Contra Windows 10 im Unternehmen – Teil 2

Im gestrigen Beitrag Pro Windows 10 im Unternehmen – Teil 1 – hatte ich ja eine Einführung in die Frage, wie “Windows 10 für den Einsatz im Unternehmen” gesehen wird. Aber es gibt auch Unternehmen, die (noch) nicht upgraden.


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Der gestrige Beitrag führte bereits zu kontroversen Diskussionen, da die Pro-Seite behandelt wurde. In diesem Beitrag habe ich versucht, einige Stimmen aus dem Contra-Lager zu vereinen. Natürlich ist das keine repräsentative Umfrage, da ich nur wenige Rückläufer auf eine Anfrage erhielt. Ich fand aber, dass ich die Stimmen auch mal in Teil 2 vorstellen sollte.

Einschätzung der Preo AG

Bei der Preo AG handelt es sich um einen Anbieter für gebrauchte Software – die Aussagen von Vorstands Boris Vöge sollten daher auch aus diesem Blickwinkel betrachtet werden. Aber einige Argument sind bedenkenswert. Die fett hervorgehobenen Überschriften sind meine Fragen.

Ist es für die Migration auf die neue Windows-Version noch zu früh?

Derzeit sehen wir keinen triftigen Grund, der momentan zwingend für den Wechsel auf Windows 10 spricht. Vielmehr raten wir Unternehmen eine Lösung für die vielen Unwägbarkeiten, wie die konfuse Zertifikateverwaltung und Lizenzregelung abzuwarten. Fraglich ist auch, ob es zukünftig Zusatzkosten für additive Services geben wird, wie etwa Mediaplayer oder zusätzlichen Speicherplatz. Derzeit ist keine transparente Preispolitik erkennbar.

Welche Alternativen als Desktop-OS sehen Unternehmen zu Windows?

Realistischer Weise muss man sagen: Es gibt für Unternehmen eigentliche keine Alternative, da die Veränderung von Betriebssystemen in der Produktivumgebung extreme Kosten verursacht. Infolgedessen brauchen Unternehmen Windows. Eine sehr gute und preisgünstige Alternative zu Mietmodellen bietet der Gebrauchtsoftwaremarkt. Im Vergleich zu Miet-Modellen wie Windows 10 liefern gebrauchte Releases wie Windows 7 oder Windows 8.1 geldwerte Vorteile: Ausgehend von einer monatlichen Rate von 10 Euro und einer durchschnittlichen Nutzungsdauer eines Betriebssystems von fünf Jahren liegt die Einsparung mit gebrauchter Software bei 90 Prozent. Auch in Punkto Datensicherheit setzen viele mittelständische Unternehmen bewusst auf gebrauchte Software. Um auch den rechtskonformen Software-Transfer zu belegen, liefert beispielsweise die Preo Software AG ein durchdachtes Sicherheitssystem.

Gibt es Unternehmen, die den Einsatz von Windows 10 aus Datenschutzrisiken oder anderen Gründen momentan ablehnen?


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Wir sehen eine verstärkte Nachfrage nach Windows 7 oder auch Windows 8.1. Was wir von unseren Kunden hören, sind neben oben genannten Gründen auch Datenschutzprobleme und die Zwangs-Connectierung durch Microsoft, die gegen die Migration auf die neue Windows-Version sprechen. Anders als bei den Vorgängerversionen öffnen Unternehmer Microsoft mit Windows 10 Tür und Tor. Sobald sie sich mit ihrem Microsoft-Account im neuesten Release anmelden, übernimmt das Betriebssystem beispielsweise automatisiert sämtliche Einstellungen sowie Daten und synchronisiert diese mit den Microsoft Servern.

Wie ist die Einstellung generell zu Windows 10 und dem Microsoft-Ansatz “Windows as a service”?

Generell sollten Unternehmen sich der enormen Kosten bewusst sein, die mit Mietsoftware einhergehen. Gehen wir bei einer Mietvariante von 10 Euro im Monat aus, sind das umgerechnet auf 5 Jahre bereits 600 Euro. Gebrauchte und immer noch aktuelle Softwarelizenzen wie Windows 7 oder 8.1 bekommen Unternehmen hingegen für einen einmaligen Anschaffungspreis von ca. 70 Euro. Die oft gepriesene vermeintliche Flexibilität ist demnach bereits nach sieben Monaten obsolet. Außerdem machen sich Unternehmen abhängig, da sie wenig Einfluss auf Updates und Umstellungen haben. Sie müssen alle Schritte, die Microsoft vorgibt, mitgehen. Das kann erhebliche Schnittstellen-Probleme verursachen. Viele Unserer Kunden bei Preo entscheiden sich auch aus dem Grund für gebrachte Releases wie Windows 7 oder 8.1.

Statement der Thinprint GmbH

Als Hersteller von Druckmanagement-Software beschränkt sich die Antworten aus Sicht von Thorsten Hesse auf die Diskussionen mit Partnern rund um das Drucken (mit Windows 10).

Welche Punkte sprechen für den Einsatz von Windows 10. Wo werden Risiken gesehen?

Größter Pluspunkt: Es ist nicht Windows 8. Für Unternehmen die noch nicht auf Windows 7 gewechselt haben, ist Windows 10 die erste Wahl. Es ist wesentlich nutzerfreundlicher als 8 und hat natürlich einen viel längeren Supporthorizont vor sich. Für alle Unternehmen die Windows 7 einsetzen ist 10 kein wesentlicher Schritt vorwärts.

Wie ist die Einstellung generell zu Windows 10 und dem Microsoft-Ansatz “Windows as a service”?

