Warum es keine Apple-Show im Blog gab

Vorige Woche fand ja ein Apple-Event für die Presse statt, bei dem iOS 10, ein neues iPhone 7 und sonstige “Novitäten” vorgestellt wurden. Normalerweise bringe ich im Blog ein paar Infos – was diesmal aber anders war.


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Ich gestehe, nachdem ich beim vorletzten Apple-Event über den Live-Stream eingeschlafen bin, habe ich es letzte Woche bevorzugt, das gute Spätsommerwetter zu genießen, statt mir irgendwelche drögen Apple “hach wie toll wir sind”-Sprüche anzuhören. Gut, ich hätte irgendwann einen Exzerpt zusammenfassen können, wie er in Tausenden Tech-Blogs vorkam. Wollte ich nicht, denn was hätte ich berichten können?

Bye by iOS 10 …

Dass es am 13. September, also Morgen, das Release von iOS 10 gibt? Mag ja nett sein – aber hier heißt es: mit iOS 10 trennen sich die Wege von Apple und mir. Dabei ist nicht mal die Meinung hier zu iOS ausschlaggebend. Ich hatte es im Artikel Apples Obsoleszenz bei iOS 10 und iPhone 7 … bereits angerissen – mit dem neuen Betriebssystem fallen ca. 40 % der iOS-Geräte als Elektroschrott an, weil diese keine Updates mehr bekommen.

Hier dümpelt ein iPad 1, welches ein oder zwei Jahre nach dem Kauf keine iOS-Updates mehr bekam. Zwischenzeitlich habe ich das Gerät an meine Frau weitergegeben, die gelegentlich ihre Mails abruft, etwas Solitär spielt und sich im Surfen versucht (aber ständig flucht, weil das 700 Euro-Teil so schwachbrüstig ist, dass es ständig die Browser-App zum Absturz bringt).

Und es gibt noch ein iPad 3, welches gerade, wegen gravierender Sicherheitslücken, auf iOS 9.3.5 aktualisiert werden musste. Jetzt fällt dieses Gerät im Sinne von “iOS 10” aus dem Update-Reigen raus. Da die beiden iPads bei mir persönlich nur für Buchprojekte im Bereich 50+ zum Einsatz kamen und jetzt quasi zum Alteisen gehören, kommt der Abschied. Ein neues iOS 10-fähiges Gerät von Apple werde ich mir nach aktueller Planung nicht mehr zulegen.

Bei den Macs war ich glücklicherweise so schlau, mir einen Kauf zu verkneifen. Es gab mal eine kurze Zeit, wo ich mit so einem Teil geliebäugelt habe – war vor dem iPad 1. Aber ein Besuch in einem Gravis-Laden mit Blick auf die Macs und deren bescheidene Aufrüstbarkeit ließen mich auf dem Absatz umkehren und den Laden fluchtartig verlassen. Das war im Nachhinein wohl auch gut so.

iPhone 7, die Kopfhörerbuchse und weiteres Bullshit-Bingo

Ich hätte wohl noch was zum iPhone 7 schreiben können. Aber was? Dass das Teil noch dünner, noch teurer und mit ohne Klinkenbuchse für Kopfhörer kommt? Dass Apple sich zwar als “green company” feiern lässt, jetzt aber mit Bluetooth-Kopfhörern (AirPods) raus kommt, deren Akkus nur eine Zeit lang halten? Über das Thema haben sich ja bereits viele Blogs und Tweets lustig gemacht. Gut, ich hätte noch schreiben können, dass man jetzt einen Adapter für 9 Euro (Schnäppchenpreis) am iPhone 7 braucht, um seinen Kopfhörer mit Klinke weiter verwenden zu können.

(Quelle: YouTube)

Habe ich nicht, denn ich lasse lieber Musiker zu Wort kommen und von diesen erläutern, was von diesem Ansatz zu halten ist. Einfach in obigem Video ab so Minute 51:30 reinhören mehr braucht man nicht zu zu sagen. Ach ja, eine Pressemitteilung von Belkin dümpelt hier auch noch herum – die haben doch glatt in enger Zusammenarbeit mit Apple einen zusätzlichen Adapter entwickelt. Kostet 40 Euro und schafft die Innovation, dass man dann am iPhone 7 gleichzeitig Musik hören und aufladen kann (O-Ton: Neuer Lightning Audio + Charge RockStar Adapter erlaubt Hören und Laden gleichzeitig) – das Billigteil von Apple für 9 Euro kann das nämlich nicht. Ein paar Gedanken zur totalen Kontrolle durch Apple findet sich hier bei Engadget. Da sind solche Geschichten wie hier nur das Tüpfelchen auf dem i. Für mich war das der Punkt, wo ich mir überlegt habe: “erblödest Du dich weiterhin, über diesen Schrott zu schreiben?”.

Apple teuer, skurril und auf Steuervermeidung bedacht


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Was aber letztendlich den Ausschlag gab, das Thema jetzt zu dumpen, ist die Steuervermeidungsstrategie von Apple. Ich hatte ja im Blog-Beitrag Zahlen bitte: Apple-Steuersparmodell kostet 13 Milliarden zum Thema berichtet. Apple scheffelt Milliarden in Europa, zahlte in Irland aber nur auf 0,005% seiner Gewinne Steuern. Irland will die 13 Milliarden Euro an Steuern nicht – und Apples Chef Tim Cook bezeichnet die EU-Entscheidung als “politischen Mist” und als Antiamerikanismus. Jetzt ist es nicht so, dass Irland extrem gut da steht, Europas-Steuerzahler haben, u.a. im Rahmen der Bankenrettung, Milliarden in das marode irische Bankensystem und zur Stützung der Wirtschaft gepumpt. Ein schöner Abriss der Sauerei findet sich bei Plusminus vom 7.9.2016. Jedenfalls war das der Punkt, an dem ich bezüglich Apple-Produktvorstellung jetzt persönlich die Reißleine ziehe.


