Windows 10 Enterprise und Windows Server: Kurze Infos im Überblick

Die Windows 10 gibt es (momentan als Technical Preview) nicht nur für Privatanwender. Microsoft entwickelt auch eine Enterprise-Edition für Unternehmenskunden und stellt eine Technical Preview zum Testen zur Verfügung. Freitag letzter Woche gab es noch einige Infos zu Windows 10 Enterprise, die ich im Blog-Beitrag zusammen fasse. Zudem gibt es noch eine kurze Info zur kommenden Version von Windows Server.


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In Unternehmen wird (hoffentlich) eine andere Politik im Hinblick auf neue Windows-Versionen gefahren, als dies bei vielen Privatanwendern der Fall ist. Im Geschäftsumfeld müssen die Rechner sowie die darauf verwendete Software laufen. Dadurch ist einiges in Bezug auf Windows 10 in diesem Umfeld anders zu betrachten als im Consumer-Bereich. Microsoft trägt diesem Thema bei Windows 10 Enterprise auch Rechnung.

Administratoren können Feature-Upgrade deaktivieren

Microsoft hat ja bereits mehrfach angedeutet (und letztendlich auch mit den Windows 8.1 Updates gezeigt), dass die Zeit der Vorstellung neuer Windows-Versionen a la Windows 7, Windows 8 etc. sich langsam dem Ende zuneigt. Windows 8.1 Update wurde quasi als April-Update ausgerollt, an nachfolgenden Patchdays gab es neben Sicherheits-Updates auch zahlreiche Rollup Updates, die interne Funktionen verbesserten. Mit dem, was Microsoft bisher in Bezug auf Windows 10 kommuniziert, dürfte dieses Betriebssystem die letzte “Hauptversion” von Windows sein. Künftig soll Windows sich kontinuierlich weiter entwickeln und über monatliche Updates mit zusätzliche Funktionen versorgt werden. Windows as a Service ist das Schlagwort.

Für Unternehmen ist das natürlich tödlich. Hier müssen die Administratoren auf eine definierte und getestete Software-Umgebung setzen können, aber der auch die Anwendungen laufen. Jedes Update des Windows-Kerns, des Internet Explorers oder weiterer Anwendungen wird daraufhin abgeklopft, ob das Einfluss auf die Arbeitsumgebung und die installierte Software hat. Da sind kontinuierliche Betriebssystem-Updates, die vielleicht mal einen neuen Browser, einen neuen Windows-Kern oder aktualisierte Apps auf die Systeme spülen, natürlich ein No-Go.

Es wurde daher schon länger spekuliert, dass Microsoft da für Unternehmenskunden einen Mechanismus bereitstellen wird, der den Administratoren die Wahl lässt, ob neue Funktions-Updates installiert werden. Bei Systemen, die über WSUS laufen, können die betreffenden Pakete ja vom Administrator freigegeben werden. In Windows 10 geht Microsoft aber wohl noch einen Schritt weiter. Wie Windows IT Pro hier berichtet, hat Microsoft wohl drei Update-Modi für die Enterprise-Variante angekündigt.

  • Opt-in: In diesem Update-Modus wird Windows 10 sofort auf neue Versionen aktualisiert, sobald Microsoft diese ausrollt. Das wird auch als “consumer-type updating mode” bezeichnet, bei dem sowohl Sicherheits-Updates als auch neue Features per Update ausgerollt werden (entspricht dem, was auch Konsumenten angeboten wird).
  • Lock-down: Dieser Update-Modus steht für kritische Infrastrukturen bereit, bei denen Updates zentral verwaltet und freigegeben werden. Ist der Modus aktiv, erhält Windows 10 nur Sicherheits-Updates und Fixes. Neue Feature-Updates werden nicht angeboten. Dieses Updates werden weiterhin über WSUS-Servers ausgeliefert.
  • In-between: Dieser Modus bietet sich für Systemumgebungen an, die zwar keine unternehmenskritische Infrastruktur umfassen, bei denen aber neue Features auf den Windows 10-Clients landen sollen, ohne dass Arbeitsabläufe unterbrochen werden. 

Was sich genau hinter dem In-between-Update-Modus verbirgt, geht aus dem Windows IT Pro-Artikel nicht hervor. Ich interpretiere es so, dass man im In-between-Update-Modus vor Überraschungen am Patchday gefeit sein wird, indem die Feature-Updates wohl verzögert installiert werden können. Der Microsoft Blog-Beitrag Windows 10 for Enterprise: More secure and up to date vom 30. Januar 2015 enthält leider auch keine Informationen dazu. Aber zumindest vermitteln mir die obigen Infos, dass Microsoft Unternehmenskunden da sinnvolle Update-Mechanismen bereitstellt.

Windows 10 Enterprise ist im ersten Jahr nicht gratis! Sensation?

