Microsoft Press und Pearson, das neue “dream” Team?

Noch ein kurzer Infosplitter, den ich mal raushaue – wird nicht allzu viele Blog-Leser tangieren. Aber möglicherweise ist es für den einen oder anderen Weggefährten von Interesse. Microsoft Press wird die Zusammenarbeit mit Pearson intensivieren. Pearson soll nun auch noch das Lektorat für Microsoft Press Titel übernehmen.


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Als Ex-Microsoft Press-Autor stehe ich immer noch in deren Verteiler und bekomme so Informationen an die “lieben Autoren” mit. Und heute informiert mich Microsoft Press über eine Änderung für die Microsoft Press-Autoren. Hier einfach mal der Text.


Dear Microsoft Press Author,

As you may have already heard in news reports, Microsoft is broadening our existing relationship with Pearson for the Microsoft Press publishing business. Pearson already handles the administration, royalties, manufacturing, distribution, and sales of books for Microsoft Press. Now, they will also provide editorial services. The Microsoft Press imprint will continue, and Microsoft will remain involved in Pearson’s management of the Microsoft Press brand.

Why are we making this change?

Since 2014 when we began working with Pearson on Microsoft Press books, Pearson has proven to be an excellent, quality-focused and practical partner. The publishing industry continues to evolve, and, during our partnership, Pearson has worked with Microsoft every step of the way to ensure a continued and influential role for Microsoft Press in that industry.

 

How will this affect Microsoft Press authors?


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If you have Microsoft Press books already in market, nothing will change in how royalties are administered today by Pearson. If you are currently working on a manuscript, your editorial team may change or there may be an adjustment in the publishing schedule. Pearson and Microsoft are currently working on the specific transition plan and will share any impacts with affected authors as soon as they are finalized.

When do these changes take effect?

Some changes have already taken place – others will take time. We anticipate that Pearson will begin releasing books it has commissioned directly from authors in the first quarter of 2017. Books currently in development with Microsoft will stay on track, while others further down the schedule might change. Most of you with current books have been contacted by Kim Spilker or your assigned editorial vendor already. Unlike previous transitions of the Microsoft Press business, there are no associated changes to manufacturing, royalties, distribution or sales activities. Resellers will continue to order and sell Microsoft Press books as they have been doing.

Thank you.

Microsoft Press wouldn’t exist without the quality work from the authors and contributors who have developed books over the years. Thank you for your continued partnership, and for your patience and understanding while we manage through this transition.


Und ein paar Hintergrundinformationen

Ich kenne Microsoft Press noch als Hausverlag von Microsoft, als man die noch Verlag nennen konnte – so mit Lektorat in den USA, in einer Zeit, als noch richtig gute Bücher zu Microsoft-Produkten geschrieben wurden. War so im vorherigen Jahrtausend und in Deutschland bis 2010 so. Zwischenzeitlich ist Microsoft Press, die angeblich Bücher rund um Microsoft Produkte machen, zum Namensgeber für die Marke verkommen. Denn Microsoft Press lässt die Bücher seit vielen Jahren von anderen Verlagen zusammenstoppeln.

Ist eine lange Geschichte, die gerafft so geht: In Deutschland war es zuerst der Verleger Ralph Möllers bei Systhema, der die ersten Titel von Microsoft Press in Deutschland als Übersetzungen herausbrachte und verlegte. Als der Markt bereitet war, bekam Systhema die Vertragskündigung und Microsoft eröffnete den eigenen Verlag in Unterschleißheim.

Seit 2009 wurden die Buchtitel bei Microsoft Press von O’Reilly verlegt und vertrieben. Führte dazu, dass die Microsoft Press-Verlags-Mitarbeiter zu O’Reilly wechseln mussten oder gegangen sind/wurden – auch in Deutschland. Aber 2013 gab es Knatsch und Microsoft hat O’Reilly die Verlagsmarke “Microsoft Press” weggenommen. Führte dazu, dass O’Reilly seinen deutschen Microsoft Press-Verlag und später auch den Kölner Verlag geschlossen hat. Bei Interesse, ich habe (als betroffener Autor) die Irrungen und Wirrungen samt Implikationen im Beitrag Aus für Microsoft Press …. zusammen gefasst.

