Car Play, Android Auto, Datenschutz und Sicherheit …

Ich habe für diesen Artikel mal ein Halteverbots-Logo verwendet, weil es um das Thema Auto und Car-Entertainment geht. Mit dem Start der CES 2015 in Las Vegas werden wir ja wieder zahlreiche Artikel rund um das Thema Android Auto, Apples Car Play und weitere Lösungen zu lesen bekommen. Heute kehre ich erste Schlagzeilen und “liegengebliebenes” aus diesem Blinkwinkel zusammen.


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Parrot RNB6 Infotainment-System

Scheint wohl gerade auf der CES 2015 vorgestellt zu werden – das Infotainment-System von Parrot, welches in der Mittelkonsole eines PKWs eingebaut wird und dann sowohl Android Auto als auch Apple Car Play unterstützt. Details gibt es kaum – aber bei mobiflip.de hat man einen Artikel veröffentlicht. Erscheint mir aber noch zu viel “rosa Wolken-Kuckucksheim”.

GM OnStar 4G LTE für “connected cars”

Die zweite Lösung der Art “Dinge, die die Welt womöglich nicht braucht”, findet sich hier bei pcworld.com. GM stellt die OnStar 4G LTE-Lösung für seine Flotte vor, und in 2015 sollen über 30 Modelle aus diesem Jahr das System bekommen. Wird für Deutschland eher uninteressant. Der Kunde muss einen LTE-Vertrag abschließen. Und weil man den “Nutzen” verkaufen muss, hat man natürlich auch gleich die Szenarien und Vorteile dieser Lösung aufgezählt. So soll der Fahrer Vorwartungshinweise bekommen, die auf den internen Diagnosedaten beruhen (Akku, Anlasser, Kraftstoffpumpe). Wenn ich’s richtig bedenke, machen die aktuellen PKW-Modelle vieles von dem schon – mich nervt der Hinweis auf den fälligen Ölwechsel jedenfalls enorm, da er mir wichtige Informationen wegblendet und unbewusst die Aufmerksamkeit von anderen Sachen abzieht.

Der Zombie “Fahrerüberwachung” und “Fahrstilüberwachung” für vergünstigte KFZ-Versicherungen wird natürlich auch aus dem Hut gezogen. Ließe sich natürlich weiter führen – wenn deine Fahrdaten per LTE weiter gemeldet werden, hat’s Vorratsdatenspeicherung light. Ort, Geschwindigkeit und so weiter könnten auch von Dritten (Strafverfolgung) angefordert und verwendet werden. Noch ein bisschen Bullshit-Bingo gefällig? Wenn Du so vor dich hin fährst und plötzlich Heißhunger auf Donuts bekommst, wird das OneStar dir den Weg zum nächsten Laden einer ganz bestimmten Kette zeigen. Auch ja, Hotels und Parkplätze kennt es auch, Hörbücher bestimmter Anbieter frisst es sowieso und man munkelt sogar, das Teil könne Kaffee kochen …

Update: Auch VW will mitziehen

Das geht zumindest aus diesem TheVerge-Beitrag hervor. Aussage: Volkswagen will CarPlay und Android Auto in Modellen, die dieses Jahr herauskommen, integrieren. Gilt für die USA und Europa.

Datenschutz im Auto …

Wenn ich die obigen Meldungen so scanne, wird mir persönlich immer äußerst unwohl. Einmal stehe ich auf dem Standpunkt: Wenn etwas nicht im Auto eingebaut ist, kann es nicht ausfallen – und kosten tut es auch nicht. Jedenfalls fallen mir ad-hoc so einige Sachen ein (Autoradio spielt plötzlich keinen Ton mehr, Reset, wie bei Windows durch aus- und einschalten der Zündung behebt den Fehler, PKW startet nicht mehr, weil ein Sensor im Zylinder sporadische Ausfälle zeigt, Sensor zeigt kaputte Batterie an, nachdem Fahrzeug abgewürgt wurde), die mit Fahrzeugen, die wir vor 30 oder 40 Jahren hatten, niemals aufgetreten wären.

Und nun wird also die nächste Stufe gezündet: Alles und jedes wird überwacht – und Online muss alles sein. Man beschwört zwar das Versagen der deutschen Autoindustrie herauf, weil diese keine Antwort auf Apples Car Play oder Googles Android Auto habe. Hier sollte man sich einfach einmal den Anteil der Wertschöpfungskette am Auto anschauen (500  bis 1.000 Euro Car-Entertainment bei einem 25.000 – 40.000 Euro Fahrzeug) und bewerten, nach welchen Kriterien Kunden die Modelle kaufen.