Und es gab noch eine Nachricht, die letzte Woche durch’s Web ging. Privatanwender können laut der Microsoft-Ankündigung vom 21. Januar 2015 im ersten Jahr nach dem Windows 10 Release gratis von Windows 7 oder Windows 8.1 upgraden. Dies gilt auch für Geschäftskunden, die Windows 7/8.1 in der Core- oder Pro-Version einsetzen.

In diesem Blog-Beitrag vom 30. Januar 2015 stellt Microsoft aber klar, dass dies nicht für Windows 10 Enterprise gilt. Neowin.net titelt Windows 10 for Enterprise is not free in the first year and other changes announced. Ups, ist das ein Fail von Microsoft oder eine Sensation? Ich nehme mir normalerweise ja kein Blatt vor den Mund, wenn mir etwas nicht gefällt (und werde dann durch Kommentare gebremst, wenn ich es zu restriktiv sehe). Aber bei der obigen Meldung habe ich mich ganz entspannt zurück gelehnt und “wieder ein Sack Reis in China umgefallen” gedacht. Warum?


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Einmal ist es so, dass Unternehmenskunden, die Enterprise-Versionen einsetzen, einen Windows Software Assurance-Vertrag (SA) abgeschlossen haben. Und damit haben Geschäftskunden automatisch das Recht zum Upgrade auf die neueste Windows-Version. Das gilt übrigens auch für Volumenlizenzversionen von Windows 7 Professional und Windows 8.1 Pro.

Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich nicht aufschreie. Es werden im Oktober zwar bereits 22 Jahre, seit ich meinen Job in der Industrie an den Nagel gehängt habe, um mit der Schreibe zu widmen. Da hat sich zwar einiges in den Unternehmen geändert. Was aber sicherlich unverändert blieb, ist die Politik des Release-Wechsels. Der im Privatanwender-Umfeld beliebte Ansatz “Update a la Gusto”, bei dem die Leute sich bevorzugt eine Technical Preview von Windows 10 über ein funktionsfähiges Windows 7 oder 8.1-System nageln, geht in Unternehmen gar nicht.

Aus wirtschaftlichen Gründen wird die IT-Technik meist in Zyklen aktualisiert und man versucht (alleine aus Wartungsgründen) möglichst auf einer einheitlichen Plattform zu fahren. Die Meldungen über kostenpflichtige Extended-Support-Verlängerungen nach dem Auslaufen von Windows XP sind die Spitze des Eisbergs. In Unternehmen wird, sofern ein Release-Wechsel einer Software angedacht ist, in der Regel erst einmal getestet und evaluiert. Und am Ende eines längeren Zeitpunkt steht vielleicht das geplante Rollout eines neuen Betriebssystem-Release – was in größeren Unternehmen eine logistische Meisterleistung der IT sein dürfte. Und da wäre diese 1 Jahres-Frist eh fehl am Platz.

Von daher: Die letzte Meldung, dass Windows 10 Enterprise nicht kostenlos im ersten Jahr upgrade-fähig ist, lässt sich zur Kenntnis nehmen. Und nun gehen wir zur Tagesordnung über – oder habe ich noch was übersehen?

Nächste Version von Windows Server kommt nicht mit Windows 10

Noch eine kleine Info zum Abschluss. Bisher war es ja so, dass mit dem Ausrollen eines neuen Windows-Client-Betriebssystems auch eine neue Windows Server-Version freigegeben wurde. Bei Windows 8 war es Windows Server 2012 und bei Windows 8.1 kam Windows Server 2012 R2. Irgendwann im 2. Halbjahr 2015 dürfte Windows 10 fertig sein und durch Microsoft ausgeliefert werden.

Aber die nächste Version von Windows Server wird wohl nicht mehr dieses Jahr freigegeben. Diesem Neowin.net-Artikel zufolge wird diese Server-Version nicht vor 2016 kommen. In 2015 wird es aber Preview-Build der kommenden Windows Server-Version geben. Quelle ist dieser Technet-Blog-Beitrag vom 30. Januar. Und bezüglich der Microsoft  Cloud-Road-Map (Azure) gibt es in diesem Technet-Blog-Beitrag einige Infos.


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3 Antworten zu Windows 10 Enterprise und Windows Server: Kurze Infos im Überblick


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  3. Charles sagt:

    Hallo Günter

    Wie verhält sich das denn bei Windows 7 Ultimate ? Upgrade soll nicht möglich sein ! Sind die Bedingungen gleich wie für Enterprise? Windows 10 wird keine Ultimate Version haben ! Sackgasse ?

    • Günter Born sagt:

      Aus der Lameng: Ultimate und Enterprise sind funktional identisch. Der Unterschied besteht in der Lizenzierung.

      Wer als Enterprise von Windows 10 haben will und bisher mit Windows 7 Ultimate arbeitet, wird imho auf Volumenlizenzverträge setzen müssen (geht m.W. ab 5 Lizenzen). Bei Privatleuten wird man imho nur eine Windows 10 Pro als SKU anbieten. Aber das ist Spekulation, da Microsoft noch nichts bezüglich der SKUs hat verlauten lassen.

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