Und da gibt es noch den zweiten glorreichen Partner, die britische Pearson-Gruppe. Die waren auch mal Besitzer von Markt+Technik und Addison Wesley (München). Im Februar 2013 erhielt ich die Meldung, dass das Pearson Management in Großbritannien (der Name ist heute ein Oxymoron) das Aus für die beiden Verlagsmarken beschlossen hat. Meines Wissens wurden 80 Mitarbeiter gekündigt, ein Warenlager mit Millionenwerten an gedruckten Büchern als Altpapier verramscht und die Autoren geschasst. Ich habe das im Blog-Beitrag Aus die Maus für MuT und Addison Wesley …? thematisiert.

Also: Im Frühjahr 2013 beschließt Pearson, das Computerbuchgeschäft in Deutschland abzustoßen und Ende 2013 macht auch Microsoft Press den Sack bei O’Reilly zu. Die Tinte unter meinen Artikeln war noch nicht ganz trocken, als ich im März 2014 eine Mitteilung von Microsoft Press bekam, in der die Zusammenarbeit mit Pearson bekannt gegeben wurde. Pearson sollte den Druck und den Vertrieb der Microsoft Press-Titel übernehmen (siehe Microsoft wählt Pearson Publishing als MS Press-Distributor).

Und nun erklimmt man die nächste Stufe: Person übernimmt nun auch noch das Lektorat. Die Autoren sind in meinen Augen ein weiteres Mal die Gelackmeierten – werden sie doch zu Pearson transferiert.

Ich selbst bin von dem Thema nicht betroffen, da ich längst die Reißleine gezogen habe. Allerdings weckt das Erinnerungen an meine Autorentätigkeit für Microsoft Press USA. So 1997/98 habe ich u.a. Bücher zur Windows-Registrierung für Microsoft Press Deutschland und die englischsprachigen Pendants für Microsoft Press USA verfasst. Das Ergebnis war wohl nicht schlecht, denn ausgesuchte Kapitel flossen seinerzeit in das Windows 98 Ressource Kit ein – weil Microsofts Entwickler da nix auf die Reihe gebracht haben. 2000 kam dann die Umstrukturierung bei Microsoft auf Grund der Anti-Trust-Auflagen der US-Regierung, bei dem die berühmte “chinese wall” zwischen die Windows- und die Office-Gruppe eingezogen wurde. Führte dazu, dass ich bei einem Windows Script Host-Titel zwischen allen Stühlen saß. Der Lektor, mit dem ich das Projekt startete, war nach wenigen Wochen weg und sein Nachfolger fragte, ob ich 1.000 Seiten liefern könne. Als ich die 1.000 Seiten abgab, meldete sich der Nachfolger vom Nachfolger, dass man nur noch Bücher mit max. 600 Seiten machen dürfe. Ich habe vorschlagen, die 1.000 Seiten in zwei Titel a 600 Seiten aufteilen könne. Wurde begeistert aufgenommen und ich habe das Zeugs (für mich) ein viertes Mal überarbeitet. Als das erste Buch raus war, habe ich vor dem Start mit Band 2 vorsichtshalber nachgefragt, ob noch alles im Lot sei. Um dann zu erfahren, dass das Marketing das zweite Buch gekippt habe. Das war dann der Zeitpunkt, wo ich Microsoft Press USA gedumpt habe und bis ca. 2006 für Markt+Technik/Pearson sowie Microsoft Press Deutschland schrieb. War auch gut so, denn nach dem 11. September 2001 ging mit den USA überhaupt nix mehr. Aber das ist Schnee von gestern.

Und nun wollen die beiden “dream” Partner den Buchmarkt aufrollen – zu Produkten, die alle paar Wochen als “as a service” runderneuert werden – und bei denen nix mehr dokumentiert ist. Viel Spaß – mir tun die Autoren leid, die nun zum wiederholten Mal unter die Räder kommen dürften. Wird aber kaum deutsche Autoren treffen – die oben skizzierten Schlenker zeigen aber, wie das internationale Management in Großfirmen tickt. Bei Interesse, in den folgenden Blog-Beiträgen habe ich so einige Irrungen und Wirrungen sowie Beobachtungen dokumentiert – wobei ich irgendwie immer am Rande betroffen war. Nur bei Dr. Dobb’s Journal of Software Tools hatte Microsoft seine Finger nicht drin.

