Aus die Maus: Microsoft beerdigt Projekt Astoria

Das Projekt Astoria war ja der auf der Microsoft BUILD 2015 vorgestellte Ansatz, Android-Apps unter Windows 10 mit minimalem Aufwand zum Laufen zu bringen. Das Projekt ist jetzt offiziell von Microsoft beerdigt worden.


Anzeige

Kennt ihr den Papiertiger, der mit Gebrüll abgesprungen ist und dann als Bettvorleger landet? Genau das ging mir heute beim Schreiben des Beitrags durch den Kopf. Als Microsoft das Projekt Astoria vorstellte, dachte ich einfach nur Wow!

Build03(Quelle: Microsoft)

Mit einem Framework sollten Android-App-Entwickler ihre Apps mit wenigen Klicks unter Windows 10 lauffähig machen können. Zitat aus meinem damaligen Artikel:

Zwei weitere SDKs richten sich an Android- und iOS-Entwickler, mit denen diese ihren bestehenden Code mit minimalen Änderungen in Windows 10-Apps übersetzen und Windows-spezifische Funktionalitäten wie Sensoren, Live-Kacheln oder In-App-Käufe über den Microsoft Store nutzen können.

Ich habe damals einen Blog-Beitrag Build 2015 Keynote–einfach nur Wow! verfasst, denn ich war hin und weg von der damaligen Präsentation. Gut, ich war jung, ich war naiv und ich brauchte das Geld. Ok, das Geld streicht ihr, für meine Artikel bekomme ich Null Cents von Microsoft – und jung war ich auch nicht mehr, so vor einem Jahr. Aber naiv und extrem begeistert – was sich nach einem dicken halben Jahr Windows 10 gelegt hat.

Der Name Astoria für das Projekt war wohl auch nicht so gut gewählt – denn Astoria beinhaltet schon das Scheitern im Namen. Bei mir zuckt es bei diesem Namen immer im Hinterkopf und ich habe mal kurz recherchiert. Das Astoria Varieté in Bremen ist Geschichte. Auch der Nürnberger Motorrad-Hersteller Astoria wurde bereits 1923 in Nestoria umbenannt und existiert heute längst nicht mehr. Hotels mit dem Namen Astoria haben teilweise einen klangvollen Namen, aber eine wechselvolle Geschichte (Leipzig ist zu, Bad Hofgastein war insolvent). Gut, einige Hotels mit diesem Namen sind weiter in Betrieb. Ist aber nur eine Randnotiz.

Mit der Bridge für Android-Apps, die unter Windows 10 laufen sollten, deutete sich schon länger das Scheitern an (siehe Links am Artikelende). Und bei Licht betrachtet, war es eine Schnapsidee – quasi der Strohhalm, nach dem Microsoft greift, um Apps auf Windows 10 zu bekommen. Denn die Geschäfte werden mit iOS-Apps und teilweise mit Android-Apps gemacht. Das Windows-App-Geraffel rangiert unter “ferner liefen”. Warum soll sich ein Android- oder iOS-App-Entwickler das antun?

Jetzt gibt es diesen Microsoft Blog-Beitrag, der auf die gestern verkündete Übernahme der Xamarin-Entwickler eingeht (Xamarin bietet die Möglichkeit, mit C# und .NET Apps für andere Plattformen zu erstellen). Der Artikel geht daher auf Xamarin und den Status der “Bridges” zum Portieren von Apps für Windows 10 ein. Die unter dem Codenamen Islandwoods laufende Bridge für iOS-Apps wird weiter verfolgt. Auch die Web Bridge, mit der man HTML- und JavaScript-basierende Apps für Windows 10 portieren können soll, lebt noch.

In einem kleinen Absatz beerdigt Microsoft aber das Projekt Astoria (Bridge für Android-Apps) offiziell. Man hat sich imho schlicht verhoben. Im Marketing-Sprech klingt das aber anders: Schuld haben die Entwickler!