Daher sehe ich auch die aktuellen Entwicklungen wie die kommende EU-Datenschutzverordnung mit “Privacy by design and by deault” als guten Ansatz (sofern da nicht 1000 Ausnahmen kommen). Laut diesem älteren heise.de-Artikel greift der Verband der Automobilindustrie (VDA) den Ansatz zumindest auf. Man hat Datenschutzprinzipien vorgestellt, die Transparenz, Selbstbestimmung und Datensicherheit adressieren. Datenschützer fordern zwar mehr Datenschutz, aber hier macht man sich zumindest mal Gedanken um das Thema.

Ablenkungen durch “Bordcomputer” als Unfallursache


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Ich hatte es oben bereits in einem Nebensatz angerissen: Ablenkung von der eigentlichen Aufgabe, nämlich Beobachtung der Straße und des Verkehrs beim Fahren ist ein Risiko. Ich fühle mich jedenfalls extrem genervt, wenn mir beim Fahren ständig ein Hinweis auf einen in Wochen, beim regulären Wartungstermin, anstehenden Ölwechsel permanent eingeblendet wird. Der Blick fällt unbewusst immer auf die betreffende Anzeige, um dann nach ca. 1 Sekunde zu erkennen: Holla, das ist nicht Ölmangel, Verlust der Bremsflüssigkeit oder ähnlich kritisches, sondern wieder die Ölwechselwarnung. Würde die Meldung kurz beim Start eingeblendet, wäre das ok – so bescheinige ich den Entwicklern aber Totalversagen beim Design der GUI.

Kann man natürlich steigern, indem man das Navi oder den Bordcomputer während der Fahrt bedient. Ist natürlich verboten und mache ich auch nicht – weil man das doch nicht hin bekommt. Die Jungs vom ADAC sind 2014 zwar etwas ins Gerede gekommen – aber manche Tests haben immer noch Hand und Fuß. Der ADAC beschreibt im Artikel Ablenkung: Blindflug in den Tod einen durchgeführten Test zum Thema “Ablenkung durch Bordelektronik”. Genau diese Ablenkungen dürften für viele unerklärliche Unfälle verantwortlich sein. Konkret: Die ADAC-Unfallforschung hat solche Ablenkungen (als Unaufmerksamkeiten) als achthäufigste Unfallursache identifiziert.

Und nun schließen sich ein paar Kreise. Als Blogger müsste ich hier eigentlich Jubelarien bezüglich all der tollen neuen Entwicklungen im Bereich Car-Entertainment verfassen. Stattdessen sehe ich momentan nur Rumgemurkse a la American Way of Life. Den Sinn eines “Donut-Finders” im Auto vermag ich nicht zu erfassen – und gelegentlich geht mir auch durch den Kopf, ob die Autohersteller noch wirklich auf dem richtigen Track sind? Wie viel Prozent eines Familieneinkommens vermag ich in solchen Schnickschnack zu investieren, wenn ich mir die Frage stellen muss, ob ich den nächsten Wartungsaufenthalt in der Werkstatt noch bezahlen kann? Ich bin da weniger von tangiert – aber gelegentlich ist es hilfreich, die Ohren zu spitzen und zuzuhören, wenn man mal wieder in den Räumen der Vertragswerkstatt unterwegs ist. Von daher ist mein Eindruck: Da werden Probleme und Entwicklungen gewälzt, die 50 – 80 % der Autofahrer nicht wirklich brauchen, sich auch nicht leisten können und möglicherweise auch nicht mehr leisten werden. Der Erfolg mancher Billigmarke ist ein Hinweis in diese Richtung. Zum Anderen ist davon auszugehen, dass die Absätze im PKW-Sektor demnächst wohl in Schwellenländern stattfinden. Wer vor der Frage steht: Motorrad oder erstes Auto, wird sich nicht unbedingt für Car-Entertainment interessieren. Und wie seht ihr das? Bin ich da ganz auf dem Holzweg?

Die Frage tangiert mich auch insofern, als ich das Thema Bordelektronik und Car-Entertainment bereits länger auf dem Radar habe. Eigentlich wollte ich längt mal Artikel zum Thema Energieverbrauch und Zuverlässigkeit moderner Bordelektronik oder was zum Thema Car-Hacking bringen. Waren nur immer zu viele spannende andere Themen da. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben …


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