Warum konnte sich Windows Phone bisher nicht auf dem Mobilfunkmarkt durchsetzen?

Im vergangenen April verkündete Microsoft- Chef Satya Nadella das wohl ehrgeizigste Ziel in der Geschichte des Software Konzerns: Windows 10 mobile soll in 3 Jahren auf einer Milliarde Geräte laufen. Um das zu erreichen, sollen Apps von iOS und Android helfen. Doch warum konnte sich Windows Phone bislang noch nicht durchsetzen und wie stehen die Chancen für die Zukunft?


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Der folgende Text mit einer Markt- und Situationsanalyse ist ein Gastbeitrag von Jan Unger, Redakteur bei mobildiscounter.de, der sich mit dem Thema befasst hat. Ich finde das Thema so spannend, dass ich euch diesen Text nicht vorenthalten wollte.


(Quelle: © mobile timeline (Sean MacEntee/Flickr, CC BY 2.0)

Schnell, intuitiv, Windows Phone

Eigentlich hat Windows Phone alles, was ein gutes mobiles Betriebssystem auszeichnet. Es ist intuitiv, leicht zu bedienen und benötigt keine leistungshungrige Hardware. Hinzu kommt die ansprechende Kacheloptik. Wer nach Jahren von Android oder iOS auf Windows Phone wechselt, hat nicht selten das Gefühl eine völlig neuartige und frische Bedienoberfläche in den Händen zu halten. Auf einmal rücken Octa-Core Prozessoren, riesige Arbeitsspeicher und hochgetunte Grafikchips in den Hintergrund. Denn um Windows Phone flüssig nutzen zu können, reicht eine so geringe Leistungsfähigkeit eines Smartphones aus, das mit der aktuellen Android Version Lollipop vollkommen überfordert wäre.

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(Quelle: Nokia Lumia 930 (Kārlis Dambrāns/ Flickr, CC BY 2.0)

Das Problem des gesättigten Mobilfunkmarktes

Doch warum floppte Windows Phone trotzt der zahlreichen positiven Eigenschaften? Ein Problem ist Google. Seit Jahren schon ist der Smartphonemarkt in den westlichen Märkten so stark gesättigt, dass neue Systeme nur schwerlich Fuß fassen können. Denn um Kunden zu gewinnen, muss Microsoft Nutzer von Googles Betriebssystem Android überzeugen. Mit einem Marktanteil von 75 Prozent allein Deutschland dominiert der Internetgigant das Geschäft. Und genau hier liegt das Hauptproblem für Microsoft und damit für Windows Phone. Google weigert sich vehement Apps für das Betriebssystem von Microsoft anzubieten. So schafft es Windows Phone nach mittlerweile 5 Jahren eben nur auf einen Marktanteil von knapp 10 Prozent.

Android User sind bequem

Viele der Android Nutzer verwalten ihre Termine und Kontaktdaten zudem mit Google Software, sei es der Kalender, die Cloud, Office Programme oder Kontakte. Genau diese Nutzer gilt es für Microsoft zu überzeugen. Sie brauchen einen triftigen Grund, um aus der bequemen Google Nische hervorzutreten und ihren Blick auf Alternativen zu schwenken. Doch so schwach die Marktanteile bislang auch aussehen, mit Windows 10 könnte sich das Blatt für Microsoft wenden. Denn viele Smartphone Besitzer nutzen zu Hause immer noch einen PC mit Windows Betriebssystem.

Windows 10 Offensive könnte die Wende einläuten

Apps, Apps und noch mehr Apps, so könnte die Microsoft Devise lauten. Statt bisher auf die Implementierung von Microsoft Apps in Googles Playstore zu warten, geht Microsoft mit Windows 10 in die Offensive. Unter dem Codenamen „Project Astoria“ wird aktuell eine Software entwickelt, die es Entwicklern ermöglichen soll, mit nur wenig Aufwand Android Apps für Windows Phone umzubauen. Gleiches soll auch für Apps von Apples iOS gelten, hier heißt das Projekt „Ilandwood“.