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10 Antworten zu Warum es keine Apple-Show im Blog gab


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  2. Andreas Metzler sagt:

    +++

    kwT

  3. Nobody sagt:

    Das gesamte Geschäftsgebaren von Apple ist für mich nicht akzeptabel.
    Produkte von denen sind tabu.
    Grüße

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  5. Ralf sagt:

    Viele Grüße an Deine Frau, mir geht es genauso mit dem IPad1 :-))

    Wobei Sicherheitslücken ja irgendwie keinen zu interessieren scheinen. Oder warum kauft sonst jemand noch Android-Geräte. Da sieht es mit der Update-Versorgung ja noch magerer aus.

    Man müsste den Verkauf mit einem Art Rückstellungssystem (Pfandsystem) für die Hersteller so teuer machen, dass diese sich gezwungen sehen, die Geräte über einen längeren Zeitraum zumindest mit einem Art Mindestsystem zu versorgen, dass ständig noch mit Sicherheitsupdates versorgt wird. So wie eine Art Mietkaution (im Wohnungsmarkt), nur dass der Rückstellungs-Betrag sich immer weiter mit der Lebensdauer des Gerätes verringert.

    Ich bekomme keine Plastiktüten mehr, aber es werden Millionen an Smartphones produziert, die nach relativ geringer Lebensdauer als Elektroschrott die Umwelt belasten. Nicht nur durch die fehlenden Updates, sondern bereits durch die fest eingebauten Akkus.

    Aber selbst Microsoft hat ja vor kurzem etliche Geräte aus den Updates auf W10M gekegelt. Dabei wäre es eine Möglichkeit gewesen, sich mal von Apple oder Google abzuheben …

    • Martin Wirtz sagt:

      Meiner Ansicht nach müßten die Hersteller gezwungen werden, vor dem Kauf Angaben dazu zu machen, wie lange ein Gerät mit Softwareupdates versorgt wird. Diese müßten dazu gezwungen werden, dies groß und breit auf die Geräte zu schreiben. Dann würde sich das Problem ganz schnell von selbst lösen.

  6. Nils sagt:

    Naja, jetzt hast du doch einen riesen Artikel darüber geschrieben…. hat dich also doch irgendwie nicht in ruhe gelassen, das Thema ;-)

    • Immer Reibfläche ;-)

      Klar könnte ich den Sack Reis umstoßen und mich heimlich rausschleichen, damit keiner es merkt. Aber so funktioniert bloggen nicht. Irgendwann ist die Idee da “da läuft was schief oder passt nicht”. Und dann springt mir immer ein Artikel aus der Feder – manchmal kontrovers und selten Mainstream. Aber immer ein “Born” – mir fiel die Figur Grobi aus der Sesamstraße ein, der den Abgang immer mit einer bombigen Einlage schaffte – aber ist lange her, seit ich mit meinen Kids die Sesamstraße geschaut habe ;-).

  7. Christian sagt:

    Mist, was ich alles so verpasse!
    Ich, der mit bald 57 Jahren immer noch kein Handy hat!

    Ihr glaubt nicht, wie man(n)/Frau mich danach blöd anschaut, wenn ich,
    nach dem unfreiwillig auf der Post oder so versuchten Andrehen eines Handy-
    Schnäppchen-Abos sage, dass ich überhaupt kein Handy besitze!

    Die verstehen die Welt dann nicht mehr und fragen sich, wie man so
    überhaupt noch leben kann! “Der arme Mann, was muss DAS für ein
    Leben sein” sehe ich in den Gesichtern dann mitleidsvoll geschrieben
    stehen.

    Nun ja, aber vielleicht lebe ich gerade deswegen noch, weil ich nicht
    mit dem Handy vor dem Gesicht in ein Auto/Bus/Fahrrad/eine Strassen-
    bahn gelaufen oder mit dem Selfiestick retour über eine Klippe gestürzt
    bin. Wer weiss – wer weiss…

    Aber man KANN leben ohne Handy – wirklich – das geht sehr gut sogar.
    Aber wem sage ich das… (als letzte übrig geblieben Spezies dieser Art…seufz)

    Christian

    • Klar, kann man ohne Handy leben. Ich habe hier einige von den Dingern rumfliegen, die sind aber mit Pre-Paid-SIM und zu 99% der Zeit ausgeschaltet. Ach, ich vergaß: Nach dem Tod meiner Mutter habe ich mir ihr Seniorenhandy geangelt. Kann nur damit telefonieren, aber der Akku hält Tage, keine Sicherheitslücken in Android, kein Apple-Store Schnickschnack – und die alten Motorola T2288 aus 1999 halte ich auch in Ehren. Gelegentlich ist so was schon mal ganz nützlich ;-).

  8. Herr IngoW sagt:

    Top Artikel und erst das Video :-)

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  10. Martin Wirtz sagt:

    Guter Artikel. Das mußte mal ganz klar gesagt werden.

    Da kann man nur hoffen, das viele diesen Artikel lesen und daraus ihre Konsequenzen ziehen.

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