Generell haben schnellere/kleinteiligere Upgrades den Vorteil, dass neue Funktionen schneller beim Kunden ankommen und erfüllen auch die Nutzererwartungen, die aus der Tablet-Welt herüberschwappen. Für Unternehmen kann aber durch den kostenlosen privaten Upgrade, der nun viel öfter erfolgen soll auch ein Druck entstehen nicht zu weit hinterher zu hinken.

Wie wird das Problem der ständigen Updates, der weitgehend fehlenden Dokumentation, der Fokussierung auf Cloud-Anbindung und Apps gesehen?

Das Vorgehen unterstützt den Trend hin zu virtuellen Desktops, ebenso wie das Umdenken bei der Virtual Desktop Lizenzierung, wenn auch bislang leider nur für auf MS Azure gehostete Virtual Desktops (bislang wurden von Virtual Desktop Anbietern aus lizenztechnischen Gründen Windows Server genutzt, auf Azure dürfen nun auch Desktop Betriebssysteme zum Einsatz kommen. Das erleichtert Unternehmen den Übergang in die Cloud – momentan aber leider nur denen, die auf Azure wechseln, diesbezüglich sehen wir noch keine große Kundenbewegungen).

Virtual Desktops generell erleichtern es Unternehmen OS-Updates auch wirklich schnell durchzuführen, selbst für eine große Anzahl von Nutzern/Geräten mit relativ wenig Aufwand. Alle Update-Schritte lassen sich zentral ausführen und hochgradig automatisieren. Besser noch. in dem Sinn braucht man sogar gar kein Update auf den Arbeitsstationen mehr, sondern kann beispielsweise einfach ein neues „Golden Image“ erstellen. Die Nutzer holen sich dann automatisch den Windows 10 Desktop, wenn sie sich das nächste Mal einloggen.

Ein Problem bleiben die Druckertreiber: Die Installation von Druckertreibern auf den aktualisierten Desktops stellt eine Herausforderung dar, welche die reibungslose Inbetriebnahme verzögern, bzw. die Nutzerakzeptanz negativ beeinträchtigen kann. Die verwendeten Druckertreiber müssen mit dem neuen Betriebssystem nahtlos funktionieren und mit etwaig eingesetzten Druckservern übereinstimmen, sonst kommt es zu Abstürzen, Supportaufkommen und unzufriedenen Nutzern.

ThinPrint schafft  mit der Möglichkeit Abhilfe, Druckertreiber nur noch auf einem einzigen zentralen Druckserver zu nutzen und zu managen. Auf Desktops – virtuellen und physischen – kommt nur noch ThinPrint’s virtueller Druckertreiber zum Einsatz. Druckertreiber müssen so überhaupt nicht mehr verteilt werden, weder auf den physischen Arbeitsstationen noch auf virtuellen Desktops (falls solche eingesetzt werden). Ein Win10 Update hat kann z.B. ohne negativen Auswirkungen auf das Drucken ausgeführt werden (selbst nicht in gemischten 32/64 Bit Umgebungen) oder anders herum: Das Drucken hat keine negativen Auswirkungen auf das Update.

Welche Alternativen als Desktop-OS sehen Unternehmen zu Windows?

v.a. Mac

Chrome (eher USA)

ThinClients

Tablets

Info von Tam Hanna zu Windows

Tam Hana leitet die in der Slowakei ansässige Tamoggemon Holding k.s. Dieses Unternehmen beschäftigt sich mit Consulting, Anwendungsentwicklung und dem Verfassen von Fachtexten für die IT-Industrie.

Die Tamoggemon Holding hat, laut seiner Aussage, ihre gesamten Mitarbeiter vor einiger Zeit auf Ubuntu umgestellt – und im Großen und Ganzen nur sehr positive Erfahrungen mit Ubuntu gemacht. Von ihm gab es noch die Hintergrund-Info, dass er auch die IT in der Privatbank seines Vaters auf Ubuntu zwangsumgestellt habe, nachdem ein Cryptovirus zugeschlagen hatte. Die teilweise im arabischen Raum beheimateten Banker/Trader schafften, laut seiner Aussage, Aufgaben wie Traden und Mailen auch ohne Probleme unter Ubuntu. Statistisch dauerte die Umstellung laut Hana rund 30 Minuten pro Trader.

Sind jetzt Einzelstimmen. In Teil 3 gibt es morgen noch einen ausführlichere Analyse der Sopra Steria Consulting zur Windows 10 Migration mit interessanten Fragen (abseits des Microsoft Marketing-Sprech).

Artikelreihe:
Pro Windows 10 im Unternehmen – Teil 1
Contra Windows 10 im Unternehmen – Teil 2
Umsteigen auf Windows 10 – eine Bewertung aus Unternehmenssicht – Teil 3


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1 Response to Contra Windows 10 im Unternehmen – Teil 2

  1. Tobi sagt:

    Naja die Aussagen der Preo AG sind ja sehr dürftig und beziehen auch nur auf kleinere Unternehmen. Gebrauchte Lizenzen kaufen!? Wenn er mir zeigt wie das in einem EA-Vertrag funktioniert – gerne ;-)

    “Fraglich ist auch, ob es zukünftig Zusatzkosten für additive Services geben wird, wie etwa Mediaplayer oder zusätzlichen Speicherplatz.”
    Ok ich baue also ne größere SSD rein und muss mehr bezahlen.

    “Sobald sie sich mit ihrem Microsoft-Account im neuesten Release anmelden, …”
    Macht man doch auch nur, wenn überhaupt, privat daheim…

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