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Sogar Webangebote sollen künftig problemlos in eine App umgewandelt werden können. Unter dem Projektnamen „Westminister“ soll man eine beliebige Internetadresse angeben können, die dann mit nur einem Klick als Webangebot angeboten wird. Aufwendige App-programmierungen würden entfallen und selbst Laien könnten dann ihre Hompepage einfach in Windows Apps umwandeln. Innerhalb des Projekts „Centennial“ will Microsoft ein System entwickeln, dass sogar herkömmliche Windows Programme in Apps für Windows 10 umwandelt.

Nur eine App soll genügen

Der Clou an der Sache – eine App soll auf allen Geräten verfügbar sein. Das heißt, ohne Portierung, nur einmal umgewandelt oder programmiert, sollen die Apps sowohl auf Smartphones, PCs, Tablets Rasperry-Pi-Minicomputer und Xbox laufen, eben überall dort, wo auch Windows 10 läuft. Auch Microsofts neue VR-Brille namens HoloLens soll ohne weitere Anpassung mit allen Apps harmonieren. Eine App mit dem Smartphone öffnen, Daten darin bearbeiten und in derselben App am Desktop PC weiterarbeiten, das soll mit Windows 10 möglich werden. Ähnlich der bisherigen Produktstrategie von Apple, will auch Microsoft den Kunden umgarnen und ihm ein vollständiges Software-Universum bieten, ohne je wieder wechseln zu müssen.

Der Blick in die Zukunft

Ob Microsoft mit Windows 10 den erhofften Erfolg erlangt, bleibt abzuwarten. Spätestens im Jahr 2018 wird man sehen, ob die erhofften eine Milliarde Geräte auch erreicht wurden. Fest steht, dass Microsoft, insofern es die Pläne auch erfolgreich umsetzen kann, sehr gute Chancen auf Erfolg hat. Denn die Verknüpfung aller Geräte sehen die meisten Nutzer als Vorteil an. Vielleicht schafft es Microsoft damit Android Nutzer aus dem Google Universum zu entführen.

Eine ansprechenden Optik und ein intuitives Bedienkonzept sind schon mal gute Voraussetzungen. Das zeigen auch die Zahlen. Denn wie kein anderes mobiles Betriebssystem verzeichnet Windows Phone die stärksten Zuwächse. Allein im Jahr 2013 stieg der Absatz um 31 Prozent in Westeuropa. Besonders beliebt sind Windows Phones in Italien. Hier liegt der Marktanteil mittlerweile bei 15 Prozent. Man davon ausgehen, dass Windows 10 Microsoft einen ordentlichen Schub nach vorne bringen wird.

Und wie seht ihr die ganze Sache? Meinungen, Kommentare oder Ergänzungen jederzeit willkommen.


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9 Responses to Warum konnte sich Windows Phone bisher nicht auf dem Mobilfunkmarkt durchsetzen?

  1. Sam sagt:

    Ich bin immer erstaunt, dass Android trotz der riesen Sicherheitslücken, vorinstallierten Trojaner usw. immer noch gekauft wird.
    Aber die meisten Laien kaufen das, was der Verkäufer im Laden empfiehlt. Und dann vielleicht noch eine Marke (“ich hab schon immer Sony gekauft”). Die wissen oft nichtmal, dass es da Unterschiede gibt und denken sich “Smartphone ist doch Smartphone”.
    Und der Verkäufer empfiehlt das, was er loswerden muss, bzw. wo er das meiste dran verdient.

    • Christian sagt:

      Naja, ersetze in deinem Beitrag Android durch Windows und Smartphone durch Computer und du hast die Erklärung. ;-)

      “Ich bin immer erstaunt, dass Windows trotz der riesen Sicherheitslücken, vorinstallierten Trojaner usw. immer noch gekauft wird.
      Aber die meisten Laien kaufen das, was der Verkäufer im Laden empfiehlt. Und dann vielleicht noch eine Marke („ich hab schon immer Sony gekauft“). Die wissen oft nichtmal, dass es da Unterschiede gibt und denken sich „Computer ist doch Computer“.
      Und der Verkäufer empfiehlt das, was er loswerden muss, bzw. wo er das meiste dran verdient.”

  2. Herr IngoW sagt:

    Richtig, da passiert wohl endlich was.

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  4. Hannes sagt:

    Ich bin vor einem Jahr umgestiegen und auch wirklich zufrieden. Leider stellt sich MS oft selbst ein Bein. So ist z.B. Outlook auf Android viel besser als auf meinem WinPhone 8. Auch der Austausch der Kontakte ist trotz Live-Account, nur über sinnlose Umwege möglich. Warum?

