Fails in der Tech-Industrie – Alles den Bach runter?

Ich habe hier im Blog ja schon häufiger über (die in meinen Augen um sich greifenden) Fehlentwicklungen bei Software geschrieben. Dachte, ich bin auf weiter Flur, aber durch Zufall sind mir gerade drei Fundsplitter unter die Augen gekommen, die ich mal aufgreifen möchte.


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Lumia-App von Microsoft entfernt

Letzte Woche hat Microsoft ja im Blog-Beitrag Streamlining the photo experience in Windows mitgeteilt, dass einige von Nokia entwickelte Apps für die Lumias eingestellt und aus dem Store geworfen werden. MVP-Kollege Martin Geuß hat es bei Dr. Windows im Artikel Streichkonzert: Microsoft stampft ein halbes Dutzend Lumia Apps ein thematisiert. Nun, man kann fragen, “was kümmert’s mich, wenn ein Sack Reis in Indien umfällt”. Und ich habe auch kein Lumia. Aber das Ereignis zeigt mal wieder, wie abhängig die App-Nutzer von den Launen des Store-Betreibers oder des Entwicklers sind. Bei Windows-Anwendungen findet sich oft eine Website, wo die letzte Fassung der Anwendung gehostet wird. Bei Apps ist spätestens nach dem nächsten Aufsetzen Schluss. Bei areamobile.de hat man das mit “Zerstört nicht Nokias gute Arbeit” auf den Punkt gebracht. Schafft nicht gerade Vertrauen in Windows 10 Mobile – oder?

App-Update-Info-Bullshit …

Was mich immer aufregt, sind die App-Update-Orgien und noch mehr die oft nichtssagenden Infos bei App-Updates. Du bekommst häufig keinen Schimmer, was die Entwickler wirklich geändert oder verbessert haben. Dachte erst, dass es an meinem Alter liegt, und ich einfach mehr Kreide fressen sollte.

Aber durch Zufall bin ich auf den Techchrunch-Artikel App Release Notes Are Getting Stupid gestoßen, der mein Unbehagen ziemlich auf den Punkt bringt. Zitat “Jam packed full of Super Amazing Things.” – drückt alles aus. Man kann als Nutzer nur Blindflug üben und alles aktualisieren lassen, was geht – oder die Updates deaktivieren. Eine Entscheidung, ob man wegen diesem oder jenem aktualisiert, ist kaum möglich. Für mich daher der Grund, auf Apps zu verzichten, wo es nur geht. Eine Facebook-App habe ich z.B. daher von meinen Geräten verbannt – der Browser reicht mir. Ähnlich halte ich das bei vielen Sachen, wo ich zwischen Browser oder App wählen kann.

Technologisch abgehoben, wenig sinnvoll für den Rest der Welt

Was mir auch gegen den Strich geht, ist der Umstand, dass Software-Pakete und deren Updates immer fetter werden und oft eine Cloud-Integration voraussetzen. Die Entwickler sitzen in ihrem Wolken-Kuckucksheim an der Westküste der USA und haben schnelles Internet (oder sogar In-House-Lösungen für den Zugriff auf die betreffenden Server). Die Ansätze klappen schon in den Flächenstaaten der USA, wo viele Nutzer noch mit AOL-Modemzugängen unterwegs sind, schlecht. Hier in Europa liegen wir irgendwo dazwischen. Es gibt zwar Nutzer mit schnellen Breitbandzugängen – aber die Norm ist immer noch, dass die Internetleitung nicht ganz zu schnell ist – und Mobilfunknutzer sind noch schlechter dran. Im Rest der Welt, speziell in Entwicklungsländern, versagen die Lösungen der US-Softwareentwickler teilweise komplett.

Das Wall Street Jounal greift dieses Thema im Blog-Beitrag Epic Fail: Tech Tricks Are No Fix for Developing-World Problems auf und beleuchtet, wie die vermeintlichen Lösungen der Tech-Industrie am Bedarf der Entwicklungsländer ziemlich vorbei gehen. Und wie seht ihr das?


