Kein Linux auf Lenovo Yoga

Nutzer eines US-Lenovo Yoga müssen verblüfft feststellen, dass die Installation von Linux generell nicht möglich ist. Die betroffenen Unternehmen, Lenovo und Microsoft beeilen sich zu versichern, dass das nicht “absichtlich” passiert sei.


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Es ist immer die gleiche Scheiße, Du kaufst ein Gerät von OEM abc und bekommst das mit Windows 10 sowie viel Bloatware aufs Auge gedrückt. Wer dann versucht, auf Windows 7 zurückzugehen, stellt fest, dass es am Treibersupport durch den Hersteller hapert. Und jetzt gibt es den Hinweis, dass sich bei Lenovos Yoga-Geräten für den US-Markt Linux nicht installieren lässt. Bei reddit.com findet sich dieser Thread zum Thema. Der Aufreger ist wohl das folgende (falsche) Zitat eines Lenovo Produkt-Experten:

Lenovo Product Expert September 20, 2016

This system has a Signature Edition of Windows 10 Home installed. It is locked per our agreement with Microsoft.

This is related to the discussion going on Lenovo’s forum’s about why the SSD is locked in a proprietary RAID mode that Linux doesn’t understand. Laptops known to be affected include the Yoga 900 ISK2, Yoga 900S, and Yoga 710S, which all have the same issue according to posts I’ve read on Lenovo’s Linux forum. I was also told in a PM that the 13ISK for Business has the same issue.

Bei den “Signatur Editionen” handelt es sich wohl um Geräte, die weitgehend sauber von Bloatware der Hersteller sind, aber mit Windows 10 Home Edition (gelegentlich als Malware bezeichnet) ausgeliefert werden. Diese Geräte sind wohl nur in den USA erhältlich. Laut obiger (falschen) Aussage, verbietet eine Vereinbarung mit Microsoft die Installation von Linux.

Ein Lenovo-Sprecher hat gegenüber The Register die obige Aussage des “Lenovo Spezialisten” dementiert und verneint, dass man Linux absichtlich blockiert.

Auch der Entwickler Matthew Garrett (in der Secure-Boot-Unterstützung für Linux involviert) geht in diesem Blog-Post auf das Thema ein. Es ist wohl weniger ein “blockieren” durch Lenovo und Microsoft, sondern eine fehlende Unterstützung des Storage-Adapter moderner Intel-Chips durch den Linux Bootlader. Intel hat wohl keinen Treiber mitgeliefert, um den Chip im RAID-Modus als Einzelplatte anzusprechen. Und eine UEFI-Option, um den Controller auf AHCI umzustellen, gibt es nicht. Bei heise.de hat man hier die Geschichte ganz gut aufbereitet und weitere Fragen aufgeworfen.

Unter dem Strich: Wie es ausschaut, sind die Geräte von Lenovo mal wieder so zusammen gefrickelt worden, dass zwar Windows 10 Home Edition, nicht aber eine Linux-Distribution auf dem Gerät läuft. Lenovo hat bis jetzt, außer dem Dementi, dass man nichts absichtlich blocke, wenig zur Aufklärung des Sachverhalts beigetragen. Und es ist nicht das erste Mal, dass Lenovo unangenehm auffällt (dieser Kommentar spricht auch Bände).

Wie es aussieht, betrifft es nur Geräte in den USA und Mexiko (siehe auch diesen Kommentar)! Wirft ein Schlaglicht auf das, was uns mit CETA und TTIP blüht. Interessant ist auch dieser Nutzerkommentar bei heise.de, dass man nur das Lenovo ISO-Image von Windows 10 installieren kann. Da hilft nur eine Abstimmung mit den Füßen. Für mich heißt das: Finger weg von dem Lenovo Zeugs (wie es bei Medion als Lenovo-Tochter ausschaut, kann ich z.Z. nicht beurteilen).

