann könnten notfalls auch Endanwender risikolos auf solche Maschinen zum Ausprobieren und testen zugreifen. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob da technische oder administrative Hürden entgegen stehen.


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2 Antworten zu Windows 10 Technical Preview unter Azure testen?


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  2. Paule21 sagt:

    Klingt Interessant. Leider habe ich kein MSDN-Abonnement. :-(

  3. Dida sagt:

    Prima Geschichte. aber offensichtlich ist Windows 10 Preview aus dem Katalog entfernt worden. ehr schade.

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