  5. Pece sagt:

    Warum soll Microsoft nur Nutzer von Android weglocken? Es gibt viele, denen die Preispolitik von Apple nicht gefällt. Außerdem dürfte der Anteil der aktuellen Nutzerbasis bei iOS deutlich höher sein als in diesen quartals- oder monatsweise ausgewiesenen Verkaufszahlen der Geräte. Warum? Weil iPhones eine viel längere Nutzungsdauer als billige Android Geräte haben, die kaum Updates bekommen und schneller durch das nächste billige Gerät ersetzt werden. Ich möchte nicht wissen, wie viele Androids da mittlerweile in Schubladen vor sich hingammeln. Ich schätze in Deutschland wird die Verteilung der aktuellen Nutzerbasis Android/iOS/WP eher 55/40/5 sein.

    Aber es stimmt schon: Für Händler existiert im preiswerten Segment nur Android und entsprechend wird beraten. Ich kenne unter Senioren einige Neukäufer (und Erstkäufer von Smartphones). die von ihrem Windows Phone aufgrund der einfachen und flüssigen Bedienung zu geringem Preis recht angetan sind. Wenn es heißt der Markt ist gesättigt, so gilt das nicht für Senioren, die immer neugieriger auf Alltagstechnik sind. Sie wollen halt auch mitreden und mitnutzen, was Enkel und co. so treiben.

  6. Valdet sagt:

    Da hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen, denn Microsoft hat sich nie zum Ziel gesetzt, Windows 10 mobile in 3 Jahren auf einer Milliarde Geräte zu bringen!

    Windows 10: Preparing to Upgrade One Billion Devices http://blogs.windows.com/bloggingwindows/2015/07/02/windows-10-preparing-to-upgrade-one-billion-devices/

  7. Ralf sagt:

    Ich habe nach dem IPhone und einem Android-Smartphone seit einem Jahr ein Lumia 930. Grundsätzlich das bislang beste Gerät. Aber aus zwei Gründen ist es auch gleichzeitig das letzte WP-Gerät.
    Zum einem verbindet sich das Lumia nachträglich nie mit dem bevorzugten WLAN-Access-Point. Dafür muss ich jedesmal das Gerät neu starten. Leider wird die Verbindung auch mit dem “Bildschirmschoner” wieder getrennt (und muss wieder neu gestartet werden). War bereits vor über einem Jahr als Fehler in der Support-Datenbank enthalten, geändert hat sich bis heute nichts.
    Zum Anderen fehlt mir die optische Signalisierung von zwischenzeitlich verpassten Anrufen und SMS. Eingeschaltet lassen verbraucht bei meinem Lumia 930 immer noch zu viel Strom. Und andauernd nachsehen ist blöd. So hat mir diese fehlende Funktion schon manchen unnötigen Ärger eingebracht.
    Für mich persönlich das persönliche Fazit: tolles Gerät, aber nicht alltagstauglich.

    • Ralf sagt:

      Ach ja, und wie weiter oben schon geschrieben wurde. In den knapp 14 Monaten, in denen ich das Lumia habe, gab es gerade einmal ein großes Update. Ansonsten absolute Stille, vor allen Dingen für die Lücken des mobilen IE. Das einzige, was das derzeitige 8.1 wohl schützt, dass sich das Hacken wegen der geringen Verbreitung einfach nicht lohnt. Tolles Sicherheitskonzept.

    • André sagt:

      dafür hat man den Glance Screen (Blick) und sieht so wenn neue Nachrichten Anrufe angekommen sind.

      http://www.clintonfitch.com/wp-content/uploads/2014/10/Glance-Screen-on-Lumia-1320.jpg

      Nur dein 930 kann das nicht ;)

      Da du auch ein Gerät ohne SD Karte hast kannst du das Windows nicht “knacken”. Ich mein 1320 geknackt, und so das 8.1 GDR2 und etliche nützliche Tweaks benutzt (statische IP, Ad blocker, Display Ausschalten besser steuerbar und bei Strom ganz deaktiviert).

      Fazit, du hast dir das falsche Lumia gekauft und so einen falschen Eindruck erhalten.

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