Wer auf Linux will, muss sich eine Hardware aussuchen, die ohne Windows (z.B. mit FreeDOS) ausgeliefert oder für Linux-geeignet beworben wird. Und was in meine Augen auch doof ist: In aktuellen Linux-Distributionen kicken die Maintainer den Support für ältere Hardware. Also ist man mal wieder dabei, sich selbst zu entmannen – oder wie seht ihr das?


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Nachtrag: Ein BIOS-Update behebt das Problem, siehe BIOS-Upgrade ermöglicht Linux auf dem Lenovo Yoga


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5 Antworten zu Kein Linux auf Lenovo Yoga


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  2. Holger K. sagt:

    Bezogen auf den PC-Markt, könnte schon etwas dran sein, dass Microsoft mit Intel, den Hardwareanbietern und OEMs zusammen daran arbeitet, Linux von moderner Hardware auszuschließen (siehe TPM 2.0 und Secure Boot, beides kann dazu benutzt werden).

    Linux ist das einzige Betriebssystem, dass einigermaßen Microsoft Konkurrenz machen kann, allerdings weniger auf dem Desktop als eher im Servermarkt. MacOS ist an Apple-Hardware gebunden und Apple ist und bliebt ein Nischenanbieter. Ich gehöre nicht zu den Anhängern von Verschwörungstheorien, aber jedes gewinnorientierte Unternehmen hat nun einmal, wenn es im Markt etabliert ist, das Erreichen des Monopols als Ziel bzw. das Halten desselben.

    Das Linux-Distro-Maintainer nun den Support für ältere Hardware einstellen oder einstellen wollen, ist dann nur noch “a shoot in the foot”.

    Wer die Hardware kontrolliert, kontrolliert auch die Software.

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  4. Sven Fischer sagt:

    Ist für mich ein absolutes NoGo.
    Wenn ich auf ein Notebook, oder bei einem PC kein Linux installieren kann, fliegt das Geraffel raus. Ende.
    Ich ich bin zwar kein “Linux Fanatiker”, aber das OS ist bei mir zu einem wichtigen Teil des Lebens geworden.

    Grüße und schönes WE

  5. Al CiD sagt:

    “In aktuellen Linux-Distributionen kicken die Maintainer den Support für ältere Hardware.” – naja…
    Also, im Prinzip wird bei EINIGEN Distros der Support für (Ur-)alte Hardware entfernt, da sich der Entwicklungsaufwand halt nicht mehr rechtfertigt… die meisten Entwickler arbeiten für kleines oder gar kein Geld.
    Der Support wird für den 386er/486er Befehlssatz gestrichen, also Hardware aus dem frühen Heim-PC-Zeitalter…
    Weiterhin wird bei einigen Distros die Unterstützung für die reine 32Bit-Plattform im x86-Bereich gestrichen, also Intel-kompatible 32Bit-CPUs, die auch schon seit ca. 15 Jahren nicht/kaum mehr verkauft werden… in dieser Branche eine halbe Ewigkeit.
    .
    ABER, es ist ja Linux und hier hat man die Wahl… man kann für ältere Hardware einen älteren LTS Kernel nehmen und gut ist oder eines der vielen aktiven Distros installieren, die teilweise sogar noch auf einem Pentium MMX und 64MB Ram arbeiten…
    LINUX sei Dank ;-)

    Was Lenovo und die Machenschaften angeht:
    Der Markt wird es regeln, so oder so… Wenn Lenovo und Konsorten meinen solche Aktionen zu starten OHNE diese eindeutig zu kommunizieren wird sich meines Erachtens der Marktanteil wohl anpassen.

  6. deo sagt:

    Es ist nicht nur, dass ein Monopol gehalten werden soll, sondern dass die großen Unternehmen, wie finsteren Mittelalter einer Feudalherschaft gleichen, die keinem Rechenschaft schuldig sind und sich auch nicht mehr der staatlichen Gewalt beugen und dem Rechtsstaat den Stinkefinger zeigen.

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