Artikel zum Thema
Aus die Maus für MuT und Addison Wesley …?
Markt+Technik-Verlag vor dem Neustart?
Aus für Microsoft Press ….
Aus für O’Reilly Deutschland
Schade: Dr Dobb’s schließt zum Jahresende
Microsoft kauft LinkedIn …
Microsoft wählt Pearson Publishing als MS Press-Distributor


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5 Antworten zu Microsoft Press und Pearson, das neue “dream” Team?


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  2. Mir sind die Verlage schon ein begriff, O’Reilly, Microsoft Press und Markt & Technik das ein oder andere Buch habe ich auch in meinem Bücherregal stehen. Auch schon vor meiner Ausbildung zur PC und Netzwerkfachmann habe ich sehr gerne in diesen Büchern geschmökert, die Umschulung war wenn man mal so sagen darf für den Arsch. Wer jedoch unter welchen Voraussetzungen ab wann für Microsoft Schreiben als auch vertreiben durfte hat mich dabei eher weniger interessiert, aber es ist natürlich mal interessant die Hintergrund Informationen zu lesen.

  3. Hansi sagt:

    Naja, viele Pearson-Bücher waren unglaublich schlecht redigiert. Ich habe z.B. Pearson-Bücher, in denen streckenweise alle paar Seiten “ungültige” Zeichen vorkommen, speziell in Tabellen, als ob jemand planlos den Zeichensatz gewechselt hätte.

    Aber der Computer-Buchmarkt in D scheint generell Schwierigkeiten zu haben, Addison-Wesley hat sich komplett vom deutschen Markt zurückgezogen, trotz z.B. Blockbustern wie dem “Java-Handbuch”, galileo wurde kürzlich übernommen. Was
    mir persönlich so aufgefallen ist, die Verlage haben relativ viele “sinnfreie” Werke herausgehauen wie “Noch ein Office-Buch für Word-/Excel-Analphabeten, dafür mit viel Bunt und viel BlaBla”, statt sich auf sagen wir mal konstruktivere Bücher zu konzentrieren.

    Das ist aber wohl ein genereller Trend, bloss nicht den Konsumenten mit echter Bildung überfordern, da könnte er ja was lernen, dumm und konsumgeil ist angesagt. Ich habe vor einiger Zeit mal ein Buch von ca. 1950 gesehen, in dem es um landwirtschaftliche Ausbildung mit einfacher Physik, Chemie etc ging, da wurde auf jeder Seite knallhart Wissen vermittelt, trotzdem war es gut lesbar, zugegeben lag das Niveau nicht weit über dem, was man mit einem guten Chemieexperimentierkasten lernt, aber immerhin, ein Landwirt braucht auch keine theoretischen Beweise auf Uni-Niveau. Heute würde so ein Werk wohl ungefähr so aussehen: “Hey Guys, das ist der Boden, der ist voll cool, aber ein bisschen dreckig, aber kein Problem, lasst uns erstmal einen Boden-Rap machen, dann noch einen kurzen Ausdruckstanz, und dann reden wir darüber, wie gut es ist, wenn wir ab und zu mit dem Boden geredet haben.”

    Noch ein Kuriosum: Ich hatte mir das bereits angesprochene Java-Handbuch von Guido-Krüger, das es in der aktuellen Auflage(2014) von Oreilly gibt (Addison ist ja weg vom deutschen Markt), auf die Wunschliste gesetzt und gerade festgestellt, daß die ausverkauft ist und momentan nicht nachgedruckt wird, das ebook interessiert mich nicht. Wahrscheinlich wird an einer neuen Auflage gearbeitet. Ich hätte ja gerne zwei Bände wie bei den Java-Insel-Büchern oder denen von Horstman.

    • Den Verlagen kann man bzgl. der Titelauswahl keinen Vorwurf machen – da wurde gedruckt, was verkäuflich war. Und Java war halt ein Titel, wo die Leute irre lang dran saßen, um die Seiten zu füllen – und dann hat sich der Titel vielleicht 3.000 bis 5.000 Mal verkauft. Ein 9,95 Euro Windows oder Office Bunte-Bildchen-Titel dreht sich oft 20.000 bis 40.000 Mal.

      Hab ich als Autor, der von Programmiersprachenbüchern und Insider-Titeln her kam, mühsam lernen müssen.