We received a lot of feedback that having two Bridge technologies to bring code from mobile operating systems to Windows was unnecessary, and the choice between them could be confusing. We have carefully considered this feedback and decided that we would focus our efforts on the Windows Bridge for iOS and make it the single Bridge option for bringing mobile code to all Windows 10 devices, including Xbox and PCs. For those developers who spent time investigating the Android Bridge, we strongly encourage you to take a look at the iOS Bridge and Xamarin as great solutions.

Man hat auf deren Feedback gehört – und die Entwickler waren der Meinung, das man keine zwei Bridges für Android und iOS braucht, sondern das eine Bridge für iOS reiche. Alles andere würde zu “Verwirrung” führen. Statt der in obigem Schaubild gezeigten vier Bridges hat man das Ganze jetzt auf drei Varianten reduziert. Wer so doof war, und sich mit Astoria befasst hat, wird “ermutigt”, sich nun mit der iOS-Bridge Islandwoods zu befassen. Und es gäbe ja noch die Web-Bridge und es gäbe ja noch Xamarin. Also einen “klare Linie” für die Entwickler. Wenn ihr jetzt vor Lachen vom Stuhl gefallen seid, steht wieder auf und lest euch die Kommentare unter dem Microsoft Blog-Beitrag durch.


Anzeige

Ok, die Botschaft ist raus – Astoria ist gestorben – nicht, dass ich dem Ganzen wirklich eine Träne nachweine. Nach meinem Eindruck wurde eh von Leuten über Astoria geschrieben, die von der App-Entwicklung unter Android so viel Ahnung wie die berühmte Kuh vom Eierlegen haben. Und ob sich jemand das wirklich antut, und eine iOS-App auf Windows 10 mittels Islandwoods portiert, wird man abwarten müssen. Als App-Käufer wird man unter Windows 10 bei diesen Ansätzen imho immer das “fünfte Rad am Wagen” sein. Die nativ für Windows 10 entwickelten Apps sind – nach meinem Eindruck – häufig genug schon schlichtes Geraffel mit Funktionalitäten zum Abwinken – von der Stabilität der Apps möchte ich erst gar nicht sprechen. Ob das besser wird, wenn da eine iOS-App mittels eines (möglicherweise buggy) Framework auf Windows 10 gehievt wird? Wir werden es sehen und auch irgendwann feststellen, ob Xamarin das Ei des Columbus wird.

Ihr wisst jetzt, was Sache ist – und ich stelle mal wieder überrascht fest, dass es heute erneut ein Artikel mit leicht “negativem Touch” geworden ist. Aber, wie oben schon mal erwähnt: Ich bin weder jung noch sonderlich naiv (eher desillusioniert) und stehe mittlerweile auf dem Standpunkt “an ihren Taten werden sie gemessen” – und da sieht die Bilanz (aus meiner Sicht) für Microsoft für den Komplex “Windows 10” und Apps momentan nicht mehr gar so knackig aus. Zumindest kann ich mich nur mehr schwer zu einem “WOW” durchringen, wenn ich mir so ansehe, was Microsoft die letzte Zeit verkündet und auf den Markt geworfen hat.

Ähnliche Artikel:
Build 2015 Keynote–einfach nur Wow!
Build 2015 Die Highlights der 1. Keynote – Teil 1
Build 2015 Die Highlights der 1. Keynote – Teil 2
Microsofts Astoria-Projekt so bald nicht marktreif
Gibt es ein Lebenszeichen von Astoria?


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter App, Windows 10 abgelegt und mit Android, App, Astoria, Windows 10 verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Aus die Maus: Microsoft beerdigt Projekt Astoria

  1. Ja sicher -Astoria- hatte mich auch ganz stark interessiert, zumindest zu Anfang….

    Jetzt kommt das große Aber, wenn ich mir die Probleme durchlese die Android Nutzer mit ihren Apps haben, will ich die Apps von Android dann auch nicht auf noch auf einem Windows Phone haben, das Ding soll ja noch einigermaßen Funktionieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hinweis: Bitte beachtet die Regeln zum Kommentieren im Blog (Erstkommentare und Verlinktes landet in der Moderation, gebe ich alle paar Stunden frei, SEO-Posts/SPAM lösche ich rigoros). Kommentare abseits des Themas bitte unter Diskussion.