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4 Antworten zu Fails in der Tech-Industrie – Alles den Bach runter?


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  3. Klaus Pit sagt:

    “Was mich immer aufregt, sind die App-Update-Orgien”

    Appsen, ist die digitale Form des modernen Geschlechtsverkehrs.

    Die analoge Plattform erfand übrigens im Jahre 1931 der Italiener
    Fabio Sivori.

    http://www.der-postillon.com/2015/01/erfinder-des-geschlechtsverkehrs-mit.html

    Wie wir sehen ist sein Erfolg, auch in der Moderne, ungebrochen. :)

    Gruß Klaus

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  5. Tim sagt:

    “Bei Apps ist spätestens nach dem nächsten Aufsetzen Schluss”

    Manchmal reicht es auch schon, wenn das Gerät nicht mehr taugt, weil die App sich im Laufe kurzer Zeit so verändert, aufbläht und entwickelt, das sie nicht mehr funktioniert.

    Ein gutes Beispiel wäre da zum Beispiel der Android Wecker Sleep as Android. Hab ich schon ewig, aber auch da Dokumentation fehlanzeige und wenn man heute mal in die Einstellungen schaut, wird einem schlecht. Überladen und vollgestopft bis hin zur Steuerung dieser schweineteuren Hue Lampen. Simpel is echt anders wie das… und dann gibts noch Module zum dazukaufen… Ich warte schon das diese App irgendwann zu dick wird, zum wecken… und ich zähle diese App wirklich zu den besseren/ brauchbaren.

    Oder Apps fallen auf, weils offenbar nicht die gewünschten Infos vom Nutzer für den App Entwickler gibt. Anders erklärt sich ja nicht, das einige Apps nur noch mit Smartphones, aber nicht mehr mit Tablets funktionieren.

    Noch schlimmer sind Apps, die auf irgendwelche Backends aufbauen und ständig Serververbindungsfehler melden und trotzdem ständig Updates laden, welche dann nur mehr Werbung einblenden, weil die Entwickler irgendwie das miese Backend finanzieren müssen.

    Apps sind Müll, denn entweder sind die Apps selber, oder die Geräte zu kurzlebig.
    Wer dafür bezahlt wird eigentlich nur bestraft und bei gratis Lösungen kann man sich auch auf nix verlassen.

    Der Store von Microsoft unter Win10 ist da wirklich fast schon eine Ausnahme. Da deutet sich einfach nur schon an, das dieser zum reinen Abzocken der Kundschaft eingesetzt werden soll. Der alte Schrott ist erst mal nur Füllmaterial und die ersten neueren Kandiaten im Bereich bis 20 Euro sind einfach nur dreist überteuert.

    Ich kann wirklich verstehen das alle Geld verdienen wollen und auch müssen. Aber mich hat es noch nie gestört für das zu bezahlen, was mir auch gefällt.
    Nur wenns wie bei MS im Store dann sowas wie nen DVD Player für 15 Euro ist, tipp ich mir grinsend an die Stirn… Die meinen das ja wirklich ernst, aber vergessen die Alternativen. Da spende ich lieber 15 Euro an die Macher von VLC, das ist der dann locker wert!

  6. Frank Bell sagt:

    “dass Software-Pakete und deren Updates immer fetter werden und oft eine Cloud-Integration voraussetzen. Die Entwickler sitzen in ihrem Wolken-Kuckucksheim an der Westküste der USA und haben schnelles Internet”

    Bravo!

    Diese Kritik kann ich voll und ganz nachvollziehen.

    Cloud und schnelles Internet:

    Das ist das Wolkenkuckucksheim, welches Silicon Valley heisst. Der Rest der Welt hat das nicht, von Afrika, weiten teilen Asiens und Lateinamerika ganz zu schweigen.

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