      • Hansi sagt:

        Was ich damit kritisieren wollte, man tut den Leuten keinen gefallen, wenn man das Niveau zu niedrig ansetzt, nur weil “der Markt es so will”. Ein Office-Bunti-BlaBla-Buch, das kaum Wissen vermittelt, mag sich gut verkaufen. Was aber auch in vielen anderen Bereichen benötigt würde, wären Lehrbücher, die auch für absolute Anfänger (nennen wir sie mal “Autodidakten”) geeignet sind, dann aber mit ausführlichen Erklärungen auch etwas tiefer gehen. Ein Anwender kann mit z.B. Excel erst so richtig produktiv werden, wenn er auch etwas kompliziertere Mechanismen im Bereich Formeln, Funktionen, Vba verstanden hat (ich selbst habe im Excelbereich gerade mal ein gefährliches Halbwissen, ist für mich aber auch keine Priorität). Nun gibt es halt viele Bücher, die nur trivialstes Zeug machen, und andererseits Bücher, die nur dem etwas bringen, der bereits tiefgehenderes KnowHow angesammelt hat. Also Dummiebücher für Dummies, mit denen sie halbgebildete Dummies bleiben und theorielastige Fachbücher für Experten, die das meiste eh schon wissen.

        Das ist aber ein generelles Problem. Ich wollte mal meine Algebra-Kentnisse auffrischen, durchaus auch mit einer praktischen Anwendung im Hinterkopf, mit Marktpotential, also keine reine Liebhaberei. Die meisten Lehrbücher kommen natürlich mit wenigen Beispielen und gar keinen Lösungen, sind eben typische Uniskripte, die Autoren wollen “den Unibetrieb nicht kaputtmachen” (weil sie sich dann neue Übungsaufgaben ausdenken müssten). Nur mit Lernen und Bildung hat das gar nichts zu tun, weil man solche Inhalte erst dann verstanden hat, wenn man relativ viele Beispiele gesehen hat und Aufgaben selbständig gelöst hat, nur kann man das ohne teilweise Hilfe gar nicht erst schaffen, weil man oft gar nicht weiß, wie es geht (in einem Uni-Studium hat man Tutoren und bekommt Musterlösungen vorgerechnet). Ich habe dann genau ein deutsches Lehrbuch mit ausführlichem Lösungsbuch gefunden, von zig angebotenen. Die Autoren sind wie es scheint, im oder kurz vor dem Ruhestand, da scheint das (Konflikt mit dem Unibetrieb) eher zu gehen.

        Ich habe mal spasseshalber so ein bisschen nach “instructor’s solution manuals” gegoogelt, da kann man tolle “war stories” finden, z.B. US-Uni-Mitarbeiter erbt größere Fachbuchsammlung eines vorgesetzten Profs, er denkt zunächst, lauter wertlose alte Schinken (im Schnitt 10 Jahre alt), dann stellt sich heraus, hunderte “Instructor’s solution manuals” dabei, er vertickt sie für tausende Dollars auf ebay an verzweifelte Studenten (die Aufgaben ändern sich bei Mathebüchern in Neuauflagen in der Regel nicht so sehr).

        Das US-Bildungssystem ist da besonders schizophren, den Studenten kreidet man es an vielen Unis negativ an, wenn sie bei ihren “Hausaufgaben aka Übungen” Lösungen aus Büchern abschreiben. Sie müssen die Lösungsquelle angeben und es zählt von vorneherein leicht negativ. Wenn sie es nicht angeben und später auffliegen, zählt es als Betrug. Aber die Dozenten selber haben die guten “instructor’s solution manuals” ohne Ende, für die meisten US-Lehrbücher im Mint-Bereich sind diese obligatorisch, weil es der dortige Markt so will (haha). Ein Lehrbuchschreiber, der sich dem verweigert, hat viel schlechtere Chancen, daß sein Lehrbuch von Profs als verpflichtende (ist dort üblich) Kurslektüre ausgewählt wird. Von daher drängen schon die Verlage darauf, daß solche Lösungsbücher angeboten werden, natürlich nur für ausgewiesene Uni-Mitarbeiter.

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  5. Es geht auch anders … Wenn es Sie mal wieder an die digitale Feder drängt, wissen Sie ja, wo Sie uns finden :)

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